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31.08.2001 - 

Stabile Geschäftsentwicklung nach Umstrukturierung

Ingram Macrotron sieht sich als Logistiker

MÜNCHEN (CW) - Nach einem unbefriedigenden Vorjahr kehrte der IT-Grossist Ingram Macrotron im Geschäftsjahr 2000 auf den Erfolgspfad zurück. Trotz Anlaufproblemen gelang es dem Konzern, den Umsatz um über 16 Prozent auf 5,6 Milliarden Mark zu steigern. Gleichzeitig stieg das Vorsteuerergebnis mit 16 Millionen Mark auf fast den vierfachen Wert von 1999.

Das Geschäftsjahr 2000 stand bei dem Dornacher IT-Grossisten unter dem Motto Umstrukturierung und Konsolidierung der Logistik-Infrastruktur. Um in Anbetracht der steigenden Anzahl kleinerer Aufträge rentabel zu wirtschaften, hielt Ingram Macrotron eine Automatisierung der Versandsysteme für erforderlich, die der Konzern in Form eines neuen modernen Zentrallagers in Straubing realisieren wollte. Angesichts dieser Aufgabe hatte Vorstandsvorsitzender Michael Kaack vor ziemlich genau einem Jahr vor übertriebenen Erwartungen gewarnt und erst ab 2001 eine deutliche Gewinnsteigerung prophezeit. Diese Skepsis erwies sich jetzt allerdings nach der Bekanntgabe der Bilanz 2000 als nicht gerechtfertigt.

Abstand zu Tech Data gewahrtDennoch gelang es dem Unternehmen nicht, das gewünschte Umsatzplus von 30 Prozent gegenüber dem Jahr 1999 zu erreichen. Der Konzern erwirtschaftete über 16 Prozent Zuwachs und brachte es damit auf 5,6 Milliarden Mark Umsatz, fast eine Milliarde Mark über den Einnahmen des nächsten deutschen Konkurrenten Tech Data/Computer 2000. Allerdings drückten die gegenüber dem Vorjahr um 18,5 Prozent gestiegenen Kosten die Gewinn-Marge, da parallel zum neuen Logistikzentrum in Straubing die alten Lager mitbetrieben wurden und zeitweilig eine Personaldoppelbesetzung erforderten. Beim Vorsteuerergebnis kam Ingram Macrotron auf 16 Millionen (1999: 4,4 Millionen) Mark.

Den größten Beitrag zum Konzernumsatz lieferte die Distributions GmbH Deutschland mit 4,4 Milliarden Mark Einnahmen, was einer Steigerung um neun Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Im Segment Marken-PCs, Netzprodukten und Monitoren erzielte die Konzerntochter Wachstumsraten von über 40 Prozent, während der Verkauf von Komponenten eher verhalten bis rückläufig lief. Laut Vorstandschef Michael Kaack verhinderte dabei die Konsolidierung des neuen Logistikzentrums in der ersten Jahreshälfte ein höheres Wachstum, da es zeitweilig zu Verzögerungen bei der Auslieferung von Waren kam.

Die Auslandsaktivitäten trugen insgesamt 31,3 Prozent zum Vertriebsgeschäft bei. So gelang es beispielsweise der österreichischen Distributionstochter unter anderem mit Hilfe eines neuen Call-Centers sowie der Einführung eines Online-Bestellsystems, den Umsatz um 59 Prozent zu steigern und gegenüber dem verlustreichen Vorjahr den Turn-around zu schaffen. Für die Zukunft verspricht die Aussicht auf Synergien mit der deutschen Distributionsschwester weiterhin Erfolg: Dank der relativen Nähe zum niederbayrischen Hauptlager kann Ingram Macrotron auch Produkte liefern, die in Österreich nicht vertrieben werden, hieß es.

Obwohl der Geschäftsbereich Fertigungssysteme im vergangenen Jahr durch hohe Umsatzsteigerungen glänzte, bereitet er dem Konzern langfristig Probleme. Macrotron Systems, Ausrüster für die europäische Halbleiterindustrie, erzielte 2000 bedingt durch die seinerzeit vor allem im Mobilfunkbereich sehr hohe Investitionsbereitschaft eine Umsatzsteigerung von 100 Prozent. Allerdings zeichnen sich am Horizont Schwierigkeiten ab: Für das starke Wachstum zeichnete nämlich vorrangig der japanische Hersteller Dainippon Screen verantwortlich. Dass dieser ab Anfang 2002 einen eigenen Vertrieb aufnehmen will, dürfte angesichts der noch anhaltenden Flaute auf dem Chip-Sektor aber nicht das einzige Problem sein. Dem anderen Sorgenkind, Macrotron Process Technologies GmbH, gelang es nach tiefroten Zahlen im Vorjahr, den Umsatz um 50 Prozent zu steigern und die Verluste zu halbieren. Die Gesellschaft benötigt aber weitere Investitionen, um die Erträge zu verbessern. Da der Bereich Fertigungssysteme ohnehin nicht zur strategischen Ausrichtung als IT-Großhändler passt, versucht Ingram Macrotron, die beiden Firmen zu einem guten Preis abzustoßen.

Rolle als Outsourcing-PartnerNach Investitionen von fast 80 Millionen Mark sieht der IT-Großhändler den Bedarf für die kommenden Jahre gedeckt und besitzt in dem Logistikzenter, das zu Boom-Zeiten gebaut wurde, noch Kapazitäten. In der Zukunft wolle man sich, wie Vorstandschef Kaack betonte, verstärkt vom reinen Distributor in Richtung "verlängerter Arm der Hersteller" entwickeln und als Outsourcing-Partner den für diese unrentablen Versand von Kleinmengen übernehmen.

Für das laufende Geschäftsjahr prognostizierte Kaack Wachstumsraten, die knapp über denen des Vorjahr liegen. Laut Kaack hat das Unternehmen diese Vorgaben bis jetzt eingehalten, eine potenzielle Gefahr droht seiner Ansicht nach nur, wenn die bisherigen Auftragseingänge in der zweiten Jahreshälfte ausbleiben. Als aktuelles Problem - nicht nur für den Distributionsmarkt - sieht der Vorstandsvorsitzende die anhaltende Marktsättigung, die sich bereits ab dem vierten Quartal 2000 abzeichnete. Außerdem erkennt er "derzeit keine innovativen Produkte", die für eine Marktbelebung sorgen könnten.