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12.06.1981

Insgesamt werden 210 Typen von integrierten Schaltkreisen produziert:\DDR erhöht Mikroelektronik-Aktivitäten

BERLIN - Rasant verlief die Entwicklung der Mikroelektronik in den westlichen Industrieländern bereits Mitte der siebziger Jahre. Zu diesem Zeitpunkt konnte man beim Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) noch keine entsprechenden Aktivitäten ausmachen. Erst im Dezember 1976 wies der Minister für Elektrotechnik und Elektronik der DDR, Steger, auf die Rolle der Mikroelektronik als Rationalisierungsfaktor hin. Danach überschlugen sich die Aktivitäten.

Im Juni 1977 wurden wegen der nun erkannten gesamtwirtschaftlichen Bedeutung der Mikroelektronik erste grundlegende Maßnahmen ergriffen und Entwicklungsziele festgelegt. Inzwischen hat besonders dank staatlicher Förderung die elektronische Industrie einen nicht unbedeutenden Entwicklungsstand erreicht. Dieser wurde jedoch im Bereich der Mikroelektronik von den hier führenden Industrieländern bereits vor mindestens vier Jahren realisiert.

In Erfurt werden zur Zeit etwa 210 Typen integrierter Schaltkreise, davon drei verschiedene Mikroprozessoren (U808 D, U880, U830), hergestellt. Diese und weitere Mikrochips bilden die wesentliche Grundlage der zum Beispiel von Robotron produzierten Mikrorechner sowie des auf den Leipziger Frühjahrsmessen 1980 und 1981 vorgestellten Erzeugnisprogramms "Dezentrale Datentechnik", dessen Grundlage beispielsweise der Robotron-16-Bit-Mikro K 1600 bildet. Auf jeden Fall hat das Unternehmen mit diesem modularen Konzept von Gerätetechnik und Software innerhalb des RGW eine Spitzenposition erreicht. Pünktlich zur Leipziger Frühjahrsmesse kündigte Robotron die EC 1055 M, eine neue Version des Esel-Rechnels EC 1055, an.

Eigenbedarf decken

Der überwiegende Anteil des gesamtwirtschaftlichen Bedarfs in Mikroprozessoren soll bis 1985 aus der eigenen Produktion gedeckt und die Vormaterialien hierfür weitgehend selbst erzeugt werden. Um den steigenden Bedarf an Bauelementen ein...eßlich integrierter Schaltkreise decken zu können, plant die DDR die Produktion mikroelektronischer Bauelemente gegenüber 1980 mindestens zu verdoppeln und die hochintegrierter Schaltkreise gegenüber 1180 zu verdreifachen.

Als Voraussetzung hierfür ist die Einführung solcher Technologien vorgesehen, mit deren Hilfe "hochintegrierte Schaltkreise sowie Leistungs- und optoelektronische Bauelemente" hergestellt werden können. Hierbei handelt es sich insbesondere auch um die Entwicklung und Bereitstellung technologischer Spezialausrüstungen für die Mikroelektronik, speziell für Prozesse der Mikrostrukturierung von Halbleiterwafern der Mikrolithografie.

Generationswechsel angestrebt

Oberstes Ziel der "Wirtschaftsstrategie" der SED für die kommenden Jahre ist es auch, mit der Mikroelektronik eine progressive Technologie in möglichst breiter Anwendung wirksam werden zu lassen, um somit den geforderten Rationalisierungsschub realisieren zu können.

In zunehmendem Maße soll der Einsatz der Mikroelektronik im Bereich der Elektrotechnik/Elektronik "mit dem Ziel eines weitgehenden Generationswechsels" bei der Produktion von Erzeugnissen der elektronischen Rechentechnik, der Automatisierungs- und Steuerungstechnik, des wissenschaftlichen und medizinischen Gerätebaus sowie bei elektrischen, elektronischen und foto-optischen Konsumgütern durchgesetzt werden. Das gleiche gilt für die Nachrichtentechnik, für den Bereich der Fahrzeugelektrik oder für den Elektromaschinenbau.

Verstärkte Berücksichtigung soll die Mikroelektronik auch im Maschinen- und Anlagenbau, insbesondere im Werkzeug- und Verarbeitungsmaschinenbau, finden. Auf der Grundlage des solchermaßen verbesserten technologischen Niveaus sind erhebliche Produktionssteigerungen vorgesehen. Den Anteil der elektronisch gesteuerten Werkzeugmaschinen will man hierbei bis 1985 um "mehr als 50 Prozent" steigern.

Auch andere Bereiche sollen vom Einsatz der Mikroelektronik profitieren: Durch die weitgehende Berücksichtigung sollen zum Beispiel Transport-, Lager- und Verpackungspro-zesse effektiver gestaltet und die Konsumgüterproduktion verbessert werden. Auch in der Landwirtschaft erhofft man sich Rationalisierungserfolge durch Mikroelektronik.

Industrieroboter sind in der DDR in relativ kurzer Zeit zu einem "Nonplusultra" der Rationalisierung geworden. Mit Hilfe deren verstärkter Entwicklung, Produktion und Anwendung soll eine durchgreifende "Veränderung des technischen und technologischen Niveaus der gesamten Produktion", das heißt Produktionsautomatisierung, erreicht werden. Die Berücksichtigung von Steuerungen auf Basis der Mikroelektronik spielt hierbei eine besondere Rolle.

Nicht nur die für die Entwicklung und Produktion zuständigen Kombinate und Betriebe des Werkzeug- und Verarbeitungsmaschinenbaus werden für die verstärkte Herstellung von Robotern zuständig sein. Es wird als erforderlich erachtet, den Eigenbau von Industrierobotern und Handlungsgeräten auch in Kombinaten und Betrieben außerhalb des Maschinenbaus zu entwickeln.

Um den geforderten Anstieg der Arbeitsproduktivität zu sichern, wurde es als notwendig erachtet, die ursprünglich bis 1985 vorgesehene Zahl der einzuführenden Industrieroboter von rund 9000 nunmehr auf 40 000 bis 45 000 zu erhöhen.

Exportsteigerung als Ziel

Zu den Zielen des neuen Fünfjahresplans zählt auch die "Steigerung des devisenrentablen Exports". Hier sollen besonders, die Produktion und die Bereitstellung auf der Basis von Mikrochips arbeitender Anlagen und Geräte zur Realisierung dieses Ziels beitragen.

So wurden noch starker als in Leipzig auf der diesjährigen Hannover-Messe von Robotron zum Beispiel die Absatzakvitäten in Richtung Westen und die suche nach geeigneten Vertriebswegen hervorgehoben. Mit der Realisierung eines verstärkten Westexports bemüht man sich um Devisen, um mit deren Hilfe bestehende Zinslasten abbauen zu können.

Gegenwärtig fertigt die DDR rund 210 Typen von integrierten Schaltkreisen, davon drei Mikroprozessoren. Trotz beachtlicher Entwicklungserfolge auf diesem Gebiet liegt sie nach übereinstimmender Schätzung von Branchenkennern aus dem Westen um rund vier Jahre hinter der internationalen Entwicklung, die durch, die USA und Japan bestimmt wird, zurück.

Trotz Exportaktivitäten einerseits war die DDR andererseits bisher auch auf dem Mikroelektronik-Sektor an Westimporten interessiert. Devisenmangel und Cocom-Beschränkungen verhinderten bislang jedoch Importe im großen Rahmen. Ziel der DDR ist es vielmehr, sich durch eigene Anstrengungen von allzu großer Abhängigkeit des Westens zu lösen.

Innerhalb des neuen Fünfjahresplanes will man nämlich den überwiegenden Anteil des volkswirtschaftlichen Bedarfs an Mikroprozessoren aus dem eigenen Aufkommen decken. Die Orientierung am westlichen Niveau soll dabei Richtschnur bleiben.

Ablösung veralteter Erzeugnisse

Die neuen Planungen zielen unter anderem auch auf eine Ablösung veralteter Erzeugnisse hin. Das gilt mit Sicherheit auch für elektronische Datenverarbeitungsanlagen und Gerate. Derartige Pläne sind jedoch nicht neu: bereits vor rund fünf Jahren hieß es daß veraltete Anlagen und Geräte wie die Rechner Robotron 300 oder Cellatron 8205 ausgesondert und durch neue leistungsfähigere Anlagen ersetzt werden sollten.

Aber noch heute sind derartige Anlagen, mit hohem Reparaturaufwand in Schwung gehalten, in verschiedenen Betrieben im Einsatz und werden, wie Anzeigen in Zeitungen und Zeitschriften zeigen, zum Kauf angeboten. Es handelt sich hierbei wohlgemerkt um Rechner der zweiten Generation!

Wissenschaftlich-technischer Fortschritt wird gerade an solchen Tatbeständen gemessen und nicht allein daran, was man gegenwärtig auf Basis integrierter Schaltkreistechnologie produziert und anbietet. Dennoch ist Robotron mit seinem neuen Erzeugnisprogramm "Dezentrale Datentechnik" entwicklungsmäßig ein großer Sprung nach vorn gelungen. Mit Umfang und Technologiekonzept dieses Programms wird es auf jeden Fall innerhalb des RGW richtungsbestimmend werden.

*Klaus Krakat ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Forschungsstelle für gesamtdeutsche wirtschaftliche und soziale Fragen, Berlin.