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06.06.2005

Innovation - die wichtigste IT-Aufgabe

Das erste "Executive Forum" dieses Jahres widmete sich dem Thema Innovations-Management.

Der Begriff Innovation ist etwas aus der Mode gekommen", sagte COMPUTERWOCHE-Chefredakteur Christoph Witte in seiner thematischen Einführung zum diesjährigen "Frühlings-Executive-Forum" im oberbayerischen Rottach-Egern. Die Unternehmen redeten mehr davon, wie sie Systeme konsolidieren und IT-Budgets eindampfen können, als davon, wie sie die Informationstechnik nutzen können, um neue Geschäftsmodelle zu entwickeln und in die Praxis umzusetzen.

Auf diese Weise lässt sich die IT degradieren - vom viel beschworenen Partner und "Enabler" zum reinen Erfüllungsgehilfen des Business. Deshalb muss jedem IT-Verantwortlichen daran gelegen sein, die innovative Kraft seines Zuständigkeitsbereichs unter Beweis zu stellen. Und folgerichtig stand das von der COMPUTERWOCHE veranstaltete CIO-Treffen diesmal unter dem Motto "Innovations-Management". Es ging um die Frage, welche Voraussetzungen innerhalb und gemeinsam mit der IT zu schaffen sind, um Innovationen zum Erfolg zu verhelfen.

Funktionsübergreifende Teams und vernetzte Beziehungen

Eine treffende Umschreibung des Themas gelang Stefan Stroh, Vice President bei Booz Allen Hamilton, mit einem Zitat, dessen Ursprung im Allgemeinen Thomas Alva Edison zugeschrieben wird: "Innovation ist zu zehn Prozent Inspiration und zu 90 Prozent Transpiration." Auf ungeteilte Zustimmung stieß der Unternehmensberater mit seiner Feststellung, dass unternehmerische Innovation immer vom Kunden ausgehen muss. Entwickelt und vorangetrieben werde sie sinnvollerweise in funktionsübergreifenden Teams, häufig auch durch vernetzte Beziehungen mit Kunden und/ oder Lieferanten. Damit sich am Ende die tragfähigen Ideen durchsetzen, sei ein Innovations-Management-Prozess mit "digitalen" Entscheidungspunkten notwendig.

Dem "Innovationsbündnis zwischen CEO und CIO" widmete Hubert Österle, Direktor des Instituts für Wirschaftsinformatik an der Hochschule St. Gallen und Präsident des Verwaltungsrats der Unternehmensberatung The Information Management Group (IMG), seinen Vortrag. "Viele Unternehmen sind durch den Konsolidierungsprozess im Prinzip hindurch", stellte der Wirtschaftsinformatiker fest, "unseren Studienergebnissen zufolge treten sie jetzt wieder in eine Phase der Innovation ein."

Nicht nur in Produkten, sondern auch in Prozessen

Typisch für die Executive-Foren der COMPUTERWOCHE ist die Vortragsform des "Dialogs" zwischen je einem Wissenschaftler und einem IT-Chef. Österle und sein Pendant Andreas Resch, Geschäftsführer der Bayer Business Services und CIO der Bayer AG, hatten darüber nachgedacht, welchen Innovationsbeitrag die IT eigentlich leisten kann oder vielmehr muss (siehe Kasten "Innovationsbeitrag").

"Konsolidierung und Innovation sind keine Gegensätze und laufen nicht in aufeinander folgenden Phasen ab", stellte Resch zunächst einmal klar. Aus seiner Sicht sei es notwendig, "beides mit derselben Agressivität voranzutreiben". Zudem grenzte der Bayer-CIO zwei Innovations- aspekte gegeneinander ab: Im landläufigen Sinn werde der Begriff immer auf das von der IT unterstützte Business bezogen. Resch wollte den Blick jedoch auch auf die Erneuerung der IT-Prozesse gerichtet sehen: "Wenn Sie über Innovation nachdenken, müssen Sie auch die Potenziale in der eigenen Produktion erkennen und nutzen", mahnte der IT-Manager. Österle ergänzte: "Innovation findet nicht nur in Produkten, sondern auch in Prozessen statt."

Manchmal findet Innovation sogar dort statt, wo sie niemand suchen würde. Der Homeshopping Sender "HSE 24" ist eher das Gegenteil von hip, cool und trendy. Das stört den Chief Executive Officer, Konrad Hilbers, wenig; er schätzt die 50jährige Hausfrau als zuverlässige und profitable Kundin. Hinter der biederen Oberfläche liegt eine anspruchsvolle und innovative IT-Architektur, die der COMPUTERWOCHE bereits einen Bericht wert war (siehe "Mehr zum Thema"). Trotzdem mag Hilbers nicht auf jeden neuen Technologiezug aufspringen: "Innovation ist nur sinnvoll, wenn sie dem Kunden nutzt."

Vom reaktiven zum kreativen Ansatz

Dass bisweilen weder ein nachgewiesener Kundennutzen noch ein tragfähiges Business-Modell ausreichen, um einer Innovation zum Erfolg zu helfen, musste Hilbers allerdings in seinem früheren Leben als Bertelsmann-Manager lernen: Seinerzeit integrierte er die Musikbörse "Napster" in den Medienkonzern; der geplante "Pay-per-Song"-Service scheiterte schließlich aber am erbitterten Widerstand der Musikindustrie.

Den zweiten Dialog bestritten Karl Pomschar, Senior Vice President und CIO bei der Infineon Technologies AG, sowie Österles Kollege Thomas Gutzwiller, Titelprofessor an der Universität St. Gallen und hauptberuflicher CEO der IMG. Sie hatten sich mit dem Thema "Die beschleunigte IT" beschäftigt - unter besonderer Berücksichtigung der Zusammenarbeit von Business und IT (siehe Kasten "Beschleunigte IT").

"Die IT weiß am besten, wie die Supply-Chain aussieht oder wie die Finanzsysteme miteinander verbunden sind. Aber sie bietet dem Unternehmen dieses Wissen nicht ausreichend an." Mit dieser These provozierte der Infineon-CIO die anwesenden Kollegen - und regte sie an, über eine neue Positionierung des CIO nachzudenken. Die Diskrepanz zwischen den wachsenden Ansprüchen der Nutzer und der Umsetzungsgeschwindigkeit der IT werde immer breiter. Trotzdem führe die Entwicklung der IT vom reaktiven über den agierenden zum kreativen Ansatz, also von der reinen Perfomance-Orientierung über die Effizienz hin zum Business Value.

Doch wie lässt sich dieser Weg konkret beschreiten? - Die Antwort der beiden Experten auf diese Frage lautete: Der CIO sollte das Geschäftsmodell proaktiv mitgestalten - und gleichzeitig die IT konsolidieren. Rigides Cost-Cutting hingegen sei der falsche Ansatz. Dazu Gutzwiller: "IT-Einsparungen generieren keinen Umsatz."