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06.04.2001 - 

Keine Produkte zur Hochverfügbarkeit mehr

Innominate kürzt das Angebot

06.04.2001
MÜNCHEN (ls) - Der Linux-Dienstleister Innominate reduziert sein Produktangebot noch einmal und entlässt Personal. Die Investoren machen Druck.

Nachdem sich der einstige Linux-Vollservice-Provider Innominate erst kürzlich sein Portfolio auf Sicherheitslösungen, Hochverfügbarkeitsprodukte sowie entsprechende Schulungen reduziert und dabei Personal entlassen hatte, kommt jetzt der nächste Einschnitt. "Wir werden unsere Kapazitäten und Ressourcen ganz auf den Bereich Sicherheitsprodukte und den dafür vorgesehenen Service konzentrieren", bestätigt Innominate-Chef Raphael Leiteritz. Die Familie der Hochverfügbarkeits-Produkte wird aufgegeben.

Die Folgen: Es werden Mitarbeiter entlassen. Auf Nachfrage hieß es, man werde sich von 40 Prozent der zurzeit rund 90 Mitarbeiter trennen. Wie aus dem Unternehmen zu erfahren ist, sei mit diesem kräftigen Aderlass die akute Gefahr für den Dienstleister vorüber. Allerdings fürchten Mitarbeiter nun die im Sommer anstehende nächste Finanzierungsrunde.

Neue Investoren gesuchtGegenüber der COMPUTERWOCHE dementierten Leiteritz und sein Finanzvorstand Jens Arnold Interpretationen, ein oder mehrere Investoren hätten den Geldhahn zugedreht. Insbesondere der Berliner Innominate-Investor BMP AG gilt als Wackelkandidat, weil der Venture-Capital-Geber im Geschäftsjahr 2000 selber tief in die roten Zahlen abgerutscht ist.

Arnold widersprach der Befürchtung, BMP könnte wie in sieben anderen Fällen des letzten Jahres seine Innominate-Beteiligung an andere Kapitalgeber verkaufen. Der VC-Geber wies solche Spekulationen ebenfalls zurück. Sprecher Thomas Blees erklärte, vielmehr habe sich BMP an allen drei bisherigen Finanzierungsrunden beteiligt.

Leiteritz erklärte weiter, ein Geldgeber wolle "natürlich nicht ewig" ein Unternehmen mit weiteren Geldspritzen pushen. VCs möchten durch den Börsengang oder den Verkauf ihrer Anteile an Startups Gewinne machen. Wenn, wie derzeit, ein Going Public aufgrund des derzeit schlechten Umfelds unattraktiv ist, brauche ein junges Unternehmen entsprechend länger Geld.

"Wir müssen ein Konzept vorlegen, das für VCs interessant ist", meint Leiteritz. "Hätten wir die Leute nicht entlassen, dann hätten wir wahrscheinlich auch keine weiteren Mittel von den VCs gekriegt." Jetzt habe man Zusagen "für eine bestimmte Finanzierungssumme unter bestimmten Bedingungen". Die Entlassungen seien dabei "nur der eine Teil", um für Kapitalgeber attraktiv zu werden, müsse man sich außerdem stärker auf Produkte ausrichten. Denn das bisher serviceorientierte Geschäft sei vom Risiko zu hoher Personalkosten geprägt. Noch liegt der jährliche Kapitalverbrauch im sechsstelligen Bereich. Im vierten Quartal dieses Kalenderjahres soll der Cashflow erstmals im positiven Bereich sein. Die ungenannten Zahlen sollen im Trend realistische Hoffnung machen.

Mit aufwärts weisenden Wirtschaftsdaten im Rücken möchte Innominate über den bisherigen Kreis hinaus, so Leiteritz, "weitere, vor allem strategische Investoren" gewinnen. Unter den neuen Wunschinvestoren sieht er in erster Linie IT-Firmen aus dem Sicherheitsbereich mit Interesse am Linux-Markt. Finanzchef Arnold möchte sich allerdings nicht auf Firmen aus dem IT-Sicherheitsbereich beschränken und erklärt, er sei mit möglichen Investoren aus einem weiteren Kreis im Gespräch.

Innominate gibt im Zuge der Einsparungen auch den Vertrieb der "Protected Database" auf, einer Appliance mit Hochverfügbarkeits- und Sicherheitsfunktionen für die Oracle-Datenbank. Arnold sieht das einst viel versprechende Produkt in hoffnungsloser Konkurrenz zu kommenden Oracle-Angeboten. Laut Leiteritz passt es einfach nicht zur konsequenten Konzentration auf Sicherheitsprodukte.

Mehr SicherheitsprodukteDie Innominate-Produkte sollen künftig im Wesentlichen auf den Bereich Internet-Connectivity zielen. Das Unternehmen möchte jetzt vor allem seine "Protected Firewall 2010" schneller weiterentwickeln. Erstes Ziel ist, sie besser in bestehende Netztopologien zu integrieren.

Der bisher völlig im Schatten stehende Geschäftsbereich Embedded Systems ist nach den Streichungen wichtiger geworden. Er wird sich auf "Mobile-Security"-Produkte für Internet-fähige Handgeräte konzentrieren. Eine Grundlage in diese Richtung bietet eine neue Kooperation mit der Agenda Computing GmbH, die sich wie andere Anbieter schwertut, einen Linux-basierten PDA, den "VR3", zur Marktreife zu bringen. Innominate dürfte sich auf Zusatzprodukte zur sicheren drahtlosen Datenkommunikation spezialisieren.