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15.05.1998 - 

3Com geht beim High-speed-Token-Ring eigene Wege

Integration von Sprache und Daten wird zum Muß im Netz

Die Forderung nach mehr Bandbreite im Netz - lange Zeit nur ein Verkaufsargument der Hersteller und weniger eine Vision - wird nun unausweichlich. Katalysator dieser Entwicklung ist vor allem das Internet, das mit seiner Informationsflut, darunter auch Images und Video, eine Reorganisation der Unternehmensnetze bis hinunter ins LAN erfordert. Für IT-Manager gilt es nun, den richtigen Kompromiß zwischen Web-basierten Technologien und den traditionellen Enterprise-Network-Infrastrukturen zu finden. Erschwerend wirkt bei der Integration, daß nicht nur Applikationen der Datenkommunikation, sondern bislang auch klassische TK-Anwendungen wie Sprach- oder Faxtransfer ins Web abwandern.

Auf diese Probleme bei der Verschmelzung von Sprach- und Datennetzen wies auch Eric Benhamou, President und CEO der 3Com Corp., in seinem Grußwort auf der N+I hin. Er zeigte sich aber davon überzeugt, daß die Industrie mit nützlichen Lösungen zur Migration von parallelen auf integrierte Netze beitragen werde: "Ich sehe diesen Wandel als den wichtigsten Meilenstein bei der Entwicklung in ein Zeitalter des umfassenden Networking."

Tatsächlich warteten die Aussteller im Spielerparadies mit einem breiten Spektrum an Access- sowie LAN- und WAN-Technologien auf, die IT-Manager in Sachen Bandbreite und Multimedia vor die Qual der Wahl stellen. Dabei fiel auf, daß sich Anbieter aus den Lagern von Frame Relay, Virtual Private Networks (VPN) und Gigabit Ethernet stark mit dem Thema Dienstequalität (Quality of Services) beschäftigen. Dieser Trend untermauert ihre Absicht, in die Domäne des Asynchronous Transfer Mode (ATM) einzudringen, der mit seiner garantierten Servicegüte bislang als einzig akzeptables Verfahren für gemischte Sprach- und Datenkommunika- tion galt.

Voice über Frame Relay war eine der Applikationen, mit der Provider in Las Vegas Besucher zu überzeugen versuchten, das Verfahren als ernsthafte Alternative zu ATM in Erwägung zu ziehen (siehe Seite 32). Während Frame Relay in diesem Punkt gegenüber ATM deutlich an Boden gut gemacht hat, kämpfen die VPN-Anbieter noch mit einem Vertrauensdefizit. Hier halten sich die Anwender wegen großer Sicherheitsbedenken bedeckt. Sie glauben außerdem nicht, daß VPNs für ihre unternehmenskritischen Anwendungen eine ausreichende Dienstequalität liefern können (siehe Seite 34).

In den Startlöchern stehen indes auch die Produzenten von Gigabit-Ethernet-Komponenten. Kurz vor der Verabschiedung des Standards im Juni 1998 traten 29 Aussteller in einem Demonstrationsnetz den Beweis der Interoperabilität von rund 80 Produkten an.

Dabei handelt es sich um Layer-2- und Layer-3-Switches, Router, Repeater, Adapter, Testgeräte sowie Management-Komponenten. In Kürze rechnen Analysten mit Geräten, die noch mehr Funktionalität und eine höhere Port-Dichte aufweisen.

Natürlich befaßt sich das Konsortium, wie ein Vertreter mitteilte, auch mit dem Thema Sprache, allerdings nur untergeordnet. Im Vordergrund stehe eindeutig die Bandbreite und Aufwärtskompatibilität für Ethernet- und Fast-Ethernet-Nutzer. Das Einsatzgebiet von Gigabit Ethernet sehen die Hersteller in erster Linie in der Server-Verbindung, während ATM als Backbone für große Netze mit Sprachkommunikation geeignet sei.

Die Gigabit-Ethernet-Allianz versteht sich deshalb nicht so sehr als direkter Konkurrent zu ATM, im Gegensatz zu den Vertretern von Frame Relay und VPN. Man lege, so ein Sprecher, aber ebenfalls großen Wert auf Dienstequalität. Gigabit Ethernet liefert daher "Class of Services", das heißt Priority-Queing-Mechanismen auf Ebene 2. Außerdem unterstützt das 1-Gbit-Verfahren das Reservation Setup Protocol, das Endgeräten und Layer-3-Switches im Campus Bandbreite mit hoher Qualität und geringer Verzögerung einräumt.

Analysten geben Gigabit Ethernet gute Chancen, ähnlich wie Fast Ethernet (siehe Seite 34) ein Selbstläufer zu werden. Schon heute ist, schenkt man den Marktforschern und Anbietern Glauben, das Interesse bei den Anwendern groß, die 1-Gbit/s schnelle Technik anzuwenden, um so den Bandbreitenanforderungen, die von den Applikationen auf den Desktop ausgehen, im LAN-Backbone gerecht zu werden.

Während sich das Ethernet-Lager bereits in 1000-Mbit/s-Sphären bewegt, sucht die High-speed-Token-Ring-Allianz (HSTRA) eine Geschwindigkeitskategorie tiefer, im Bereich von 100 Mbit, den Anschluß. Vertreter des Konsortiums, das durch den Ausstieg von Cisco kürzlich einen Rückschlag erlitt, rührten auf der N+I kräftig die Werbetrommel. IBM, Madge und Olicom präsentierten auf ihren Ständen Adapter, Switches und Uplink-Module, die bereits auf dem für Juli 1998 erwarteten 802.5-Standard basieren.

Dave Olechovsky, Vorsitzender der HSTRA, identifizierte den High-speed-Token-Ring als Backbone-Technik für kleine und mittelständische Unternehmen, die bereits Token-Ring-Netze betreiben. Außerdem können mit diesem Verfahren Etagen an das Company-Backbone angeschlossen werden. Der Vorteil für die Anwender liege bei der höheren Durchsatzrate, einer einheitlichen Technologie und niedrigen Kosten.

Indes mußte die HSTRA einen weiteren Rückschlag hinnehmen. Ähnlich wie Cisco, wird 3Com ebenfalls sein eigenes Süppchen kochen. Wie sich auf der Networld + Interop 98 herausstellte, bieten die Kalifornier eine Lösung an, die Token-Ring-Frames über Fast Ethernet auf Grundlage des Standards IEEE 802.1Q transportiert. Im Gegensatz zum von Cisco verfolgten Tunneling-Verfahren soll der bei 3Com favorisierte Ansatz nicht proprietär sein.

Auf die weiteren HSTR-Absichten von 3Com angesprochen, teilte eine Sprecherin mit, das Unternehmen werde weiter Mitglied der Allianz bleiben, den Standard vorerst aber nicht unterstützen. Kunden hätten bislang wenig Interesse an einer offiziellen Spezifikation gezeigt. Sollte sich jedoch eine große Nachfrage ergeben, werde 3Com der kommenden IEEE-Norm ebenfalls Rechnung tragen.

Von proprietären Ansätzen wird die Networking-Industrie auch künftig nicht verschont bleiben. "Es ist ein großer Irrtum anzunehmen, der Trend zur Sprach-Daten-Integration bringe Konformität mit sich", warnte 3Com-Chef Benhamou. Erwartungen, integrierte Netze seien gleichbedeutend mit einer homogenen IP-Infrastruktur, einer bestimmten Kategorie der Quality of Services sowie Wintel-Plattformen, seien illusorisch. IT-Manager sind um die richtige Weichenstellung bei der Planung der Netzzukunft also nicht zu beneiden.