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13.10.1995

Input prophezeit Veraenderungen im IT-Trainingsgeschaeft Geld gibt es in der Zukunft nur noch beim Nachweis des Nutzens

Ein jaehrliches Plus des europaeischen DV-Schulungsmarktes von fuenf Prozent prognostizieren Marktforscher bis zur Jahrtausendwende. Allerdings werden Seminaranbieter, die nicht nachweisen koennen, dass Training einen konkreten Nutzen fuer Unternehmen bringt, von diesem Wachstum wenig profitieren, meint Andreas Pestinger*.

Marktforscher kommen zu dem Schluss, dass der Anteil des DV- Schulungs- und Weiterbildungsmarktes am gesamten etwa 100 Milliarden Dollar schweren europaeischen Software- und Servicesmarkt mit zirka 2,5 Prozent fuer 1995 noch recht gering ausfaellt. Befragungen der Schulungsanbieter und

-Kunden deuten indes auf eine Trendwende hin.

Der DV-Schulungs- und Weiterbildungsmarkt in Europa wird fuer 1995 auf rund 2,5 Millarden Dollar beziffert und waechst mit schaetzungsweise fuenf Prozent jaehrlich auf drei Milliarden Dollar bis zum Jahr 2000. Das liegt leicht unter den Wachstumsraten fuer den Gesamtmarkt Software und Services, der zwischen sechs und sieben Prozent jaehrlich zunimmt und im Jahre 2000 ein Volumen von 129 Milliarden Dollar erreicht haben wird.

Um das Schulungs- und Weiterbildungspotential auszuschoepfen, empfehlen die Input-Analysten den Dienstleistern, ihre Perspektive im Zusammenhang mit den Wissenstransfer-Moeglichkeiten zu erweitern. Hierzu gehoert:

- das Erkennen von Wachstumsbarrieren fuer konventionelle Trainingsbudgets,

- eine Einschaetzung und Bewertung der augenblicklichen Wettbewerbssituation und

- die Entwicklung geeigneter Strategien, um das Potential innovativer DV-Schulungs- und Weiterbildungsmoeglichkeiten auszuschoepfen.

Das von den Anbietern erhoffte Wachstum der DV-Schulungs- und Weiterbildungs-Budgets blieb bisher hinter den urspruenglichen Erwartungen zurueck. Hierfuer lassen sich eine Reihe von Gruenden anfuehren. So haben beispielsweise Unternehmensleitungen im allgemeinen wenig Sympathie fuer formale Trainingsprogramme uebrig. Sie bevorzugen eher Wege des informellen Wissenstransfers. Der Nachweis tatsaechlicher Nutzenvorteile fuer das jeweilige Unternehmen und ein effektives Controlling koennten hier zum entscheidenden Argument fuer ein Umdenken in den oberen Unternehmensetagen avancieren.

Die zunehmende Anzahl der Endanwender, die in der Lage sind, ihren individuellen Trainings- und Lernbedarf selbst ausreichend zu befriedigen, stellt einen weiteren Hemmschuh dar. Der Einsatz und die Anwendung von Spreadsheets, natuerlichen Abfragesprachen und anderen benutzerfreundlichen Technologien erleichtern den Umgang mit neuer Wissens- beziehungsweise Lernmaterie und verringern die Notwendigkeit professionellen Supports und konventioneller Schulungsmethoden.

Ebenfalls traegt die weitverzweigte Verfuegbarkeit von Trainingsprodukten nicht gerade zur Steigerung der konventionellen Trainings-Budgets bei. Leicht einzusetzende Videolernmittel und innovative Netzwerkdienste werden eine noch differenziertere und anspruchsvolle Unterstuetzung des Wissenstransfers zu niedrigen Kosten ermoeglichen, ohne die Notwendigkeit, auf Helpdesk und andere teure Supportmechanismen zurueckgreifen zu muessen.

Als weiterer Faktor fuer die leicht hinter den Erwartungen zurueckgebliebene Wachstumsentwicklung ist auch der hohe Prozentsatz unternehmensintern durchgefuehrter DV-Schulungs- und Weiterbildungsmassnahmen anzufuehren. Input-Analysen zeigen, dass Betriebe durchaus davon ueberzeugt sind, etwa ein Drittel des IT- Trainingsbedarfes mit Inhouse-Ressourcen allein bewaeltigen zu koennen. Firmen verneinen die Gefahr einer generellen "Skill- Krise", und die Folgen der staendigen Innovationsspruenge sehen sie als unkritisch. Zudem unterstuetzt der Zustrom von mit dem Werkzeug Computer vertrauten Mitarbeitern diese Entwicklung.

Auf der Grundlage von Marktanalysen lassen sich vier Anbietergruppen identifizieren: Servicesanbieter, Franchiser sowie IT- und Trainings-Spezialisten. Die Servicesanbieter decken eine grosse Bandbreite von Hardware- und Softwareplattformen ab. Die Entwicklung hin zu offenen Systemen veranlasst die Vertreter dieser Kategorie, sich auch als Anbieter eines umfassenden hersteller- und plattformuebergreifenden Schulungsangebotes zu profilieren. Beispiele hierfuer sind Firmen wie ICL Peritas, Digital, Oracle, SNI und IBM.

Trotz Multimedia wird der DV-Dozent nicht aussterben

Franchiser erlauben Drittanbietern ("Third Parties"), in ihrem Namen Trainingsleistungen anzubieten. Voraussetzung dafuer ist die Erfuellung beziehungsweise der Nachweis eines vom Franchise-Geber festgelegten Qualitaetsstandards. Zu dieser Gruppe sind beispielsweise Microsoft oder Novell zu zaehlen.

IT-Spezialisten verkaufen ueblicherweise Hardware- und Systemprodukte. Was Schulung und Unterstuetzung der Kunden beim Einsatz und der Anwendung ihrer Produkte anbetrifft, so verfolgen sie sehr fokussierte Absichten. SAP stellt ein gutes Beispiel fuer diesen Anbietertypus dar. Auch der IT-Anbieter Hewlett-Packard kann dieser Kategorie zugerechnet werden.

Trainings-Spezialisten verfuegen neben dem Schulungsgeschaeft ueber kein weiteres Standbein und konzentrieren sich daher ausschliesslich auf die Bereitstellung hochqualitativer Serviceleistungen und Produkte. Firmen wie Learning Tree und NETG sind in diese Anbietergruppe einzuordnen.

Der Schluessel zum Markterfolg haengt ganz wesentlich mit der Identifizierung von innovativen oder alternativen Wegen zur Befriedigung des Beduerfnisses nach Schulung und Weiterbildung zusammen. Die Strategien erfolgreicher IT-Dienstleister, so raten Analysten, muessen daher vor dem Hintergrund einer umfassenden und ganzheitlichen Sichtweise entwickelt werden.

Die mit Computer-Trainingsbuechern ueberquellenden Regale der Buchlaeden sind ein unuebersehbares Zeichen fuer die momentan noch vorherrschende Schluesselstellung von Produkten im Wissensvermittlungsprozess. Doch die Entwicklung in Richtung multimediales Lernen ist in diesem Zusammenhang bereits deutlich erkennbar. Der in diesem Bereich schon heute gegebene hohe Verfuegbarkeitsgrad von professioneller Ausruestung sowohl im Buero als auch fuer den Privatnutzer machen in Applikationen eingebettete Lern- und Schulungshilfen zunehmend attraktiv.

Internet-Schulungs-Services, die das World Wide Web und die Hypertext Mark-up Language (HTML) als Kanal nutzen, entwickeln sich kontinuierlich weiter und sind geeignet, individuelle Lernprozesse zu erweitern und zu ermutigen. Diese Moeglichkeit wird in Zukunft insbesondere von innovativen Anbietern verstaerkt genutzt werden.

Als weiterer wichtiger Absatzkanal fuer DV-Schulungs- und Weiterbildungsleistungen entpuppt sich der Prozess der Systementwicklung beziehungsweise -lieferung. Die meisten Unternehmen sind sehr empfaenglich fuer die "Daempfung" hoher Trainingskosten, wenn sie nachweislich in Zusammenhang mit direktem Business-Nutzen gebracht werden koennen.

Somit wird das Interesse, DV-Schulungsleistungen als Teil der Lieferungs- beziehungsweise des Entwicklungszyklus eines IT- Systems zu erhalten, kontinuierlich steigen. Anbieter verfuegen im Rahmen des Systemintegrationsprozesses damit ueber eine weitere Moeglichkeit, ihren Kunden einen Mehrwert zu liefern.

Doch trotz dieser Entwicklungen wird es in absehbarer Zukunft kein gleichwertiges und vollstaendig akzeptiertes Substitut fuer den "Warm-body"-Ansatz, das heisst die Vermittlung von Wissen durch Lehrer im Klassenzimmer geben. Die Input-Auguren geben sich daher ueberzeugt, dass konventionelle Schulungs- und Weiterbildungsangebote weiterhin im Aufwaertstrend liegen, obgleich mit etwas moderateren Wachstumsraten als bisher angenommen gerechnet werden muss.

*Andreas Pestinger ist Mitarbeiter des Marktforschungsunternehmens Input in Langgoens.