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16.07.1999 - 

Arbeitsmarkt/Bedarfsgerechte IT-Fortbildungen erhöhen Vermittlungsquote

Innovative Arbeitsämter und Firmen helfen Arbeitslosen

16.07.1999
Von Veronika Renkes* Die Arbeitsämter und die Weiterbildungsanbieter haben aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt. Zumindest für den IT-Sektor werden zunehmend Kurse angeboten, die von den Arbeitgebern auch tatsächlich nachgefragt werden.

Eine hundertprozentige Arbeitsplatzgarantie zu gewährleisten - das scheint auf den ersten Blick unseriös zu sein. Doch Weiterbildungsanbieter, die sich auf die Vermittlung von IT-Know-how spezialisiert haben, können inzwischen recht zuverlässig nachweisen, daß sich hinter solchen Versprechungen mehr als nur ein Marketing-Gag verbirgt.

Wichtige Voraussetzung allerdings: Die Angebote und die Ausbildung müssen auf die Bedürfnisse der Unternehmen abgestimmt und die Qualifikationen am Markt gefragt sein. Die Ausbildung zum Microsoft Certified Systems Engineer (MCSE) ist dafür ein Beispiel. "Die Absolventen gehen weg wie warme Semmeln", erzählt Kristina Iffländer, Marketing-Leiterin der Bildungszentren der Ditec Informationstechnologie GmbH & Co. KG in München.

Gemeinsam mit der Deutschen Telekom AG in Bonn, dem Kölner IT-Weiterbildungsanbieter Prokoda, Siemens und der Microsoft AG bietet Ditec unter dem Namen Skin (Skill Improvement Network) ein berufsbegleitendes Ausbildungsprogramm zum MCSE an. Der sechsmonatige Kurs richtet sich an Mitarbeiter kleiner und mittelständischer Unternehmen, arbeitslose Hochschulabsolventen und selbständige Berater. In einer Kombination aus Seminaren und Selbstlernphasen sowie Telelearning über den Online-Lerndienst Global Learning der Deutschen Telekom qualifizieren sich die "Azubis" zu Systemspezialisten.

Ein Gespür für die Bedürfnisse künftiger Arbeitgeber beweisen die Münchner auch mit dem Angebot "Zertifizierter Internet Webmaster", das seit April 1999 in Berlin, Hamburg, Köln, Frankfurt, Stuttgart, Donaueschingen und München auf dem Programm steht und vom Arbeitsamt gefördert wird. Durch eine Kooperation mit den Personaldienstleistern ITManpower und der Pecon GmbH soll den Arbeitssuchenden der Einstieg ins Berufsleben erleichtert werden.

Der Certified Internet Webmaster (CIW) mit Schwerpunkt auf Security und E-Commerce oder Web-Design und Web-Anwendungsentwicklung ist eine 25wöchige Vollzeitausbildung. Entwickelt wurde sie vom Internet Certification Institute International (ICII) - einem weltweit agierenden Anbieter von herstellerunabhängigen Internet-Trainings. Die Maßnahme richtet sich vorwiegend an DV-Praktiker, Hochschulabsolventen mit DV-Kenntnissen sowie an Kaufleute und Journalisten.

Die Berufsperspektiven der angehenden Webmaster sind nach heutigen Prognosen erfolgversprechend: Nach einer aktuellen Studie der International Data Corporation (IDC) zum Internet-Arbeitsmarkt werden bis zum Jahr 2002 in Deutschland knapp 200000 offene Stellen rund um Internet und E-Commerce nicht besetzt werden können, weil die Fachkräfte fehlen.

Um die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage schließen zu helfen und vor allem den Arbeitslosen einen Ausweg aufzuzeigen, hat die Bundesanstalt für Arbeit im vergangenem Jahr eine Milliarde Mark dafür aufgewendet, Arbeitslose für den IT-Sektor zu qualifizieren. Rund 30 000 Personen haben bundesweit daran teilgenommen.

So sehr der IT-Arbeitsmarkt derzeit auch boomt, einen entscheidenden Beitrag zur Beseitigung der hohen Arbeitslosenzahlen wird er dennoch nicht leisten können. Die IT-Branche sucht vor allem hochqualifizierte Kräfte. Arbeitslos gemeldet sind aber insbesondere Personen, die nur geringfügige Qualifikationen mitbringen, warnt Cornelia Stolz, Arbeitsberaterin beim Arbeitsamt Bonn, vor falschen Erwartungen.

So sind beispielsweise 50 Prozent der beim Arbeitsamt Bonn gemeldeten Arbeitslosen Ungelernte, die man nicht ohne weiteres für die hohen Anforderungen in der IT-Branche qualifizieren kann. Laut Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) wurde 1998 die Hälfte der IT-Stellen mit Hochschulabsolventen besetzt. Bei Multimedia-Jobs liegt der Anteil noch deutlich höher. Dennoch hat das Bonner Arbeitsamt im vergangenen Jahr fast acht Millionen Mark für Qualifizierungsmaßnahmen in IT-Kursen investiert. Das sind mehr als 20 Prozent der Haushaltsmittel, die für Schulungen zur Verfügung standen.

Ganz oben auf der Liste der geförderten Schulungen stehen: Multimedia und SAP, objektorientierte Programmiersprachen sowie Fortbildungen zum Datenbank- und Anwendungsentwickler, Client-Server-Kentnisse und Netz-Know-how zu Novell und Microsoft.

Die Angebote richten sich vor allem an Hochschulabsolventen und Fachkräfte mit kaufmännischer Vorbildung. Dabei arbeitet das Bonner Arbeitsamt eng mit den regionalen Unternehmen zusammen, um die Fortbildungen auf deren Bedarf abzustimmen. Allerdings darf das Arbeitsamt nicht für einen Arbeitgeber schulen, sondern muß für den Arbeitsmarkt ausbilden. Das soll garantieren, daß die Umschüler nicht vom Wohl und Wehe eines einzelnen Unternehmens abhängig sind, sondern sich tatsächlich überall bewerben können.

Diese Regelung birgt allerdings einen eklatanten Nachteil für die Budgets der Arbeitsämter: Arbeitgeber, die dringend IT-Spezialisten benötigen, um zu expandieren, können sich nicht an den Ausbildungskosten für künftige Mitarbeiter beteiligen: Für die leergefegten Kassen der Arbeitsämter würde das eine erhebliche finanzielle Entlastung darstellen und böte vor allem den Spielraum, mehr Fortbildungen anzubieten.

Trotz aller Einschränkungen - die Absprache und Kooperation mit der heimischen Wirtschaft zeigt positive Auswirkungen: Firmen präsentieren sich mittlerweise auf Fortbildungen und in Seminaren, um so begehrte Fachleute für SAP oder die Jahr-2000-Umstellung zu gewinnen.

Bedarfsgerechte Qualifizierung steht auch im Mittelpunkt des vom Kölner Arbeitsamt geförderten IT-Selbstlernzentrums. Das Projekt basiert auf einer engen Zusammenarbeit zwischen dem Kölner Arbeitsamt und einem Kölner IT-Dienstleiter. Die zugrundeliegende Idee: Arbeitslose sollen sich im Selbstlerntraining weiterqualifizieren - je nach individuellem Lerntempo und Wissensstand.

Den Vorteil dieser Ausbildungsvariante nennt Peter Fuß, Direktor des Kölner Arbeitsamts: "Man muß nicht warten, bis ein Training beginnt, sondern kann genau an der Stelle weitermachen, wo die individuellen Kenntnisse aufhören." So komme der Interessierte schnell auf den optimalen Kenntnisstand und stehe dem Arbeitsmarkt mit besserer Qualifikation zur Verfügung.

Eine Arbeitsplatzgarantie verspricht auch SQS - Gesellschaft für Software-Qualitätssicherungs mbH in Köln mit ihrem Aus- und Weiterbildungsangebot zum Fachlichen Qualitätssicherer. Während der dreimonatigen Ausbildungsphase lernen die Teilnehmer unter anderem, wie sie die Anforderungen von Software-Anwendern ermitteln und prüfen. Als Spezialisten für das Software-Qualitäts-Management können sie später in Unternehmen kontrollieren, ob die geplanten oder realisierten Softwareprogramme die fachlichen und technischen Anforderungen erfüllen.

Angeklickt

So sehr der IT-Arbeitsmarkt derzeit auch boomt, einen entscheidenden Beitrag zur Beseitigung der hohen Arbeitslosenzahlen wird er dennoch nicht leisten können. Die IT-Branche sucht vor allem hochqualifizierte Kräfte, arbeitslos gemeldet sind aber in erster Linie Personen, die nur geringfügige Qualifikationen mitbringen. Die vom Arbeitsamt geförderten Kurse bieten indes auch Quereinsteigern ohne Computerkenntnisse die Chance, in der IT-Branche unterzukommen.

*Veronika Renkes ist freie Journalistin in Bonn.