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10.03.1989 - 

Neue Technologie rüttelt an alten Marktstrukturen:

Integrierte Drives mit Langzeitwirkung

LONDON - Diskettenlaufwerke und Controller für PCs und Workstations galten bislang als zwei paar Stiefel mit eigenen Produktionstechnologien und Absatzkanälen. Mit ihrem Expertenwissen dominieren Seagate im Drive- und Western Digital im Controllerbereich, Techno-Fortschritt und ausgefeiltere Packungsverfahren kombinieren jetzt beide Komponenten. Das integrierte intelligente Plattenlaufwerk steht vor der Markteinführung.

Schreib-/Lesekopf, Controller, die Schnittstelle und das eigentliche Laufwerk sind bei den neuen Systemen in der gleichen Einheit angesiedelt. Das normale Format für diesen neuen Laufwerkstyp ist 3_1/2-Zoll. Der Markt für diese Kombi-Systeme steckt noch in seinen Kinderschuhen. Nach Aussagen von Western Digital (WD) ist die Produktion mit einer weltweiten Auslieferung von 1000 Einheiten im Januar gerade erst ernsthaft aufgenommen worden. Andere Unternehmen, die sich ebenfalls diesem neuen Markt widmen wollen, sind die US-Hersteller Priam und Miniscribe.

Aber, so jung der Markt auch ist, zeigt sich schon jetzt eindeutig, daß sich zwei unterschiedliche Lager unter den Lieferanten für intelligente Plattenlaufwerke formulieren werden. So zielt WD auf den PC-Markt mit einer Serie von integrierten 20, 30 und 40 MB Laufwerken mit XT- und AT-Schnittstelle für OEMs. Das größte Geschäft für integrierte intelligente Laufwerke wird, so WD-Marketing Manager Mike Jeffrey aus England, im unteren Bereich für Massenprodukte liegen.

Priam geht den Markt mit einer anderen Auffassung an: Man glaube in dem Unternehmen nicht, daß es eine große Nachfrage für Laufwerke mit AT-Schnittstelle gebe, meint Ray Castle, Verkaufsmanager der Priam Europa. Das Unternehmen wird deshalb seine Anstrengungen auf den SCSI-Markt (small computer system interface) richten.

Mit dieser Zielrichtung werden nach Aussage des Marktforschers Jay Bretsman von der International Data Corporation, Boston, die meisten Hersteller diesen Markt angehen. Der Beobachter prognostiziert, daß Anwender der SCSI-Technik eine höhere Kapazität nachfragen als die 40 Megabyte, die bei den mit AT-Interface ausgerüsteten Systemen geboten werden - sie wird zwischen 170 und 380 MB liegen; einer Speicherkapazität, die nicht in einem 3_1/2-Zoll-Gehäuse untergebracht werden kann.

Priam allerdings ignoriert auch den PC Markt nicht vollständig. Nach Angaben des Unternehmens sei ein AT-Design eingekauft worden, das von einem südostasiatischen Unternehmen für Priams Zwecke produziert werde. Vorgesehen ist ein integriertes intelligentes Laufwerk mit 45 MB Speicherkapazität bei einer Transferrate von 8,5 Megabyte je Sekunde und einer Zugriffszeit von 29 Millisekunden. Es wird größeren OEM-Kunden in Quantitäten zu einem Preis zwischen 300 und 400 Dollar angeboten.

Western Digital bleibt ebenfalls nahe an der 300-Dollar-Grenze für seine 40-MB-Version dieser Neuerscheinung im Speichermarkt. Auch hier das 3,5-Zollformat mit einer Zugriffszeit von 70 Millisekunden. Die PC/XT Interface-Modelle werden in Volumenstückzahlen bei ungefähr 275 US-Dollar für die 40-MB-Version angesiedelt sein.

30 Millisekunden-Zugriffszeit bis zum Jahresende

Der nächste Schritt wird nach Äußerungen Jeffreys die Verringerung der Zugriffszeit auf 40 Millisekunden beinhalten. Laufwerke, die diese Geschwindigkeit verwirklichen, werden in ungefähr drei Monaten verfügbar sein. Im vierten Quartal ist dann die Unterschreitung der 30-Millisekundengrenze angepeilt.

Das integrierte intelligente Laufwerk ist für WD eine relativ natürliche Entwicklung. Es bietet eine Chance, die Stärken der Halbleiterintegration und Erfahrungen der Controllerpröduktion mit dem neu erworbenen Wissen um die Stärke der Laufwerksherstellung zusammenzubringen: 1988 hat Western Digital die Laufwerksmanufaktur von Tandon übernommen.

Dennoch, um den Markt für integrierte intelligente Laufwerke aufzubereiten, müssen WD und die anderen Mitbewerber erst die PC- und Workstationhersteller von den Vorteilen ihrer Neuentwicklung überzeugen. Integrierte intelligente Laufwerke sind attraktiv, da sie eine schnellere Datentransferrate aufweisen als konventionelle Laufwerke und da sie beim Einbau keinen Erweiterungsslot belegen. Sie werden direkt in eine 40-Pin-Verbindung am PC-Motherboard gesteckt.

Dies kann allerdings auch zum Nachteil gereichen, da es heißt, die PC- und Workstationhersteller davon zu überzeugen, diese Verbindung in das Design der Motherboards einzubringen. Wir stehen vor unterschiedlichen Akzeptanzmechanismen, meint Marketingmanager Jeffrey. WD erwartet, daß die ersten Käufer von integrierten intelligenten Laufwerken Hersteller von Laptops und tragbaren PCs seien, die hoch-verdichtete Diskettenspeicherung in kleinem Format benötigen.

Miniscribe zielt diesen Markt mit dem 8450 System mit 48 MB, 3_1/2-Zoll AT- und XT-Laufwerk an.

Etablierte Unternehmen machen das Rennen

Normalerweise bietet sich bei einer neuen Technologie auch unbekannten Häusern die Chance, am Markt teilzunehmen. Aber in diesem Fall ist durchaus möglich, daß der Kuchen unter bekannten Namen aufgeteilt wird. Die Probleme, die eventuelle Newcomer technologisch zu meistern haben, scheinen, speziell in einem Markt mit so etablierten, in der Massenproduktion von Laufwerken und Controllern etablierten Mitbewerbern, zu komplex.

Die Entwicklung dieser neuen Technologie wirft die Frage auf, was denn noch alles integriert werden könne. Ein Mehr an Leistung und noch geringere Zeiten für den Zugriff können nicht als einziges Ziel gelten. Einige Hersteller mögen versucht sein, ihr Angebot in Zukunft weiter auszubauen, indem sie in ein Laufwerk zusätzlich Controller für andere Einrichtungen einbinden.

Dadurch bestehen in diesem wachsenden Markt für PC- und Workstation Add-ons Separierungstendenzen - verbunden mit einem zusätzlichen Druck für große und mittlere Häuser, sich das Wissen, die Vertriebsketten und die Technologie und eventuell die Marktanteile kleinerer Hersteller einzuverleiben.

Während die integrierten intelligenten Disk-Drives oberflächlich betrachtet nur als ein neues Stück weiterer Technologie gesehen werden können, verbirgt sich hier eine gewaltige Kraft zur Neuorientierung des Marktes für PC- und Workstation-"add-in"- Produkte.

* Richard Sharpe ist freier DV-Fachjournalist in London und Partner des WINN - World Informatics Newsjournalist Network.