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24.01.1992 - 

Unbundling zugunsten einheitlicher Release-Stände

Ingres-Datenbank ist nicht mehr in Open Desktop integriert

Frankfurt (CW) - Die Open-Desktop-Kunden der Santa Cruz Operation (SCO) müssen künftig auf die Ingres-Datenbank als Dreingabe verzichten. Ingres und SCO haben sich eigenen Angaben zufolge einvernehmlich auf eine Trennung ihrer beiden Produkte geeinigt. Der Grund: Das Bundling habe die gleichzeitige Freigabe neuer Ingres-Versionen für DOS-, VMS- und Unix-Plattformen verhindert.

Wegen des komplexen Bundlings mit SCO Unix System V, OSF/Motif, Netzwerkdiensten und DOS-Emulation hinkte der Ingres-Server zumeist ein bis zwei Versionsnummern hinter der aktuellen Datenbankversion her.

Mit der Produktstrategie nicht mehr vereinbar

Für SCO kam es nicht in Frage, immer dann den Release-Stand von Open Desktop zu aktualisieren, wenn Ingres sein DB-Produkt dafür auf den neuesten Stand gebracht hatte.

"Dies ist mit unserer heutigen Produktstrategie, die die simultane Verfügbarkeit neuer Client- und Server-Software auf allen strategischen Plattformen vorsieht, nicht mehr vereinbar", versucht

Ingres-Geschäftsführer Peter Lewi zu erklären, warum die Trennung einvernehmlich über die Bühne ging. Der Beschluß betreffe nicht nur den Datenbankserver, sondern gelte auch für die Produkte "Star" für verteiltes Datenbank-Management, "Windows 4GL", "Vision Pro", Gateways und weitere Entwicklungswerkzeuge.

Mit dem Unbundling verliert Ingres einen komfortablen Distributionskanal. Etwa 20000mal ist der Datenbank-Server seit 1988 mit Open Desktop weltweit ausgeliefert werden, etwa zur Hälfte davon in Europa. Damals, ohne eigene Aktivitäten in der PC-Unix-Welt, war das Bundling laut Peter Lewi "ideal, um einen guten Einstieg im PC-Bereich zu bekommen". SCO erhielt die Ingres-Rechte nämlich zum Dumping-Preis.

Die Dreingabe hat die eigenen Aktivitäten der Firma Ingres behindert. Komplett fanden Käufer von Open Desktop das Datenbanksystem Ingres ohnehin nicht vor; integriert war der Server, während Client-Tools wie Ingres/Windows 4GL und Vision Pro nicht mitgeliefert wurden.

Als "erheblicher Faktor im Markt der vernetzten Personal Computer" hält Lewi es für einen "logischen Schritt, eigene Wege im PC-Bereich zu gehen".

"Der Anwender ist mündiger geworden'"

Ingres steht in Verhandlungen mit Distributoren. Open Desktop-Anwendern, die weiterhin Ingres nutzen wollen, bietet das Unternehmen eine Übernahme der Lizenzverträge.

Die Aufhebung des Bundling bedeute nicht das Ende einer Partnerschaft; auch weiterhin wollen SCO und Ingres bezüglich Open Desktop zusammenarbeiten. Die etwa ab April 1992 verfügbare neue Version 1.1 der Anwendungsumgebung soll, da sie die Ingres-eigene "Global Communications Architecture" direkt adressiert, diesem Datenbank-Server Geschwindigkeitsvorteile gegenüber Konkurrenzprodukten einräumen.

Die Trennung von dem Datenbankspezialisten beschert mehr Möglichkeiten zur Zusammenarbeit mit anderen. In der Vergangenheit hatten sich vor allem Informix und Oracle beklagt, durch Bundling werde Ingres bevorteilt.

Jesse Young, Geschäftsführer der deutschen SCO-Tochter, äußerte zu diesem Thema: "Der Anwender ist mündiger geworden.

Er will sich im Zeitalter der offenen Systeme aktiv für ein bestimmtes Datenbanksystem entscheiden und es nicht nur deshalb nutzen, weil es Bestandteil eines Produkt-Bundles ist."