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24.11.1995

"Inkompetenz der IBM-Fuehrung hilft Windows 95"

CW: In der letzten Zeit wurde viel ueber eine Verschmelzung von Windows NT und Windows 95 diskutiert. Verfolgt Microsoft eine derartige Strategie?

Ballmer: Im Moment existieren noch zwei unterschiedliche

Codebasen. Eine davon ist kleiner und bietet keine Sicherheits- Features. Die andere ist groesser und besitzt Security- Eigenschaften, ist allerdings weniger kompatibel zu DOS und Windows 3.1. Die kommende Version von NT wird die gleiche Benutzer-Schnittstelle wie Windows 95 zur Verfuegung stellen. Dadurch erhalten Benutzer einheitliche Interfaces und identische Administrations-Umgebungen fuer beide Plattformen. Dennoch koennen wir nicht allen Anwendern NT empfehlen - schon aufgrund der maechtigen Systemvoraussetzungen.

CW: Das heisst, es werden auch in Zukunft definitiv zwei Betriebssysteme fuer zwei Maerkte existieren?

Ballmer: Nein, keine verschiedenen Maerkte, sondern unterschiedliche Anwenderszenarien. Viele Benutzer glauben, Windows 95 richtet sich an Heimanwender waehrend NT ins Geschaeftsleben gehoert. Ich kenne allerdings einige Faelle, in denen NT in Unternehmen schlichtweg nicht benoetigt wird. Andererseits brauchen professionelle Home-User wie etwa Architekten NT schon aufgrund der gebotenen Skalierbarkeit, um beispielsweise Applikationen aus dem CAD-Bereich passabel ablaufen zu lassen.

CW: Einige europaeische Distributoren haben vor einigen Tagen ihren Aerger ueber schleppende Windows-95-Verkaeufe kundgetan. Vor allem die Diskettenvariante des Produkts entwickelt sich offensichtlich zum Ladenhueter. Was sagen Sie dazu?

Ballmer: Ich glaube nicht, dass es irgendwelche Beschwerden gibt. Wir wissen zwar, dass eine Menge Restposten bei einigen Verkaeufern lagern. Aber wir wollten eigentlich nur vermeiden, dass es den Distibutoren waehrend des Verkaufsbeginns von Windows 95 an Paketen mangelt. Es waere in unserem Geschaeft unklug gewesen, zuwenig Programme auszuliefern. Das haette die Verkaufszahlen gefaehrdet.

CW: Wird Windows 95 OS/2 von Big Blue frueher oder spaeter vom Markt draengen?

Ballmer: Nein, ich denke, die IBM hat sich das Desinteresse an OS/2 selbst zuzuschreiben. Sie schiesst sich mit OS/2 in das Knie. Noch ist Big Blues OS/2 jedoch ein Wettbewerbsprodukt, obwohl es ein gutes Exempel fuer schlechtes Unternehmens-Management darstellt. Die Inkompetenz des IBM-Managements hilft Windows 95 .

CW: Zum Thema Microsoft Network (MSN): Microsoft ermoeglicht es vorerst lediglich 500 000 Anwendern, Mitglied im MSN zu werden. Resultiert diese Entscheidung aus moeglichen Bedenken des US- Justizministeriums?

Ballmer: Nein, das war nicht der Grund. Wir wollen sichergehen, dass die Systeme wie etwa das Datencenter einwandfrei funktionieren und eine akzeptable Performance erreicht wird, bevor wir weiteren Usern die Mitgliedschaft anbieten.

CW: Viele MSN-Konkurrenten befuerchten, Microsoft koenne mit Dumpingpreisen die Existenz anderer Online-Wettbewerber gefaehrden. Ist das der Fall?

Ballmer: Wieso sollten wir einen Online-Dienst preisguenstiger anbieten koennen als die Konkurrenz? Ich glaube nicht, dass diese Einwaende der Wettbewerber berechtigt sind. Wir versuchen doch lediglich unsere Vorteile zu nutzen - genauso wie andere das auch tun. Die ganze Welt dreht sich doch nur um eines - naemlich den Wettbewerb. Wir koennten doch auch zum US-Justizministerium gehen und sagen: "Das ist nicht fair, wie koennen wir in ein Geschaeft einsteigen, das von America Online und Compuserve dominiert wird?"

CW: Bill Gates hatte kuerzlich von einem gigantischen Investment im Internet gesprochen. Was koennen wir darunter verstehen?

Ballmer: Windows muss einfach der beste Internet-Client werden. Unsere Office-Produktsammlung wird erweitert, um HTML- Informationen am effizientesten bearbeiten zu koennen. Ferner ueberarbeiten wir unsere Authoring-Tools und Entwicklungswerkzeuge fuer das Internet. Zu guter Letzt modifizieren wir unsere Back- Office-Linie, so dass Anwender Dinge verkaufen, Bestellungen entgegennehmen und sichere Transaktionen ueber das Netz durchfuehren koennen.

Steve Ballmer ist Senior Vice-President von Microsoft und seit mehr als 14 Jahren bei der Gates-Company taetig.

Mit ihm sprach Emily Gin, Redakteurin der CW-Schwesterpublikation "Computerworld Hong Kong".