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06.03.1981 - 

Ohne Rücksicht auf Bestand gilt das Wirtschaftlichkeitsargument für Minicomputing:

Insellösungen ergänzen Overhead-Rechner

MÜNCHEN - Innerhalb von fünf Jahren sank der Preis eines durchschnittlichen Minicomputers auf ein Viertel vom ursprünglichen Wert - von rund 200 000 Mark auf 50 000 Mark. Der Kreis potentieller Datenverarbeiter im kommerziellen Sektor weitete sich infolgedessen aus. Für Software-Häuser wurde nun dieser Markt Interessant. Eine breite Kundschaft versprach eine hohe Auflage der Branchenprogramme.

Ein Universal-Rechner arbeitet schneller und verkraftet mehr Peripherie-Anschlüsse. Dieser Auffassung, die Werner Reinkendorff, Verkaufsleiter der DDC Computer GmbH, Stuttgart, vertritt, steht die Vorzugsliste des Marktführers Digital Equipment (DEC) diametral entgegen. Von der Struktur des Betriebssystems ausgehend ist der nur noch in Anführungsstrichen als "Kleinrechner" zu bezeichnende Minicomputer auf Dialogbetrieb und Echtzeitverarbeitung ausgelegt. Folglich, wie Manfred Schmitz von Perkin-Elmer hinzufügt, könne der Mini mehr Aufgaben gleichzeitig erledigen als ein Großrechner.

"Waren bei den 16-Bit-Rechnern (...) 64 KB logisch adressierbar, ist diese Beschränkung bei den 32-Bit-Maschinen aufgehoben", erläutert Jürgen Marialke, Marketingleiter Industrielle Anwendung bei der Digital Equipment GmbH, München, die Vorteile des "Minicomputing". Kein Programm benötigen die so zur Verfügung stehenden vier Millionen Speicherstellen, die aufgrund der 32-Bit-Struktur direkt ansprechbar seien.

Das über die Online-Forderung von Batch auf Dialog "umgequälte" Betriebssystem eines Großrechners verbrauche zur Steuerung viel der intern vorhandenen Leistung. Dieser "Overhead" stehe dem Anwender für seinen problembezogenen Rechenbedarf nicht mehr zur Verfügung.

Trotz dieser Wasserkopf-Kritik verdammt der DEC-Sprecher den Großrechner nicht. Der Großorganisation entspreche die Mainframe-Anlage. Die Fachabteilung dagegen verlange nach einem Rechner, der ihrer Organisation, ihrer Funktion und Aufgabenstellung entspreche. Dennoch müsse der Mini keine Insel bleiben. Er könne mit dem Großrechner direkt in Verbindung treten, betont Marialke, um die beiden Säulen zu verbinden.

Über das Thema Anwender-Software sprechen nach Ansicht von Marialke die Minicomputer-Hersteller aus ihrer Tadition heraus ungern. Dennoch - der Mini macht das Rennen sichtbar durch seinen Branchenbezug. Über Kooperation mit Software-Häusern und OEM-Verträge mit System-Häusern erhält der Rechner seinen Anwenderzuschnitt. "Je besser der Universal-Rechner, desto mehr hält der Hersteller mit Anwender-Software zurück", spottet ein Tandem-Sprecher.

Bei den Minis sehe es umgekehrt aus. Für einen speziellen Fall denke sich ein Mensch ein Programm aus, suche den passenden Rechner, der ruhig zu den Exoten mit merkwürdigveralteter Hardware gehören könne, und verkaufe das Paket als eine Lösung.

Nachteilig kann sich nach Ansicht des Tandem-Sprechers - die Sprache auswirken, mit der der Mini programmiert ist. Häufig mache der Verbund durch Unverträglichkeit der Systeme untereinander Probleme.

Das schwedische Krankenhaus, das den Zentral-Rechner durch Tischrechner zu ersetzen suchte, gehe von seiner Inselgruppen-Lösung wahrscheinlich nun wieder ab. Doch Tandem zählt sich selbst keinesfalls zu den Mini-Produzenten. Mit der Verträglichkeit gibt es auch nach den Erfahrungen von Manfred Schmitz, Vertriebsdirektor der Perkin-Elmer Data Systems GmbH, München, Schwierigkeiten. Sie schränken das Argument von der überlegenen Wirtschaftlichkeit ein und machten die Installation zu teuer. Falls der Kunde - wie auch der Hersteller - nicht die Last eines installierten Parks zu tragen habe, könne er sich neue Techniken leisten und deren Kostenvorteile selbst nutzen beziehungsweise weitergeben.

Der traditionelle 16-Bit-Rechner, der vorwiegend für Prozeß- und Labor-Anwendungen eingesetzt wurde, befindet sich auf dem absteigenden Ast, meint Schmitz. Prosperieren werden dagegen die 32-Bit-Rechner. Der Supermini, zu dem der allgemeine Trend gehe, könne den Universal-Be reich von unten her anknabbern. Im Speicherausbau, den Input-/Output-Operationen und bei den Betriebsformen existiere kein Unterschied mehr zu den mittleren Großrechnern. Die System-Software der Maxi-Minis könne den Großrechnern durchaus das Wasser reichen. Immer mehr Software-Häuser sähen eine Markt-Chance, indem sie kommerzielle Pakete für Kompakt-Rechner auf den Markt brächten. Das begleitende Angebot von Anwender-Software erweitere sich ständig. Für den Käufer käme die je nach Peripherie 15 bis 30 Prozent unter dem Mainframe-System liegende Mini-Lösung jedoch nur in Frage, wenn er keine Rücksicht auf die bestende DV-Strukturen nehmen müsse. Reine Miete sei außerdem immer noch nicht vorgesehen.