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25.04.2003 - 

EAI-Forum in Mainz

Integration treibt Anwender um

MAINZ (rg) - Trotz Budgetzwängen steht das Thema Enterprise Application Integration (EAI) auf der Agenda vieler Anwender ganz oben. Auf dem diesjährigen EAI-Forum in Mainz trafen sich rund 400 Teilnehmer, um sich über den Stand der Technik und zahlreiche Praxisbeispiele zu informieren.

Laut Wolfgang Martin, unabhängiger Analyst und Vorsitzender des EAI-Forums, nimmt der Bedarf an Integrationslösungen weiter zu. In seiner Keynote gab er zu bedenken, dass der Traum, die IT-Systeme im Unternehmen durch die Einführung eines einzigen Enterprise-Resource-Planning(ERP-)Systems zu konsolidieren, geplatzt sei. In der Praxis hätten die meisten Firmen mehrere heterogene ERP-Instanzen im Einsatz, Konzerne nutzten im Schnitt 50 unternehmenskritische Zusatzsysteme wie beispielsweise Customer-Relationship-Management-(CRM-) oder Supply-Chain-Management-(SCM-)Lösungen.

ERP hat Versprechen nicht eingelöst

Martin empfahl den rund 400 Zuhörern deshalb, von einer ERP-zentrischen Sichtweise abzurücken, zumal die ERP-Anbieter in Teildisziplinen wie CRM, SCM oder E-Procurement den Erfordernissen des Marktes hinterherlaufen würden. Er favorisiert stattdessen einen Business-zentrierten Ansatz, der die Collaboration mit internen und externen Kunden, Partnern, Mitarbeitern und Lieferanten in den Mittelpunkt der Bemühungen stellt. Hierfür seien jedoch Messaging-orientierte Integrationsarchitekturen notwendig, denn der Versuch, diese Anforderungen über Punkt-zu-Punkt-Verbindungen zu erfüllen, ende unweigerlich im Chaos. Eine Absage erteilte er auch Anstrengungen, das Problem mit Eigenentwicklungen zu lösen: "Wer Integration mit handgestrickten Lösungen versucht, wird scheitern."

Beschränkten sich Anwender auf die Integration der im Unternehmen eingesetzten Applikationen mittels EAI-Plattformen, bliebe laut Martin ein großes Potenzial ungenutzt. Erst durch das Hinterlegen entsprechender Regeln und Workflows ließen sich in Kombination mit Performance-Management-Systemen viele Prozesse automatisieren. "Integration ist auf der Prozessebene angekommen", so sein Credo.

Auf dem zweitägigen, von der IIR Deutschland GmbH veranstalteten Kongress stellten darüber hinaus zahlreiche Anwenderunternehmen ihre EAI-Projekte vor. So führte beispielsweise die Hypovereinsbank eine J2EE-basierende EAI-Lösung für den Bereich Corporates & Markets ein. Der "Trading Room Integration Architecture" (Train) betitelte Lösungsansatz sollte unter anderem dem Aufbau von EAI-Know-how sowie der Entwicklung einer Referenzarchitektur dienen. Als technische Basis entschied sich die Bank für den J2EE-Applikations-Server "Weblogic Server 5.1" von Bea. Die Erfahrungen waren insgesamt positiv: Innerhalb von drei Monaten konnten acht Applikationen erfolgreich integriert werden. Laut Hermann Konrad, Softwarearchitekt und Technologieberater beim internen IT-Dienstleister HBV Systems, gab es anfangs kleinere Schwierigkeiten durch die teilweise nicht ausgereifte Technik. Seit der Migration auf Version 6.1 des Bea-Weblogic-Servers laufe der Betrieb jedoch problemlos. Trotz der guten Erfahrungen wird das Projekt aber nicht weitergeführt. Die Hypovereinsbank habe die "strategische Entscheidung" getroffen, für das nächste große EAI-Projekt Komponenten von IBM einzusetzen, so Konrad.

Auch die Deutsche Bank hat für den Bereich Privatkundengeschäft (PCAM) eine umfangreiche Evaluierungsinitiative abgeschlossen, bei der die in Frage kommenden Lösungen nach einer Vielzahl von Faktoren abgeklopft wurden. Ziel war die Entwicklung von Empfehlungen jeweils eines Produkts für die Integration in den drei Anforderungsbereichen Application-to-Application, J2EE-Prozesse und Financial Enterprise Application. Derzeit setzt die Deutsche Bank eine Vielzahl verschiedener EAI-Tools ein. "Davon wollten wir weg und uns für zukünftige Projekte auf zwei, maximal drei Hersteller beschränken", so Stefan Gröger, Director PCAM Global Technology Strategy & Governance.

EAI erleichtert ERP-Update

Für den Bereich Financial Enterprise Application Integration hatte das Evaluierungsteam ermittelt, dass die EAI-Plattform von Tibco zu den technischen Anforderungen der Deutschen Bank/PCAM am besten passt. Infrastrukturaspekte sprächen dagegen für die Nutzung von IBM-Lösungen, so Gröger. Hintergrund ist die Entscheidung der Deutschen Bank, weite Teile ihrer IT an IBM auszulagern. Allerdings steht eine endgültige Klärung bezüglich der EAI-Plattform noch aus.

Auch beim Wechsel oder Upgrade von ERP-Systemen bringen EAI-Plattformen deutliche Vorteile. Die Altana Pharma AG nutzte die Migration von SAP R/2 auf R/3, um zeitgleich eine Integrationsplattform einzurichten. Diese Entscheidung sei getroffen worden, da die zahlreichen nachgelagerten Produktionssysteme nicht verändert werden sollten, so Thorsten Elfendahl, Gruppenleiter Entwicklung bei dem Pharmahersteller. Sowohl Migration als auch EAI-Einführung seien erfolgreich als Big-Bang-Projekt umgesetzt worden. In der neuen Architektur stehe nun die EAI-Plattform in der Mitte, an die R/3 als eines von vielen Systemen angeschlossen sei. Altana habe es damit geschafft, rund 120 Schnittstellen in der Middleware ("MQ Series" von IBM) zu konsolidieren. Da in absehbarer Zukunft das eine oder andere Altsystem ersetzt werden müsse, habe man sich mit der EAI-Lösung auch kommende Arbeiten erleichtert.

Obwohl Altana in den wichtigsten Bereichen schon seit vielen Jahren SAP-Software einsetzt, kann sich Elfendahl einen Wechsel auf die Integrationslösung von SAP, "Exchange Infrastructure" (XI), in absehbarer Zukunft kaum vorstellen: "Jetzt würden wir uns sehr schwer tun, die neue Lösung rauszuschmeißen." Sie sei erst seit 2001 produktiv und das Unternehmen damit sehr zufrieden.

Zu den Firmen, die mit XI trotz seiner kurzen Verfügbarkeit bereits viel Erfahrungen sammeln konnten, zählt Audi. Als erster Anwender in Europa erproben die Ingolstädter seit Juni 2001 die Lösung in einem Pilotprojekt, derzeit laufen die Integrationstests. Das System soll im Juli dieses Jahres produktiv gehen. Mit der Financial Services AG hat mittlerweile ein zweiter Bereich des VW-Konzerns ein XI-Projekt aufgesetzt, weitere sollen folgen. (Detailliertere Informationen zur EAI-Initiative des VW-Konzerns lesen Sie auf der folgenden Seite).

Positiver Trend

Laut Dan Sholler, Vice President und Service Director bei der Meta Group, steht EAI auf der Prioritätenliste von Anwenderunternehmen ganz oben. Er erwartet 2003 eine Zunahme der Ausgaben für Middleware- und EAI-bezogene Projekte um acht Prozent - trotz einer gleichzeitigen Reduzierung der Gesamtbudgets von zwei bis fünf Prozent. Allerdings zeichneten sich die heutigen EAI-Projekte nach wie vor durch Punkt-zu-Punkt-Anbindungen aus, übergreifende Ansätze seien die Ausnahme. Auch die Nutzung von Web-Services als Integrationswerkzeug sei noch wenig verbreitet. Sholler warnte außerdem davor, zu viele EAI-Systeme parallel einzuführen. Einige Großunternehmen ständen bereits vor dem Problem, ihre Integrationslösungen integrieren zu müssen.