Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

10.10.1986 - 

Überlegungen zur "Computerunterstützten Kommunikation (CAC)", Teil 1:

Inhouse-ISDN fördert multifunktionale Anwendungen

Man braucht auf die Verfügbarkeit des Bundespost-ISDN nicht zu warten, um Text- und Datenkommunikation über öffentliche Netze in die interne Integration einzubeziehen. Wie und zu welchen Bedingungen dies bereits heute "zukunftssicher" bewerkstelligt werden kann, beschreibt der folgende Beitrag. Der Autor, ein Ex-IBMer, ist Kommunikationsspezialist. Inhouse-ISDN-Systeme, sollten - seiner Ansicht nach - über ihren unmittelbaren Nutzen für das Unternehmen hinaus auch prototypische Anwendungen erproben, die bei Einführung des öffentlichen ISDN dann im gesamten Netz den heutigen Telefonkunden zur Verfügung gestellt werden könnten.

ISDN ist die Abkürzung des englischen Fachausdruckes "Integrated Services Digital Network"; also deutsch: Integrierte Dienste im digitalen Fernmeldenetz". Die neuen Merkmale des zukünftigen volldigitalen Fernsprechnetzes sind:

- Speicherprogrammierung und Rechnersteuerung für das Vermittlungssystem, wobei ein separater Signalisierungskanal auch während der Verbindungen aktiv bleibt, um zusätzliche Leistungsmerkmale zu aktivieren und Dienstwechsel möglich zu machen.

- Digitale Übertragungstechnik für Sprache in Form der Puls Code Modulation (PCM) auf der Anschlußleitung.

- Mehrfach-Kommunikation über zwei Basiskanäle zu je 64 Kilobit pro Sekunde auf einem Kommunikationsanschluß (gleichzeitige Kommunikation von zum Beispiel: Sprache und Daten/Text oder Festbildern):

Nachdem wir beim Telefonieren in unseren Ortsvermittlungsnetzen aus verständlichen Gründen 30 Jahre mit der relativ unflexiblen EMD-Technik (Edelmetall-Motor-Drehwähler) auskommen mußten, tut sich jetzt das Tor zur "Computerunterstützten Kommunikation" auf. Nachdem Begriffe wie CAD und CAM für technische Anwendungen ("Computer assisted Design" und "Computer assisted Manufacturing") ständig vorgetragen und erläutert werden, möchte ich hier den Begriff "CAC" prägen ("Computer assisted Communication"). Während bei den technischen Anwendungen CAD und CAM nur wenige Spezialisten in den Genuß der

Rechnerunterstützung kommen, können alle Begriffe durch rechnerunterstützte Kommunikation gewinnen.

Tabelle 1 gibt einen Überblick über Leistungsmerkmale, welche durch Rechnersteuerung und Speicherprogrammierung erzielbar sind. Moderne, private Fernsprech-Nebenstellenanlagen bieten bereits heute viele dieser Funktionen. Im öffentlichen Fernsprechdienst jedoch werden erst durch ISDN Speicherprogramm-Leistungsmerkmale möglich. Darauf muß besonders aufmerksam gemacht werden, denn zur Zeit steht fast ausschließlich die Integration von Text-, Daten und Festbildkommunikation im Vordergrund der Diskussion. Dies ist aus mehreren Gründen zu bedauern.

Für den Postkunden sind neue ISDN-Telefon-Anwendungen wünschenswerte Möglichkeiten zur Beschleunigung und Verbesserung der Kommunikation, sofern dafür attraktive Gebühren gelten. Für das Dienstleistungsunternehmen Bundespost kann nur mit Telefon-Leistung die angestrebte ISDN-Teilnehmerzahl von einigen Millionen im Jahr 1993 erreicht werden, denn das Potential für die Daten-, Text- und Festbildkommunikation liegt sehr deutlich unter einer Million.

Anwenderpotential vergessen

Leider ist die gesamte ISDN-Entwicklung beim Netzbetreiber Bundespost und der einschlägigen Fernmeldeindustrie "Technologie-orientiert". Man ist von den technischen Möglichkeiten fasziniert und vergißt Anwenderpotential und Marktforschung. Anders ist die jeder Logik widersprechende TKO-Festlegung der monatlichen Grundgebühr - ohne Apparate - in Höhe von 74 Mark - nicht zu erklären. Diese Grundgebühr schließt einen Mehrdienstzuschlag von 20 Mark für die Nutzung nichtsprachlicher Dienste grundsätzlich ein, auch wenn eine solche Nutzung nicht stattfindet.

Der Fernsprechanteil mit 54 Mark ist zu hoch, weil er Rationalisierung beim Netzbetreiber nicht berücksichtigt. Der analoge Fernsprech-Doppelanschluß kostet ohne Apparate nur 35,20 Mark im Monat, obwohl die Bundespost dafür zwei Fernsprechleitungen zum Teilnehmer bereitstellen muß (gegenüber einer Leitung für den ISDN-Universalanschluß).

Wie die Tabelle 1 zeigt, sind für das öffentliche ISDN-Netz erst wenige der neuen Leistungsmerkmale vorgesehen. Es ist dringend zu wünschen, daß alle möglichen Funktionen für das öffentliche ISDN bald definiert und dann in Pilotprojekten erprobt werden.

"Unmenschliche Züge" gemildert

Nicht zu unterschätzen ist, daß durch Digital-Technik die "unmenschlichen Züge" des heutigen Telefons gemildert werden. Das Telefon hat die Eigenschaft, daß es unangemeldet in wichtige Arbeit hineinplatzen kann. Der Anrufende kann "überfallen", ohne sich vorzustellen. Zu jeder Tag- und Nachtzeit - bis an die Bettkante - dringt das Telefon. Der digitale Fernsprechapparat, sowohl im öffentlichen Ortsnetz, wie auch im privaten Nebenstellennetz, bietet etwas mehr "Humanität". Das Anzeigefeld des digitalen Fernsprechapparates zeigt die Nummer des Anrufenden und im Nebenstellenbereich auch den Namen des Nebenstellen-Inhabers an.

Die Leistungsmerkmale "Ruhe vor dem Telefon" und "Rufumleitung" bringen die Möglichkeit zur Schaffung von einigen Stunden konzentrierter, nicht unterbrochener Arbeit. Nach kurzfristiger Abwesenheit kann man auf dem Display des digitalen Fernsprechapparates eine Anrufliste aufrufen und dort, wo es nötig erscheint, zurückrufen.

Gesprächsbegleitende Datenbankauskunft

Durch die digitale Sprachübertragung mit einer Impulsfolge von 64 000 Bit pro Sekunde unterscheidet sich diese nicht mehr von der - in Spezialnetzen üblichen - Text- und Datenverarbeitung. Der ISDN-Basiskanal bietet für Texte und Daten wesentlich höhere Geschwindigkeiten als die heute üblichen 1200 Bit pro Sekunde; bis 9600 Bit pro Sekunde. Dies stellt neue Anforderungen an die Hersteller von Endgeräten (Daten- und Text-Terminals) und wird mittelfristig zu Kostenreduzierungen führen.

Ein ISDN-Teilnehmeranschluß bietet zwei parallel nutzbare Basiskanäle mit 64 000 Bit pro Sekunde. Daher kann eine gesprächsbegleitende Datenbankauskunft zur schnellen und präzisen Erledigung einer telefonischen Anfrage führen. Die gesprächsbegleitende Festbildübertragung mittels Telefax oder Fernzeichnen kann die Qualität der Kommunikation zwischen zwei Partnern wesentlich verbessern. Auf diese und andere ISDN-Anwendungen wird in den folgenden Abschnitten eingegangen.

Merkmale eines Inhouse-lSDN-Systems

Innerbetriebliche ISDN-Systeme können auf bestehenden, umfangreichen Fernsprechnetz-Installationen sofort die neuen Übertragungsmöglichkeiten mit 64 Kilobit pro Sekunde auf dem Basisband nutzen und dabei die Mischkommunikation für Sprach-, Daten-, Text- und Festbild-Übertragung einsetzen. Man braucht auch nicht auf die Verfügbarkeit des Bundespost-ISDN zu warten, um Text- und Datenkommunikation über öffentliche Netze in die interne Integration einzubeziehen. Da die Bundespost die Erweiterung von Nebenstellenanlagen zu "K-Anlagen" (Kommunikations-Anlagen) zuläßt, können ISDN-Hauptanschlüsse neben Fernsprech-Hauptanschlüssen an ein internes ISDN-System angeschlossen werden.

Dies hat auch die einschlägige Industrie erkannt und bietet ein breites Angebot von "Inhouse- (innerbetrieblichen) ISDN-Systemen". Abbildung 2 gibt einen Überblick über das heutige Angebot der Fernmelde- und Datenverarbeitungsindustrie. Abbildung 3 zeigt das Prinzip eines Inhosue-ISDN-Systems als "K-Anlage". An eine ISDN-fähige K-Anlage können auch weiterhin analoge Fernsprechapparate angeschlossen werden. Bei der Erstinstallation einer K-Anlage wird man wahrscheinlich den größten Teil aller Nebenanschlüsse mit der vorhandenen Fernsprech-Peripherie versehen.

Digitale Fernsprechapparate und Text- sowie Datensysteme über Mehrfachkommunikation werden dann schrittweise - nach entsprechender Erprobung - angeschlossen werden. Die K-Anlage mit ihrem digitalen Koppelfeld und den digitalen Nebenanschlüssen ist auch für Text-, Daten- und Festbild-Kommunikation "transparent". Für eine vollständige Kommunikation werden die höheren Ebenen des Schnittstellenmodells benötigt. Meines Erachtens ist es deshalb auch irreführend, wenn man von "Kommunikations-Steckdosen" spricht. Für eine Text- und Datenkommunikation reicht eine "Steckdose" nicht aus. Ein Inhouse-ISDN-Netz benötigt hierfür Server, wie in Abbildung 3 dargestellt.

Digitales Telefon für Mischkommunikation

Wichtigstes Endgerät für die Mischkommunikation ist der digitale Fernsprechapparat mit Schnittstelle (zum Beispiel V.24 oder X.21) zum Anschluß von Text- und Datenterminals und der Fähigkeit zur Mischkommunikation (Abbildung 4). Alle Anbieter haben zur Zeit firmeninterne Lösungen vorgesehen, da die notwendige Standardisierung für Nebenanschlußleitungen in der Zusammenarbeit von Bundespost und ZVEI noch nicht abgeschlossen ist.

Dies ist meines Erachtens für erste Anwendungen nicht entscheidend, solange die Durchführung der Mehrfach-Kommunikation möglich ist. Die Integration des Netzabschlusses "NT" und des Terminal-Adapters "TA" (gemäß postalischer Definition) in den digitalen Fernsprechapparaten ist im Nebenstellenbereich durchaus sinnvoll.

Einige Hersteller bieten neben den digitalen Fernsprechapparaten bereits spezielle ISDN-Endgeräte für Text- und Datenanwendung an. Aus meiner Sicht sollte man sich mit der Entwicklung dieser Mehrfach-Dienst-Endgeräte (MDE - postalischer Begriff) etwas Zeit lassen und erst Anwendungserfahrung sammeln. Für ersten Einsatz eignen sich die zahlreich verfügbaren Arbeitsplatzcomputer, insbesondere Personal Computer (PCs) vieler Hersteller mit Standard-Kommunikations-Schnittstelle (zum Beispiel V.24).

In manchen Fällen wird auch der Anschluß eines preiswerten Bildschirmgerätes (zum Beispiel IBM 3101 oder DEC VT 240) mit asynchroner Übertragungssteuerung und V.24-Schnittstelle für die Durchführung von multifunktionalen Anwendungen (Dateneingabe oder -abfrage und Zugang zum zentralen Textverarbeitungssystem) ausreichen. Die asynchrone Übertragung erlaubt den Zugang zu unterschiedlichen Systemen und Fabrikaten - wo erforderlich, wird eine Protokollkonvertierung durchgeführt.

Besonders hervorzuheben ist die große Zuverlässigkeit ISDN-fähiger Kommunikationssysteme. Diese wird durch integrierte Bauelemente und Diagnose-Programme einschließlich einer standardmäßigen Fernwartung und Fernverwaltung erreicht. Eine modulare Systemarchitektur bietet außerdem die Gewähr, daß bei Ausfall einzelner Anlagenteile die anderen Systemteile betriebsbereit bleiben. Besonders sensitive Teile können zur Erhöhung der Zuverlässigkeit gedoppelt werden.

Verbindungswege laufend überwacht

Ein weiterer Vorteil der Speicherprogrammierung wird durch die Aufzeichnung von Verkehrsdaten, welche am Systemterminal aufrufbar sind, geboten. Damit können stark frequentierte Verbindungswege (zum Beispiel Querverbindungen, Hauptanschlüsse, Zugänge zur Datenverarbeitung oder Text-Servern) laufend überwacht und rechtzeitig erweitert werden.

Wichtig für die schrittweise Integration der innerbetrieblichen Text- und Datenkommunikation ist auch das grundsätzliche Merkmal der "BIockierungsfreiheit" von digitalen Koppelfeldern. Dies ermöglicht hohe Verkehrsleistungen. Eine mögliche Beschränkung der Verkehrsleistung wird nur durch die Konzentration auf dem Weg von der Teilnehmerschaltung zum Koppelfeld verursacht. Deshalb ist es möglich, für wichtige Anschlüsse "ständige Erreichbarkeit" einzurichten.

* Otto F. Schröter, Ingenieur-Büro für Kommunikationstechnik, Breuningerweg 17, 7298 Lossburg-Rodt, Kreis Freudenstadt wird fortgesetzt

Nicht-sprachliche Kommunikationsanwendungen für Integration im "Inhouse-ISDN-System"

Telekommunikation

-Telex/Teletex-Server

-Elektronische Hauspost (Mitteilungsdienst)

-Textbriefkasten ("Electronic Mail")

-Zugang zu zentralen DV-Systemen

Datenkommunikation

-PC oder BS zu verschiedenen zentralen DV-Anwendungen

-Drucker an verschiedenen DVAs

-Abteilungsrechner (DDP-System);

miteinander und zu DVAs

-Integration des Bildschirmdialogs (wie 3270)

Text- und Datenkommunikation

-von multifunktionalen Terminals

-von Textverarbeitungssystemen

Bildschirmtext

-intern und/oder extern

-64 KBit/Sek. Btx

Anschluß an Datex-P (über Server) Festbild-Kommunikation

-herkömmliche Telefax-Geräte (Klasse 2/3)

-digitale Telefax-Geräte mit 64 KBit

Datenerfassung

-von der Fernsprechtastatur

-mit Zusatzgeräten

-Betriebsdaten

-Anwesenheits-Zeiterfassung

Neue Fernsprech-Leistungsmerkmale

(durch Speicherprogrammierung)

Im ISDN-Ortsnetz (DIVO) bereits vorgesehen:

-"schneller Verbindungsaufbau"

-"Anzeige der Rufnummer" des Anrufers auf einem Display

-"Anrufumleitung" (Besuchs- oder Vertretungsschaltung)

-"Anklopfen" mit Anzeige der Rufnummer

Durch ISDN-Technik möglich:

-"Automatischer Rückruf" bei "besetzt"

-"Anrufliste" Displayanzeige nach Abwesenheit

-"Anrufweiterschaltung" nach dem dritten Ruf zu anderen Anschlüssen

-"Gebührenanzeige" (gesprächsbegleitend)

-"Dreierverbindung" Rückfrage, Makeln, Konferenzschaltung

-"Partnerschaltung" (Gruppenbildung)

Schnellverbindung-Gesprächsübergabe-Chef/Sekretärin

-"Individuelle Kurzwahltabellen"

-"Briefkastenfunktion" mit Display-Anzeige (Voice-Mail)