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15.07.2009

Innovationen trotz Sparzwangs

Robert Gammel 
Viele CIOs nutzen die Krise, um ungeliebte Standardisierungsprogramme durchzusetzen. Die Ersparnisse investieren sie in neue Projekte.

Die IT-Branche fordert keine Abwrackprämie!" Mit diesen Worten eröffnete Bitkom-Präsident August-Wilhelm Scheer die vom Nachrichtenmagazin "Focus" veranstaltete Fachkonferenz "IT-Management der Zukunft - Wege aus der Krise" in Hamburg. Generell sei der ITK-Sektor weniger gebeutelt als der Durchschnitt aller Branchen, berichtete der IDS-Scheer-Gründer. "Die IT ist nicht Verursacher des Problems, sondern Teil der Lösung."

Ob die IT-Organisationen in den Anwenderunternehmen diesem Anspruch gerecht werden, ist allerdings fraglich. Wenn Unternehmen umfangreiche Sparprogramme auflegen müssen, bleiben in den meisten Fällen auch die IT-Budgets nicht verschont. Damit sind für CIOs die Möglichkeiten, das Unternehmen mit innovativen Ideen zu stärken, deutlich eingeschränkt.

Bewegliche Sparziele

Wie sehr IT-Abteilungen hierzulande betroffen sind, erläuterte Kurt Servatius, Executive Vice President der Allianz SE, anhand einer Umfrage des CIO-Colloquiums, an der rund 40 Mitglieder teilnahmen. Demnach müssen 60 Prozent der befragten CIOs mit reduzierten IT-Budgets auskommen; zwei Drittel der von Kürzungen Betroffenen sind sogar gezwungen, mehr als fünf Prozent einzusparen. Die Sparziele würden zudem permanent nachjustiert. 80 Prozent reduzieren der Erhebung zufolge die Aufwendungen für das externe Personal, immerhin 30 Prozent der Befragten entlassen festangestellte Mitarbeiter. Vor diesem Hintergrund fehlten vielerorts die für Innovationen notwendigen finanziellen Mittel, so Servatius. Für die Zurückhaltung macht er aber noch einen weiteren Grund aus: "Deutsche CIOs sind enttäuscht vom Reifezustand vielgepriesener Technologien wie SOA." Lediglich der Trend zur Virtualisierung werde überwiegend positiv bewertet.

"Die Krise ist für die IT kein Grund zum Jammern - die anderen Unternehmensbereiche sind von ihren Auswirkungen ebenso betroffen", betonte Servatius. Zwei Drittel der Befragten sähen darin sogar mehr Chancen als Risiken. So gelinge es in schwierigen Zeiten leichter, heilige Kühe zu schlachten, nicht oder wenig genutzte Systeme abzuschalten und Standardisierungsprojekte entscheidend voranzubringen.

In puncto Harmonisierung hat der VW-Konzern bereits vor der Krise viel Arbeit geleistet. Laut CIO Klaus Hardy Mühleck ist der Automobilbauer vom Abschwung zwar berührt, wird aber nicht gebeutelt wie etliche andere Hersteller. Bereits in den vergangenen Jahren hat das Unternehmen die IT rigide verschlankt und standardisiert. "Wie bei den Fahrzeugen selbst beträgt bei uns die Fertigungstiefe auch in der IT zirka 25 Prozent", erklärte Mühleck. Seine Organisation besteht aus 3500 internen Mitarbeitern, denen rund 9000 externe Kräfte zuarbeiten.

Mittlerweile, so der einstige Audi-Manager, könne der Konzern auf einen markenübergreifenden IT-Baukasten zurückgreifen, der vom Chief Technical Officer (CTO) fortwährend gepflegt werde. Große Einsparungen hätten sich zudem durch ein weltweit einheitliches Output-Management und geschickte Lizenzierungsmodelle erzielen lassen.

"Bei Volkswagen werden generell keine reinen Technologieprojekte mehr gemacht", so Mühleck. Da immer auch die dahinterliegenden Prozesse optimiert würden, spricht er stattdessen von Change-Management-Projekten und rechnet trotz Krise nicht mit Einsparungen im IT-Bereich.

An diesem Punkt setzt auch Peter Wroblowski an. Der CIO der Henkel AG & Co KGaA führte unter dem Titel "Steigende IT-Projekt-Budgets in der Krise" aus, wie sich trotz finanzieller Herausforderungen Innovationen umsetzen lassen. Der Konzern mit einem Jahresumsatz von 15 Milliarden Euro gibt rund sechs Milliarden Euro für Prozesse aus; das IT-Budget beläuft sich auf zirka 300 Millionen Euro. Wroblowski folgert daraus, dass die Kostenhebel im Business wesentlich größer sind als in der IT. Wenn seine Organisation die Kosten um zehn Prozent reduzieren würde, beliefen sich die Einsparungen auf vergleichsweise bescheidene 30 Millionen Euro. Gelänge es dagegen, zwei Prozent der Prozesskosten zu vermeiden, ergäbe sich ein Sparpotenzial von 120 Millionen Euro.

Business-Nutzen als Maßstab

Weil Wroblowski auf beide Effekte setzt, hat er die Strategie ausgegeben, einerseits die laufenden IT-Kosten zu senken und andererseits die Budgets für Projekte mit direktem Nutzen auf der Business-Seite zu erhöhen. Dabei ist es ihm wichtig, strukturierte Bewertungsmaßstäbe an jedes geplante Projekt anzulegen. Die Schätzung der Projektkosten sei hier der einfachere Teil. Schwieriger gestalte sich die Nutzenberechnung. Der Grund: Qualitative Verbesserungen führten beispielsweise zu weniger Fehlern und damit auch zu niedrigeren Kosten; diese aber seien häufig schwer bezifferbar. Beim Ermitteln des Nutzwerts berücksichtigt der Henkel-CIO deshalb auch die geschäftliche Seite. Mit dieser Methode hat er aktuell mehr als 180 Projekte mit einem positiven "Business Case" ermittelt. Mit der so geschaffenen Bewertung des gesamten Projektportfolios kann die IT-Organisation auch kurzfristig erforderliche Änderungen in der Geschäftspolitik umsetzen oder auf veränderte finanzielle Rahmenbedingungen reagieren.

Geht es um die operationalen Kosten, lässt sich laut Wroblowski der Löwenanteil der Sparpotenziale (50 Prozent) mittels Restrukturierungsmaßnahmen verwirklichen, weitere zehn Prozent entfallen auf Optimierungen wie die Zentralisierung der IT-Infrastruktur. 20 Prozent ließen sich bei Henkel ferner durch das Ausnutzen der Einkaufsmacht und entsprechende Nachverhandlungen mit IT-Anbietern und Dienstleistern realisieren. Die so frei gewordenen Mittel reinvestiert Wroblowski in innovative Projekte.

SAP-Betrieb ist "Commodity"

Einen vergleichbaren Ansatz verfolgt Matthias Moritz, CIO der Bayer Healthcare AG. Die Einführung und Pflege von SAP-Systemen sieht er zunehmend als "Commodity", die die ausgegliederte Servicetochter Bayer Business Services innerhalb der Konzernstruktur übernehmen könne. Das Harmonisieren von Plattformen und Systemen nimmt aber auch bei Bayer Healthcare eine wichtige Rolle ein. So führt das Unternehmen derzeit in Deutschland und Frankreich ein CRM-System von Siebel ein; der weltweite Rollout steht bevor. Ein weiteres Ziel ist die Konsolidierung der Rechenzentren.

Generell sieht sich Moritz auf dem Weg von einer eher taktisch ausgerichteten IT-Steuerung hin zum strategischen IT-Management, das Geschäftsprozesse und Innovationen in den Mittelpunkt stellt. Zu den Zukunftsthemen in der IT zählt er unter anderem Mobilität, die innerbetriebliche Kommunikation, globale Prozesse, die Optimierung der Wertschöpfungskette und eine stärkere Ausrichtung auf die Kunden.

Ähnlich wie die Gesundheitsbranche waren bislang auch die großen Energieanbieter von der Krise weniger stark betroffen als andere Industriebereiche. Doch hier stehen nach Jahren mit üppigen Gewinnen schwerere Zeiten erst noch bevor, falls, wie von Experten erwartet, ein stärkerer Wettbewerb einsetzt. Chittur Ramakrishnan, CEO der RWE IT GmbH, rechnet mit großen Herausforderungen, die aufgrund der geplanten EU-Regulierung auf den Mutterkonzern zukämen. Das Unternehmen fährt deshalb ein präventives Sparprogramm.

Geschäftsprozess im Fokus

Selbst in Anwenderunternehmen, die schon von der Krise erfasst wurden, muss sich die Mehrzahl der IT-Mitarbeiter offenbar vergleichsweise wenig Sorgen machen. Viele CIOs betonen, dass sie keine internen Stellen streichen wollen. Beispielsweise Andreas Dietrich, CIO der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB): "Jetzt Personal zu feuern wäre das Dümmste, was man tun kann, weil man die Leute irgendwann wieder dringend braucht." Bayer-CIO Moritz passt seinen Personalbedarf über externe Mitarbeiter an. Peter Wroblowski spart ebenfalls lieber bei den beauftragten Dienstleistern. Andererseits nutzt der Henkel-CIO die Chancen, die sich derzeit auf dem Arbeitsmarkt bieten: "Ich halte es für klug, bei diesem Thema antizyklisch zu reagieren. Wir nutzen die Gelegenheit, IT-Talente zu uns zu holen, da der Personalmarkt das momentan auch hergibt." (wh)

CIO-Tipps in Krisenzeiten

In schwierigen Zeiten gelingt es leichter, heilige Kühe zu schlachten, nicht oder wenig genutzte Systeme abzuschalten und Standardisierungsprojekte entscheidend voranzubringen.

Kurt Servatius, Allianz SE

Wir sind auf dem Weg von einer eher taktisch ausgerichteten IT-Steuerung hin zum strategischen IT-Management, das Geschäftsprozesse und Innovationen in den Mittelpunkt stellt.

Matthias Moritz, Bayer Healthcare AG

Bei Volkswagen werden generell keine reinen Technologieprojekte mehr gemacht. Wir optimieren immer auch die dahinterliegenden Prozesse.

Klaus Hardy Mühleck, Volkswagen AG

Henkel senkt einerseits die laufenden IT-Kosten und erhöht andererseits die Budgets für Projekte mit direktem Nutzen auf der Business-Seite.

Peter Wroblowski, Henkel AG & Co KGaA