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20.06.1986

Innerbetriebliche Ausbildung als Sprungbrett in die DV-Abteilung

"Betriebskenntnisse zählen mehr als akademische Vorbildung" formuliert Gregor Andermann von den Stephan-Werken in Hameln die Forderung an neue DV-Kräfte. So setzt sich das Fachpersonal in der Informationsverarbeitung hier wie beispielsweise auch bei der Augsburger Stadtsparkasse zumeist aus Mitarbeitern zusammen, die im Unternehmen bereits eine kaufmännische Ausbildung absolviert haben. Auch Klaus-J. Bähr von den Bekleidungswerken Bierbaum-Proenen möchte seinen DV-Nachwuchs lieber im eigenen Haus heranziehen als sich den Risiken bei Neueinstellungen auszusetzen. Der DV-Leiter räumt außerdem ein, daß "Eigengewächse" im Gegensatz zu DV-Profis den Gehaltsrahmen selten sprengen. Einer zusätzlichen Erschwernis beim Aufbau eines DV-Mitarbeiterstabs sieht sich Gerhard Cherdron ausgesetzt. Als Betrieb der grafischen Industrie müssen Computerfachleute bei Laub auch in der Satztechnik firm sein.

Gregor Andermann

Leiter Datenverarbeitung Stephan-Werke GmbH & Co., Hameln

Personalstand und -ausbildung werden bestimmt durch die DV-Technologie und die Anwendungsgebiete. Die Entwicklung von den Lochkartenmaschinen zu programmgesteuerten Rechnern bietet aufgeschlossenen Tabellierern die Möglichkeit zur Umschulung zum Programmierer und Operator. Die traditionellen Anwendungsgebiete Materialabrechnung, Lohnabrechnung, Fakturierung mit Offene-Posten-Buchhaltung wandeln sich erst langsam zu umfassenden und integrierten Systemen. Aus diesem Milieu stammen noch heute tätige Mitarbeiter.

Moderne Rechnersysteme und moderne Organisationen verlangen nach modernen Ausbildungen. Der Graduierte rückt ins Blickfeld. Aber der Gehalts- und Aufstiegsgrenzen wegen bleibt es in einem Unternehmen mittlerer Größe beim Handels- oder Industriekaufmann mit angehängter DV-Schulung und "Training on the Job". Betriebskenntnisse zählen mehr als akademische Vorbildung. Die Spezialisierung beschränkt sich auf die Funktionen im DV-Bereich, also auf Systemanalyse, Programmierung oder Operating. Anders sieht die Situation im Anwendungsbereich aus. Hier erlaubt die immer stärkere Integration der betrieblichen Funktionen keine Spezialisierung.

In einem mittelgroßen Betrieb hat die Organisation keinen bedeutenden Stellenwert und Datenverarbeitung wird nur mit Kosten gleichgesetzt. Das Aufkommen der Bürocomputer befreite Unternehmen von einer Kostenlast: billige, kompakte Rechner mit standardisiertem Betriebssystem und vorgefertigten Programmen, und das alles mit dem lockenden Vertriebsargument "DV-Fachleute sind überflüssig". Ein kurzes Anlernen der Anwender in den Fachabteilungen würde reichen. Wo spezielle und tiefere Kenntnisse erforderlich sind, findet eine "Verklammerung" zwischen dem Unternehmen und einem Unternehmensberater statt. Der Bedarf an eigenen DV-Fachleuten sinkt im Extremfall auf null.

Dort aber, wo Planung und Organisation als unternehmerische Funktionen angesehen werden, benötigt man auch die qualifizierten und spezialisierten Fachleute. Datenbank und Inhousenetzwerk könnte auch ein Mittelbetrieb einsetzen, wenn sie ihm als Produktionsfaktoren etwas wert wären.

Mithin werden auch heute Personalstand und -ausbildung in der Datenverarbeitung davon bestimmt, ob ein Standardcomputer oder Bürocomputer eingesetzt wird.

Gerhard Cherdron

Geschäftsführer Laub GmbH & Co., Elztal-Dallau

Wir sind ein Betrieb der grafischen Industrie mit zirka 30 Mitarbeitern. Die Arbeitsgebiete unserer Datenverarbeitung sind der administrative Bereich und die Satzherstellung. Die Software für die Verwaltung (Zeit- und Materialwirtschaft, Lohn- und Finanzbuchhaltung, Vor- und Nachkalkulation) läuft seit Jahren und bedarf nur geringer Pflege. Als Bediener setzen wir für diese Dialogprogramme angelernte kaufmännische Kräfte ein.

Da die Weiterentwicklung der Anwendungen in unserer Verwaltung eindeutig in Richtung Standardsoftware für PCs geht, wird sich an der Art des Personaleinsatzes auch nichts wesentlich ändern.

In der Produktion liegt das Hauptgewicht auf der Übernahme von Daten aus den verschiedensten Systemen. Diese Daten werden von uns auf ein Standardformat umgesetzt. Für Disketten steht uns beispielsweise ein Konvertersystem zur Verfügung, das zirka 900 verschiedene Formate lesen kann. Dem folgt die Verarbeitung im Satzrechner mit Silbentrennung, Umbruch und Ausgabe auf Film oder Fotopapier.

Für gute Schriftsetzer sind dies reizvolle Aufgaben. Es ist jedoch unbedingt wichtig, daß diese Mitarbeiter abstraktes und analytisches Denken mitbringen. Nach unserer Erfahrung ist es leichter, einen gelernten, erfahrenen Schriftsetzer in die Techniken der DV einzuführen, als einen DV-Spezialisten mit dem Fachwissen der Satztechnik zu versehen. Hier ist auch ein psychologisches Problem zu beachten: Für einen Setzer ist der Einstieg in die DV eine Weiterentwicklung - ein DV-Spezialist wird satztechnische Aufgaben immer nur als "notwendiges Übel" betrachten.

Für die Zukunft stellt sich uns die Frage, ob die komplexer werdenden Anforderungen, beispielsweise bei der Zusammenarbeit mit Datenbanksystemen, integrierter Text-/ Bildverarbeitung, neue Fachkräfte erfordern, die mit hohem DV-Wissensstand die Anwendung unserer Satz-Fachleute unterstützen.

Unsere Mitarbeiter in der DV sind alle in der Altersgruppe zwischen 25 und 40 Jahren. Durch die besonderen Aufgaben in der computergestützten Satzherstellung haben wir nur die Möglichkeit, durch eigene Aus- und Weiterbildung zusätzliche Arbeitskräfte zu bekommen.

Alfons Ehm

Leiter der EDV-Organisation bei der Stadtsparkasse Augsburg

Bei uns im Hause gliedert sich die DV-Abteilung im wesentlichen in die Bereiche Rechenzentrum, Programmierung, Organisation, Belegbearbeitung und DV-Revision. Ich möchte jedoch nur die typischen DV-Bereiche, nämlich Rechenzentrum und Programmierung, herausgreifen.

In unserem Rechenzentrum werden für die Bedienung der Maschinen (IBM 4341, 4381, Beleglesung, umfangreiche TP-Anwendung) in zwei Schichten sechs Operator eingesetzt. Diese Mitarbeiter sind überwiegend gelernte Bankkaufleute, die für ihre DV-Tätigkeit vom Betrieb ausgebildet wurden. Das gleiche trifft für die fünf Arbeitsvorbereiter zu. Als vorteilhaft hat sich in diesem Bereich auch der Weg über die Programmierung erwiesen. Voraussetzungen für ein schnelles Einarbeiten sind Kenntnisse im Beruf des Bankkaufmanns.

In der Programmierung befassen sich 23 Mitarbeiter mit der Erstellung und Pflege von etwa 1500 Programmen. Die meisten der hier Beschäftigten haben nach Abitur oder mittlerer Reife eine Lehre bei uns absolviert und die Sparkassenschule besucht. Nach einigen Jahren Berufserfahrung haben sie sich für die Programmierung entschieden. Die Ausbildung zum Programmierer hat unser Haus übernommen.

In der Vergangenheit wurde schon öfters versucht, Mitarbeiter aus DV-Schulen für unser Unternehmen zu gewinnen. Es hat sich jedoch gezeigt, daß diese Schulabgänger nicht genügend Kenntnisse aufweisen konnten. Bankfachwissen war ebenfalls nicht vorhanden. Wir haben deshalb wieder eigene Leute vorgezogen, denn Grundvoraussetzungen für eine rationelle Anwendungsprogrammierung bei uns sind eben Bankfachkenntnisse. Es war bisher leichter über den Weg der Bankausbildung zur Datenverarbeitung vorzustoßen als umgekehrt.

Die starke Ausweitung dieser technischen Disziplin läßt indes Zweifel aufkommen, ob das auch immer der richtige Weg bleiben wird. Wenn der Kern der Mitarbeiter in der Anwendungsprogrammierung ausgebildete Bankkaufleute sind, kann ich mir durchaus ein Nebeneinander von "kaufmännischen" und "technischen" Programmierern vorstellen. Die Kenntnisse eines "technischen" Programmierers sollten sich jedoch auf die Komponenten beschränken, die bei uns im Hause auch angewendet werden. Allerdings setzen wir voraus, daß deren Know-how dann entsprechend fundierter ist.

Klaus-J, Bähr

Leiter Organisation/Datenverarbeitung Bierbaum- Proenen Bekleidungswerke, Köln

Muß bei uns eine Stelle in der DV (derzeit sieben Mitarbeiter) neu besetzt werden, sehen wir uns zu allererst und rechtzeitig im eigenen Hause um. Heute hört und liest man zwar sehr oft, daß es ohne einen Hochschul- oder Fachhochschulabschluß nicht mehr möglich ist, in den erleuchten Kreis der Organisation oder Softwareentwickler hineinzugelangen. Entgegen dieser Ansicht hat das Rekrutieren des DV-Nachwuchses aus dem eigenen Haus nicht nur viele gute Gründe, sondern sich auch bestens bewährt.

Anforderungen, die wir beispielsweise an einen Programmierer für Anwendersoftware stellen, sind auf der einen Seite ein gutes Basis- und Fachwissen bei der Entwicklung von Batch- und Dialogprogrammen in Cobol, auf der anderen Seite verlangen wir aber auch viel Verständnis für betriebswirtschaftliche Zusammenhänge, die unser Unternehmen betreffen.

Bei einem Internen, der seine Berufsausbildung in unserem Hause gemacht hat oder kurz vor deren Abschluß steht, ist es sehr gut möglich, unabhängig von Schulzeugnissen und Hochschulzertifikaten die Anpassung an die Bedingungen der eigenen DV zu messen. Es ist bekannt, ob der für den Programmierjob Vorgesehene das Erkennen von Zusammenhängen und logischen Beziehungen beherrscht, ob er in seiner Denkweise analytisch und kombinatorisch vorgeht.

Der in unserem Haus Beschäftigte beherrscht die typische "Sprache" des Unternehmens. Er war in seiner Ausbildungszeit in den Fachabteilungen, die jetzt in den Entscheidungsprozeß und die Realisierung integrierter Problemlösungen einbezogen werden. Wir kennen seine Reaktion in Druck- und Streßsituationen, und wir wissen etwas über sein Kontaktverhalten. Dies sind alles Dinge, die wir von einem betriebsfremden Bewerber bei zwei bis drei Vorstellungsgesprächen sehr schwer in Erfahrung bringen können.

Eine "Neueinstellung" mit mehrjähriger Programiererfahrung hat natürlich einen bedeutenden Vorsprung in bezug auf Produktivität gegenüber einem "Eigengewächs", das erst mal ausgebildet werden muß. Wir sind uns voll bewußt, daß heute Ausbildung beim Hersteller teuer ist. In begrenztem Maße werden die entstehenden Kosten durch einen Ausbildungsvertrag abgesichert. Abgesehen von dem vergleichbar kleineren Gehalt des DV-Élèven ist die Frage entscheidend, wie dringend der neue Programmierer benötigt wird. Hier ist das Geschick des DV-Leiters gefordert ob ein Neuer so rechtzeitig ausgebildet ist, daß bei drei Programmierern kein Engpaß oder ein zu großer Programmstau entsteht. Schließlich kostet ein Fehlgriff bei der Auswahl sein viel Nerven, Vertrauen in die DV, Zeit und Geld. Diese Gefahren sind bei Betriebsfremden entschieden größer als bei Leuten aus den eigenen Reihen.

Da wir fast ausschließlich bei Honeywell Bull in Eschborn ausbilden, bietet eine durch herstellerspezifische Merkmale geformte Ausbildung unserem Unternehmen Vorteile gegenüber einem Programmierer, der beispielsweise von einer IBM-Anlage kommt, zumal in Eschborn grundlegende Kenntnisse über das bei uns installierte System und seine speziellen Einsatzmöglichkeiten vermittelt werden.

Sogenannte alte DV-Hasen sprengen nicht nur durch sehr hohe Forderungen unser Gehaltsgefüge, sie haben auch Schwierigkeiten, sich auf den BP-eigenen DV-Standard einzustellen. Ich denke dabei an die festen Regeln der Programmierung (eine Art Strukturierung) und das für alle verbindliche Dokumentationssystem.

Jeder Neue wird zumindest über einen Zeitraum von einem Jahr vom Leiter der Programmierung stetig betreut, geführt, beraten und kontrolliert.

Der Erfolg hat bisher dem aus eigenen Leuten aufgebauten DV-Team recht gegeben.