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01.05.1987

Integrierte Softwarepakete

Integrierte Programme sind Alleskönner unter den Softwarepaketen, behaupten die Marketiers der einschlägigen Hersteller. Doch kann die geballte Kraft der Software, wenn sie denn tatsächlich vorhanden sein sollte, in der Praxis ach wirklich sinnvoll eingesetzt werden? Der Verdacht liegt nahe, daß der Anwender durch den Kauf von Modulen, die er aufgrund der Struktur seiner Anwendung nicht nutzen kann, Geld zum Fenster hinauswerfen muß. Ob dies tatsächlich so ist, wie man sich vor einen Zuviel an Funktionalität schützen kann und eine Reihe anderer Fragen zu diesem komplexen Thema beantwortet dieser Schwerpunkt, der in Zusammenarbeit mit den Redaktionen PC-WELT und PC-WOCHE des Hauses CW-Publikationen entstanden ist. Der folgende Artikel gibt Tips und Hinweise zum besseren Verständnis integrierter Software und liefert Kriterien für deren Beschaffung.

Die Frage, für wen Integrierte Pakete besonders geeignet sind, läßt sich nicht allgemeingültig beantworten. Der Privatmann kommt jedenfalls kaum in Frage, weil die Software einfach zu umfangreich ist, um überhaupt jemals richtig genutzt zu werden. Im Büro sieht die Sache anders aus: Dort werden alle Arbeiten, die die Pakete anbieten, auch tatsächlich ausgeführt: entweder noch zu Fuß oder in Teilbereichen bereits mit Personal Computern.

Unterschiedlich ist jedoch sicher der Gegenstand der Arbeiten. Es gibt Büros, die überwiegend Dateiverwaltung betreiben. Büros von sogenannten Number Crunchers, also Leuten, die überwiegend mit Zahlen arbeiten, und Büros, bei denen die Textverarbeitung dominiert. Letztere werden wohl mit einem Standard-Textverarbeitungsprogramm am glücklichsten, weil sich der Kostenaufwand für ein integriertes Programm nicht lohnt. Nur wenn die Arbeiten gleichermaßen alle drei Hauptanwendungen enthalten, kommt unter Umständen Enable oder Framework in Frage.

Wichtiges Vorselektieren

Wer sich am Schwerpunkt des Integrierten Pakets orientiert, wird den wichtigsten Gesichtspunkt für die Auswahl bereits vorselektiert haben. Es kommt dann nur noch auf die Vorkenntnisse und auf den persönlichen Geschmack an. Vollständig menügesteuerte Programme arbeiten in der Regel etwas langsamer als Programme, die über Kommandos bedient wurden, sind aber für Einsteiger und Ungeübte leichter zu handhaben. Ein Programm, das nur mit Befehlen arbeitet, läßt darauf schließen, daß es für Profis konzipiert wurde. Auch die eventuell vorhandene Makrosprache ist ein Indiz dafür und andererseits aber auch ein Anzeichen für anwenderspezifische Bearbeitungsabläufe. Außerdem lassen sich mit Makros eigene Menüs und "Programme im Programm" entwerfen.

Ein weiteres Kriterium, das für integrierte Softwarelösungen spricht: In Firmen benutzen alle Mitarbeiter die gleichen Datenformate. Disketten lassen sich dann auch beliebig unter den Mitarbeitern austauschen. Großabnehmer-Lizenzen werden damit kostengünstiger, weil nicht jeder Mitarbeiter das komplette Paket benötigt, sondern nur die Module erhält, die er auch wirklich benutzt.

In jedem Fall bestechen Integrierte Pakete vor allem durch ihre Vielfalt, durch ihre grafischen Fähigkeiten im Business-Bereich und ihr meist zufriedenstellendes Preis/Leistungs-Verhältnis.

Doch ist mit den Programmriesen auch eine Menge Lernarbeit verbunden. Nur ein Handbuch zu lesen, kostet bereits zirka zehn Stunden, und doch kennt man deswegen das Programm noch nicht. Immerhin erleichtern manche Hersteller mit ausführlichen Tutorials oder Programmdemonstrationen die Arbeit mit dem jeweiligen Programm.

Lustig, aber unpraktisch

Die Integrierten Pakete konnten bisher enorme Zuwachsraten verzeichnen. Doch wie hat es Fritz Heimsoeth einmal so treffend formuliert: "Ein Amphibienfahrzeug, das auch noch fliegen kann, ist lustig, aber unpraktisch!"

Viele Anwender glauben, daß ihre Softwareprobleme mit einem Schlag gelöst sind, wenn sie ein Integriertes Paket kaufen. Die Programmjumbos erweisen sich jedoch oft als schwerfällige Elefanten. Eines aber muß man ihnen inzwischen zugestehen: Die Leistungsfähigkeit ihrer Einzelfunktionen hat sich enorm gesteigert, vor allem im Vergleich zu Standardprogrammen, die sich auf eine Anwendung wie Textverarbeitung oder Kalkulation spezialisieren. Im einen oder anderen Fall überflügeln die Integrierten mit ihren Einzelteilen hier die Standardkonkurrenz.

Manche Produkte allerdings erfordern schon fast einen "Computerführerschein", um alles in den Griff zu bekommen. Sind allerdings die Einstiegshürden überwunden, und hat sich der Anwender an sein neues Arbeitsmittel gewöhnt, läßt es nur noch wenige Wünsche offen. Eine Frage jedoch soll sich der potentielle Anwender vor der Kaufentscheidung gut überlegen: Braucht man alle Funktionen, die ein Integriertes Paket bietet, denn wirklich? Da sollte auch der oft recht günstige Preis für "das Ganze" nicht blenden.

Fröhliche Urstände feiert der Allgemeinplatz "Integriertes Paket ist nicht gleich Integriertes Paket", weil nicht nur die Art der Befehlsstrukturen innerhalb der Programmodule von jedem Hersteller anders realisiert wird, sondern weil vor allem auch die Schwerpunkte und damit die Zielrichtung der Programme stark voneinander abweichen. Den Anwender schlechthin, für den die Integrierten Pakete gedacht sind, gibt es nicht. Und selbst wenn klar ist, wo der Schwerpunkt des Programms zu finden ist, wiegen bei der Entscheidung für X oder Y die Vorkenntnisse des Benutzers genauso schwer wie das Arbeitsumfeld, in dem das Paket eingesetzt werden soll. Eine einheitliche Definition, was ein Integriertes Paket ist, gibt es ohnehin nicht. Wenn man vom "Üblichen" ausgeht, hält sich aber schon die Hälfte aller Pakete nicht mehr an die Definition. Kalkulation, Dateiverwaltung, Textverarbeitung und Grafik gehören bis auf wenige Ausnahmen sozusagen zum Hauptmerkmal eines Integrierten Pakets, das aber deswegen noch lange nicht integriert sein muß. Von "integriert" kann man nur dann sprechen, wenn alle Programmodule "unter einem Hut" stecken.

Module

Ein Integriertes Paket besteht in der Regel aus den Modulen Kalkulation/Grafik, Datenbank und Textverarbeitung. Doch Grundlage und Schwerpunkt des Pakets variieren von Hersteller zu Hersteller. Bei dem einen ranken sich die restlichen Module rund um die Kalkulation, bei dem anderen um Datenbank oder Textverarbeitung. Nur sehr wenige Programme sind gleichmäßig in allen Bereichen stark. Dazu gehören beispielsweise Framework und Enable.

Wer überwiegend Kalkulationsarbeiten und Spreadsheets im Sinn hat, wird beispielsweise um Programme wie Access Four, Enable, Lotus 1-2-3 oder Symphony bei der Auswahl-Tortur nicht herumkommen. Deren Schwerpunkt liegt nämlich genau auf diesem Gebiet. Eng verknüpft mit der Kalkulation sind die Grafikmodule, denn Zahlen lassen sich grafisch sehr anschaulich darstellen. Bei Texten und Datenbanken braucht man dieses Feature nicht, es sei denn, man hat in der Datenbank ebenfalls Zahlenwerte erfaßt. Doch das ist eine Grauzone, die bei der Auswahl mit Sicherheit keine Rolle spielt. Auf Kalkulation bauen auch noch SM-Art, Farsight und Reflex auf, doch gehören diese Pakete zu einer Sondergruppe.

Integrierte Pakete können auch die Datenbank zur Grundlage ihres Konzepts haben. Prominentester Vertreter dieses Genres ist Open Access, das zwar in den USA entwickelt wurde, größeren Erfolg allerdings nur in Europa hat. Bemerkenswerterweise ist das Nachfolgepaket Access Four nicht nur eine abgemagerte Version von Open Access, sondern basiert im Unterschied zu seinem Vorgänger auf dem Kalkulationsmodul - warum, das wissen nur die Softwaregötter.

Wer also überwiegend Dateiverwaltungsarbeiten erledigen will, sollte sich neben Open Access auch Easyuse, Enable, Goldengate, F&A oder Xchange genauer ansehen und dabei auf die Unterschiede bei der Benutzerführung achten.

Doch zurück zu den Programmen selbst. Kalkulation/Grafik, Datenbank und Textverarbeitung sind nur die Hauptmodule der meisten integrierten Pakete. Ausnahmen gibt es nur bei Farsight (es fehlt die Datenbank), bei F&A (es fehlt die Kalkulation) und bei Reflex (es fehlt die Textverarbeitung).

Neben den Hauptmodulen gibt es noch eine Reihe von Zusatzfunktionen, die auch die Optik des Pakets maßgeblich beeinflussen. Eine Zusatzfunktion ist der Deskmanager von Access Four. Er bietet ein Terminplanungsprogramm, einen Taschenrechner, eine Uhr, eine Adreßverwaltung und ein Notizbuch. Mit einer Funktionstaste ist er wie bei Sidekick aufrufbar, ohne allerdings die Qualität von Sidekick zu erreichen. Bei Open Access bringt dieses Modul allerdings nur einen Terminplaner mit Kalender.

Bedienung

Prinzipiell sollte bei allen Modulen einer integrierten Software eine einheitliche Kommandostruktur vorliegen. Das bedeutet nämlich für den Anwender, daß er nicht lange umdenken muß, wenn er das Modul wechselt - und vereinfacht damit die Bedienung entscheidend.

Manche Programme sind auch relativ einfach zu bedienen - über Menüs oder Fenster. Andere erweisen sich dagegen als umständlich oder verwirren den Anwender mit einer Kommandosprache, die der Teufel erfunden haben muß. Mehr noch als bei Paketen, die auf der Kalkulation aufbauen, ist die Bedienung der Datenbankfunktionen vor allem für Ungeübte kein Honiglecken. Nimmt man aber Produkte wie F&A oder Goldengate, dann bieten diese Programme zum Teil mehr Funktionen als reinrassige Datenbanken wie etwa dBase III. Um so mehr wird die Auswahl zu einer Gretchenfrage, wenn man auf den Preis in Relation zur Leistungsfähigkeit schielt. Schließlich gibt es für das gleiche Geld noch ein paar Sachen drauf, ob man sie nun braucht oder nicht.

Die Art der Kommandos und die Menüauswahl schenkt dem Anwender im Idealfall eine "Heimat". Mit anderen Worten: Wer die Datenbank bedienen kann, kann auch die Kalkulation bedienen und muß sich nicht von neuem an ein fremdes Arbeitsumfeld gewöhnen.

Ähnliche Befehle sorgen für einen einheitlichen Überbau, unabhängig davon ob dieser mit einprägsamen, mnemotechnischen Abkürzungen, Menü- oder Fenstertechnik oder einer Kombination dieser Varianten realisiert wurde. Manche integrierte Pakete beschränken sich darauf, die einzelnen Programmodule einzeln oder hintereinander bedienen zu lassen, ohne daß ein einheitliches Dach vorhanden ist. Dazu gehört zum Beispiel SM-Art oder die IBM-Assistant-Serie.

Benutzeroberfläche

Das gemeinsame "Dach" selbst, das integrierte Pakete auszeichnet, sieht von Programm zu Programm sehr unterschiedlich aus. Bei Lotus und Symphony taucht es in der oberen Bildschirmzeile gleich nach dem Laden des Programms auf. Mit dem Cursor wählt man aus, welche Tätigkeit erledigt werden soll, und bleibt dann so lange in dem Modul, bis man mit Quit wieder zur Auswahlliste zurückkehrt. Bei Easyuse sind alle -Wahlmöglichkeiten in Kästen aufgeführt, die sich dem Betrachter grafisch auf der gesamten Bildschirmfläche darstellen. Mit den Richtungspfeilen fährt man auf das gewünschte Modul und bleibt auch hier bis zum Ausstieg nur in dieser Arbeitsart. Bei Framework wird dagegen gefensterlt, das heißt man kann zwischen den einzelnen Programmodulen hin und her hüpfen, was auch bei Farsight, Goldengate und Reflex möglich ist.

Bei Open Access und Access Four öffnet sich ein Pull-down-Menü mit der Auswahl der Hauptanwendungen, die man ebenfalls nur mit Quittieren wieder verlassen kann. Das gleiche gilt für Xchange, F&A oder Enable. Grundlage ist in diesen Fällen ein Steuermodul, das die entsprechenden Weichen stellt, je nachdem, welchen Pfad der Anwender wählt. Jedesmal wenn er die Anwendung wechseln will, muß er das Überwachungsprogramm erneut bedienen.

Ein anderes Prinzip der Benutzerführung verfolgen GEM-Desktop oder Topview oder MS-Windows. Diese grafische Bedieneroberfläche erlaubt auch Multitasking und erzeugt einen "Schreibtisch" auf dem Monitor, der in etwa die gleichen Funktionen bietet wie Sidekick. Was das nun mit den Paketen zu tun hat? Nun, der Anwender braucht nur die Programme zu kaufen, die er wirklich braucht und sie unter der Benutzeroberfläche sozusagen "aufzuhängen". Damit lassen sich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen: Man kann praktisch die Standardprogramme im nachhinein zu einem integrierten Paket umgestalten. Der offensichtliche Nachteil: Die Befehle können völlig verschieden sein, die Bedienerführung ebenfalls. Außerdem kann auch das Datenformat nicht kompatibel sein, so daß man beim besten Willen keine Datenbank mit Kalkulation, Text oder Grafik mixen kann. Dieses Problem taucht bei kompletten Paketen nicht auf: Die Module passen nicht zueinander.

Textverarbeitung

Nur sehr wenige Programme haben bei der Textverarbeitung eine ausgesprochene Stärke, weil sie sich darin kaum von Standardprogrammen wie Wordstar oder Word unterscheiden. An erster Stelle müssen hier wieder Enable und Framework genannt werden, gefolgt von Farsight, das hierzulande noch relativ unbekannt ist, von einer Schweizer Firma vertrieben wird und vor allem dadurch auffällt, daß es keine Datenbankfunktionen bietet. Enable erinnert sehr stark an Wordstar, so daß eine Umstellung für den Anwender recht einfach ist.

Andererseits ist die Art und Weise der Bedienung des Kalkulationsmoduls an Lotus 1-2-3 angelehnt. Programme wie Lotus 1-2-3, Access Four, Open Access und andere Kalkulations- oder Datenbanklastige bieten hinsichtlich ihrer Textverarbeitungsmöglichkeiten unterm Strich leider nur Schmalkost, die allenfalls ausreicht, um Rechnungen zu schreiben oder Notizen zu verfassen. Wer dagegen Enable betrachtet, kann sogar auf Programme wie Wordstar oder Word verzichten.

Externe-Speicher

Betreibt man ein Integriertes Paket nur mit zwei Diskettenlaufwerken, kann das in der Praxis zu einer Disk-Jockey-Arbeit par excellence ausarten. Auf jeden Fall ist eine Festplatte anzuraten, vor allem, wenn man öfter die Module wechseln will. Da derart umfangreiche Programme manchmal auf bis zu sieben Disketten geliefert werden, gestaltet sich die Arbeit mit zwei Laufwerken sehr umständlich. Auch der Speicherbedarf für ein komplettes Paket kann gut und gerne ein bis zwei Megabyte betragen. Alleine dieses Argument spricht für die Festplatte.

Mit den Disketten ist es überhaupt so eine Sache: Manche Hersteller sind bei ihrer Dokumentation und den Diskettenbeschriftungen so schlampig, daß der leidgeplagte Anwender gleich gar nicht mehr durchblickt, welche Diskette er denn nun einschieben soll. Den Vogel schoß dabei Access Four in einer Testversion ab: Das Programm verlangte nach Disketten mit Bezeichnungen, die man auf der Beschriftung der Disketten vergeblich suchte. Man mußte die Try-and-Error-Methode zu Hilfe nehmen, um zumindest in Zeitlupe vorwärtszukommen.

Wer eine Festplatte sein eigen nennt, hat es zumindest in dieser Beziehung einfacher. Allerdings wird auch der manchmal seine blauen Softwarewunder erleben, insbesondere dann, wenn die Programme kopiergeschützt sind. Dann kann man zwar das Programm von der Festplatte starten, doch nur wenige Sekunden später leuchtet die rote Softwareampel am Laufwerk A auf und verlangt unerbittlich die Originaldiskette. Schließlich darf es nicht sein, daß sich ein böser Raubkopierbube mit dem Programm zu schaffen macht. In der Regel ist dieses Verfahren mehr als lästig. Vor allem Symphony und Open Access machen dem Benutzer in dieser Hinsicht das Leben schwer.

Bei diesen Programmen ist es noch nicht einmal möglich, den Kopierschutz auf die Festplatte zu übertragen, wie das beispielsweise bei Goldengate oder Framework der Fall ist. Doch auch dieses Verfahren hat seine Schwächen, vor allem, wenn einem seine Daten lieb und wert sind.

Dann nämlich wird man regelmäßig mit einem Backup-System arbeiten, um einen Datenverlust durch Headcrash auf der Festplatte oder ähnlichen Hardwarestreichen zu vermeiden. Wer nun nicht daran denkt, daß er erst den Kopierschlüssel des Programms vor dem Backup auf die Originaldiskette zurückübertragen muß, wird zwangsläufig zum HB-Männchen. Beim Backup wird der Kopierschutz automatisch und systembedingt zerstört - das Programm ist dann nur noch Schrott wert.

Aus Sorge um ihr heiliges Paket lassen viele Hersteller noch nicht einmal eine Backup- oder Arbeitsdiskette zu. Framework kann zum Beispiel nur ein einziges Mal auf die Harddisk übertragen werden. Bei der IBM-Assistant-Serie läßt sich zumindest eine Arbeitsdiskette herstellen und jedes Modul fünfmal auf die Festplatte übertragen. Richtig toll ist dagegen das Arbeiten mit Enable auf der Festplatte oder mit Disketten, weil dieses Programm unter anderem nicht kopiergeschützt ist. Die Begeisterung für Enable kommt nicht von ungefähr. Bei der wochenlangen Beschäftigung mit den integrierten Paketen, den Schmerzen mit Handbüchern, Installationen, Bedienungen, Bugs und ähnlichem Mist ging Enable eindeutig als persönlicher Favorit hervor, vor allem was Bedienungsfreundlichkeit, Preis/Leistungs-Verhältnis, Dokumentation, Zuverlässigkeit und Übersichtlichkeit angeht. Alle anderen Programme hatten zumindest einige Mängel, die zum Haareraufen oder zu unnötigen Zeitverlusten bei der Arbeit führten.

Handbücher/Dokumentation

Der erste Eindruck eines Programms wird durch die Dokumentation bestimmt. So läßt schon ein Blick in das Handbuch einen Schluß auf die Software zu: Ist sie kompliziert oder einfach zu bedienen, wurde sie gewissenhaft oder schlampig produziert und dokumentiert? Und Hochglanzpapier alleine übertüncht noch lange nicht fehlende Didaktik, schlechten Sprachstil oder mangelnde Fähigkeiten.

Außen hui, innen pfui könnte man zum Beispiel die Dokumentationen von Open Access oder Access Four bezeichnen. Kompliziert ist das Studium des zentnerschweren Handbuchs von Goldengate, einem Programmjumbo. Außen edel, innen gut gegliedert aber sprachlich fade sind die Handbücher von Framework, Xchange und Easyuse. Verbesserungswürdig ist auch das F&A-Handbuch, weil es zwar Schritt für Schritt beschreibt, was man machen muß, nicht aber, warum. Symphony bietet viel Papier, führt aber sehr anschaulich und didaktisch in das Programm ein, genau wie Enable.

Das Farsight-Handbuch wartet mit der originellen Aufmachung auf: es auf umweltfreundlichem Recyclingpapier gedruckt und wie ein richtiges Buch gebunden. Doch auch inhaltlich kann es überzeugen: Man findet das Gesuchte schnell, und das Programm ist einfach zu bedienen. Pfiffig sind die Handbücher auch bei Xchange: Sie befinden sich in einem Plastikkästchen, und die einzelnen Seiten werden einfach nach oben weggeklappt.

Übrigens: ein deutsches Handbuch bedeutet nicht notwendig auch eine deutsche Bildschirmführung. Und wenn sie sich auch auf dem Bildschirm der deutschen Sprache befleißigen, so scheinen mitunter Analphabeten am Werk gewesen zu sein, zumindest nach der Qualität der Hilfstexte zu urteilen.

Kommunikation

In der Zukunft immer wichtiger wird wohl die Fähigkeit zur Kommunikation werden, die ebenfalls Bestandteil vieler Pakete, aber auch wieder unterschiedlich realisiert ist.

Bei Symphony gibt es zwei Kommunikationsmöglichkeiten: einmal im Lieferumfang für die normale Kommunikation bereits enthalten, einmal als Extramodul zum Dazukaufen, wenn man mit der Groß-EDV zusammenarbeiten will. So werden bei Link zum Beispiel die IBM-Terminals 3278 und 3279 emuliert. Weitere Features sorgen für die Kommunikation mit Großrechnern. Im Modul Telekommunikation findet man den Selbstwähl- und den Selbstbeantwortungsmodus sowie einige andere Features für den Datenaustausch über Modem oder Akustikkoppler.

Andere Pakete liefern ebenfalls Kommunikationsmodule mit. So sorgt der Comm-Modus von Easyuse dafür, daß sich das Programm auch mit Rechnern unterhalten kann, deren Diskettenformate nicht kompatibel sind. Die Datenkommunikation erfolgt über eine serielle Schnittstelle.

Enable arbeitet auch in diesem Bereich mustergültig. Über Modem kann zum Beispiel asynchron übertragen werden, aber auch in Direktwahl. Die Arbeit wird vor allem dadurch erleichtert, daß Enable automatisch den Wählvorgang übernimmt. Dieses Programm ist deshalb vor allem für Anwender interessant, die über das Datex-P-Netz der Deutschen Bundespost elektronische Briefe oder andere Daten mit anderen Teilnehmern austauschen wollen. Immerhin werden ankommende Daten automatisch gepuffert, Xon/Off-Synchronisationszeichen und Pausenzeichen lassen sich definieren, die Zeit und die Kosten werden angezeigt. Alleine diese Beispiele zeigen, daß Enable auch für die Zukunft der Datenkommunikation gerüstet ist.

Framework steht Enable in dieser Betriebsart nur wenig nach. Auch hier kann man auf Großrechner-Datenbanken zugreifen und Electronic Mail betreiben. Der Anwender muß noch nicht einmal seine Arbeit unterbrechen, weil die Datenübertragung und der Datenempfang im Hintergrund ablaufen können.

Eine ähnliche Arbeitsweise bietet auch Open Access. Die Baudraten lassen sich von 300 Baud bis 9600 Baud einrichten, wobei genau wie bei Enable ein Telefonnummernverzeichnis angelegt werden kann. Ein Kommunikationsmodul bietet auch Goldengate.

Besonderheiten

Easyuse hat als Besonderheit ein sogenanntes Form-Modul, das zur Erstellung und Verwaltung von Bildschirm- und Druckermasken dient. Das Controlmodul des Programms hat die Aufgabe, die mit der Makrosprache selbst entwickelten Programme zu editieren.

Die Besonderheit von Enable ist das Master-Control-Modul, das die Organisation und das Querschalten auch ins Betriebssystem übernimmt.

F&A schießt auf seine Weise den Vogel ab: Der Intelligent Assistant des Pakets sorgt für die Abfragemöglichkeit in natürlicher Sprache, verfügt also bereits über eine Art künstlicher Intelligenz, die man bei anderen Paketen nicht findet. Diese Arbeitsweise mit dem Programm dauert zwar noch etwas lange - dafür ist es aber denkbar einfach zu bedienen, weil man keine komplizierte Programmsyntax lernen muß.

Framework geht mit seiner "Entwurfsplanung" einen eigenen Weg. Dahinter verbirgt sich eine Organisationshilfe, mit der zusammenhängende Dokumente aus Textverarbeitung, Grafik, Kalkulation und Datenbanken erarbeitet werden können. Auch eine Terminplanung und eine Notizensammlung lassen sich mit diesem Modul zusammenstellen.

Einige Besonderheiten betreffen vor allem GEM und die IBM-Assistant-Serie.

Die Rede ist von Benutzeroberflächen und Malprogrammen. GEM wurde durch seine Benutzeroberfläche bekannt, doch unter der Bezeichnung GEM-Collection gibt es die Module Write, Graph und Paint. Als Datenbank kann Open Access verwendet werden, als Kalkulationsgrundlage Lotus 1-2-3. Damit liegt ein Spezialpaket vor, das vor allem zur grafischen Aufbereitung von Daten besser geeignet ist als die Grafikmodule der genannten Programme.

Man kann nämlich auch Freihandzeichnungen oder Symbole in die Dokumente einfügen und damit Präsentationen wesentlich gefälliger gestalten. Ohne Datenbank und Kalkulation bietet dieses Paket vor allem für Werbeleute oder Vortragende (Seminare, Schule) Möglichkeiten, den Stoff auch optisch hervorragend zu gestalten und zu präsentieren.

Das gleiche gilt für die IBM-Assistant-Serie. Dort heißt der Modul IBM/ Drawing Assistant und kann im wesentlichen dasselbe wie GEM-Draw. Zum integrierten Paket wird die Assistant-Serie eigentlich erst durch die Benutzeroberfläche Topview, die alle Einzelmodule unter einem Dach zusammenfaßt. Doch die sollte man sich schenken, weil sie einfach noch zu schlecht und umständlich ist. Trotzdem kann man die Assistant-Programme auch ohne Topview bereits als Integriertes Paket bezeichnen, weil alle Einzelprogramme untereinander Daten austauschen können, eine einheitliche Befehlsstruktur haben und auch beim Ausdruck verschiedene Dateien aus unterschiedlichen Programmodulen mixen können. So lassen sich mit Drawing Assistant erzeugte Zeichnungen im Text von Writing Assistant einfügen, mit Filing Assistant erzeugte Datenbanken mit dem Reporting Assistant gestalten, vom Planning Assistant errechnete Tabellen von Graphing Assistant in Kuchen-, Balken- oder Liniendiagrammen darstellen.