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31.10.2003 - 

Welche technischen Entwicklungen bevorstehen und wie CIOs damit umgehen

Innovationen erst ab 2006 in Sicht

Mit Peter Sondergaard, General Manager Research Europe, Middle East, Africa von Gartner, sprach CW-Redakteur Christoph Witte über die Entwicklung des IT-Marktes in den nächsten Jahren.

CW: Womit haben wir im kommenden Jahr im IT-Markt zu rechnen?

SONDERGAARD: 2004 schätzen wir die Wachstumsmöglichkeiten besser ein als in diesem Jahr. 2003 steht unter dem Zwang zur Kostenoptimierung. Es geht darum, den Betrieb aufrechtzuerhalten, das auszunutzen oder in Gang zu setzen, was bereits vorhanden ist. In diesen Zeiten steht der Anwender am Ruder, dem Hersteller geht es schlecht. Auch im nächsten Jahr wird konsolidiert, aber die Hersteller manövrieren sich langsam wieder in eine bessere Position.

CW: Wie ist das zu erklären?

SONDERGAARD: Wenn Konsolidierungen ein bestimmtes Maß erreicht haben, können Hersteller Upgrades erzwingen. Zum Beispiel hat SAP zum Jahresende ein Zwangs-Upgrade angekündigt. Andere Anbieter werden folgen und das Gleiche tun. Das wird auch im Hardwaresegment passieren.

CW: Können sich Anwender nicht dagegen entscheiden?

SONDERGAARD: Sie haben nur eingeschränkte Wahlmöglichkeiten. Deshalb fließt den großen Herstellern mehr Macht zu - zumindest eine Zeit lang. Das liegt zum Beispiel auch daran, dass in einigen Marktsegmenten die installierte Basis erneuert werden muss. Eine höhere Nachfrage bringt die Hersteller wieder in eine bessere Situation. Außerdem zeichnen sich für 2004 einige technologische Veränderungen ab, die die Nachfrage zusätzlich verstärken. Wir rechnen im nächsten Jahr mit einem Anstieg der IT-Investitionen im einstelligen Prozentbereich. Allerdings werden einige Produktsegmente weiter stagnieren: Zum einen, weil die Hersteller aus lauter Verzweiflung die Preise noch stärker reduzieren, und zum anderen, weil das Preis-Leistungs-Verhältnis beispielsweise im Hardwaresektor weiter verbessert wird.

In anderen Bereichen werden Sie Migrationen sehen, die durch erzwungene Upgrades zustande kommen oder weil die installierte Basis erneuert werden muss. Und hier sind die Hersteller in einer besseren Situation. Für beides lassen sich Beispiele finden: Der Sektor Telecom-Hardware wird weiterhin nicht wachsen. Auch der Unternehmensmarkt für PCs dürfte im kommenden Jahr kaum zulegen Hier beginnt der Erneuerungszyklus erst 2005. In einigen Server-Bereichen ist der Trend zur Konsolidierung ungebrochen - hier machen Preisnachlässe dem Marktwachstum zu schaffen. Andere Bereiche, wie Business-Intelligence-Software oder Data-Warehouse-Produkte und alle Middleware-Kategorien, die helfen, zu konsolidieren und integrieren, werden wahrscheinlich besser laufen als in diesem Jahr. Auch der ERP-Sektor verbessert sich langsam. Es wird aber nicht plötzlich alles besser sein am 1. Januar 2004. Es geht langsam voran. Die beschriebenen Trends werden sich 2005 stabilisieren. Konsolidierung und Machtzuwachs der großen Hersteller werden bis 2006 anhalten. Erst dann sehen wir wieder Raum für Innovationen, die das ausnutzen, was sich bis dahin technisch entwickelt hat.

CW: Welche technischen Entwicklungen werden das sein?

SONDERGAARD: Die IT wird sich weiter in Richtung Realtime-Infrastruktur entwickeln. Das beinhaltet vor allem die Techniken, die benötigt werden, um Utility Computing zu realisieren, das heute noch nichts anderes darstellt als eine Finanzierungsoption. Zweitens setzt sich bis 2006 Wireless Computing auf breiter Front durch. Ab dann können Sie kein Device mehr ohne Wireless-Fähigkeit kaufen. Beide Entwicklungen sind evolutionär.

CW: Bedeutet das, drahtlose Technologien werden nicht zu außergewöhnlichen Investitionen führen?

SONDERGAARD: Ja. Sie werden sozusagen in die IT hineindiffundieren. Der dritte Trend passt dazu: Die Hersteller reduzieren den Stromverbrauch ihrer Geräte drastisch. Das wird uns dem Allways-on-Device sehr schnell näher bringen - und nicht, wie früher prognostiziert, ein Durchbruch in der Batterietechnik. Last, but not least zeichnen sich viertens serviceorientierte Entwicklungs- und Applikationsarchitekturen ab. Hersteller reden in diesem Zusammenhang von modularen und prozessorientierten Lösungen. Bei SAP sind das zum Beispiel die Xapps oder die Netweaver-Technologie. All diese Dinge entwickeln sich evolutionär, aber zur gleichen Zeit. Und unterstützt von einem Markttrend, der weiteren Verbesserung des Preis-Leistungs-Verhältnisses, schaffen sie ab 2006 ein neues Innovationsklima.

CW: Welche Innovationen wird dieses veränderte Klima hervorbringen?

SONDERGAARD: Diese 50-Zillionen-Dollar-Frage können auch wir nicht beantworten. Aber wenn man sich überlegt, dass in den letzten 40 Jahren praktisch alle IT-Investitionen in die gleichen Prozesse geflossen sind, kann man sich vorstellen, dass es an der Zeit ist, die höheren Management-Prozesse auf mögliche Effizienzsteigerungen hin zu überprüfen. Das wird nicht mit einer neuen Zauberformel geschehen, sondern sich aus den Dingen entwickeln, die wir besprochen haben. Instant Messaging beispielsweise: Wenn Sie diese spontane Kommunikation über ein drahtloses Netzwerk betreiben und die richtigen BI-Tools einsetzen, kann das die Entscheidungswege Ihres Unternehmens stark verkürzen.

CW: Es geht also weniger um neue Produkte als darum, wie Unternehmen ihre Prozesse gestalten und Aufgaben bewältigen?

SONDERGAARD: Das könnte so sein. Vielleicht hat es aber auch - und hier spekuliere ich - mit einem serviceorientierten Softwareansatz zu tun. Darunter verstehe ich einen Service, der aus neuer Software und verändertem Prozessdesign besteht. Mobility, Wireless und serviceorientierte Architekturen werden für sich genommen wichtig werden. Aber sie sind nur Auslöser der nächsten großen Welle, nicht die Innovation selbst.

CW: Ist das nicht nur eine besonders schlaue Art zu sagen, dass Sie auch nichts Genaues wissen?

SONDERGAARD: Es wäre dumm zu glauben, dass irgendjemand das voraussagen könnte. Klar wäre es toll, verlässlich prognostizieren zu können, was als Nächstes kommt. Aber selbst, wenn wir es heute wüssten, würde es wahrscheinlich kaum jemanden kümmern und brächte niemanden wirklich weiter.

CW: Wieso nicht?

SONDERGAARD: Zunächst müssten die Beteiligten herausfinden, worin die heutige Krise der IT begründet ist, sonst machen sie die gleichen Fehler wieder. Wenn Sie Leute aus der Industrie fragen, nennen sie immer die Ökonomie als die Ursache für die Schwierigkeiten der IT. Aber das stimmt nicht. In Wirklichkeit sind die Anbieter selbst schuld. Technologie ist immer noch zu teuer, zu unzuverlässig, die Verbindungskosten sind zu hoch, es gibt zu viele verschiedene Hersteller, die das Gleiche anbieten, und weder Anbieter noch Nutzer haben ein ausreichendes Verständnis von Rentabilität. Das sind die Gründe für die Krise der IT.

CW: Sie haben eben ganz kurz die CIO-Agenda erwähnt. Wie werden die technischen Trends die Arbeitsschwerpunkte der CIOs verändern, wenn sie nicht mehr auf Kosten und Konsolidierung konzentriert sind?

SONDERGAARD: Schlaue CIOs werden sich auf die Agilität ihrer Unternehmen konzentrieren. Deshalb rückt alles in den Vordergrund, was mit Realtime-Infrastruktur und Softwareentwicklung zu tun hat, die Geschäftsprozesse adressiert.

CW: Sind Kostenreduktion und Konsolidierung der IT ein nötiger Zwischenschritt zum agilen Unternehmen?

SONDERGAARD: In einem durchschnittlichen Unternehmen beläuft sich der fixe Anteil des IT-Budgets etwa auf 80 Prozent und der variable Anteil auf 20. Bei einigen liegt das Verhältnis sogar bei 90 zu zehn. Kostenbewusste Unternehmen versuchen, dieses Verhältnis zu verändern. Sie streben 60 Prozent fixe und 40 Prozent variable Kosten an - bei tendenziell sinkendem Gesamtbudget.

CW: Das bedeutet dann doch zwangsläufig Outsourcing.

SONDERGAARD: Nein, nehmen Sie beispielsweise ein Infrastrukturprojekt. Wenn das über das gesamte Unternehmen hin ordentlich gemacht wird, dann lassen sich damit feste Kosten reduzieren. Das wäre ein erster Schritt. Das Schlimmste, was ein CIO tun kann, ist aufgrund der Budgetsituation auszulagern. Damit scheitert er garantiert.

CW: Themenwechsel: Wie werden sich Linux und Open Source weiterentwickeln?

SONDERGAARD: Sie werden den Unix-Markt stark beeinflussen. Linux wird Unix ersetzen. Man kann so weit gehen und sagen, spätestens in drei Jahren wird die letzte Unix-Applikation geschrieben worden sein. Und natürlich wird Open Source das Preis-Leistungs-Verhältnis in der IT positiv beeinflussen und die Bewegung hin zu neuen Technologien verstärken. Außerdem wird es in den nächsten zwei Jahren die Demokratisierung der Softwareentwicklung beschleunigen. Südafrika, China, Südostasien und Russland könnten größere Rollen spielen. Mit Open Source gibt es eine Alternative zu den bisher vorherrschenden Entwicklungsumgebungen.

IT meets Business

Viel über die künftigen Herausforderungen, denen IT- und Business-Management gegenüberstehen, erfahren Sie auch auf dem Kongress "IT meets Business" der COMPUTERWOCHE am 19. und 20. November in München. Die Veranstaltung steht in diesem Jahr unter dem Motto "Die neue Ökonomie der IT". Neben den vier großen Themensträngen Kosten und Nutzen der IT, Infrastruktur, Outsourcing und Corporate-Performance-Management hören Sie in verschiedenen Keynotes von hochkarätigen Referenten, was die IT- und Business-Welt umtreibt. So spricht beispielsweise der Gründer des Ifo-Instituts Hans-Werner Sinn über die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Deutschland. Lars Mieritz, Gartner Vice President, redet über die Möglichkeiten, IT-Kosten einzusparen, ohne auf wichtige Funktionen verzichten zu müssen. Darüber hinaus kommen mit Joachim Mahr, mg technologies; Alfred Spill, ABB; Clemens Jochum, Deutsche Bank; Heinz Kreuzer, TUI, und Thomas Tribius, Springer Verlag, CIOs wichtiger deutscher Unternehmen zu Wort.

Weitere Informationen unter www.itmeetsbusiness.de oder telefonisch unter 089/360 86-751 oder 089/360 86- 413.