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11.11.2005

Ingres: Mehr Erfolg durch Unabhängigkeit?

Computer Associates entlässt seine Open-Source-Datenbank in die Selbständigkeit.

Die Investment-Gesellschaft Garnett & Helfrich Capital hat das relationale Datenbank-Management-System "Ingres" von Computer Associates (CA) gekauft und zu einem selbständigen Unternehmen gemacht. An dieser Ingres Corp. hält CA nur noch eine Minderheitsbeteiligung, im Verwaltungsrat ist der Softwarekonzern lediglich mit einem Sitz vertreten. "Im CA-Portfolio von mehr als 1200 Produkten konnte man leicht untergehen", lässt sich Emma McGrattan, die beim neuen Unternehmen die technische Weiterentwicklung leitende Managerin, vernehmen. "Dem gegenüber konzentrieren wir uns jetzt auf ein sehr eng umrissenes Produktset", begründet sie ihre Hoffnungen.

McGratten ist ein Ingres-Oldie. Sie war schon dabei, als die vor rund 30 Jahren an der kalifornischen Universität Berkeley entwickelte Datenbank mit dem Kauf der ASK Group 1994 in den Besitz von CA wechselte. Auch weitere Namen im Ingres-Boot lassen aufhorchen: Wichtigster Partner für McGratten wird ein einstiger leitender Oracle-Manager, Dave Dargo, als Chefstratege und Chief Technology Officer. Ebenfalls eine Oracle- sowie eine Peoplesoft-Karriere hat Andy Albritten hinter sich, der bei Ingres Support und Services leiten wird. Marketing-Chef wird Dev Mukherjee, zuletzt bei Microsoft in der gleichen Position für den Bereich Windows Server System. Über allen thront als Interims-Chef und Aufsichtsratsvorsitzender Terry Garnett, Gründer des Ingres-Investors und einst im Oracle-Marketing die rechte Hand von Larry Ellison.

Neue Lizenzformen gesucht

Das Leitungsgremium will die Ausrichtung von Ingres nicht wesentlich ändern. Die Datenbank soll weiter Open Source bleiben, Ingres Corp. will ergo mit Support und Services Geld verdienen. Rund 100 Mitarbeiter wechseln von CA zum neuen Anbieter, 50 weitere sollen in Kürze hinzukommen.

Aus der neuen Geschäftsleitung verlauten aber Hinweise auf eine Änderung des Lizenzmodells. Bisher gibt es das RDBMS unter der Lizenz CA Trusted Open Source License (CA-TOSL). Ingres Corp. möchte laut Manager Dargo zu einer anderen, verbreiteteren Open-Source-Lizenz wechseln, hat aber noch keine Entscheidung getroffen. Ungeklärt ist bisher auch, was mit zwei wesentlichen Ingres-Techniken geschehen soll, die nie unter die CA-TOSL gestellt wurden, weil sie geistiges Eigentum anderer Unternehmen berühren. Das betrifft die Gateways zu Fremddatenbanken insbesondere aus dem Mainframe-Segment und das Datenbank-Management-Tool "Visual DBA". Für die ebenfalls proprietäre Entwicklungsumgebung "Open Road" besteht inzwischen eine Open-Source-Alternative.

Außerdem denkt die Geschäftsleitung über eine Lizenz nach, die es anderen Unternehmen ermöglichen würde, proprietäre Eigenentwicklungen mit dem Open-Source-Produkt Ingres zu verbinden, ohne deren Quellcodes offen legen zu müssen. Eine Entscheidung soll möglichst noch Ende dieses Jahres fallen und Anfang 2006 umgesetzt werden. Diese Ankündigung erweckt Assoziationen an den Datenbankanbieter MySQL, der mit einem ähnlichen Modell geschäftlich sehr erfolgreich ist.

Zwei Entwicklungsgruppen

Auch die technische Fortschreibung der Produkte könnte Ähnlichkeiten aufweisen: Firmenmitarbeiter tragen dafür Sorge, dass die wichtigsten Entwicklungslinien nicht aus den Augen verloren werden, während ein wesentlicher Teil der Programmier- und Debugging-Arbeit einer freien Entwickler-Community zufiele. Immerhin wurde Ingres schon in den ersten drei Monaten, nachdem CA es Open Source stellte, mehr als 10 000-mal aus dem Internet herunter geladen. Und es gibt weltweit noch rund 5000 Anwenderunternehmen.

Keine Konkurrenz zu MySQL

Doch ansonsten sind Vergleiche zwischen Ingres und MySQL unangebracht - und zwar nicht nur, weil Letzteres eine ungleich größere Community hinter sich hat. Ingres ist MySQL funktional um Jahre voraus. Für seine Entwickler war seit Jahren Oracle das Maß der Dinge. In Internet-Foren vergleichen manche Ingres mit Oracle 9i. MySQL hingegen konnte erst kürzlich mit der Version 5.0 Funktionen wie Stored Procedures und Views einführen. Derlei ist bei Ingres "ein alter Hut". In der Realität besteht also eher eine Konkurrenz zu Oracle, und die läuft über den Preis, so Ingres-Manager Dargo: "Es ist für jedermann sehr schwer, nicht preiswerter zu sein als Oracle." (ls)