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30.10.1998 - 

Geschwindigkeitsrausch im BMI

Innenministerium schaltet Bonn und Berlin asynchron

Ab 1. Juli 1999 befindet sich der BMI-Dienstsitz in Berlin. Dann arbeiten in der Liegenschaft am Spreebogen rund 900 Mitarbeiter. Doch das sind nur 62 Prozent der BMI-Beschäftigten. Die restliche Belegschaft bleibt in Bonn. Das wesentliche Mittel, die oberste Bundesbehörde trotz Dislozierung arbeitsfähig zu erhalten, soll die DV-Infrastruktur liefern. Die Mitarbeiter werden sich online in virtuellen Gesprächsrunden austauschen, ihre Schriftstücke befördern, die Parlamentsdebatten sowie Schulungen am Arbeitsplatz besuchen. Darüber hinaus sollen sie via Web mit der Außenwelt in Verbindung treten können. Für diese Aufgaben benötigt das Behördennetz entsprechende Bandbreiten.

Die Ausschreibung für die Verkabelung des Berliner Gebäudes, das das BMI für 30 Jahre angemietet hat, sah von vornherein ein ATM-Backbone vor. Die Frage war lediglich, ob die Arbeitsplätze mit aus 10 Mbit/s und 100 Mbit/s gemischten Ethernet-Verbindungen oder durch ATM-Anschlüsse für die PCs mit 155 Mbit/s ans Netz gekoppelt sein sollten. Nach Angaben der Telemation AG & Co., Oberursel, die das ATM-Konzept erstellte, sah die Lösung Kosten in Höhe von etwa 2,5 Millionen Mark vor und lag damit um rund 500000 Mark höher als ihr Ethernet-Modell. Darin sind jeweils nicht die Kosten für die LWL-Verkabelung enthalten, die der Vermieter, die Freiberger GmbH, Berlin, laut Mietvertrag bereitstellt.

Den wesentlichen Vorteil der im August in Probebetrieb genommenen ATM-Infrastruktur sieht Döhring darin, daß es "keine aktiven Komponenten" mehr auf den einzelnen Etagen gibt. Bei der ATM-Lösung im BMI sind sämtliche Switches zentral im Rechnerraum angesiedelt (siehe Grafik auf Seite 48). Ansonsten gibt es nur noch sogenannte Splice-Verteiler für die Etagen, die die LWL-Kabel splitten. In den Arbeitsräumen sind Elektranten im Fußboden. Öffnet der Anwender die Anschlußdosen, findet er Steckverbindungen, an die sich Telefon und PC anschließen lassen. Laut Detlef Döhring, IT-Referent des BMI-Referats Z3a, verspricht sich das Ministerium von der ATM-Technik erheblich weniger Wartungsaufwand: "Aktive Komponenten bedeuten, daß ich Fehlerquellen habe." Um die aufwendigere Technik zu warten, hätte das Ministerium mehr Personal benötigt. Die Direktive für die gesamte Bundesverwaltung sieht allerdings eine Verschlankung vor, das heißt Abbau von Stellen und Auslagerung von Dienstleistungen.

Rund 80 Prozent solcher Aufgaben werden im BMI inzwischen von externen Dienstleistern erledigt. "Für den IT-Service bedeutet das, ganz trivial gesagt: Wir programmieren nicht mehr selbst", so Döhring.

Die verbliebenen BMI-eigenen IT-Spezialisten arbeiten für das Referat "Innere Dienste"; 15 Beschäftigte sind in der Systemverwaltung tätig, zwei pflegen die Datenbanken, und sechs Personen sind für die Anwenderberatung zuständig.

Die DV-Aufgaben sind laut Döhring trotz dieser personellen Einschränkung zu bewältigen, da die IT-Landschaft des BMI vergleichsweise homogen ist. In den Jahren 1993 bis 1995 wurde die Unix-Umgebung mit einigen Zentralrechnern und ASCII-Terminals durch ein PC-Netz abgelöst. Ein Pilotversuch auf der Basis von Novell-Vernetzung verlief nicht zur Zufriedenheit des BMI.

Nach der Umstellung bestand das Netz aus 15 Servern und 750 Clients an vier Standorten. Auf den Desktops war entweder MS-DOS mit dem "LAN Manager" installiert oder Windows 3.1 und "Comfo Desk". Die Standorte waren via analoge Modems und mit Hilfe des "Remote Access Service" vom LAN Manager miteinander verbunden. Heute wird sowohl auf Servern als auch auf Workstations Windows NT 4.0 eingesetzt. Darüber hinaus nutzt das BMI viele weitere Microsoft-Produkte wie "System Management Server 1.2", "SQL Server 2.1", "Exchange 5.5" und "Office 97" sowie die Kommunikationskomponente "Outlook".

Die Microsoft-Umgebung verdankt das BMI unter anderem einem Abkommen zwischen der Koordinierungsstelle für den Einsatz der Informationstechnik in der Bundesverwaltung, abgekürzt KBSt, und Microsoft. Dieser Vertrag nach dem "Select"-Modus sieht Rabatte für alle Bundesbehörden vor. Solche Vereinbarungen gibt es auch mit anderen IT-Herstellern, etwa mit Dell. So ist das BMI in Berlin derzeit hauptsächlich mit Pentium-II-Rechnern - 350 Megahertz Taktrate, 64 MB RAM und Festplatte mit 3,2 GB - der Marke Dell ausgestattet. In die Berliner Rechner integriert sind zudem ATM-Steckkarten von Fore Systems.

Während am Spreebogen das ATM-Netz bereits läuft, setzen die Bonner derzeit noch Ethernet-Verbindungen auf der Basis von Koaxialkabeln ein. Die einzelnen Segmente werden über Lichtwellenleiter zu zentralen Ethernet-Switches geführt, die mit 100-Mbit/s-Leitungen an der Server-Farm hängen. Das BMI will diese Infrastruktur jedoch möglichst bald auch auf ATM umstellen.

Auch wenn die sternförmige ATM-Vernetzung bei der Pflege und Wartung weniger Aufwand verspricht als die Ethernet-Alternative, ist sie laut Döhring aufwendiger einzurichten, zum Beispiel was die Adressenvergabe betrifft. Im Ethernet hören alle angeschlossenen Rechner eines Segments darauf, was vorbeirauscht, und fischen sich die Daten heraus, die für sie gedacht sind. Man spricht hier von "Shared Environment", da sich alle angeschlossenen Stationen die Leitung teilen. Im Gegensatz dazu muß im ATM-Netz jeder PC jedem bekannt gemacht werden, so daß per Switching Punkt-zu-Punkt-Verbindungen aufgebaut werden können. Der Kontakt zwischen den Rechnern ist direkt und läuft über einen exlusiven Kanal.

Ethernet-Netze sind physisch in Segmente aufgeteilt. Die BMI-Lösung benötigt dagegen logische Teilnetze, die durch LAN-Emulation (LANE) erreicht wird. Aus Performance-Gründen ist dabei die Anzahl der angeschlossenen Rechner laut Döhring auf 300 bis 500 begrenzt.

Um die künftigen "ATM-Wolken" des BMI, wie Döhring es ausdrückt, in Berlin und Bonn zu verknüpfen, steht dem Ministerium der Informationsverbund Berlin-Bonn (IVBB) zur Verfügung (siehe: "Der Informationsverbund Berlin-Bonn nimmt Fahrt auf"). Bisher nutzt das Ministerium Festverbindungen.

Im Prinzip läßt sich mit der ATM-Infrastruktur jeder Arbeitsplatz im BMI für Videokonferenzen und -sequenzen ausstatten. Hauptsächlich sollen jedoch die Konferenzräume, etwa drei pro Etage, mit diesem Kommunikationsmittel bestückt werden. Derzeit testet das Ministerium ein System von der israelischen Firma Vicon, Herzliya. Um Parlaments- oder Gesetzesvorlagen zu erstellen, müssen einige Ministeriumsmitarbeiter die Bundestagsdebatten verfolgen können; sie benötigen laut Döhring Anschluß an das Parlamentsfernsehen, das vom Bundespresseamt angeboten wird.

Multimedia in der obersten Behörde

Aber auch für andere Applikationen ist der ATM-Verbund sinnvoll. Der Anschluß an den IVBB macht es beispielsweise möglich, daß sich die BMI-Systemadministration die neuesten Virenscanner und -profile direkt vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) besorgt. Insgesamt spielt Softwaredistribution im Verbund oder BMI-weit für Döhring eine Rolle.

Auf einem gesonderten Server stellt das Ministerium via Intranet seinen Mitarbeitern das BMI-Informationssystem "BISS" zur Verfügung. Es enthält etwa interne Publikationen, das BMI-Organigramm, jüngste Veröffentlichungen und Umzugsinformationen.

Ins Internet gelangen die autorisierten BMI-Mitarbeiter über das Firewall-geschütze Internet-Protokoll-Backbone des IVBB. Die KBSt ist Mitglied im Verein Deutscher Forschungsnetze (DFN) und zahlt pauschal für den Anschluß der obersten Bundesbehörden ans Web.

Im Inneren des Innern

Das Bundesministerium des Innern (BMI) geht auf einen Vorschlag eines Organisationsausschusses im Juni 1949 zurück, der unter der Ägide der Ministerpräsidenten der Länder stand. An der Spitze steht ein Minister. Ihm unterstehen parlamentarische Staatssekretäre. Organisationseinheiten im Ministerium sind die Abteilungen, Unterabteilungen und Referate.

Derzeit arbeiten rund 1500 Beamte und Angestellte für das BMI in elf Abteilungen: Ausländer- und Asylangelegenheiten (A), Innere Sicherheit (IS), Bundesgrenzschutz (BGS), Polizeiangelegenheiten (P), Verfassung, Staatsrecht und Verwaltung (V), Kultur und Medien (K), Deutsche Minderheiten, Spätaussiedler, Vertriebene, Kulturarbeit (Vt), Verwaltungsorganisation (O), Protokoll, zivile Verteidigung, Kommunalwesen, Statistik, Öffentlicher Dienst (D), Sport und Grundsatzfragen der Innenpolitik (SG), Leitungsbereich sowie Zentralabteilung (Z), zu der auch interne Dienstleistungen wie die DV-Betreuung gehören. Wie alle Bundesbehörden soll das BMI "verschlankt" werden. Bisher wurden 13 Organisationseinheiten aufgelöst und die Aufgaben auf nachgeordnete Geschäftsbereiche verlagert.

Der künftige Dienstsitz des Bundesministerium des Innern liegt auf dem Gelände der ehemaligen Meierei Bolle in Alt-Moabit. Das Zentrum der Anlage bildet ein U-förmiges Gebäude, das stufenweise von vier auf 13 Geschosse ansteigt. Zirka drei Fünftel des Hauses (rund 30 000 Quadratmeter) hat das BMI gemietet. Fassade und Entre der Liegenschaft gleichen mit Marmor, Glas und Rolltreppe einem Luxuskaufhaus; innen verlaufen endlose, in dem Blaßgelb vieler Amtsstuben gehaltene Bürogänge. Am 21. September dieses Jahres war die offizielle Schlüsselübergabe, doch die Aufteilung zwischen Bonn und Berlin steht für das BMI bereits seit 1995 fest. Derzeit arbeiten rund 200 Mitarbeiter in dem neuen Gebäude am Spreebogen; künftig werden dort 900 Arbeitspätze belegt sein. Foto: Presse- und Informationsamt der BundesregierungDas Backbone im BMI, Berlin, besteht aus vier ATM-Switches der Firma Fore Systems mit der Bezeichnung "Fore Runner ASX-1000". Die Redundanz der Backbone-Switches wie auch der MPOA-Server (MPOA = Multiprotocol over ATM) sollen Ausfallsicherheit garantieren. Die Arbeitsplätze sind über insgesamt 81 ATM-Workgroup-Switches "LE 155" angebunden, wobei alle PCs mit ATM-Steckkarten ausgerüstet sind. Router stellen die Verbindung nach Bonn her. Die Telefonanlagen in Bonn und Berlin sind direkt aneinandergekoppelt. Für das Netz-Management ist ein eigener Rechner vorgesehen. Ein Administrator überwacht von hier aus den Zustand des Netzes und greift unter Umständen korrigierend ein. Quelle: Telcon GmbH