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11.06.1993

Integration als Rezept fuer mehr Wettbewerbsfaehigkeit Corporate Networks: Zunehmender Kostendruck zwingt zum Nachdenken

Was sind Corporate Networks und sind sie als zukunftsweisende Kommunikationsloesung fuer Unternehmen und Organsiationen ueberhaupt sinnvoll? Helmut Duerr* versucht eine Analyse und die Einordnung eines Begriffes, der sich in letzter Zeit einen festen Platz innerhalb TK-politischer Debatten erobert hat.

Der Begriffswirrwarr in der DV und Telekommunikation wurde in letzter Zeit um ein weiteres Schlagwort, dem der Corporate Networks, bereichert, das in ganz unterschiedlichen Bedeutungen verwendet wird. Zum einen versteht man hierunter ein Kommunikationsnetz als Basis diverser Mehrwertdienste, zum anderen definiert man Corporate Network als ein unternehmensweites Netz beziehungsweise als die Integration von Sprach- und Datenuebertragung innerhalb einer Netzarchitektur. Die entscheidende Frage dabei ist jedoch, ob mit einer neuen Terminologie wieder einmal ein Markt herbeigeredet werden soll, oder ob tatsaechlich ein Bedarf fuer entsprechende Loesungen vorhanden ist.

Die Diskussion um Corporate Networks wurde durch die unterschiedlichsten Faktoren ausgeloest. Zu nennen waeren hier in erster Linie die Internationalisierung der Maerkte und die damit einher gehenden erhoehten Kommunikations-Anforderungen, staendig steigende Uebertragungsvolumina mit wachsenden Netzkosten, die Deregulierung der Postmonopole sowie die Entstehung neuer Netzdienste und damit eine bis dato nicht vorhandene Konkurrenzsituation durch neue Anbieter.

Definition von Corporate Networks

Doch wie sind Corporate Networks zu definieren? Corporate Networks koennen zunaechst als Netze von Kommunikationsgemeinschaften klassifiziert werden. Bei einer Kommunikationsgemeinschaft kann es sich beipielsweise um ein Unternehmen - also eine juristische Person - handeln, die ein Sprach- und/oder Datennetz zwischen einzelnen Filialen und der Zentrale betreibt. Gleiches gilt fuer einen Konzern - also mehrere juristische Personen (AGs, GmbHs etc.), die gemeinsam ein konzernweites Netz nutzen (Beispiel: Daimler-Benz).

Eine weitere Moeglichkeit besteht in Form einer "Nutzergenossenschaft" oder einer Organisation mit einem Netz fuer den zweckgebundenen Informationsaustausch zwischen den Mitgliedern (Beispiele hierfuer waeren das von der Datev betriebene Netz zur Anbindung von Steuerberatungskanzleien oder das Deutsche Forschungsnetz DFN im Forschungsbereich). Problematisch wird die Definition und Abgrenzung einer Kommunikationsgemeinschaft jedoch dann, wenn Geschaeftspartner wie Kunden in das Corporate Network eines Unternehmens oder einer oben beschriebenen "Zweckgemeinschaft" eingebunden werden.

Generell gilt, dass die Kommunikationsgemeinschaft nicht Betreiber oder Eigentuemer des Corporate Networks sein muss - alle Moeglichkeiten der Ausgliederung eines Netzes und seines Betriebes in eine rechtlich eigenstaendige Unternehmensform, dem sogenannten Outsourcing, sind hier denkbar. So wird mittlerweile von vielen Anbietern das Betreiben kundeneigener Netze als Zusatzgeschaeft zum Produktvertrieb von TK-Anlagen als ein interessanter Wachstumsmarkt angesehen.

Wesentlich beeinflusst wird die Marktrelevanz von Corporate Networks vor allem aber auch durch die Deregulierung des Fernmeldewesens und die Entstehung neuer Netze, Netzdienste sowie der veraenderten Angebotspalette durch konkurrierende Service- Provider. Derzeit beschraenken sich die staatlichen Monopole (Bundesrepublik Deutschland) im Bereich Telekommunikation auf das Netzmonopol der Uebertragungswege - sprich: die Verkabelung auf oeffentlichem Grund einschliesslich der Elektronik zum Betrieb der Kabelwege -, das Telefondienstmonopol fuer die oeffentliche Vermittlung von Sprache und das Funkanlagenmonopol.

Prinzipiell genehmigt sind daher innerhalb eines Corporate Networks alle Non-Voice-Dienste, die Uebertragung, nicht jedoch die Vermittlung von Sprache (auch fuer andere juristische Personen), die parallele Uebertragung von Sprache und Daten auf der gleichen Verbindung (DDV oder ISDN) sowie alle Daten- und Sprachkommunikationsdienste innerhalb eines Unternehmens (einer juristischen Person).

Einschraenkungen in Deutschland

Generell verboten ist in Deutschland derzeit noch die kommerzielle Bereitstellung des Sprachtelefondienstes, also der direkte Transport und die Vermittlung von Sprache in Echtzeit fuer die Oeffentlichkeit. Ausnahmen bilden diverse Sonderlizenzen fuer Buendel-, Mobil- und Satellitenfunk. Ferner ist es in der Bundesrepublik bis dato nicht moeglich, vorhandene Uebertragungskapazitaeten etwa von den Energieversorgungsunternehmen, den Rundfunk- und Fernsehanstalten oder der Deutschen Bundesbahn fuer Kommunikationsdienste zu nutzen.

Bis Anfang des Jahres war es gemaess Paragraph 1, Absatz 4 des Fernmeldeanlagengesetzes (FAG) der Deutschen Bundespost Telekom vorbehalten, Sprache fuer andere zu vermitteln. Durch Anpassung an die Sprachtelefondienst-Richtlinie 90/388/EWG greift seit dem

1. Januar 1993 auch in der Bundesrepublik eine Einschraenkung des Sprachvermittlungsmonopols in der Form, dass fuer die Sprachvermittlung innerhalb zusammengefasster Unternehmen eine Genehmigung erteilt werden muss. Gleiches gilt fuer sogenannte Einzelgenehmigungen fuer die Sprachvermittlung innerhalb geschlossener Benutzergruppen.

Definition und Abgrenzung zusammengefasster Unternehmen erfolgt dabei in Anlehnung an das Aktiengesetz, was den Nachteil zur Folge hat, dass weite Bereiche wie etwa die Kommunen beziehungsweise deren Verwaltung nicht geregelt sind.

Einzelgenehmigungen werden hingegen erteilt, wenn die Sprachvermittlung nicht kommerziell oder nicht fuer die Oeffentlichkeit, also innerhalb einer geschlossenen Benutzergruppe (definiert als durch Geschaeftszweck und Vertragsverhaeltnis erkennbare Kommunikationsgemeinschaft) erfolgt.

Die Erteilung von Einzelgenehmigungen duerfte allerdings spaetestens dann problematisch werden, wenn der Geschaeftszweck der Kommunikationsgemeinschaft hauptsaechlich darin besteht, einen kostenguenstigeren Sprachtelefondienst zu ermoeglichen.

Die Kommunikationsgemeinschaften koennen also unabhaengig davon Fernmeldeanlagen errichten und betreiben, die der Vermittlung von Sprache dienen. So ist es von nun an beispielsweise moeglich, ISDN- Verbindungen, die fuer die Datenuebertragung verwendet werden, zusaetzlich fuer die Kopplung von TK-Anlagen zu nutzen. Dabei koennen durch den Einsatz von Sprach- beziehungsweise Datenmultiplexern mehrere Sprachverbindungen parallel ueber einen ISDN-B-Kanal laufen.

Interessant und mit einigem Zuendstoff versehen ist dabei - insbesondere auch aus Kostengesichtspunkten - die Moeglichkeit der Anrufweiterleitung aus den unternehmenseigenen TK-Anlagen in das oeffentliche Telefonnetz; denn dies erlaubt beispielsweise ein Telefongespraech ueber die Weitverkehrsstrecke eines Corporate Network zu fuehren, wo dann lediglich zur Anbindung des Teilnehmers im Ortsbereich das oeffentliche Netz genutzt werden muss. Ausserdem koennen netzweit Leistungsmerkmale von TK-Anlagen zur Verfuegung gestellt werden, die bisher auf einen Standort beschraenkt waren.

Allerdings muss in diesem Zusammenhang auch erwaehnt werden, dass sich die Trennungslinie zwischen privaten und oeffentlichen Netzen immer schwieriger ziehen laesst, da nicht immer klar zu definieren ist, ob sich die Eigenschaften "privat" beziehungsweise "oeffentlich" auf das Betreiber-Nutzer- oder das Eigentumsverhaeltnis beziehen. So ist es beispielsweise nicht von vorneherein klar, ob es sich bei einem von der Telekom innerhalb eines privaten Grundstuecks fuer einen privaten Kunden betriebenem MAN um ein privates oder ein oeffentliches Netz handelt.

Drei Bereiche im Corporate Network

Eine interessante Mischform von privaten Netzen innerhalb oeffentlicher Netze stellen Virtual Private Networks (VPNdar, mit denen der Betreiber

eines oeffentlichen Netzes dem Corporate-Network-Kunden eine dem privaten Netz aequivalente Leistung hinsichtlich Nicht- Oeffentlichkeit, Sicherheit, Netzwerk-Management und Abrechnung zur Verfuegung stellt.

Grundsaetzlich lassen sich in einem Corporate Network die drei Bereiche Technologie, Management und Organisation unterscheiden (vgl. Abbildung). Die Technologie-Ebene wird dabei - in Anlehnung an das OSI- Schichtenmodell - in fuenf logische Schichten untergliedert. Die erste Schicht (Connectivitysteht fuer die Uebertragungsmoeglichkeiten unter Verwendung oeffentlicher oder privater Netze. Dies bedeutet in der Regel den Einsatz von Techniken wie Intelligent Wiring (strukturierte Verkabelung mit aktiven Komponenten), ATM, VSAT oder Mobilfunk.

Einheitliche Organisation im gesamten Netzbereich

Die zweite Schicht (Networking) beinhaltet Basisdienste wie Ethernet, Token-Ring oder FDDI beziehungsweise fuer die Wide-Area- Uebertragung X.25, Fast Packet Switching, SMDS oder die Verbindung von PABX-Nebenstellenanlagen fuer die Sprachuebertragung. Netzwerk- Architekturen wie IBMs SNA, DECs DNA oder das OSI-Referenzmodell verkoerpern schliesslich die dritte Schicht, auf der wiederum die sogenannten Application Services (FTAM, X.400, X.500) aufsetzen. Diese Dienste koennen wiederum in ein generelles Konzept wie Big Blues SAA oder das Distributed Computing Environment (DCE) der OSF eingebettet sein. Die fuenfte und letzte Schicht (Applications) laesst sich in verschiedene Grundklassen einteilen - etwa Buerokommunikation, CAD oder Datenbankanwendungen.

Den zweiten Bereich eines Corporate Networks bildet das System- und Netz-Management, wo man zwischen drei logischen Schichten unterscheidet. Die erste Schicht "Management Architectures" schafft dabei die Voraussetzungen fuer den Austausch der Management-Informationen. Als wichtigste Komponenten sind hier internationale Standards wie OSI-CMIP, De-facto-Standards wie SNMP oder herstellergebundene Architekturen wie SNA oder DNA zu nennen. Die zweite Schicht bilden Management-Plattformen wie Digitals Decnet oder HPs Openview. Die dritte und oberste Schicht der Management Applications realisiert die fuer den Betrieb eines Corporate Network wichtigen Funktionen wie Steuerung, Ueberwachung, Planung und Sicherheit.

Der Bereich Organisation bildet den dritten strukturellen Teil eines Corporate Networks und sollte als Klammer um die beiden anderen Bereiche gesehen werden. Wichtig in diesem Zusammenhang ist eine einheitliche Organisation fuer den gesamten Bereich des Netzes also unter Einschluss sowohl der Sprach- als auch Datenuebertragung, des WAN- und LAN-Verkehrs sowie anderen Applikationen wie Electronic Mail. Die organisatorische Trennung der Zustaendigkeiten innerhalb eines Unternehmens - etwa zwischen Hausleittechnik, DV, TK-Anlagen und womoeglich Poststelle - ist fuer den Betrieb und die Verwaltung eines Corporate Networks alles andere als optimal und kann eine Reihe von Problemen verursachen.

Die Anforderungen an an Corporate Network

Die Anforderungen an ein Corporate Network sind naturgemaess aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu sehen und koennen sich je nach Auspraegung der jeweiligen Netz-Infrastruktur ganz oder teilweise ueberlappen. Grundsaetzliche Forderung ist jedoch die Integration der heute noch zum Teil sehr unterschiedlichen Netzdienste. Dem fuer die Unternehmensstrategie zustaendigen Management liegt darueber hinaus insbesondere eine effizientere, kostenguenstigere und schnellere Kommunikation innerhalb des gesamten Unternehmens am Herzen - immer verbunden mit dem Zweck, eine Verbesserung der eigenen Wettbewerbsposition zu erreichen.

Der Betreiber des Netzes ist zudem an moeglichst stabilen und sicheren Netzdiensten, einem einheitlichen und einfachen sowie profitablen Betrieb des Netzes interessiert, waehrend die Endanwender in der Regel eine umfassende Unterstuetzung der anwendungsbezogenen Dienste benoetigen. Die DV-Abteilungen, die dem Endanwender die entsprechenden Services zur Verfuegung stellen, fordern wiederum eine moeglichst einfache, durchgaengige und transparente Schnittstelle zu den jeweiligen Netzen und Netzdiensten und erwarten vom Supplier einen nutzerfreundlichen und vor allem leistungsfaehigen Support.

Hinzu kommt, dass die Endgeraete immer leistungsfaehiger werden, was eine immer groesser werdende Menge an zu uebertragenden Daten sowie hoehere

Anforderungen an den Durchsatz bewirkt. Andererseits werden durch neue Uebertragungstechniken wie SDH und ATM sowie Uebertragungsmedien (Glasfaser) und durch den Einsatz neuer Chiptechnologien erst die hierfuer erforderlichen Kapazitaeten und Leistungen geschaffen. Die weitere Verbreitung und somit die groessere Installationsbasis an Rechnerleistung, die groessere Anzahl von Anbietern und die auf spezielle Beduerfnisse angepassten Leistungen fuehren wiederum zu einer zunehmenden Heterogenitaet der Netz- und Endgeraetelandschaft. Gerade hier ist es daher wichtig, durch einen technischen und organisatorischen Ueberbau dafuer Sorge zu tragen, dass die Administrierbarkeit des Corporate Networks gewahrt bleibt.

Insgesamt hat sich in den letzten Jahren eine schaerfere Wettbewerbssituation fuer die Unternehmen ergeben. Um in diesem Wettbewerb bestehen zu koennen, ist die Schaffung sogenannter "Alleinstellungsmerkmale" fuer die einzelnen Unternehmen zu einer Ueberlebensfrage geworden. Bezogen auf das Thema Corporate Network sind hier in erster Linie folgende Punkte zu nennen:

- Verkuerzung des Time-to-market durch rechnergestuetzte und vernetzte Entwicklungs- und Designmethoden, die eine enge Zusammenarbeit weniger Spezialisten erfordert (Videokonferenzen, Buerokommunikation, Groupware).

- Bessere Ausnutzung der Ressourcen und eine Erhoehung der Qualitaet und Zuverlaessigkeit durch den Einsatz neuer Technologien wie etwa ein Mobilfunk-gestuetztes Flottenmanagement im Transportgewerbe.

- Nutzung oder Zurverfuegungstellung neuer Serviceleistungen im Zusammenhang mit dem eigentlichen Leistungsangebot (rechnergestuetzte Sendungsauskunft mit Zugriffsmoeglichkeit durch den Kunden im

Speditionswesen, Voice-Banking oder andere Sprachanwendungen wie Call-Center (computergestuetzte Sprachanwendungen mittels Automatic Call Distribution ACD und Computer Supported Telephony Applications CSTA).

Wenn man die derzeitige Diskussion um Corporate Networks verfolgt, koennte man zu dem Schluss kommen, dass das groesste Hindernis fuer eine effektive Unternehmenskommunikation nach wie vor die rechtliche Situation im Umfeld der Sprach- und Datenintegration, also die Frage des Sprachvermittlungsmonopols, darstellt. Allerdings muessen sich alle, die so argumentieren, fragen lassen, ob sie ihre Hausaufgaben innerhalb ihres Unternehmens schon gemacht haben. Immer noch sind - obwohl der Bereich der WAN-Uebertragung seit langem dereguliert ist und die Inhouse-Vernetzung noch nie rechtlichen Einschraenkungen unterlag - vielerorts Klagen zu vernehmen, dass Daten innerhalb eines Unternehmens oder mit Kunden nicht ausgetauscht werden koennen, weil unterschiedliche und inkompatible Netzzugaenge und Uebertragungsverfahren dies verhindern. Gleiches gilt fuer die Klagen ueber unterschiedliche Datenaustauschformate sowie LAN- Techniken.

Es existiert also - wenn man will - ein weites Betaetigungsfeld fuer DV-Organisatoren und TK-Manager. Diese haben jedoch keinen Grund, nur mit dem Finger auf andere zu zeigen und die Behandlung dieses Themas ausschliesslich von Bruesseler oder Bonner Entscheidungen abhaengig zu machen. Insbesondere der zunehmende Kostendruck im Networking, vor allem aber auch die staendig steigenden Telecom-Gebuehren und Personalkosten werden ein noch intensiveres Nachdenken ueber Corporate Networks geradezu erzwingen. Corporate Networks sollten daher als Herausforderung und Chance gesehen werden - von Netzanbietern, Service-Providern und Anwendern gleicherma

*Helmut Duerr ist Leiter des Competence Centers Corporate Networks im Bereich Telecommunications bei der CAP debis GEI GmbH, Muenchen.

In einem Corporate Network lassen sich die drei Strukturbereiche Netzwerk-Technologie, Netzwerk-Management und NetzwerkOrganisation unterscheiden.