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22.06.1984 - 

Pearl gewinnt kleine, aber feste Anhängergruppe:

Installationszahl wächst im Stillen

Über Die Probleme der Assembler-Programmierung wie fehlende Portabilität, mangelnde Dokumentation, mühsame Ausbildung und immer geringeres Personalangebot braucht man zu Zeiten, in der die "Software-Krise" und der "Anwendungsstau" (nicht nur im kommerziellen Bereich) in aller Munde sind, wohl nicht mehr zu diskutieren. Die Vorteile der höheren Programmiersprache liegen auf der Hand. Ist sie zudem noch problemorientiert, genormt, praxisbewährt und leicht zu erlernen, so besteht wohl kaum ein plausibler Grund, ihr nicht den Vorzug zu geben.

Unter diesen Aspekten wurde Pearl (Process and Experiment Automation Realtime Language) Anfang der siebziger Jahre mit Fördergeldern des BMFT in der Bundesrepublik entwickelt, von verschiedenen Herstellern von Prozeßrechnern und Minicomputern sowie Softwarehäusern in Compiler umgesetzt, in Betriebssysteme integriert und mit Entwicklungs-Werkzeugen unterstützt. Der Aktionsradius beschränkte sich jedoch (mit Ausnahme Brasiliens) weitgehend auf die Bundesrepublik. Amerikanische Anbieter entsprechender Rechner zogen nur halbherzig oder gar nicht mit, wohl unter dem unausgesprochenen Aspekt, daß der DV-Fortschritt aus dem" Land der unbegrenzten Möglichkeiten" zu kommen habe.

Natürlich ist die Entscheidung eines Herstellers für eine Sprache (mit allen ihren Folgekosten) immer auch eine unternehmenspolitische. Der Bedarf an höheren Realzeitsprachen wurde - ausgelöst durch Pearl - erkannt und Erweiterungen bestehender Sprachen (zum Beispiel Realzeit-Fortran oder Concurrent Pascal) geschaffen. Die Entscheidung für das eine oder das andere gleicht der Entscheidung für einen bestimmten Rechner. Jeder Sprachvergleich ist subjektiv und jedes Projekt anders geartet. Es gibt also weder den besten Rechner noch die beste Sprache. Doch unter "Insidern" gilt Pearl für den Prozeßrechnereinsatz als konkurrenzlos.

Trotzdem spielt natürlich die Fähigkeit, sich im Markt zu behaupten, bei der Anwenderakzeptanz eine nicht unbedeutende Rolle, denn Portabilität wird zur Farce, wenn es kaum Systeme gibt, auf denen die Sprache läuft. Pearl hatte es zugegebenermaßen anfangs schwer, genügend Installationen vorweisen zu können. Das hat sich doch gerade in den letzten Jahren grundlegend geändert.

Gewissermaßen "im Stillen" wurde Pearl zur Programmiersprache Nummer eins in mehreren Branchen ausgewählt, das heißt neue Projekte werden überwiegend damit realisiert.

Je nach Engagement des DV-Herstellers in Sachen Pearl sind natürlich die angebotenen Compiler, Betriebssysteme und sonstigen Software-Werkzeuge auf sehr unterschiedlichem Stand. Durch die Normung von Full Pearl (DIN 66253) ist jedoch eine verbindliche Grundlage geschaffen, deren Einhaltung schon aus Gründen der Portabilität zu den unabdingbaren Forderungen eines Anwenders zählen sollte.

Daß Pearl sich weiter zunehmendem Interesse erfreut, zeigen vor allem einige zukunftsorientierte Projekte, Verfahren und Anwendungen. Dazu gehören Compiler für die gängigsten Mikrocomputer als Zielrechner, ja sogar eine komplette Pearl-Engine mit Betriebssystem, Compiler, Test- und Datenbanksystem auf der Basis des Mikroprozessors MC 68000.

Verteilte Systeme sind mit Pearl realisiert in der Tiefofensteuerung bei Thyssen (Fraunhofer-Institut IITB) und in Form eines Botschaftensystems mit den entsprechenden Spracherweiterungen von Krupp Atlas-Elektronik. Eine einheitliche Spracherweiterung für verteilte Systeme ist in Vorbereitung.

Eines der vielversprechendsten Projekte dürfte der Einsatz von höheren Programmiersprachen am Beispiel von Pearl in der Robotersteuerung (Automobilindustrie) sein - insbesondere auch unter dem Aspekt der Einbindung von Industrierobotern in integrierte rechnergesteuerte Fertigungssysteme.

Und schließlich hat einer der größten deutschen DV-Anwender - die Bundeswehr - sich konsequent gegen Assemblersprachen und für Pearl sowie Ada zu gleichen Teilen (abhängig vom Einsatzbereich Anwendungs- beziehungsweise Systementwicklung) entschieden.

Über die deutschen Grenzen hinaus hat Pearl insbesondere in Brasilien viele Anhänger gefunden.

Allen politischen Versuchen einiger Hersteller zum Trotz, Pearl als rein deutsche Entwicklung zumindest international nicht hochkommen zu lassen, hat sich die Sprache eine zwar immer noch relativ kleine aber feste Anhängerschar geschaffen, die von ihrer Interessenvertretung, dem Pearl-Verein, nach Kräften unterstützt wird. Übersichten über Marktangebot und Referenzen, Programmbörse zu seinen wichtigsten Aufgaben.

*Volker Scheub ist Geschäftsführer des Pearl-Verein e. V., Stuttgart