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Trends im ERP-Markt/Klassische Implementierungen haben kaum noch Wachstumspotenzial


30.03.2001 - 

Integration treibt ERP-Servicegeschäft

Der Markt für die Implementierung von Enterprise-Resource-Planning in Deutschland ist von einem schweren Wachstumseinbruch bei den traditionellen Segmenten gekennzeichnet. Dienstleister finden aber neue Aufgaben in der Integration von E-Business-Anwendungen. Von Jean-Christian Jung*

Die Anbieter von ERP zählten in den vergangenen drei Jahren zu den Schwergewichten in der IT-Branche. Noch 1999 generierten Dienstleistungen rund um dieses Thema mehr als 25 Prozent des gesamten deutschen Software- und IT-Services-Marktes. Bezogen allein auf den Markt für Projektdienstleistungen wie IT-Consulting, IT-Training, Implementierung und Anpassung ist der ERP-Anteil sogar noch größer, nämlich zirka 30 Prozent. Und im laufenden Jahr konnten bislang die meisten ERP-Dienstleister noch kräftig zulegen.

Wettbewerber bei MittelständlernDie SAP AG ist dabei immer noch Spitzenreiter, was den Marktanteil betrifft. Die Walldorfer beherrschen mehr als die Hälfte des hiesigen ERP-Softwaremarkts. Im Allgemeinen tun sich ausländische Anbieter in deutschen Landen sehr schwer. Global Player wie Peoplesoft oder J. D. Edwards verbuchten in den vergangenen Jahren stagnierende Umsätze. Außer Baan und Navision erreichte keiner der internationalen Anbieter einen Marktanteil von zwei Prozent. Die deutschen lokalen Wettbewerber sind für SAP im Bereich des Mittelstands ein Alptraum, bei großen Unternehmen sind sie jedoch kaum erfolgreich.

Services, das Tüpfelchen auf dem iInsgesamt generierte SAP 1999 80 Prozent des gesamten ERP-Implementierungsgeschäfts. Betrachtet man ausschließlich den Markt für Drittanbieter, das heißt reine Dienstleister, dann liegt dieser Anteil sogar bei rund 90 Prozent. Dies ist darauf zurückzuführen, dass SAP für die Implementierung seiner Produkte primär auf externe Dienstleister zurückgreift, während die meisten anderen Produktanbieter auch im Servicegeschäft mitmischen wollen. Nach Meinung von PAC hat diese klare Entscheidung zugunsten der Partner erheblich zum Erfolg der Walldorfer beigetragen.

Die Services von SAP waren bis vor kurzem das Tüpfelchen auf dem i für viele kleine, besonders aber für große Dienstleister à la Andersen Consulting (jetzt Accenture), Debis Systemhaus (jetzt T-Systems), IBM, CSC Ploenzke, SBS oder Pricewaterhouse-Coopers. Aufgrund der Jahr-2000-Umstellung, die von vielen Anwendern für eine umfangreiche Modernisierung und Vereinfachung der IT-Struktur genutzt wurde, hatten IT-Dienstleister beziehungsweise ERP-Implementierer nur eine Sorge, nämlich genügend qualifizierte Mitarbeiter zu finden; Projekte gab es genug.

Im ersten Halbjahr 2000 sah die Lage ganz anders aus: Alle ERP-Anbieter und -Dienstleister litten unter den Nachwehen der Arbeiten für die Bewältigung des Y2K-Problems. Obwohl diese Regulierungsphase teilweise vorhergesagt worden war, erwiesen sich viele Anbieter als überrascht und nicht ausreichend vorbereitet. Dies trifft zwar auf die gesamte IT-Branche zu, das ERP-Segment gehört aber sicherlich zu den Wirtschaftsbereichen, die am meisten gelitten haben.

Das Rückgrat der IT-SystemeIm Vergleich zu 1999 realisierten fast alle führenden ERP-Dienstleister zu Jahresbeginn bestenfalls einstellige Wachstumsraten und meistens sogar einen Umsatzeinbruch. Das heißt aber nicht, dass der ERP-Markt für Dienstleister zusammengebrochen ist. Im Gegenteil: Er ist dabei, sich zu erholen. Gespräche von Analysten der PAC-Unternehmensberatung mit führenden Anbietern zeigen, dass im ersten Halbjahr 2000 viele Mitarbeiter auf neue Themen wie E-Business und Customer-Relationship-Management (CRM) umgeschult wurden, und dass die progressive Erholung des Marktes im dritten und vierten Quartal 2000 bereits wieder zu Kapazitätsengpässen im ERP-Umfeld führte.

ERP-Systeme bilden inzwischen das Rückgrat der Informationssysteme der meisten Unternehmen. Besonders unter den großen deutschen Playern hat fast jeder bereits ein oder mehrere ERP-Module bezogen - zumeist von SAP. Dies ist sicherlich ein besonderes Merkmal Deutschlands. Bei französischen und englischen Firmen ist die ERP-Penetration bei weitem noch nicht so fortgeschritten.

Nach PAC-Einschätzung ist das Implementierungsgeschäft im Umfeld der traditionellen Back-Office-ERP-Themen wie Finanzwesen/ Buchhaltung, PPS, Logistik und Personalwesen im Jahr 2000 nur um vier Prozent gewachsen, gegenüber 17 Prozent 1999. Im Vergleich dazu sollten die Dienstleistungen für in ERP integrierte Anwendungen wie CRM, SCM, E-Commerce und neu entwickelte branchenspezifische Module, zum Beispiel für Banken, Energieversorgungsunternehmen oder Dienstleister, acht Mal schneller (plus 34 Prozent) gewachsen sein. Insgesamt legte das ERP-Implementierungs-Business somit insgesamt um zehn Prozent zu. Der Anteil von neuen Themen am gesamten Geschäftsvolumen stellte 2000 bereits ein Viertel des Marktes dar.

Eine Menge neuer ThemenFür den Zeitraum bis 2004 prognostiziert PAC einen Anstieg um etwa 15 Prozent pro Jahr, wobei die traditionellen Themen nur um acht Prozent jährlich wachsen werden. Hingegen wird die Menge neuer Themen um rund 30 Prozent jährlich wachsen und somit 2004 mehr als 40 Prozent des ERP-Implementierungsmarktes ausmachen.

Bei neuen Lösungen haben Anwenderunternehmen jedoch die Wahl: Entweder sie entscheiden sich für eine Lösung der Best-of-Breed-Anbieter à la Siebel, i2, Commerce One und lassen diese von einem Dienstleister in die bestehenden Systeme integrieren, was zeit- und kostspielig werden kann. Oder sie beziehen eine vergleichbare Lösung von einem ERP-Anbieter, die möglicherweise in puncto Flexibilität und Funktionalität den Best-of-Breed-Lösungen unterlegen, dafür aber mit dem Back-Office am besten zu integrieren ist.

ERP-Dienstleister unverzichtbarUm neue Prozesse zu gestalten, scheinen oft Best-of-Breed-Lösungen die bessere Wahl zu sein; sobald aber die Datenmengen steigen und eine optimale Integration mit dem Back-Office erforderlich wird, stehen ERP-Anbieter im Vordergrund. In beiden Fällen sind Anwenderunternehmen auf die Dienste von ERP-Dienstleistern angewiesen - eine frohe Botschaft für die Serviceanbieter.

*Jean-Christian Jung ist Analyst bei der Unternehmensberatung und Marktanalysegesellschaft PAC

Abb: Der Markt für Services

Auch bei den Services gewinnen neue Anwendungen in den nächsten Jahren an Bedeutung. Dienstleister müssen sich daher neu orientieren. Quelle: PAC