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27.04.1990 - 

Tübinger wollen künftig europaweit mitreden

Integrata: Von Jahr zu Jahr wird ein neues Land erobert

In Tübingen hat der dienstälteste Pionier der Software-Branche ein Beratungs- und Softwarehaus hochgezogen, auf den heute so mancher Beutejäger aus Frankreich und England ein Auge wirft: die Integrata AG. Doch Wolfgang Heilmann, Gründer und Chef des Unternehmens, hat nach 25 Jahren Aufbauarbeit selbst das Europa-Fieber gepackt.

Kein Monat vergehe, ohne daß ein Unterhändler eines ausländischen Beratungs- oder Softwareunternehmens anklopft und ein Kooperationsangebot unterbreitet. Integrata-Chef Wolfgang Heilmann schließt derlei "Partnerschaften" jedoch kategorisch aus: "Die wollen uns doch nur schlucken." Dies aber paßt ganz und gar nicht in die ehrgeizigen Pläne "Integrata 2000".

Gang an die Börse ist fest eingeplant

Heilmann - und mit ihm die 450 Beschäftigten des Tübinger Anbieters für Beratungsleistungen, Rechenzentrumsmanagement und EDV-Schulung - strebt nämlich selbst nach Höherem. Im Mai letzten Jahres, pünktlich zum 25jährigen Firmenjubiläum, beschloß die aus 82 Mitarbeitern bestehende Gesellschafterversammlung, in naher Zukunft den Gang an die Börse zu wagen.

Die Integrata, seit knapp einem Jahr eine Aktiengesellschaft, will mit dem zusätzlichen Kapital internationale Expansionspläne finanzieren. Derzeit beträgt der Umsatz des Unternehmens, das eher auf den hinteren Rängen der bundesdeutschen Top Twenty im Softwaregeschäft zu finden ist, runde 65 Millionen Mark. Magere zehn Prozent davon werden im Ausland erwirtschaftet, fast ausschließlich in der Schweiz. Doch nun haben die Württemberger den europäischen Binnenmarkt ins Visier genommen. Heilmann: "Jedes Jahr werden wir uns ein anderes Land vornehmen.'

Der Anfang ist schon gemacht. Über das vor drei Jahren eröffnete Beratungszentrum im frankophonen Genf plant die Integrata den Sprung nach Frankreich. England, Spanien und Italien sollen folgen. Bis 1993, so hofft jedenfalls der Chef des Hauses, wird die Integrata in den wichtigsten Sprachzonen Europas zu Hause sein. Daneben pflegte Heilmann Kontakte nach China, die er allerdings nach den blutigen Pekinger Tagen im Juni vergangenen Jahres auf Eis legte.

Der Drang in die Fremde hat nicht nur etwas mit dem magischen Datum 1992 zu tun. Hauptsächlich mit kundenspezifischen Projekten befaßt, muß das Unternehmen - wie die meisten dieser Kategorie - kräftig Luft schnappen, bevor es richtig durchatmen kann. Diese Projekte verschlingen enorme Personalkosten, entsprechend gering ist die Rendite. Zudem spürt auch die Integrata, daß der Inlandsmarkt für dieses Geschäftsfeld enger wird. Die mächtigen Service-Häuser drängen in den Markt, und die Computerhersteller verkaufen ihre Hardware nur noch mit individueller Beratung.

Auch bei der Integrata heißt das Zauberwort Standard-Software. Knappe sechseinhalb Prozent trägt dieser Geschäftsbereich derzeit zum Umsatzergebnis bei, ein stolzes Viertel vom Integrata-Kuchen soll es werden. Der Oberbegriff für die Produkte, die nach Heilmanns Worten "hervorragend in den Integrata-Rahmen" passen werden, ist "Informationslogistik". Darunter versteht er Softwarelösungen für Tools, Rechnerkopplungen, Unterstützungs- und Managementsysteme für den Rechenzentrumsbetrieb. Die Ansprechpartner bleiben damit die gleichen wie in der Vergangenheit: "Wir beliefern den DV-Profi", benennt Heilmann sein altes und neues Klientel.

Diese Informationstechniker bedienen die Tübinger in einigen technischen Gebieten mit einem durchaus einzigartigen Angebot.

Vertriebsabkommen mit IBM und DEC geplant

Ohne nennenswerte Konkurrenz bietet das Unternehmen eine Software namens MEP zur direkten Verknüpfung verschiedener Rechnerumgebungen mit der DEC-Welt an. MEP (steht für Modulares Emulator-Paket) gibt es für Rechner von Unisys, Siemens und für die AS/400 von IBM. Speziell für diese Integrationsware will das Integrata-Management europaweit die Werbetrommel rühren. Nach Schätzungen des Marktforschungsinstituts Input können die Wachstumsraten in diesem Segment jährlich bei 38 Prozent liegen. Werden heute 1,2 Milliarden Mark mit Network Services umgesetzt, sollen es 1993 schon über vier Milliarden sein.

Dieses Geschäftsfeld bringt die Internationalisierung fast zwangsläufig mit sich. So hat eine Schweizer Großbank die Integrata-Software bestellt, um ihren Zentralrechner in Zürich mit allen Börsenschauplätzen der Welt zu verbinden. Von jedem Terminal in Tokio, Sydney oder London aus können die Banker über ein Menü die aktuellen Informationen aus den Börsenrechnern der Züricher Zentrale abrufen. Daß sie dabei in verschiedenen Rechnersystemen zugange sind, stört sie wenig; sie merken es nicht einmal. Die Integrata-Software erlaubt die direkte Kommunikation von einem Programm zum anderen.

Wie wichtig die Emulationssoftware im Zeitalter der Integration und Vernetzung ist, zeigt das Interesse, das die zwei größten Computerhersteller an den Tag legen. IBM und Digital Equipment planen Vertriebsabkommen mit der Integrata, um eigene Lücken bei der Rechnerkopplung zu schließen. Integrata-Software-Vertriebschef Gerd Ludwig: "Das eröffnet uns ungeahnte Möglichkeiten für eine weltweite Vermarktung." Installationen bei großen Anwendern in den europäischen Nachbarländern gibt es bereits, und die Produktbeschreibungen liegen in französisch, englisch und spanisch fertig auf dem Tisch.

Software-Tool für das Netzwerk-Management

Ein weiteres Produkt hat die Tübinger Software-Fabrik in der Pipeline. Für die objektorientierte Verwaltung der Hard- und Software-Güter eines Rechenzentrums ist seit Januar ein System namens RZ-ANLAS verfügbar - laut Ludwig gibt es "nichts vergleichbares" auf dem Markt. Das System hilft, trotz wachsender Komplexität den Überblick beim RZ-Management zu wahren: Transparenz der Netzwerke, Ordnung in den Miet-, Leasing- und Wartungsverträgen sowie ein ausgefeiltes Störungsmanagement. Ende dieses Jahres soll auch noch ein Software-Distribution-Tool für die automatische Verteilung von Programmen in großen PC-Netzwerken angeboten werden.

Mit diesen Produkten will die Integrata europäische Kunden aus allen Branchen bedienen. Heilmann zuversichtlich: "Mit dieser Strategie werden wir im Binnenmarkt auf offene Ohren stoßen."