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20.05.1983 - 

Gast-Kommentar

Innovation muß belohnt werden

Lothar F.W. Sparberg

Vorsitzender der Geschäftsführung der IBM Deutschland GmbH

Erfolg oder Mißerfolg eines Unternehmens hängen davon ab, um wieviel schneller und besser man als andere Forschungsergebnisse in marktfähige Produkte überträgt. Ich sehe für die kommenden Jahre ein zunehmendes Innovationstempo bei Produkten und Dienstleistungen, bei der Einführung von Produktionsprozessen, bei der Erschließung neuer Märkte und insbesondere bei der Entwicklung von Anwendungen.

Wenn heute über die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft diskutiert wird, so muß die Frage gestellt werden, wie groß die Innovationsfähigkeit der deutschen Wirtschaft ist und ob alles getan wird, um auch in Zukunft ihre Wettbewerbsfähigkeit auf den Weltmärkten zu sichern.

Ein zweiter Punkt, der mich mit Sorge erfüllt, ist die zunehmende Überalterung des Produktionsapparates. Wir stehen heute vor den Folgen der Investitionszurückhaltung der letzten zehn Jahre. In diesem Zeitraum fiel die Investitionsquote von 24,2 Prozent in 1970 auf 20,8 Prozent vom Bruttosozialprodukt in 1981.

Investitionskraft stärken

Das Fazit aus diesen beiden Punkten: Die deutsche Volkswirtschaft benötigt Investitionen in zweifacher Richtung. Einmal sind Modernisierungsinvestitionen das Gebot der Stunde, zum anderen müssen wir durch Investitionen in Forschung und Entwicklung die Grundlagen dafür schaffen, daß wir in der Bundesrepublik beim Kampf um die Märkte von morgen nicht den Anschluß verlieren.

Das Beispiel der deutschen Automobilindustrie-an der jeder siebente Arbeitsplatz in der Bundesrepublik hängt-hat gezeigt, wie Wettbewerbsfähigkeit durch Investitionen in modernste Produktionseinrichtungen erhalten und verbessert werden kann. Mit dem Einsatz programmierbarer Fertigungssysteme, die produktiver arbeiten können als herkömmliche und nach einem Modellwechsel fast unverändert wieder eingesetzt werden können, ist es möglich, Modellvielfalt und kürzere Lieferzeiten wettbewerbsfähig anzubieten. Beim Werkzeugmaschinenbau ging hingegen seit 1980 Terrain verloren.

Beim Welthandel mit technologieintensiven Produkten liegt die Bundesrepublik nach Berechnungen des Instituts der Deutschen Wirtschaft zusammen mit den USA immer noch an der Spitze vor Japan. Nur-der japanische Export technischer Güter nimmt wesentlich schneller zu als der deutsche. Wir müssen diese Herausforderung annehmen und dafür Sorge tragen, daß wir in der Bundesrepublik nicht anfangen, von der technologischen Substanz zu leben.

Was ist zu tun? Die rahmenpolitischen Weichen zur Stärkung der Investitionskraft der Unternehmen müssen noch deutlicher als bisher gestellt werden. Gegenüber einer Abgabenquote von 42 Prozent Anteil am Sozialprodukt muß die Investitionsquote von derzeit 20 Prozent deutlich angehoben werden. Die Frage muß gestellt werden, ob das überdurchschnittliche Wachstum der Sozialbeiträge länger vertretbar ist. Die Eigenkapitalquote der Unternehmen, die jetzt im Schnitt der deutschen Wirtschaft 20 Prozent der Bilanzsumme beträgt, muß erhöht werden. Das bedeutet im Klartext, die Unternehmenserträge müssen verbessert werden.

Innovation muß belohnt werden. Ich bin der Auffassung, daß es nicht so sehr darum geht, Einzelprojekte staatlich zu fördern, sondern vielmehr private unternehmerische Initiativen indirekt zu fördern, nämlich über steuerliche Anreize bei den Ausgaben für Forschung und Entwicklung.

Wir müssen auch zu einer engeren Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft kommen. Und wir müssen unser Schul-und Schulungssystem den gewandelten Anforderungen anpassen.

Ich meine, wir brauchen auch ein Umdenken bei der Finanzierung von Risikokapital. Ich denke, daß wir uns in der Bundesrepublik wieder mehr an der Wagnismentalität der 5Oer und 60er Jahre orientieren sollten.

Ich sehe für die Lösung der beschäftigungspolitischen Probleme außer der konsequenten Nutzung des technischen Fortschritts langfristig keine Alternative. Durch Aus-und Weiterbildungsmaßnahmen müssen wir dafür Sorge tragen, daß dies nicht zu Lasten der Menschen geht.

Vortrag auf der Bilanzpressekonferenz der IBM Deutschland GmbH a(...) 10. Mai 1983 in Stuttgart.