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28.08.1987 - 

Heidrick and Struggles: So machen Techniker Karriere

Ingenieure rackern sich in die Führungsetagen hoch

MÜNCHEN (CW) - Die Karriere-Entwicklung von mehr als 500 Top-Ingenieuren in der Bundesrepublik hat das Beratungsunternehmen Heidrick and Struggles International Inc. unter die Lupe genommen. Nicht wenige von ihnen sind inzwischen in höchste Führungspositionen aufgestiegen. Ziel der Studie war zum einen, Karrierefaktoren herauszuarbeiten, und zum anderen ehrgeizigen jüngeren Ingenieuren zu zeigen, wo die "Geheimnisse" des Erfolges liegen.

Ihre Vorbilder sind markante Größen für Präsentation und Innovation aus den Top-Etagen: Werner Breitschwerdt von Daimler-Benz, inzwischen jedoch nicht mehr im Glanz seiner Position, und der relativ früh verstorbene Heinz Nixdorf stehen an der Spitze. Es folgen Namen wie Carl Hahn von VW, Siemens, Borgward, Bölkow und Dornier. Die Ingenieure selber zählen indes eher zu den weniger spektakulären Zeitgenossen, die sich ihrer Bedeutung für die Wirtschaft nur wenig bewußt sind. Geringes Interesse und begrenzte Begeisterung entwickeln viele von ihnen auch für die Planung einer eigenen Berufskarriere. Um Ingenieuren und Unternehmen Orientierungshilfen zu geben, haben die Düsseldorfer Marktforscher die empirische Studie "Karierre-Ingenieure in Deutschland 1987" durchgeführt. Sie basiert auf der Auswertung von 534 Fragebögen.

Determinanten der Berufskarriere von Ingenieuren sind Fleiß, harte Arbeit, verbunden mit dem Quentchen Glück. Anscheinend spielt aber vor allem das "Über-den-Ingenieur-Zaun-Sehen" für den Erfolg eine große Rolle. Auf die Frage, warum gerade der Befragte und nicht die vielen Fachkollegen eine Top-Position erreicht habe, wurde geantwortet (Mehrfachnennung möglich):

Es fällt auf, daß bessere Fachkenntnisse im ingenieurspezifischen Bereich kaum eine Rolle spielen.

Bei der Frage nach der Ausbildung stellte sich heraus, daß etwa je die Hälfte der Teilnehmer Fachhochschulen und wissenschaftliche Hochschulen besucht hatte. Im Vorstands- und Geschäftsleitungsbereich stellt die Studie ein Übergewicht an Universitätsabschlüssen und Promovierten fest, während sich dies auf niedrigeren Ebenen genau umkehrt. Die Studienfachrichtung ist auf klassische Ingenieur-Disziplinen ausgerichtet, während moderne Fächer noch eher selten sind:

Heidrick and Struggles war in seiner Untersuchung auch daran interessiert, welche persönlichen Eigenschaften für die Karriere förderlich waren (Mehrfachnennung möglich):

Bei dem Komplex Weiterbildung wurde nach der Häufigkeit der unternehmensinternen und -externen Qualifizierung gefragt, differenziert in "fachlich" und "persönlich". Generell haben 95 Prozent der Befragten sich in irgendeiner Form weitergebildet, wobei die externe fachliche Weiterbildung (48,3 Prozent) einen Schwerpunkt bildet. Als Karrierefaktor spielt die Weiterbildung eine große Rolle: 48,6 Prozent der Befragten halten sie für sehr wichtig, 46,1 Prozent für wichtig.

Um die Bedeutung bestimmter Motive für die Karriere herauszufinden, hat das Beratungsunternehmen den Befragten sieben Alternativen als mögliche Anreize für einen Positionswechsel sowohl im Unternehmen als auch zu einen, anderen Unternehmen vorgeben. Weiterhin wurde gefragt, wie die Einschätzung bei frühere Positionwechsel war und wie sie zum heutigen Zeitpunkt ist (Mehrfachnennung möglich).

Auffallend ist, daß für erfolgreiche Technik-Manager eine weitere Steigerung des Einkommen bei einem Wechsel an Wert verliert, die Bedeutung interessanterer. Produkte und Märkte sowie der leitenden Personen dagegen deutlich als wichtiger betrachtet wird.

Auch die typischen Karriereverläufe bei Ingenieuren nahm Heidrick and Struggles unter die Lupe. Betrachtet man zunächst den quantitativen Aspekt, nämlich die Anzahl unterschiedlicher beruflicher Stationen -, die Ingenieure bis zum Erreichen der Ebene Geschäftsführung/Vorstand hinter sich bringen müssen, ergibt sich folgendes Bild: Demnach haben 24 Prozent der Karriere-Ingenieure eine Position auf oberster Ebene in vier beruflichen Schritten erreicht. Nur 3,4 Prozent der Teilnehmer sind im vierten Schritt noch Sachbearbeiter/Gruppenleister/Assistent, während es 51,1 Prozent schon zum Bereichsleiter/Direktor/Hauptabteilungsleiter gebracht hatten. Die meiste der erfolgreichen Ingenieure starten ihre berufliche Laufbahn in einer Position im Entwicklungs- und Konstruktionsbereich (42,8 Prozent) als Konstrukteur, Projektingenieur oder Kommissionsführer. Ein weiteres Fünftel (20,7 Prozent) hat seinen Aufstieg im Produktionsbereich als Betriebsingenieur, Industrial Engineer, Arbeitsvorbereiter, Prüffeld- oder Montage-Ingenieur begonnen.

An der wöchentlichen Arbeitszeit der Karriere-Ingenieure zeigten die Düsseldorfer Marktforscher ebenfalls Interesse. Sie beträgt durchschnittlich knapp 54 Stunden für alle Befragten, Nahezu sieben Prozent geben sogar an, über 60 Stunden pro Woche zu arbeiten, während nur ein Zehntel mit 45 Stunden oder weniger auskommt. Die zeitliche Belastung steigt mit der Hierarchiehöhe der Position, aber auch im mittleren Management ist überdurchschnittlicher Einsatz üblich.

Neben der hohen Zahl an Wochenstunden leiden die Teilnehmer der Untersuchung auch unter der großen Belastung durch Alltagsroutine und Reisen. Wenn man von der These ausgeht, schreiben die Düsseldorfer Berater, daß Führungskräfte innovativ, strategisch und weitblickend agieren müssen, sollte prinzipiell dafür gesorgt werden, ihnen möglichst viel Freiraum und -zeit dafür zu schaffen. Die Erfahrung der Karriere-Ingenieure zeigen aber eher das Gegenteil. Durchschnittlich ziemlich genau zwei Drittel (66,3 Prozent) ihrer Zeit sind bei ihnen Alltagsgeschäft, während nur etwa ein Drittel (33,7 Prozent) darüber hinausgeht. Weiterhin sind 66,7 Prozent der Teilnehmer der Ansicht, daß sie Routinearbeiten zu sehr beanspruchen.

Schließlich wurden die Teilnehmer noch gebeten, den jüngeren Ingenieuren, die Karriere machen wollen, einen kurzgefaßten Rat zu geben. Neben den weitgehend zu erwartenden Empfehlungen der hohen Leistungsbereitschaft, dem "Überden-Ingenieur-Zaun-Sehen" und intensiver Weiterbildung, haben immerhin fast zehn Prozent zu einer zielstrebigen Karriereplanung geraten. Weiterhin sind menschliche Aspekte und offene Kommunikation nach Ansicht der Teilnehmer Hilfsmittel für die Karriere. Nur eine kleine Minderheit der Teilnehmer (weniger als 0,5 Prozent) war im übrigen der Meinung, daß Karriere sich nicht lohne, und riet einfach kategorisch davon ab. Hier einige wichtige Empfehlungen:

Zur Struktur der Teilnehmer dieser Untersuchung stellte sich heraus, daß der durchschnittliche Karriere-Ingenieur 48 Jahre alt ist. Die Spannweite ging dabei von einem Teilnehmer im Alter von 26 Jahren bis zu zwei älteren Herren mit 85 Jahren (Geschäftsführende Gesellschafter des eigenen Unternehmens). Vorstand oder Geschäftsführer wird man laut Studie erst im fortgeschrittenen Alter, da 88,6 Prozent der Vorstände und 72,9 Prozent der Geschäftsführer älter als 50 Jahre sind. Unter den 534 Befragten war nur eine Frau. Sie ist geschäftsführende Gesellschafterin des eigenen Unternehmens. Der durchschnittliche Teilnehmer hatte im Jahre 1986 ein Bruttoeinkommen von 197650 Mark ohne Nebenleistungen wie Auto oder Versicherungen.

Ein großer Anteil von rund 30 Prozent der Vorstände verdient über 450000 Mark. Der Schwerpunkt der Geschäftsführer (51 Prozent) bezieht ein Einkommen zwischen 150000 und 250000 Mark, während Hauptabteilungsleiter zu über zwei Drittel zwischen 100000 und 150000 Mark erhalten.

Typisches technisches Vorstandsmitglied im Mittelunternehmen

- 46 Jahre, verheiratet, 2 Kinder

- Dipl.-Ing. TU Berlin; Dr.Ing.

- ist seit 15 Jahren berufstätig und ebenso lange im jetzigen Unternehmen, seit einem Jahr Geschäftsführer/Vorstand in diesem deutschen Produktionsunternehmen mit ca. 1500 Mitarbeitern und einem Umsatz zwischen DM 150 Mio. und DM 200 Mio.

- hat 3 Geschäftsführer-Kollegen, davon 2 mit Ingenieurausbildung

- ist 1mal innerhalb Deutschlands und 1mal in die USA umgezogen

- spricht fließend Englisch und gut Französisch

- verdient ca. DM 250000 p.a.

- arbeitet ca. 55 Stunden pro Woche und nimmt 32 Urlaubstage wahr

- hat folgende 4 Karriereschritte gemacht:

1. Entwicklungsingenieur

2. stv. Geschäftsführer

3. Geschäftsführer

4. Vorstand,

- hat sich häufig weitergebildet

- glaubt, durch Glück Karriere gemacht zu haben

Typischer Technik-Geschäftsführer

- 49 Jahre, verh., 3 Kinder

- Dip.-Ing. TH München; Dr.Ing. ist seit 24 Jahren berufstätig, seit 5 Jahren im jetzigen Unternehmen und seit 4 Jahren Geschäftsführer dieses deutschen Produktionsunternehmens mit 2000 Mitarbeitern und ca. DM 200 Mio. Umsatz

- ist zuständig für Produktion, Konstruktion, F+E und Vertrieb, hat einen Geschäftsführer-Kollegen (Kaufmann)

- ist 4mal in Deutschland und 1mal in die USA umgezogen

- spricht fließend Englisch und gut Spanisch

- verdient ca. DM 300000 p.a. und erzielte bei Erreichen seiner jetzigen Position einen Gehaltszuwachs von ca. 35%

- arbeitet ca. 55 Stunden pro Woche und nimmt 20 seiner 30 Urlaubstage wahr

- hat folgende 5 Karriereschritte gemacht:

1. Entwicklungsingenieur

2. Trainee

3. Produktionsleiter

4. Bereichsleiter Zentrale Steuerung aller Werke

5. Geschäftsführer

- hat sich sowohl fachlich als auch persönlich weitergebildet

- glaubt, durch "über-den-Ingenieur-Zaun-sehen" und Glück so weit gekommen zu sein.

Die Studie "Karriere-Ingenieure in Deutschland 1987" ist gegen eine Schutzgebühr von 25 Mark bei Heidrick and Struggles International Ing., Grünstraße 8, 4000 Düsseldorf 1, zu erhalten.