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25.08.2000 - 

Auch 1999 unbefriedigende Ertragslage

Ingram Macrotron: Der Rekordjagd bei Umsätzen folgt eine Atempause

MÜNCHEN - Nach dem starken Umsatzanstieg des Vorjahres machte sich bei der Ingram Macrotron AG in den zurückliegenden Monaten eine deutliche Atempause bemerkbar. Zudem kann der Münchner IT-Grossist - wie bereits auch im Vorjahr - mit der weiteren Gewinnentwicklung nicht zufrieden sein. Von Andrea Goder*

Nach den Worten von Vorstandschef Michael Kaack wurde Ingram Macrotron im zurückliegenden Jahr mit den bislang "größten Herausforderungen seit Bestehen des Unternehmens" konfrontiert. "Wir wollten dieses starke Umsatzwachstum nicht", räumte der Konzernchef auf der Bilanzpressekonferenz in München freimütig ein. Auf 4,8 Milliarden Mark schnellten die Einnahmen im Geschäftsjahr 1999 hoch - ein Plus von rund 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr (3,2 Milliarden Mark).

Am stärksten konnte von dem Schub die Distributionsgesellschaft in Deutschland profitieren, die um 60 Prozent zulegte und damit insgesamt 80 Prozent vom Gesamtumsatz erwirtschaftete. Die mit über 50 Prozent höchsten Zuwachsraten verzeichnete der IT-Distributor vor allem bei Brand-Produkten, etwa Netzwerke, Multimedia, Drucker oder Scanner. Stagnierend bis rückläufig entwickelte sich dagegen der Absatz von Prozessoren, Grafikkarten und Produkten, die unter eigenem Label vermarktet werden.

Für den außergewöhnlichen Verlauf des Geschäftsjahres 1999 gibt es laut Kaack mehrere Gründe. In den Zahlen sind zunächst "übergeleitete Umsätze" der Ingram Micro Deutschland GmbH, der nach wie vor selbständig operierenden deutschen Tochter von Ingram Micro, enthalten. Kaack zufolge übernahm Macrotron Produkte, Kunden und zum Teil auch Mitarbeiter des deutschen Tochterunternehmen. Entscheidender dürfte für die Münchner allerdings gewesen sein, dass mit dem Konkurs der CHS GmbH, einem der größten Wettbewerber in Deutschland, Marktanteile quasi auf der Straße lagen.

Trotz dieser begünstigenden Prämissen blieb die bis Ende des Jahres auf über 1500 Mitarbeiter angewachsene Distributionsgesellschaft wie auch in den Vorjahren vom harten Wettbewerb und einem stetigen Margenverfall nicht verschont. Nach der Umstellung vom Geschäftsjahr auf das Kalenderjahr wies der Ingram-Macrotron-Konzern für 1999 ein Vorsteuerergebnis von 4,4 Millionen Mark aus (1997/98: 11,4 Millionen Mark). Der Jahresfehlbetrag lag mit 300000 Mark unter dem Wert des Vorjahres, wobei Kaack hier keine Vergleichszahl nannte.

Noch nicht zufrieden kann der Vorstandschef auch mit den Ergebnissen einzelner Tochterunternehmen sein, so zum Beispiel der österreichischen Ingram Macrotron oder der Macrotron Process Technologies GmbH - beide Unternehmen schrieben zuletzt rote Zahlen. Belastend auf das Ergebnis wirkten sich laut Kaack zudem umfassende Restrukturierungsmaßnahmen aus. Parallel dazu wurden 70 Millionen Mark in ein neues Logistikzentrum in Straubing investiert.

Nach dem Rekordumsatz des Vorjahres wurde Ingram Macrotron mittlerweile wieder vom schwierigen Alltag im Distributions-Business eingeholt. "Das Jahr 2000 steht für Macrotron unter dem Zeichen der Konsolidierung. Es ist weder mit deutlichen Umsatz- noch Ertragssteigerungen zu rechnen", warnte er vor übertriebenen Erwartungen. Im ersten Halbjahr 2000 verzeichneten die Münchner gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum ein Umsatzplus von 22 Prozent auf 2,6 Milliarden Mark. "Das dritte Quartal lief bis jetzt unerwartet schwach", musste Kaack weiter zugeben, der für das Gesamtjahr 2000 mit einem Plus von 30 Prozent rechnet.

Internet-Geschäft drückt die MargenMehr als in anderen IT-Bereichen ist insbesondere im Distributionsgeschäft das Umsatzwachstum stark vom Preisverfall abhängig. Kaack betonte, dass durch das Internet eine starke Preistransparenz möglich wurde, die zudem auf die Margen drücke. Forciert werde bei den Münchnern deshalb der Ausbau des Geschäftsbereichs Logistik. "Der Wandel vom IT-Großhändler zum Logistikdienstleister ist bereits im Gang", erklärte Kaack.

Keine Entwarnung konnte der Vorstandschef allerdings für die kurzfristige Ertragsentwicklung geben. Ingram Macrotron, 1998 von dem mit 29 Milliarden Dollar Umsatz (1999) weltweit führenden US-Grossisten Ingram Micro aufgekauft, wird laut Business-Plan vermutlich auch für das Gesamtjahr 2000 mit einem schwachen Ergebnis aufwarten. Ab 2001 will Kaack dann die Gewinne "deutlich steigern". Bis dahin dürfte der Druck des US-Riesen auf die deutsche Distributionsgesellschaft allerdings weiter zunehmen.*Andrea Goder ist freie Journalistin in München.