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09.05.2003 - 

Ex-Microsoft-Geschäftsführer sucht weiter Partner und Investoren

Insolvenz von Living Systems war nicht abzuwenden

DONAUESCHINGEN (ba) - Am Montag, dem 28. April, musste der schwäbische Softwarehersteller Living Systems Insolvenz beantragen. Damit ist der Versuch des ehemaligen Deutschland-Geschäftsführers von Microsoft, Kurt Sibold, vorerst gescheitert, die Zukunft des Spezialisten für Agententechnik zu sichern.

"Seit Dienstag, dem 29. April, ist der Insolvenzverwalter Volker Viniol im Haus", berichtet Sibold, der von dem Großinvestor Systems Union Group beauftragt worden war, als Berater zu fungieren. Jetzt liefen erst einmal die Routineprozesse eines Insolvenzverfahrens an: Analyse, Bestandsaufnahme und die notwendigen juristischen Schritte. Parallel werde jedoch darüber nachgedacht, wie man den Softwarehersteller weiterführen könnte.

In den letzten Monaten habe der Cashflow nicht mehr gestimmt, so Sibolds Begründung des Insolvenzantrags. Die Systems Union Group sei nicht mehr bereit gewesen, weiteres Geld nachzuschieben. Letzte Versuche der verbliebenen etwa 30 von ursprünglich mehr als 300 Mitarbeitern scheiterten, die Pleite mit einem Verzicht auf ein Drittel ihrer Gehälter für die ersten Monate dieses Jahres noch abzuwenden.

Doch die Ursachen für den Niedergang liegen weiter zurück. Nachdem das 1996 gegründete Unternehmen mit seiner Agententechnik während des Dotcom-Hypes schnell wuchs - die Verantwortlichen planten den Börsengang und eine weltweite Expansion -, war mit dem Platzen der Blase 2001 alles rasch wieder vorbei. "Die Kunden verschwanden schneller, als sie ihre Rechnungen zahlen konnten", blickt der Ex-Microsoft-Manager zurück. Die Folge waren Forderungsausfälle in Millionenhöhe.

Auf Anraten von Cap-Gemini-Beratern, die auf Drängen des Investors eingeschaltet wurden, änderten die Verantwortlichen daraufhin ihre Geschäftsstrategie. Es wurde eine eigene Applikation entwickelt, um darüber die Agententechnik weiter verkaufen zu können. Der Softwareanbieter konzentrierte sich auf den Bereich Logistik mit Anwendungen für Speditionen und Maschinensteuerung. Problem dabei sei jedoch die starke Projektorientierung des Geschäfts gewesen, erläutert Sibold. Da die Applikation individuell an die Kunden angepasst werden musste, gab es anfangs kein duplizierbares Produkt. Zuletzt hätten die Kunden keine Zeit und kein Geld mehr gehabt, um in Projekte mit Living Systems zu investieren.

Die Fokussierung auf das eigene Projektgeschäft sei möglicherweise ein Fehler gewesen, kritisiert Sibold. Sollte sich das Unternehmen fortführen lassen, müssten sich die Verantwortlichen stärker auf die Kerntechnik konzentrieren und die Branchenanpassung Partnern mit eigenen Applikationen überlassen, in die die Agententechnik integriert werden könne.

Welche Rolle er selbst einnehmen werde, sei noch ungewiss, erklärt Sibold. Sollten der Insolvenzverwalter jedoch mitspielen und die Verhandlungen mit potenziellen Investoren und Partnern positiv verlaufen, könne er sich durchaus vorstellen, eine Rolle in der künftigen Gesellschaft zu übernehmen. Auch ein Engagement als Investor sei vorstellbar.