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15.07.1994

Innovatoren jammern nicht

Ein Bilderbuchstart war dem Client-Server-Computing ohnehin nicht vorausgesagt worden. So ueberrascht nicht so sehr, dass neuerdings Kritik laut wird (Seite 4: "DeBoever: Client-Server setzt klare Aufgabenstellung voraus"), als vielmehr die Argumentation, die vor Platitueden nicht zurueckschreckt. Die Entwicklung von proprietaeren hin zu offenen, verteilten DV-Systemen, in deren Zusammenhang das Client-Server-Konzept entstand, ist ausfuehrlich beschrieben worden. Es waere naiv, im nachhinein altruistische Absichten bei den Anbietern zu vermuten - fuer viele stand die Firmenexistenz auf dem Spiel. Mit herstellerspezifischen Rechnerarchitekturen ohne Breitenwirkung - gemessen am Gesamtmarkt - hatten sie sich selbst ins Abseits manoevriert.

Zuletzt ging es auch der IBM so. Laengst kann der Alt-Mainframer die Bedeutung konkurrierender Plattformen im Client-Server-Markt nicht mehr ignorieren. Neben Hewlett-Packard, Sun, Compaq, SNI, Digital und anderen muss Big Blue seinen Platz erst finden. Die Hardware ist indessen aus der Sicht der Kunden austauschbarer geworden - Grund genug fuer die Hersteller, erneut ueber Produkt- Differenzierungen nachzudenken, die proprietaere Zuege tragen.

Bei den Anwendern stand weniger die idealistische Vorstellung im Vordergrund, vernuenftige Open- Systems-Alternativen zu haben, als vielmehr der Wunsch, nicht laenger dem Zwang zur IBM-Gefolgschaft zu unterliegen. Fragt man sich rueckwirkend, wie die IBM diese Macht ausueben konnte, so ist die Antwort, dass sich viele Anwender ihrer Abhaengigkeit gar nicht bewusst waren. Doch die Frage hat an Bedeutung verloren.

Berichte, in denen etwa die Schwachpunkte der Client-Server- Angebote zu Recht herausgegriffen und kritisiert werden, verunsichern gerade diejenigen IS-Verantwortlichen, die mit der Erneuerung der DV begonnen haben. Das Ergebnis ist hier wie dort, dass Nein-danke-Propaganda auf fruchtbaren Boden faellt: von den Anbietern gegen vermeintlich innovationsfeindliche Open-Systems- Standards, von Beratern gegen Client-Server-Loesungen, von denen man nicht wissen koenne, unter welchen Hardware-, Betriebssystem- und Middleware-Voraussetzungen sie einsatzfaehig seien. Deshalb scheut man Experimente bei Investitionen in die DV - einfacher, schneller und billiger sollte die Informationstechnik sein, an der die Hersteller dann nichts mehr verdienen koennen.

In diesen Behauptungen steckt nichts, was nicht sehr schnell widerlegt werden koennte. Was wollen denn die Hersteller schuetzen, wenn sie ueber die Gleichmacherei durch offene Standards jammern? Durch Originalitaet, die dem Anwender wirklich etwas bringt, zeichnen sich die wenigsten proprietaeren Produkte aus. Viel wird an zusaetzlichen Features hineingepackt, allein um die Konkurrenten zu aergern. Was bleibt? Das bahnbrechend Neue wird durch Standards nicht verhindert. Innovative Anbieter jammern nicht, wie auch mutige Anwender wissen, dass der technologische Fortschritt fuer sie arbeitet - die Client-Server-Entwicklung eingeschlossen.