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08.03.1985

Innovationen brauchen Freiheit und Toleranz

Innovation bedeutet neue Produkte, neue Verfahren, neue Anwendungen. Neue Produkte, neue Verfahren und neue Anwendungen erschließen neue Märkte, erhöhen die Konkurrenzfähigkeit und bewirken auf diese Weise Wachstum. Das führt zu größerer Flexibilität der Unternehmen. Unter Innovation verstehe ich: Produkt- und Marktinnovationen.

Neue Produkte und neue Verfahren ersetzen in aller Regel auch alte Produkte und Verfahren, substituieren sie also. Die Substitution ist ein evolutionärer Prozeß. Innovation und Substitution sind untrennbar miteinander verbunden. Wer Substitutionen verhindern will, verhindert gleichzeitig die Innovation und damit Wachstum. Der Weg zum Mißerfolg ist vorgezeichnet. Deshalb muß Substitution aktiv mit derselben Konsequenz betrieben werden wie die Innovation. Nur dieser Weg führt zu größerer Flexibilität.

Neue Produkte und Verfahren stehen in Konkurrenz zu alten Produkten und Verfahren. Sie werden sich nur dann am Markt durchsetzen, wenn sie gegenüber den alten Produkten und Verfahren zusätzlichen Nutzen bieten oder den gleichen Zweck mit geringerem Aufwand erfüllen. Das bedeutet Rationalisierung in der Herstellung und Rationalisierung im Anwenderbereich. Auch diese Konsequenz der Innovation muß akzeptiert werden.

Größere Flexibilität durch Innovation - also Wachstum, bessere Konkurrenzfähigkeit, höhere Marktanteile - zu erreichen, bedingt notwendigerweise, den Innovations-, den Substitutions- und den Rationalisierungsprozeß mit gleicher Intensität voranzutreiben. Dieser Zusammenhang wird heute in hohem Maße verkannt oder mißachtet.

Die Flexibilität durch Innovation wird maßgeblich bestimmt von dem gesellschaftlichen und politischen Umfeld in dem das Unternehmen tätig ist. Hier läßt sich eine Wunschliste aufstellen.

Die Gesellschaft und die Marktkräfte sollen Innovationen wünschen, gegenüber neuen Produkten aufgeschlossen sein und Substitutionen zulassen.

Wagemut muß honoriert und Fehlschläge müssen toleriert werden.

Innovationen lassen sich jedoch nicht anordnen. Sie brauchen ein hohes Maß an Freiheit, also einen großen Entfaltungsspielraum, um sich zu entwickeln. Deshalb kann Innovation nur im Rahmen einer liberalen Marktwirtschaft gedeihen. Dirigismus zerstört Kreativität.

Es muß ein gesellschaftlicher Grundkonsens vorhanden sein, daß allein der Markt also der Verbraucher, der Anwender, über die Akzeptanz von Innovationen entscheidet. Jede Art von Akzeptanz-Bevormundung ist abzulehnen. Auch muß der Grundkonsens die Bereitschaft einschließen, alte Produkte und Verfahren, und damit auch alte Arbeitsplätze, wirklich verschwinden zu lassen.

Professor Kurt Biedenkopf stellte fest, daß in der Geschichte der Technik neue Erkenntnisse und technische Innovationen von etablierten Kräften immer nach dem gleichen Schema bekämpft werden.

Erste Stufe: "Das ist technisch gar nicht machbar". Ist dieses Argument entkräftet, folgt die zweite Stufe: "Dafür gibt es keinen Markt". Stellt sich auch diese Behauptung als nicht haltbar heraus, kommt Stufe drei: "Das ist für den Menschen schädlich".

So wurde auch bei der Einführung der Eisenbahn die da malige medizinische Prominenz bemüht, nachzuweisen, daß der Mensch in einem mit 25 Stundenkilometer fahrenden Zug verrückt wird.

Subventionen sind in aller Regel innovationsschädlich, da sie die Notwendigkeit von Substitutionen überdecken und damit gegen tatsächliche Marktentwicklungen wirken.

Auch Protektionismus verzögert notwendige Substitutionsprozesse und behindert damit die Innovation. Beispiel ist der Autofahrer, der Gas gibt und gleichzeitig bremst. Entweder würgt er den Motor ab oder er kommt ins Schleudern.

Diese wenigen Punkte zeigen, daß zwischen der Wunschvorstellung von einem innovativen Klima und unserer Wirklichkeit erhebliche Diskrepanzen bestehen. Beharrende Kräfte neigen zu dirigistischen Maßnahmen und engen damit den für Innovationen erforderlichen Freiraum ein.

Abschließend noch ein Wort zur Innovation. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird Innovation meist gleichgesetzt mit neuen Produkten und Verfahren der "Hochtechnologie". Abgesehen davon, daß ich als Techniker keine rechte Definition für Hochtechnologie weiß, halte ich diese Identifikation für falsch. Eine Volkswirtschaft kann nicht nur von Hochtechnologie leben, und Spitzentechnik allein kann nicht das gesamte Wachstum tragen und die benötigten Arbeitsplätze zur Verfügung stellen. In den USA sind die meisten neuen Arbeitsplätze in den letzten Jahren keineswegs in High-Technology Branchen entstanden, sondern durch Innovationen überwiegend im Dienstleistungsbereich. Nur etwa 1,5 Prozent der in den USA neugegründeten Firmen beschäftigen sich mit Hochtechnologie.

Innovationen gibt es in jeder Branche, auf jedem Gebiet, und sie können - im Vergleich zur Hochtechnologie - auch durchaus primitiv sein. Ich denke an das Beispiel McDonalds. Die Idee zum Aufbau dieser Kette war eine Innovation, und sogar mit hohem wirtschaftlichen Erfolg. Alle meine Aussagen zu Innovation, Substitution und Rationalisierung sind daher in gleicher Weise auf Neuerungen außerhalb der Hochtechnologie anzuwenden.

Wir veröffentlichen einen Auszug aus einer Rede anläßlich des 38. Deutschen Betriebswirtschaftertages Schmalenbachgesellschaft. @