Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

07.06.2002 - 

Vertrag mit IBM sichert günstige Konditionen für Linux-Lösungen

Innenminister Schily setzt auf Open Source

MÜNCHEN (wh) - Nach zaghaften ersten Schritten in Richtung Linux macht das Bundesinnenministerium nun Nägel mit Köpfen: Ein Kooperationsvertrag mit IBM Deutschland ermöglicht es der gesamten öffentlichen Verwaltung, Open-Source-Lösungen zu besonders günstigen Konditionen zu erwerben. Für Microsoft bedeutet der Deal eine weitere Bedrohung seiner Marktmacht.

Was Bundesinnenminister Otto Schily am 3. Juni in Berlin erklärte, dürfte Microsofts Marketing-Strategen sauer aufstoßen: "Mit dem nun geschlossenen Kooperationsvertrag erreichen wir drei Ziele", so der SPD-Politiker zum frisch unterzeichneten Abkommen mit IBM. "Wir erhöhen die IT-Sicherheit durch die Vermeidung von Monokulturen; wir verringern die Abhängigkeiten von einzelnen Softwareanbietern, und wir sparen beim Kauf der Software und bei den laufenden Kosten."

Der Vertrag gilt auf unbestimmte Zeit und kann nicht vor dem 31. Dezember 2004 gekündigt werden. Er ermöglicht es Bund, Ländern und Kommunen, Linux-basierende Lösungen von IBM zu besonders günstigen Konditionen zu beschaffen. Dazu zählen sowohl Hardware- und Softwareprodukte als auch Dienstleistungen.

Potenziell betroffen sind fast alle IT-Systeme der öffentlichen Verwaltung; im Schily-Ministerium geht man von einer "hohen sechsstelligen Summe" an Client- und Server-Rechnern aus.

Ausschlaggebend für das Rahmenabkommen waren gestiegene Sicherheitsinteressen, die das Bundesinnenministerium (BMI) nach den Terroranschlägen vom 11. September verfolgte. Die IT-Infrastruktur gilt den Berlinern als besonders kritischer Bereich. Monokulturen seien grundsätzlich anfälliger als heterogene IT-Infrastrukturen, so die Argumentation.

"Das heißt nicht, dass die öffentliche Verwaltung künftig keine Microsoft-Produkte mehr einsetzt", erklärte ein Ministeriumssprecher. Im Gegensatz zur bisherigen Monokultur werde man in der öffentlichen Verwaltung aber künftig eine "Koexistenz" beider Welten antreffen. Mit dem Vertragswerk schaffe das BMI die dazu erforderliche Marktöffnung. Anlässlich der Vertragsunterzeichnung unterließ es Schily nicht, auf die Einkaufsmacht der öffentlichen Hand hinzuweisen: "Die Tatsache, dass es mit Linux eine Alternative zum Betriebssystem Windows gibt, bringt uns als großem Softwarekunden außerdem Unabhängigkeit und eine bessere Kundenposition."

IBM-Chef Erwin Staudt nutzte die Gelegenheit der Vertragsunterzeichnung, das Open-Source-Engagement des Unternehmens zu unterstreichen. "Es ist unerlässlich, Linux als eine Art Computerweltsprache zu fördern." Die Entscheidung, Open-Source-Produkte in der Bundesverwaltung einzusetzen, sei nicht nur ein zukunftsweisendes Signal an die Länder und Kommunen, sondern auch ein Bekenntnis zum IT-Standort Deutschland. IBM wird für vorinstallierte Server-Systeme die Distribution der Nürnberger Suse Linux AG nutzen.

Neben günstigeren Einkaufskonditionen, die vor allem IBMs Händler bei künftigen öffentlichen Ausschreibungen in Anspruch nehmen können, sieht der Rahmenvertrag auch ein "strategisches Kooperations-Management" vor. Hinter diesem Wortungetüm verbergen sich gemeinsame Lenkungsausschüsse, erläutert Joerg Ludwig, Marketing- und Vertriebsdirektor für IBMs Linux-Angebote in Zentraleuropa.

In gemischten Teams sollen IT-Experten Projekte planen und Prioritäten festlegen. Denkbar sei beispielsweise ein E-Learning-Projekt für Linux, dass IBM in seinem Intranet vorhalten und Verwaltungsangestellten zugänglich machen könnte. Die deutsche Tochter des weltgrößten IT-Konzerns will zudem eine Beratungs-Hotline einrichten und Testlizenzen zur Verfügung stellen. Noch in diesem Jahr soll ein Open-Source-Portal freigeschaltet werden. Im ersten Schritt geht es laut Ludwig um die klassische IT-Infrastruktur der Behörden, sprich Linux als File-, Print- und Web-Server. Danach könnten bestimmte Verwaltungsverfahren, die zum Teil noch auf älteren Großrechnern laufen, in die Open-Source-Welt überführt werden. Auch eine Portierung solcher Altanwendungen auf die aktuellen z-Series-Mainframes komme in Frage.

Einzelne Open-Source-Projekte verfolgt IBM auch in anderen europäischen Staaten, beispielsweise mit der britischen Polizei oder mit französischen Verwaltungsbehörden. Einen europaweiten Masterplan für die öffentliche Verwaltung habe der Konzern aber nicht in der Schublade, so Ludwig. Im Rahmen seiner internationalen Linux-Initiative will Big Blue in Europa in den nächsten vier Jahren rund 200 Millionen Dollar investieren.

Für Microsoft bedeutet der Schritt des Bundesinnenministeriums einen weiteren Rückschlag im lukrativen Behördenmarkt. Im März entschied der Ältestenrat des Deutschen Bundestages, dass die rund 150 Server der Parlamentsverwaltung künftig statt unter Windows fast ausschließlich mit Open-Source-Software arbeiten (siehe CW 10/02, Seite 8).