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30.08.2002 - 

Kettenreaktionen sind nicht auszuschließen

Insolvente Kunden setzen Outsourcern zu

MÜNCHEN (jha) - Die Insolvenz von Kunden hat schwerwiegende Auswirkungen auf die finanzielle Situation der Outsourcing-Anbieter. Weil in Krisenzeiten vor allem viele wirtschaftlich angeschlagene Firmen zur Auslagerung ihrer IT neigen, steigt das Risiko für die Dienstleister und damit auch für deren gesamte Kundenbasis.

EDS kann ein Lied davon singen, was es heißt, wichtige Kunden zu verlieren. Mit Worldcom und U.S.Airways haben kürzlich gleich zwei bedeutende Abnehmer Gläubigerschutz gemäß Kapitel elf des US-amerikanischen Konkursgesetzes gesucht. Die Fluglinie steht noch mit 70 Millionen Dollar bei EDS in der Kreide und für den zahlungsunfähigen Carrier Worldcom musste der Dienstleister Rückstellungen in Höhe von 101 Millionen Dollar vornehmen. Immerhin wird EDS vorerst weiterhin Services an die beiden zahlungsunfähigen Unternehmen liefern und dafür auch kassieren, wenn auch nicht in der bisherigen Form und Höhe: Gemeinsam bezogen die insolventen Kunden Outsourcing-Services im Wert von mehr als 800 Millionen Dollar pro Jahr von EDS (siehe Kasten). Künftig dürfte sich der Leistungsumfang deutlich reduzieren.

Umsatzeinbußen beim Dienstleister

"Insolvenz bedeutet nicht, dass der Betrieb stillsteht", erklärt Michael Fritsch, Geschäftsführungsmitglied beim Unternehmensberatungshaus Booz Allen Hamilton, Frankfurt am Main. "Dennoch muss der Dienstleister kurzfristig mit geringeren Einnahmen rechnen, weil geplante Aufträge gestoppt, Neuentwicklungen auf Eis gelegt und Wartungsdienste verschoben werden. Mittelfristig muss dann mit einer signifikanten Einschränkung des Leistungsumfangs gerechnet werden, wenn einzelne Betriebsteile oder Funktionsbereiche im Rahmen der Sanierung geschlossen werden." Für abgewickelte und verkaufte Tochterunternehmen sowie für geschlossene Geschäftseinheiten fallen keine IT-Services an. Ein einfaches Rechenexempel zum Thema Desktop-Management veranschaulicht die Auswirkungen: Entlässt das insolvente Unternehmen Mitarbeiter, wird es seinem Dienstleister weniger für den User-Help-Desk-Betrieb zahlen.

Hat der Anbieter seine Kapazitäten auf eine wachsende Nachfrage ausgelegt, kommen unter Umständen Probleme auf ihn zu. Das gilt insbesondere dann, wenn der Anbieter mit seinen Investitionen in Erwartung dauerhafter Zahlungen in Vorleistung gegangen ist - etwa durch den Ausbau seiner RZ-Kapazitäten. "Outsourcer können einen Fixkostenanteil von bis zu 80 Prozent haben. Dieser Kostenblock lässt sich nicht ohne weiteres reduzieren, wenn ein Kunde plötzlich deutlich weniger Leistungen als erwartet bezieht", erläutert Fritsch. So etwas dürfte insbesondere Anbieter in Schwierigkeiten bringen, die wenige große Kunden bedienen.

Heikel sind in solchen Fällen auch Services, die von mehreren Anbietern gemeinsam erbracht werden. Betreibt etwa ein Dienstleister das Applikations-Management und bezieht die weiteren Services wie das Server-Hosting von Subunternehmen, dann reißt die Lieferkette im Krisenfall beim Anbieter mit der geringsten Marge und der geringsten Kostenflexibilität. "Das ist im Zweifelsfall der Anbieter, dem der RZ-Betrieb obliegt", so die Erfahrung von Fritsch.

Gerät einer der Dienstleister in derart große Schwierigkeiten, dass die Fortführung des Betriebs gefährdet ist, dann müssen auch unbeteiligte Drittkunden mit Einbußen bei der Servicequalität rechnen. Für Anwender, die mit der Auslagerung ihrer IT liebäugeln, gilt daher, die finanzielle Stabilität des möglichen Partners genau unter die Lupe zu nehmen. "Dazu zählt auch, die Kundenbasis des Anbieters einer kritischen Betrachtung zu unterziehen", rät Eberhard Schott, Partner des Mainzer Beratungshauses Eracon.

Kunden mit finanziellen Problemen

Insbesondere in den USA neigen laut Schott Firmen zu Outsourcing-Entscheidungen, um mit dem Verkauf ihrer IT-Anlagen kurzfristig ihre Liquidität verbessern zu können. "Vor allem Neueinsteiger stehen unter dem Druck, Referenzkunden vorweisen zu müssen und lassen sich daher auf größere Risiken ein", beobachtet der Eracon-Berater.

Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten riskieren es die Outsourcer, an Kunden mit finanziellen Schwierigkeiten zu geraten. Eine kürzlich von Accenture in Zusammenarbeit mit dem Institute of Management and Consulting Sciences, Bonn, erstellte Studie zum Thema Outsourcing bestätigt einen Zusammenhang zwischen finanziellen Engpässen und der Outsourcing-Neigung: "Über die Auslagerung von Geschäftsprozessen und IT-Betrieb entscheiden die Geschäftsführungen. Wenn den Unternehmen Mittel für notwendige Investitionen nicht zur Verfügung stehen, dann können mit dem Outsourcing Geschäftsprozesse erneuert und produktiver gestaltet werden", erklärt Götz Erhardt, Marketing-Manager bei Accenture.

Eracon-Partner Schott geht noch einen Schritt weiter: "Wenn man die Grundgesamtheit aller Unternehmen mit den outsourcenden Unternehmen vergleicht, dann dürfte sich zeigen, dass sich unter den Outsourcing-Kunden verhältnismäßig mehr Firmen befinden, die finanziell nicht ganz so gut dastehen", lautet seine These. Im Klartext hieße das, dass Kunden mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten eher zur Auslagerung von IT-Systemen oder Prozessen neigen als gesunde Unternehmen. Die Anbieter haben es demnach mit einer verhältnismäßig hohen Zahl schwieriger Kunden zu tun.

Folgen der Insolvenz

Das Management des US-amerikanischen IT-Dienstleisters CSC dürfte das Ende des Energie-konzerns Enron mit besonderem Interesse verfolgt haben. Im April 1999 hatte der Geschäftsbereich Enron Energy Services (EES) dem Service-Provider die Verantwortung für einige Geschäftsprozesse wie das Ablesen von Zählerständen und die Rechnungsstellung übertragen. Über einen Zeitraum von elf Jahren sollte CSC dafür rund 1,1 Milliarden Dollar bekommen. Rund zweieinhalb Jahre nach Vertragsabschluss kam das Aus für Enron.

Von der zweiten spektakulären Pleite in den USA war EDS betroffen. Worldcom bezog Outsourcing-Leistungen im Wert von knapp 700 Millionen Dollar pro Jahr von seinem IT-Dienstleister. Im Juli 2002 gestand der Carrier seine Zahlungsunfähigkeit ein. Kaum einen Monat später suchte mit der Fluglinie U.S.Airways ein weiterer EDS-Kunde Gläubigerschutz. Ihm lieferte der Dienstleister Services für rund 200 Millionen Dollar pro Jahr.

In Deutschland hatte die Insolvenz von Babcock Borsig Auswirkungen auf die Datenverarbeitungs-Service Oberhausen GmbH (DVO). Hinter der DVO verbirgt sich die ehemalige IT-Abteilung des Maschinenbau-Konzerns, die lange Zeit zusammen mit IBM Deutschland GmbH als Gemeinschaftsunternehmen betrieben wurde. Mitte Juni 2002 übernahm IBM sämtliche ausstehenden Babcock-Anteile an der DVO. Anfang Juli ließen die Banken Babcock Borsig fallen. Zurzeit bereitet IBM die Schließung von vier der sieben DVO-Standorte vor. Selbst die Hauptniederlassung in Oberhausen wird aufgelöst. Mehr als 300 Mitarbeiter müssen gehen. Einen Zusammenhang zur Babcock-Pleite bestreitet IBM.