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30.09.1994

Integrationskonzepte nicht nur fuer die Grossen CAD und PPS in der E-Technik beduerfen schlanker Loesungen

Von Dieter Pesch*

Mit der rechnergestuetzten Integration von technischer und kaufmaennischer Projektabwicklung haben sich vor allem groessere Fertigungsunternehmen intensiv beschaeftigt. Die meisten kleineren, mittelstaendischen Betriebe halten sich bislang in dieser Hinsicht noch deutlich zurueck. Steht hier jetzt durch neue, fuer diese Unternehmen massgeschneiderte Integrationskonzepte eine Trendwende bevor? Der in juengster Zeit rasch beschleunigende Integrationszug in einzelnen Branchen wie dem elektrotechnischen Schaltanlagen- und Steuerungsbau laesst dies vermuten.

Der Schaltanlagen- und Steuerungsbau steht in Deutschland, aufgrund der historisch bedingten Staerke der heimischen Maschinenbau- und Elektroindustrie, auf einem sehr hohen Leistungsniveau. Mit typischen Organisationsgroessen von 20 bis 150 Mitarbeitern realisiert er als Auftragsfertiger fast ausschliesslich Einzelprojekte - und dies oft fuer den internationalen Markt. Wichtigste Wettbewerbsargumente sind hier vor allem Flexibilitaet, Qualitaet und Erfahrung. Groesster Nachteil der deutschen Unternehmen ist dagegen der hohe Anteil manueller, nicht automatisierbarer Arbeiten in der Fertigung mit den entsprechenden Konsequenzen fuer die gesamte Kostenstruktur.

Integrationspotential wird nicht genutzt

Auf diese Situation hat die Branche in den letzten Jahren vor allem durch konsequente Produktivitaetssteigerungen im Projektierungsbereich reagiert. So wird heute uebereinstimmend davon ausgegangen, dass bereits 80 Prozent aller geeigneten Arbeitsplaetze in der Elektrokonstruktion auf CAD-Unterstuetzung zugreifen. Elektro-CAD duerfte damit den mit Abstand hoechsten Durchdringungsgrad im gesamten CAD-Markt besitzen. Im Grunde bestehen hier also ideale Voraussetzungen fuer die flaechendeckende Durchsetzung weitergehender Integrationsloesungen.

Dass dieses Feld trotzdem fast voellig verwaist ist, liegt vor allem an der mangelnden Integrationsunterstuetzung auf betriebswirtschaftlicher Seite. PPS-Systeme sind im Schaltanlagen- und Steuerungsbau, zumindest was die eigenstaendigen Zulieferbetriebe angeht, praktisch nicht vorhanden. Einzig die direkt in groessere Maschinen- und Anlagenbauunternehmen eingebundene Elektrotechnikabteilung bildet hier gelegentlich eine Ausnahme.

Tatsaechlich macht der Einsatz herkoemmlicher PPS-Technologie in dieser Branche wenig Sinn. Augenfaelligster Faktor ist da bereits der Preis. Gemeint sind damit nicht einmal so sehr die Kosten fuer die reine Softwarebeschaffung als vielmehr der Folgeaufwand im Zusammenhang mit Anpassung, Pflege und Weiterentwicklung. Fuer diese Leistungen fordern heutige Standard-PPS-Loesungen die meisten Ressourcen, was im Sinne maximaler Universalitaet beziehungsweise Funktionsflexibilitaet fuer groessere Unternehmen durchaus akzeptabel ist. Dem Schaltanlagen- und Steuerungsbauer stellt sich diese Universalitaet und Maechtigkeit jedoch als teurer Overhead dar, der weder fuer seine spezifischen Anforderungen brauchbar ist, noch zu den begrenzten personellen, zeitlichen und finanziellen Kapazitaeten passt.

Vor diesem Hintergrund ergeben sich fuer ein wirklich erfolgversprechendes PPS-Konzept eindeutige Richtlinien. Ausgangspunkt ist dabei die Konzentration und Beschraenkung der Funktionalitaet auf die branchenspezifischen Anforderungen. Was hier zunaechst einmal heisst, dass die typischen Organisationsmerkmale der Branche bereits im PPS-Standard beruecksichtigt und abgebildet werden: Projektorientierter Auftragsdurchlauf, viele kurzfristige Aenderungen in allen Bearbeitungsphasen, fast ausschliesslich auf Zukaufteilen gestuetzte Materialwirtschaft, Materialvorgaben durch Kundenstandards, minimale Fertigungstiefe, kaum Maschineneinsatz, Konstruktion und Produktion als Konfektionierarbeit, um nur die wichtigsten zu nennen.

Mit einem solchen Elektro-PPS-Konzept wird das Anfangsrisiko fuer den Anwender beherrschbar. Vor allem der Aufwand zum Aufbau eines bereits funktionierenden PPS-Grundgeruestes sinkt drastisch und damit auch die Zeit bis zum ersten Systemeinsatz in der Praxis. Was bleibt, ist das weiterhin notwendige Fein-Tuning der Applikation, die kontinuierliche Softwarepflege und die Erweiterung der gesamten Loesung. Und dies macht, solange Elektro- PPS weiter dem Vorbild herkoemmlicher PPS-Software-Architekturen folgt, noch genausoviel Arbeit wie vorher.

PC-basierte Loesungen reichen voellig aus

Spaetestens an diesem Punkt stellt sich die Frage, was den Anwender ueberhaupt zum Einsatz der klassischen, skalierbaren PPS-Systeme auf High-end-Plattformen zwingt. Vergleichsweise grosse Mengengerueste oder besonders empfindliches Reaktionsverhalten sind es in keinem Fall. Von den Anforderungen her, zumal wenn man die branchenspezifische Leistungskonzentration des Elektro-PPS als Chance begreift, sind durchgaengig PC-basierte Client-Server- Architekturen zumeist voellig ausreichend.

Aus dieser Ueberlegung heraus folgt das schlanke Softwarekonzept fuer Elektro-PPS im Grunde zwangslaeufig. Den Schluessel liefert hier die Auswahl des eigentlichen Entwicklungs-Tools fuer Elektro-PPS. Besonders interessant sind dabei die Vorteile moderner Front-end- orientierter Werkzeuge fuer diesen Anwendungsbereich. Sie bedienen sich konsequent der aktuellen Windows-Standards, verfuegen haeufig ueber eine geeignete, leistungsfaehige Datenbank-Engine (Foxpro, Access, Paradox etc.) und versprechen durch ihre sehr hohe Verbreitung relativ geringe Proprietaetsrisiken.

Ausserdem, und damit bekommt dieser Ansatz auch fuer den Anwender eine neue Qualitaet, bieten diese Werkzeuge eine wesentlich groessere Offenheit gegenueber individuellen Anpassungen und Erweiterungen. Das faengt bei fast intuitiv zu erlernenden Entwicklungssprachen (wie Visual Basic) und einfach zu bedienenden, integrierten Report- und Formulargeneratoren an. Es geht weiter ueber die beliebige Migration nach groesseren Server-Datenbanken via SQL- Unterstuetzung respektive ODBC-Schnittstellen. Und es reicht bis zur direkten Einbindung OLE-faehiger PC-Office-Umgebungen und MIS- Loesungen.

Projekte lassen sich realistischer planen

Ein mit diesen Werkzeugen entwickeltes und auch im nachhinein fuer diese Tools offenes Elektro-PPS stellt fuer den Schaltanlagen- und Steuerungsbauer erstmals ein tatsaechlich beherrschbares und uebersichtliches System dar - dies mag der PPS-Profi aus dem High- end-Bereich noch so sehr von oben herab belaecheln. Die bisher durchaus uebliche 85prozentige Wahrscheinlichkeit fuer erhebliche zeitliche und finanzielle Ueberschreitungen bei der Projektrealisierung gehoert damit der Vergangenheit an. Dazu blockiert auch kein Anwendungsstau mehr die entwicklungstechnische Fortschreibung des Gesamtsystems, weil eben konsequent modularisierte, dezentrale PPS-Bausteine fuer zuegige Softwarewartung und -erweiterung sorgen.

Darueber hinaus hindert nichts und niemand den Entwickler daran, in das Elektro-PPS alle Funktionalitaet zu packen, die in dieser Branche gefordert ist. Das gilt sogar fuer professionelle Sicherheitskonzepte, Versionskontrollen und das System-Management. Damit gewinnt die PC-Windows-Welt im Elektro-PPS-Bereich heute jede nuechterne Kosten-Nutzen-Rechnung. Und das derart deutlich, dass auch kleinere mittelstaendische Unternehmer bereits jetzt die schon lange bewusste PPS-Luecke schliessen koennen.

Der enorme Nutzen einer schlanken Elektro-PPS besitzt auch bezogen auf die urspruengliche Fragestellung nach Integration von kaufmaennischen und technischen Handlungsablaeufen fundamentale Bedeutung. Dabei bietet sich hier - ueber die reine Verfuegbarkeit geeigneter CAD- und PPS-Komponenten hinaus - jetzt sogar ein gleichsam natuerlicher Integrationspfad an: die gemeinsame Datenbank fuer Konstruktion und Betriebswirtschaft.

Technisch moeglich wird dieses Integrationskonzept durch die besondere Datenhaltung bei Elektro-CAD. Der hier zu konstruierende Stromlaufplan bezieht sich naemlich vor allem auf bereits im Artikelstamm existente Bauteile, die es auszuwaehlen und logisch zu kombinieren gilt. Anders als die herkoemmlichen, rein grafisch orientierten CAD-Applikationen basiert also auch Elektro-CAD von Anfang an auf der Bearbeitung betriebswirtschaftlicher Informationen. So ist eine kuenstliche Verknuepfung der Grafik mit Materialattributen - sonst unabdingbare Voraussetzung fuer jede CAD-PPS-Integration - erst gar nicht noetig.

Aus Neuland wird fliessender Uebergang

Hinzu kommt als strategische Integrationsvoraussetzung die fortschreitende Standardisierung des Elektro-CAD-Datenformats. Europaweit verfuegen heute nur vier bis fuenf Elektro-CAD-Systeme ueber eine groessere Installationsbasis. Die Unterstuetzung des verbreitetsten Datenformats als gemeinsame Basis fuer Elektro-PPS und Elektro-CAD loest fuer den groessten Teil der potentiellen Anwender die Integrationsfrage von ganz alleine.

Die Integration ist hier mit der Installation des ersten Elektro- PPS-Moduls zumindest technisch bereits automatisch vollzogen. Damit faellt eine weitere typische PPS-Schranke auf einen Schlag weg: Fuer den Elektro-CAD-Anwender stellt sich Elektro-PPS eher als ein Uebergang und nicht als voelliges Neuland dar.

In der Praxis kennzeichnet diese echte, datenbankbasierte CAD-PPS- Integration schliesslich alle Eigenschaften einer ganzheitlichen Elektro-Projekt-Management-Loesung. Datenkonsistenz, Datenaktualitaet und Datentransparenz sind hier auch ohne aktives Eingreifen einer zentralen Verwaltungsinstanz auf jeden Fall sichergestellt - und dies auf allen technisch-administrativen Informationsebenen und fuer jeden Arbeitsplatz im Verbundsystem eines Unternehmens. Der letztlich entscheidenden Aufgabenstellung, also der durchgaengigen operativen und materialbezogenen Synchronisation aller Handlungsablaeufe, steht im Schaltanlagen- und Steuerungsbau damit eine adaequate Loesungsbasis zur Verfuegung.