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20.12.1991 - 

Outsourcing, Downsizing, offene Systeme und Re-Engineering

Input-Studie: Die Service-Branche auf der Suche nach neuen Marktlücken

MÜNCHEN (CW) - Die Branche für Information Services wird sich einer grundlegenden Umstrukturierung unterziehen müssen. Zu diesem Ergebnis kommt das US-Marktforschungsinstitut Input. Der Grund: Die seit 1970 von 24 auf heute zehn Prozent geschrumpften Wachstumsraten bedrohen die Branche zunehmend. Zudem wird die Entwicklung des Marktes erstmals nicht mehr von Anbietern, sondern von den Kunden diktiert.

Eine von Input ausgerichtete Konferenz in San Franzisko sollte aufzeigen, wo die Möglichkeiten liegen, den Rückgang der Wachstumsmargen zu stoppen. Zukunftschancen sehen sie in den Bereichen Outsourcing, Downsizing, offene Systeme und Re-Engineering.

Die dafür notwendige Umorientierung bezeichnet Input allerdings als tiefgreifend und nur schwer zu verwirklichen. Mit einem US-weiten Marktvolumen von 100 Milliarden Dollar im Jahr 1990 sei die Branche zu einem unbeweglichen Koloß herangewachsen.

Zusätzliche Probleme erwachsen den Herstellen von Kunden. seite. Die technikbegeisterten DV-Fachleute, die früher jedes neue Rechnermodell geordert hätten, seien in eine Beraterrolle abgedrängt worden. Verhandlungspartner sei heute meist das am Return on investment orientierte Unternehmens-Management. Diese Situation verlange einen gänzlich anderen Verkaufsstil als bisher. Die Zeiten, in denen der Hersteller die Entwicklung bei den Anwendern bestimmte, sind damit laut Input endgültig vorbei.

Eine weitere Erkenntnis der Tagung war, daß sich das veränderte Kundenverhalten unterschiedlich auf die verschiedenen Marktsegmente auswirkt. So wachse der Bereich System-Management inzwischen doppelt so schnell wie der für RZ-Dienstleistungen. Auch die Nachfrage nach Systemintegration schnelle mit der doppelten Geschwindigkeit gegenüber den traditionellen DV-Dienstleistungen in die Höhe. In diesem Bereich hätten bereits einige Anbieter ihre Anpassungsfähigkeit gezeigt.

Als ein Zeichen von Marktreife sieht Input die Entwicklung bei Großrechner-Software. Die vorherrschende Überlebenstaktik liege hier nicht mehr in der Erstellung innovativer Produkte, sondern in der Konsolidierung des Absatzes durch Firmenaufkäufe.

Von zentraler Bedeutung sei auch die schwierige gesamtwirtschaftliche Lage der US-Unternehmen in den letzten beiden Jahren. Sie habe zur Folge, daß die Kunden bei jeder Gelegenheit und intensiver als je zuvor auf das Preis-Leistungs-Verhältnis achten würden.

Die geschilderten Entwicklungen tragen dazu bei, das Wachstum der Branche noch stärker als bisher zu bremsen. Doch schon für 1992 erwarten die Input-Analysten einen Umschwung. Das neue Wachstum soll aus den Bereichen Outsourcing, Downsizing, offene Systeme und Re-Engineering kommen. "Jedes einzelne dieser Gebiet ist in der Lage, den Wandel herbeizuführen, zusammen aber bergen sie das Potential, die das Service-Geschäft zu revolutionieren", heißt es in der November-Ausgabe des Forschungs-Bulletins von Input.

Der Outsourcing-Trend belege, daß sich das Verhältnis der Anwenderunternehmen gegenüber der DV grundlegend verändert hat. Nicht mehr das High-Tech-Image zählt, sondern die Erfüllung der gestellten Aufgabe - egal ob sie im Hause oder von einem externen Dienstleister erledigt wird. In der Folge verlagert sich das Geschäft zuungunsten der Produktanbieter auf die Serviceunternehmen. Noch dramatischer wirkt sich der Trend für die Hardwarehersteller aus: Wollen sie an diesem Markt partizipieren, dann müssen sie sich zu Dienstleistern entwickeln.

Vom Downsizing erhoffen sich die Anwender, so das Input-Bulletin, "mehr Leistung zu einem geringeren Preis". Falls sich dies erfülle, werde dies vor allem in den Großunternehmen zu einer vollständigen Neuorganisation des Informations-Managements führen.

Noch drastischer wirke sich die Existenz offener Systeme aus. Nach Ansicht der Input-Analysten verändern sie die Grundregeln des bisherigen DV-Geschäfts: In dem Maße, in dem sich Standards und offene Systeme durchsetzen, schwindet für die Anbieter die wesentliche Möglichkeit, sich über Hard- und Software von ihren Konkurrenten zu unterscheiden. Der Wettbewerb würde sich bei Rechnern nur noch über das Preis-Leistungs-Verhältnis und bei Anwendungen nur noch über die Funktionalität definieren.

Der Re-Engineering-Gedanke schließlich gehe weit über die reine Datenverarbeitung hinaus. Er ruft bei den Anwendern die Erwartung hervor, daß damit nicht nur bestehende Anwendungen, sondern die gesamte Unternehmensorganisation auf den jeweiligen State of the Art zu bringen sei.

Mit dieser Hoffnung stehen die US-Anwender keineswegs allein. Diesseits des Atlantiks hat zum Beispiel die CSC-Management-Konferenz in Paris den Trend zum Business-Re-Engineering festgestellt (siehe CW Nr. 50 vom 13. Dezember 1991, Seite 16: "Business-Re-Engineering: Die neuen IT-Qualitäten nutzen"). Die Fähigkeit zur Realisierung solcher Pläne ergibt sich laut Input aus den Möglichkeiten des Outsourcings, des Downsizings und der offenen Systeme.

Diese Perspektiven fuhren nach Input-Prognosen dazu, daß bis zum Ende dieses Jahrzehnts die meisten Anwendungen aus den 70er und 80er Jahren durch neue Systeme abgelöst worden sind. Die nötigen und sinnvollen Re-Engineering Projekte werden in Angriff genomen sein, ansonsten läuft der Großteil der Programme auf Workstations oder in lokalen Netzwerken.

Zu diesem Zeitpunkt werden sich auch die Anwender von jeder Bevormundung durch die Hersteller gelöst haben. Die meisten klassischen DV-Aktivitäten, vor allem die RZ-Aufgaben, erledigen dann externe Dienstleister. Insgesamt wird die DV ein Unternehmensbereich unter anderen sein.

Die Hersteller dagegen müssen bis dahin gelernt haben, daß ihre Aufgabe darin besteht, die geschäftlichen nicht die technischen Anforderungen ihrer Kunden zu befriedigen. Wachstumsmöglichkeiten sehen die Analysten für die späten 90er Jahre fast ausschließlich in den Bereichen Standardsoftware und Dienstleistungen.