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30.10.1987 - 

Mustergültige Informationsverarbeitung hielt das Reich ein halbes Jahrtausend zusammen:

Inkas beherrschten DV-Probleme besser

Ein ausgezeichnetes Informationssystem gab es im Reich der Inkas. Hans Grams* beschreibt drei wichtige Elemente dieses Systems. Die Vorgehensweisen stellt der Autor unserer Situation der Informationsverarbeitung gegenüber.

Das Straßennetz der Inkas mit einer Gesamtlänge von rund 23000 Kilometern war die Grundlage des Fernmeldewesens. Diese Straßen stellten die Verbindung zwischen den einzelnen Regionen des Staates her und trugen zur völligen Integration eines riesigen Gebietes in ein administratives Ganzes bei.

Bei den Inkas wurden Berichte, Meldungen und andere Mitteilungen, die entweder mündlich oder in Form von Briefen in der Knotenschrift Quipu zu überbringen waren, durch Chasqui (Läufer) befördert. Diese Nachrichtenübermittlung arbeitete wie ein Staffellauf.

Längs der Reichsstraßen waren in jeweils zwei Kilometern Abstand Chucla genannte Poststationen eingerichtet. In jeder Chucla mußten je zwei Kuriere in Bereitschaft sein. Der eine schlief oder rastete, der andere beobachtete den seiner Station anvertrauten Straßenabschnitt.

Wenn der diensthabende Chasqui einen Kurier erspähte, der ein weißes, von weitem sichtbares Stirnband aus Vogelfedern trug, lief er ihm entgegen und übernahm von ihm die beförderte Nachricht. Handelte es sich um eine mündliche Mitteilung, mußte der Ankömmling sie dem nächsten Läufer mehrmals sorgfältig wiederholen, damit die Nachricht nicht etwa verballhornt ankam. Jeder Chasqui legte eine Distanz von zwei Kilometern in etwa zehn Minuten zurück. Eine Mitteilung zwischen der Reichsmetropole Cuzco und Quito, die 2000 Kilometer voneinander entfernt liegen, erreichte in etwa fünf Tagen ihren Empfänger.

Als mnemotechnisches System, hauptsächlich für statistische Aufzeichnungen, benutzten die Inkas die Quipu-Schnüre. Gemäß der Dicke und Flechtart der Schnüre und dem Format, der Größe und der Anzahl der Knoten führte man Berechnungen aus oder hielt Zahlen fest. Verschiedenfarbige Wollarten, an den Hauptsträngen festgebunden, bezeichneten eine Art des Gegenstandes, über den in dem Quipu buchgeführt wurde.

Jeder Provinzgouverneur hatte einen professionellen Aufbewahrer der Knotenschnüre, den Quipucamayoc. Durch das System der Knoten konnte man auch die Tribute nachhalten, die dem Inka zu entrichten waren. Das geschah mit einer solchen Präzision, daß "nicht ein Paar Sandalen verloren ging".

Heute hat das Informations-Management als das "Cuzco der Informationsverarbeitung" unvergleichlich bessere Hilfsmittel zur Verfügung. Der Leiter dieser Abteilung, dem Quipucamayoc vergleichbar, hat seine Daten schnell und allgemein lesbar (nicht nur als Gedächtnisstütze) in elektronischer Speicherung zur Verfügung. Die Straßennetze sind zu Kabelnetzen geschrumpft. Träger der Nachricht ist kein keuchender Chasqui, sondern eine elektromagnetische Trägerwelle, die sich mit Lichtgeschwindigkeit ausbreitet.

An den Hilfsmitteln kann es nicht liegen, daß die technikunterstützte Informationsverarbeitung mitunter noch wenig genutzt oder mangelhaft betrieben wird. Der Mangel liegt vielfach darin, daß der Inka (Firmenchef) ihre Nutzung nicht anordnet. Das Defizit hat seine Ursache darin, daß der Ingenieur alles selber machen will (Anwendungsstau), statt die an der Strecke liegenden Dörfer (Fachabteilungen) in individueller Datenverarbeitung einzusetzen und nur die Trasse vorzugeben.

Ferner wird auf widerspenstige Völker (Abteilungsleiter) Rücksicht genommen, statt gerade auch dorthin eine Straße vorwärtszutreiben. Ein weiterer Punkt, den man von den Inkas lernen kann, ist die Verwendung einheitlicher Systemelemente. Weder die Geräte noch die Programmumgebungen, noch die Übertragungsnetze, noch die Benutzeroberflächen sind aus einem Guß.

*Hans Grams, Amt für EDV, Mönchengladbach.