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13.11.2008

Innovativ sparen - was CIOs in der Krise tun

Die Finanz- weitet sich zur weltweiten Wirtschaftskrise aus. Unternehmen wie SAP drücken heftig auf die Kostenbremse. Was tun CIOs, um in Zeiten wirtschaftlichen Abschwungs ihre tägliche Arbeit zu erledigen?

Das Statistische Bundesamt in Wiesbaden (Destatis) meldete Mitte November, dass die Wirtschaftsleistung Deutschlands im ersten Vierteljahr 2008 zwar noch um 1,4 Prozent gestiegen war. Doch schon in den folgenden drei Monaten sei das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 0,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal gesunken. Zwischen Juli und September 2008 sackte das BIP nochmals um 0,5 Prozent ab. Dieser Trend, so Destatis, werde anhalten.

Die deutsche IT-Branche rechnet denn auch nach einer Umfrage des Branchenverbands Bitkom mit Umsatzeinbrüchen: 42 Prozent der großen Unternehmen und gut ein Viertel der kleinen und mittelständischen Firmen erwarten negative Auswirkungen auf ihr Geschäft. 27 Prozent bekommen schon jetzt weniger Aufträge als kalkuliert. Das sind doppelt so viele wie noch im Oktober 2008.

Angespannt und gelassen

Unternehmen reagieren prompt und teilweise sehr rigide auf die Situation. Die Brand-Mail der beiden SAP-Vorstandsvorsitzenden Henning Kagermann und Leo Apotheker von Anfang Oktober 2008 an die gesamte Belegschaft ging in Windeseile durch die Presse. In der Mitteilung forderten die SAP-Chefs die 51 000 Mitarbeiter in unmissverständlichem Ton ab sofort zu harten Sparmaßnahmen auf. Spätestens von da an war Schmalhans der unumstrittene Küchenchef in deutschen Unternehmen. Ob in Autokonzernen, großen Finanzinstituten oder in der IT-Industrie: Das große Streichkonzert hat begonnen.

Die computerwoche hat sich bei deutschen CIOs umgehört. Die erste Erkenntnis: Viele IT-Entscheider möchten über Einsparungen nicht sprechen - entweder weil sie ihre Belegschaft nicht aufschrecken oder weil sie keine schlafenden Hunde im Management wecken wollen.

Gelassen reagiert man bei der Münchener Rück. Der dortige CIO Rainer Janßen sieht bislang keine Auswirkungen für den IT-Geschäftsbereich.

Auf ein Minimum reduziert

Anders hört sich die Einschätzung zur momentanen Lage bei Bodo Deutschmann an, dem Leiter IT-Organisation der Kögel Fahrzeugwerke GmbH in Burtenbach.

Deutschmanns Aussagen sind deutlich: "Die Investitionen, die für 2009 geplant waren, sind bis auf ein Minimum zurückgestellt worden. Nur das, was der Sicherstellung des Betriebs dient oder gesetzlich vorgeschrieben und somit notwendig ist, kann gemacht werden."

Die Entscheidung, welche ITK-Projekte wie behandelt werden, richte sich stark daran aus, welche gesetzlichen Vorschriften eingehalten werden müssen. Dagegen stehen der geplante Ausbau der Server-Zahl und der Storage-Kapazitäten nun hinten an, sagt Deutschmann. Auch die Einführung von ERP-Anwendungen von SAP fliegt bei Kögel notgedrungen Warteschleifen.

Die IT-Verantwortlichen beim Nutzfahrzeuganbieter sparen im Übrigen da, wo auch andere Unternehmen den Rotstift zuerst ansetzen: an den Ausgaben für externes Personal. Im konkreten Fall sind dies Dienstleistungen und Wartungen, die durch Dritte erledigt werden, sagt Deutschmann.

Pläne für den Ernstfall

Die Freudenberg Haushaltsprodukte KG in Mannheim konstatiert laut CIO Harald Berger noch keine konkreten Auswirkungen auf die ITK-Investitionen. Freudenberg habe allerdings den Einfluss der Finanzkrise auf das Geschäft im nächsten Jahr noch nicht abschließend eingeschätzt.

Unabhängig von aktuellen Ereignissen etablierte das Unternehmen aber bereits vor zirka zwei Jahren einen strukturierten Portfolio-Management-Prozess für alle IT- und Organisationsprojekte. Berger: "Daraus leitet sich auch immer eine Priorisierung für diese Projekte ab."

Grundsätzlich lasse sich sagen, dass all jene Projekte Vorrang haben, die "entweder das Bottom-Line-Ergebnis nachhaltig verbessern oder durch die Anforderungen unserer Kunden getrieben sind", sagt der CIO. Dazu zählen unter anderem Supply-Chain-Optimierungsprojekte, Verbesserungen des Customer-Service-Levels "oder auch Projekte zur Verbesserung unserer Effektivität im Außendienst".

Klare Vorgaben regeln bei Freudenberg auch, welche ITK-Planungen dem Rotstift zuerst zum Opfer fallen: "Gestrichen wird zuerst bei allen Projekten, deren Geschäftsnutzen gering ist oder bei denen das Geschäftsrisiko klein ist, wenn das Projekt wegfällt."

Keine großen Einbrüche befürchtet

Beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. in der Helmholtz-Gemeinschaft (DLR) ist CIO Hans-Joachim Popp relativ entspannt: "Unser Ruf und unsere Akzeptanz sind derzeit recht groß, so dass wir keine besonders hohen Einbrüche fürchten. Dies mag sich mit zunehmender Verschärfung der Lage ändern."

Ganz allgemein werden, so Popp, alle Konzepte zum Energiesparen mehr denn je Konjunktur haben. Darüber hinaus hat der CIO einen klaren Plan, welche IT-Projekte unbedingt realisiert werden müssen und welche auf die lange Bank geschoben werden können. Erledigt werden müssten "alle Projekte, die nicht mehr durch Prozessoptimierungen auf Basis der bestehenden Werkzeuge umgesetzt werden können".

Bei der Entscheidung, welche IT-Aktivitäten in der jetzigen Situation absoluten Vorrang besitzen, sei auch die Zahl der von einer Verbesserung betroffenen Endanwender wichtig. Bedenkenswert ist laut Popp darüber hinaus, ob die erzielbaren Effekte "sehr stark skalierbar" sind. Wenn also etwa durch eine IT-Lösung bei der täglichen Arbeit einer großen Zahl von Mitarbeitern viel Zeit eingespart werden kann, "dann genießt das Vorhaben Priorität".

Höchste Aufmerksamkeit: Security

Höchste Aufmerksamkeit besitzen bei der DLR "natürlich Themen aus dem Bereich Security und Continuity-Management". Klar wird aus den Aussagen Popps auch, dass sich der IT-Verantwortliche des Wissenschaftsinstituts auf die Erledigung der nur scheinbar alltäglichen Aufgabenstellungen konzentriert. "Applikationsseitig wird etwa ECM - also die gezielte Unterstützung des Dokumenten-Lebenszyklus - bei wissenschaftlichen Ergebnisdaten und Projektdokumentationen gegenüber Themen wie Social Software, Wikis oder Blogs klar bevorzugt."

Popp macht sich allerdings auch Gedanken darüber, was passiert, wenn "uns Auftragseinbrüche ereilen". Zunächst würde er dann "natürlich an den schleichenden Nebenkosten" sparen, bei den nur auf den ersten Blick "kleinen Beträgen, die sich zu Millionen addieren".

Warnung vor falschem Sparen

Popp warnt vor Sparwahn. Strategisch falsches Sparen in und an der IT könne kontraproduktiv sein: "Insgesamt ist der Wertschöpfungsanteil der IT an unserem Kernprozess inzwischen so hoch, dass eine Einsparung an der falschen Stelle die Lage eher verschlechtern würde."

Innovation bleibt wichtig

Das IT-Marktforschungs- und Beratungsunternehmen Gartner unterstützt Popps Argumentation. Gerade in Zeiten wirtschaftlicher Krisen oder gar der Rezession seien Innovationen um so wichtiger. Natürlich komme es darauf an, den richtigen Zeitpunkt zur Umsetzung zu finden. Hierbei sollten sich Unternehmen von drei Kriterien leiten lassen, empfiehlt Gartners Vice President Mark Raskino: "Wie sehr bringt die Innovation ein Unternehmen weiter? Wie ausgereift ist die Neuerung? Wie gut kann ein Unternehmen mit der Innovation und den damit verbundenen Risiken umgehen?"

Recht gelassen beurteilt bei der Üstra Hannoversche Verkehrsbetriebe AG CIO Peter-Hermann Möller die momentane Krisensituation: "Die globale Finanzkrise hat bezüglich der ITK-Investitionen bei der Üstra Hannoversche Verkehrsbetriebe AG keine direkten Einflüsse."

Möller geht nicht davon aus, dass in der Niedersachsenmetropole und deren Umland Menschen auf die Dienstleistungen der Hannoverschen Verkehrsbetriebe verzichten werden. Einschränkung des Üstra-CIO: "Wenn sich wegen der Finanzkrise die Arbeitsplätze in der gesamten Wirtschaft reduzieren und sich somit unsere Stammkundschaft verkleinert", verändere sich die Situation.

Krise als Chance

Möller sieht in der Finanzkrise sogar eine Chance. "Für Abnehmer von IT-Dienstleistungen kann es vorteilhaft sein, bei zukünftigen vertraglichen Projektabstimmungen mit der IT-Industrie optimierte Konditionen zu erzielen."

Natürlich gibt es bei der Üstra eine Rangfolge der Projekte. Wichtig ist, was Nutzen schafft und was der Wirtschaftlichkeit der ITK in die Hände spielt. Vorrang hat auch, was die Erfüllung gesetzlicher Anforderungen oder die Kundenbeziehungen betrifft.

Nicht überraschend kommt auch im Hannoveraner Verkehrsbetrieb Projekten, die Kernprozesse des Unternehmens betreffen, höchste Aufmerksamkeit zu: "Das betrifft alle Planungen, die den be- und vertrieblichen Bereich und die dazu erforderlichen Projekte umfassen." Niedriger in der Werteskala rangieren hingegen Innovations- oder Erneuerungsvorhaben.