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19.10.1979 - 

Pilotprojekt bei der Industrie- und Handelskammer Rhein-Neckar:

Innovationsberatung nutzt Datenbanken

Seit Ende März dieses Jahres verfügt die Innovationsberatungsstelle der Industrie- und Handelskammer Rhein-Neckar in ihrer Hauptgeschäftsstelle Heidelberg über ein Siemens-Bildschirmterminal, mit dem sie auf fünf Fachinformationssysteme in der Bundesrepublik zugreifen kann. Über ein zweites Terminal - ein spezieller Fernschreiber mit Akustik-Koppler - lassen sich auch Datenbanken im Ausland ansprechen.

Die Industrie- und Handelskammern sehen im Rahmen ihres gesetzlichen Auftrags - Förderung der gewerblichen Wirtschaft in der Region - die Innovationshilfe als eine besonders wichtige Aufgabe an. Durch den Aufbau regionaler Innovationsberatungsstellen, die zum Teil durch das BMFT und durch Landesregierungen finanziell unterstützt werden, sollen auch kleinen und mittleren Unternehmen bereits vorhandene Forschungs- und Entwicklungsergebnisse bedarfsgerecht erschlossen werden.

Die Heidelberger Innovationsberatung, die als gemeinsame Beratungsstelle der Kammern Rhein-Neckar und Mittlerer Oberrhein betrieben wird, ist ein Pilotprojekt innerhalb des vom BMFT geförderten Programms "Regionale Innovationsberatungsstellen". Weitere Pilotprojekte laufen bei 15 Industrie- und Handelskammern sowie RKW-Landesgruppen, doch verfügt nur Heidelberg über die Zugriffsmöglichkeit zu Datenbanken. Mit den Pilotprojekten soll die bestmögliche Form der regionalen Innovationsberatung gefunden werden. Die Kosten teilen sich das BMFT und die Kammern.

Das Schaubild zeigt die verschiedenen technisch-wissenschaftlichen Datenbanksysteme, auf welche die Heidelberger Innovationsberatung zugreifen kann. Im nationalen Bereich lassen sich bis jetzt fünf der insgesamt rund zwanzig im Aufbau befindlichen Fachinformationssysteme über ein Bildschirmterminal Siemens-Transdata 8161 erreichen. Mt einem angeschlossenen Drucker können die Fundstellen sofort ausgegeben werden; bei umfangreicheren Ergebnissen übernimmt ein Schnelldrucker in den mit Siemens-Computern ausgestatteten Rechenzentren der Fachinformationssysteme das Ausdrucken der Informationen, die dann mit der Post zugeschickt werden. Die Originalliteratur läßt sich zum Beispiel über die Technische Informationsbibliothek in Hannover beschaffen. Durch die zusätzliche Zugriffsmöglichkeit auf ausländische Datenbanken erreicht man eine praktisch lückenlose Abdeckung aller Sachgebiete und Branchen.

Schwellenangst überwinden

Nach rund dreimonatiger Arbeit mit dem Bildschirmterminal kann die Heidelberger Innovationsberatung, die mit zwei Naturwissenschaftlern, zwei Studenten und einer Sekretärin arbeitet, eine erste Zwischenbilanz ziehen. Dr. Dieter Schumacher, der Leiter der Gruppe, ist davon überzeugt, daß diese Art der Beratung bisher sehr gut angekommen ist, was sich rein äußerlich schon darin zeigt, daß das Team bestens ausgelastet ist.

Die Beratung umfaßt sowohl Fünf-Mann-Betriebe als auch Firmen mit mehreren tausend Beschäftigten. Bei letzteren hofft Dr. Schumacher, daß sie sich - nach, den guten Erfahrungen mit der Recherche über Bildschirmterminals - bald eigene Terminals zulegen werden. Auch bei größeren Unternehmen mußte zunächst eine gewisse Schwellenangst überwunden werden.

Für sehr wichtig hält Dr. Schumacher die Nähe zum Betrieb. Der Berater kommt ins Haus und kann sich so am besten ein Bild davon machen, wie die Beratung sowohl inhaltlich als auch in ihrer Form verlaufen soll. So kann man von den meisten Kleinbetrieben kaum erwarten, daß sie über Erfahrung im Umgang mit Literatur, die zumeist in englischer Sprache vorliegt, verfügen. Ihnen wird man anders helfen als einem größeren Unternehmen, dem schon die Fundnachweise einer Recherche genügen.

In den ersten drei Monaten wurden über die Terminals rund 150 Recherchen durchgeführt, davon etwa ein Drittel bei inländischen Informationssystemen, ein Drittel im In- und Ausland und ein weiteres Drittel nur im Ausland, weil für die Fragestellung noch keine Inlandsangebote vorlagen. Die Palette der zu recherchierenden Themen reichte von der Kerzenherstellung bis zum Kernkraftwerk. Die Trefferquote für brauchbare Ergebnisse liegt bei etwa einem Drittel der Fundstellen, ein weiteres: Drittel der Antworten ist bedingt nützlich. Natürlich hängt die Trefferquote eng mit der richtigen Fragestellung zusammen, mit der Fähigkeit, durch geschickte Kombination relevanter Suchwörter die zutreffende Information in den Datenbanken zu finden.

Fachinformationssysteme zu wenig genutzt

"In bezug auf die Terminaldichte ist die Bundesrepublik noch Entwicklungsland - trotz eines sehr interessanten Datenbankangebotes." Dies ist die Meinung von Dr. Schumacher bezüglich der Nutzung von Informationssystemen in Deutschland (große Unternehmen natürlich ausgenommen). Es würden zwar Millionenbeträge in den Aufbau von Datenbanken investiert, doch würde man zu wenig dafür tun, daß diese Datenbanken auch genutzt werden. Das heißt, die aufwendigen, von der Bundesregierung unterstützten Fachinformationssysteme haben längst noch nicht alle Kunden gefunden, die davon profitieren könnten.

Zum Komfort der Recherchemöglichkeiten selbst äußerte sich Dr. Schumacher kritisch. So hält er die Arbeit mit den amerikanischen Datenbanksystemen "Dialog" (Loockheed) oder "Orbit" (SDC) zur Zeit noch für effizienter, da bei diesen bis zu 100 Datenbanken in einem Lauf angesprochen werden können. In Deutschland muß man mit jedem Fachinformationssystem noch "bilateral" verkehren, das bedeutet jeweils eigene Verträge und getrennte Rechnungen, vor allem aber einen erneuten Dialogbeginn mit meist unterschiedlicher Abfrageprozedur und Dialogsprache beim Wechsel der Datenbank.

Verglichen mit deutschen Datenbanken, mit deren Aufbau allerdings auch später begonnen wurde, bieten die US-Datenbanksysteme ein umfangreicheres Angebot, das vor allem auch Markt- und Wirtschaftsinformationen (teilweise sogar Prognosedaten) umfaßt. Von einem solchen Angebot ist man, in Deutschland noch weit entfernt.

Kristin Mierzowski ist EDV-Fachjournalistin (Elektronische Rechenanlagen).