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14.04.1989

Innovative Strategien für eine elektronische Bestandskontrolle: Rationalisierung durch Warenwirtschafts-Systeme

Entscheidende unternehmerische Fähigkeiten wie Ideenreichtum und Intuition werden zunehmend von empirischen Verfahren ergänzt. Eine zentrale Bedeutung zur Kostenreduzierung wächst dem Warenmanagement zu. Elektronische Regaletiketten. Scanning und Self-Scanning senken Lagerkosten und verkürzen die Warenumlaufzeiten.

Als unternehmerisches Planungs-, Kontroll- und Entscheidungsinstrument, ist ein leistungsfähiges und flexibles Warenwirtschafts-System (WWS) mehr denn je eine zwingende Voraussetzung für ein erfolgreiches Warenmanagement. Die Integration von Insellösungen ermöglicht eine bessere Ausschöpfung vorhandener Rationalisierungs-Potentiale. Dies war eine der Kernaussagen des diesjährigen NCR-Warenwirtschafts-Seminars, das kürzlich in Koblenz abgehalten wurde.

Nach Ablösung der Individualkonzepte in den siebziger Jahren gewinnen heute datenbankorientierte Warenwirtschaftssysteme mit neuer Softwaretechnologie und erweiterten Funktionsanforderung an Bedeutung. Im Zuge dieses Generationswechsels in der Anwender-Software haben sich auch die Kundenanforderungen deutlich geändert. Eine von NCR durchgeführte Marktanalyse hat hierbei folgende Schwerpunkte herauskristallisiert:

- Der Anwender will auf das am Markt vorhandene Know-how nicht verzichten und bestehende (kostengünstige) Lösungen einsetzen;

- gleichzeitig fordert er aber mehr Flexibilität und Sicherheit für eigene Entwicklungsschritte, als dies in der Vergangenheit möglich war. Die Stichworte lauten also offene Systemarchitekturen, Zugang zu einem breiten Hard- und Softwarespektrum, größere Konfigurations-Flexibilität, offene Wachstums- und Migrations-Pfade, Investitionssicherheit sowie hohe Produktivität durch den Einsatz innovativer Werkzeuge.

Nach den Worten von Michael Bierther, Leiter Anwendungsentwicklung Einzelhandel EDAG Edeka Datenverarbeitungs GmbH, Hamburg, erfordert die sinnvolle Nutzung eines Warenwirtschaftssystems-Investitionen, die nicht allein durch den Hard- und Softwarekauf bedingt sind, sondern sich vor allem aus der Notwendigkeit der Personalschulung und -motivation wie auch der Entwicklung eines geeigneten organisatorischen Umfeldes ergeben.

Laut Bierther ist es ein Trugschluß zu glauben, daß bereits der Einsatz eines computergesteuerten Warenwirtschaftssystems die gewünschte Ordnung im Betrieb bringe. Die bisherige Erfahrung zeigt vielmehr, daß die Entwicklung und Einführung des WWS in Stufen erfolgen sollte. Die Vorteile der schrittweisen Implementierung mit der Zielsetzung eines geschlossenen Systems liegen in erster Linie beim allmählichen Heranführen der Mitarbeiter an neue Techniken und Informationen, der leichteren Mängelbeseitigung und Konsolidierung und nicht zuletzt bei einer verbesserten Kosten-Nutzen-Relation.

Die Berufsbilder des Einzelhandels tragen heute in der theoretischen und praktischen Ausbildung den Veränderungen Rechnung. Angehende Einzelhandels-Kaufleute, Handelsassistenten und Handels-fachwirte lernen nicht nur Grundzüge von Hardware-Architektur, Betriebssystem und Programmierung kennen, sondern sie müssen sich auch mit den neuen Informationsinhalten des WWS auseinandersetzen, um künftigen Aufgaben gewachsen zu sein.

Nach den Worten von Manfred Wallner, Leiter Branchenmarketing NCR GmbH, Augsburg, benötigt der Unternehmer neben Ideenreichtum und Intuition empirische Verfahren, um betriebliches Erfolgspotential voll ausschöpfen zu können. Dieses reicht von der unternehmerischen Ausrichtung eines Betriebes (zum Beispiel Sortimentsbreite und -tiefe) über Kenngrößen und Leistungsparameter (zum Beispiel Umsatz, Wareneingang Lagerbestand) bis hin zur Logistik (zum Beispiel Regalplatz-Zuordnung).

Die analytische Auswertung von WWS-Informationen, wie sie zum Beispiel von DPR (Direkte Produkt Rentabilität) propagiert wird, hat nicht nur Auswirkungen auf die Auswahl der Artikel und ihre Plazierung im Regal, sondern auch auf die Gestaltung von Verpackungseinheiten und die Organisation der Lagerverwaltung.

Wie weiter referiert wurde, kommt dem Einsatz von mobilen Datenerfassungsgeräten (MDE) eine stetig steigende Bedeutung zu. Da die MDE eine Bestellung direkt am Regal ermöglichen, bleibt der Bezug zur Ware erhalten. Die Übermittlung der Daten an die Zentrale erfolgt über Akustikkoppler oder lokales Auslesen in den Filialrechner (PC oder Mehrplatzsysteme) mit anschließender Protokollierung. In diesem Fall übernimmt dann der Filialrechner die DFU an die Zentrale oder den Lieferanten. In den USA wird seit zirka vier Jahren das Quick-Response-/ Just-in-time-Verfahren in einem weit angelegten Feldversuch erprobt. Es handelt sich dabei um ein Verfahren das in leicht abgewandelter Form bereits von der Industrie eingesetzt wird, um den Lagerbestand auf möglichst niedrigem Niveau zu halten.

Im Bereich der Artikelauszeichnung werden derzeit von einigen Geschäften elektronische Regaletiketten getestet. Dieses System hat unter anderem folgende Vorteile: gut lesbare Anzeige der Wareninformation auf elektronischem Wege; automatische Änderung der Regalauszeichnung bei Änderungen in der zentralen Artikeldatei, physisches Anbringen der Regaletiketten entfällt; zeitgenaue Artikelinformation; schnelle Reaktionsmöglichkeiten. Der Nachteil: Die Kosten sind derzeit noch beträchtlich. Es wird demzufolge einige Zeit dauern, bis sich elektronische Displays als Ersatz traditioneller Regaletiketten durchsetzen werden.

Eine der Voraussetzungen für ein WWS ist es, für jeden Einzelartikel die verkaufte Menge in Stück und Wert zu erfassen. Dabei ist das PLU-Verfahren (PLU = "Price-Look-Up"), das unterschiedliche Ausbaustufen wie manuelle Eingabe, Scanning und Self-Scanning beinhaltet, auf dem Vormarsch.

Die manuelle Eingabe ist vor allem dort sinnvoll, wo wenige, schnell drehende Artikel des täglichen Bedarfs erfaßt werden sollen. Für die artikelgenaue Erfassung größerer Sortimente im Lebensmittelbereich setzt sich dagegen das (klassische) Scanning immer mehr durch. Noch einen Schritt weiter geht das Self-Scanning, das derzeit in den USA getestet wird. Hier registriert der Kunde seine Ware selbst. Die Kassiererin ist lediglich für die Abwicklung des Geldverkehrs zuständig. Bei diesem Verfahren ist das Problem der Kontrolle, ob alle Artikel vom Kunden auch korrekt registriert wurden, noch nicht endgültig gelöst.

Ebenfalls bei Kundenbestellungen (mündlich oder schriftlich) müssen im wesentlichen die gleichen Informationen dem WWS zugeführt werden, wie beim Verkauf im Geschäft. Gleiches gilt für das Teleshopping und den Einsatz von Selbstbedienungsterminals über Video oder Bildplatte. Ein zukunftsweisendes WWS muß natürlich auch diese Geschäftsaktivitäten abdecken.

Scannerdaten und scannergestützte Wirkungsanalysen haben nach den Worten von Michael Reiner, Hauptabteilungsleiter Scanner-Informationssysteme, GfK mbH &, Co. KG, Nürnberg, weitreichende Perspektiven und stellen mittelfristig einen Eckpfeiler einer strategisch ausgerichteten Planung und Steuerung dar.

Mit der Bereitstellung und Fortentwicklung des GfK-Systems Topos wird dem Anwender im Handel ein umfassendes Analyseinstrumentarium zur Verfügung gestellt, von dem er unmittelbar Nutzen ziehen kann. Der Vorteil für ihn liegt unter anderem darin, daß er auf eine breite Datenbasis und erprobte Verfahren zurückgreifen kann. Die GfK Handelsforschung hat mit dem Topos Konzept - Topos steht für Totalkontrolle POS - ein System entwickelt das basierend auf der Integration verschiedener, unabhängiger Daten quellen ein Optimum an Informationsqualität mit einem effizienten Rechnersupport für die Anwender sicherstellt.

Die GfK stützt sich dabei auf das Datenmaterial des Madakom-Pools, des größten deutschen Scanner-Pools mit über 100 Märkten. Die GfK Handelsforschung Nürnberg sammelt schon seit 1981 die anfallenden Scannerdaten ausgewählter Einzel handelsunternehmen (wie ReWe-Leibbrand-Gruppe, Tegut, dm-Gruppe und bereitet diese Informationen nutzergerecht auf.

Laut den Ausführungen von Hans Bertram vom Branchenmarketing Handel, NCR GmbH, Augsburg, darf bei aller Technikbegeisterung nicht übersehen werden, daß Informationssysteme nur Mittel zum Zweck sind. Die Erreichung der betriebswirtschaftlichen Ziele ist der Maßstab, an dem WWS-Lösungen gemessen werden müssen. Schnelle Reaktion auf sich verändernde Informationswünsche ist dabei angesichts des ständigen Wandels im Handel ein wesentliches Kriterium.

Bei der Wahl eines WWS sollte der Anwender nach den Worten von Bertram Hard- und Software an dem von ihm gewünschten Funktions- und Leistungsspektrum messen und dabei überprüfen, ob die angebotene Lösung auch zukünftig seinen Bedürfnissen gerecht werden kann.

*Volker Heiner ist freier Fachjournalist in Krefeld