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31.07.1992 - 

"Alleskönner" oder Plattformen - Welche Alternative gewinnt?

Integriertes Netz-Management muß zu einem Standard werden

Majk Kupferberg ist Entwickler und Berater für Kommunikationstechnik und leitet den Projektbereich "Telecom München", der CAP debis Becom GmbH München.

Netzwerk-Management - noch vor wenigen Jahren lediglich Gesprächsstoff für einen kleinen Kreis von Insidern und ein echter Exote im Zusammenhang mit den internationalen Standardisierungsbemühungen. Durch die zunehmende Komplexität und Unüberschaubarkeit der Kommunikationsnetze zählt es heute jedoch zu den häufigsten Diskussionsthemen in der DV und Telekommunikation. Majk Kupferberg* untersucht vor allem die Integrationsfähigkeit unterschiedlicher Management-Lösungen und das Problem der Konzeption einer Standard-Management Plattform.

War Netzwerk-Management früher eine Aufgabe, die als Kommunikations-Anwendung von Systementwicklern individuell den Anforderungen eines Netzes angepaßt werden mußte, so sind heute Produkte mit entsprechenden Features für die jeweiligen Netztypen verfügbar. Gleichzeitig ist festzustellen, daß die Standardisierung des Managements von OSI-Netzwerken Fortschritte gemacht hat, zumindest insoweit, als die Kommunikationsbasis Common Management Information Service Element (CMISE) für Management-Zwecke normiert und auch die funktionalen Bereiche entsprechend entwickelt wurden. Die Normierung der Informationsmodelle verschiedener Netzwerk-Architekturen hinkt zwar noch deutlich hinterher, gewinnt allerdings in einigen Bereichen schon deutlich an Konturen .

Integration wird zur Schlüsselfrage

Die Basis eines einigermaßen zufriedenstellenden Baukastens von Teilsystemen zur anforderungsorientierten Implementation von Netzwerk-Management-Systemen scheint also vorhanden zu sein; der nächste Schritt, die Integration der Management-Funktionen, kann daher unternommen werden. Am einfachsten haben es dabei die Hersteller von Netzwerken oder Netzkomponenten: Sie müssen lediglich dafür sorgen, daß ihre Kunden in der Lage sind mit anderen Komponenten ihres Produkt-Spektrums zu kommunizieren und Informationen auszutauschen. Dazu reicht im Normalfall die Kenntnis der jeweiligen Komponente aus - im Grunde genommen also eine einfache Aufgabe.

Die Anwender von Kommunikationstechnik hingegen sehen sich größeren Problemen gegenüber: Sie wollen in jedem Fall Herstellerunabhängigkeit und setzen daher in der Regel nicht mehr nur die Produkte eines einzigen Herstellers ein. Die Integration verschiedener Management-Systeme wird damit zu einer Schlüsselfrage. Noch kritischer wird der Einsatz bei den kommerziellen Anbietern von Netzwerk-Dienstleistungen, deren Services sich letztlich nur dann bezahlt machen, wenn sie auch mit der versprochenen Dienstequalität angeboten werden können.

Je heterogener die Rechnerwelten werden, desto wichtiger ist es, über die Integrationsfähigkeit von Management-Lösungen nachzudenken. Denn Integration ist bis auf weiteres die pragmatische Alternative zum Warten auf funktionsfähige, internationale Standards. Eine wichtige Rolle für die Integration werden daher zunehmend die Systemplattformen für das Netzwerk-Management spielen. In diesem Bereich ist die Situation gegenwärtig jedoch noch sehr diffus. Bei der Untersuchung großer, heterogener Unternehmensnetze fällt sofort auf, daß in der Regel für jeden Netzwerktypus und oft auch für jede Art von Netzkomponente ein herstellerspezifisches Management-System eingesetzt werden muß.

Dies ist dann jeweils nur in der Lage, die ihm direkt zugeordneten Netzsegmente zu verwalten. Oft besteht dabei keinerlei Verbindung zwischen den verschiedenen Management-Systemen; erschwerend wirkt auch, daß die Systemen mit unterschiedlichen Bediensystemen und -sprachen ausgestattet sind. Jede logische Erweiterung des Netzes - sprich jeder Herstellerwechsel - erhöht dann zwangsläufig auch die Zahl der Steuersysteme.

Klassische Netzwerk-Management-Systeme bewältigen die Integration neuartiger Netzelemente, indem sie von diesen die Anpassung an die eigene Architektur fordern. Als universeller Manager definieren sie dabei ein einheitliches Übertragungsprotokoll mit Informations-Schnittstelle und Daten-Modellierungstechnik. Diese sind dann den eigenen Bedürfnissen des Management-Systems angepaßt und entsprechen oft einer proprietären Netzwerk-Architektur.

"Manager der Manager" als Alternative

Eine veröffentlichte Schnittstelle gibt den Komponenten von Fremdanbietern die Möglichkeit, Informationen im Format des Universal-Managers - meist mit eingeschränkter Funktionalität - zu übertragen. Obwohl solche Systeme häufig als Lösung für die Integration des Management-Problems angepriesen werden, eignen sie sich vorwiegend nur für die "homogenen Netze", für die sie konzipiert worden sind, etwa SNA Internet, DECnet etc.

Eine Alternative stellt die Konzeption des "Managers der Manager" dar. Den verschiedenen heterogenen, auf ihren Elementtyp spezialisierten Management-Systemen wird hier ein weiteres Management-System als gemeinsames, integrierendes Dach übergeordnet. Hierdurch ist eine gemeinsame Sicht auf die verschiedenen Netzelemente möglich und der Anwender kann mit einer einheitlichen Sprache alle Elemente gleichartig ansprechen. Dazu müssen die Element-Management-Systeme geöffnet werden, sich also an das einheitliche Protokoll (Inter Management Protokoll) des übergeordneten Systems anpassen, was letztlich wesentlich einfacher ist, als Änderungen in den Netzelementen bei deren beschränkter Kapazität herbeizuführen.

Nachteil dieses Verfahrens ist eine Erhöhung der Zahl der Management-Systeme. Außerdem muß mit dem Verlust von Informationen durch das Inter-Management-Protokoll gerechnet werden. Eine weitere Folge des Manager-der-Manager-Prinzips ist, daß sich Querbeziehungen zwischen den Element-Managern ergeben können. Unabhängig von der Frage, ob dies erwünscht ist oder nicht, wird die gemeinsame Nutzung des Inter-Management-Protokolls schnell zum Austausch von Informationen auf untergeordneter Ebene führen und ein Management-Netzwerk entstehen lassen.

Überall dort, wo parallel Integrationsstrategien erarbeitet werden oder etwa Netzwerk-Management parallel zum verteilten Rechner-Management betrieben wird, verkörpert das Management-Netzwerk eine evolutionäre Entwicklungslinie. Bei der CCITT hat das Telecommunications Management Network (TMN) sogar den Rang eines strategischen Konzeptes. Wenn man sich die Vielfalt der angebotenen TK-Setze und -Dienste der großen Betreiber ansieht, wird klar ersichtlich, daß ein anderer Weg als die horizontale Integration der vielen Manager in einem Netzwerk nicht mehr vorstellbar ist. Trotz alledem muß festgehalten werden: Den Überblick über ein Management-Netzwerk zu behalten, erfordert erhebliche Anstrengungen und ist nur dort empfehlenswert, wo die Komplexität der Netze eine alternative Vorgehensweise nicht zuläßt.

Integration mittels einer Netzwerk-Management-Plattform! Der Grundgedanke dieser Konzeption ist die Trennung der drei Systemschichten Zugriffsmechanismen, Management-Applikationen und Bedieneroberfläche durch offengelegte Programmierschnittstellen (APIs). Dadurch können alle drei oben beschriebenen Integrationswege (Universalmanager, Manager der Manager, Managementnetz) realisiert werden. Allerdings entsteht organisch eine einheitliche Bedienumgebung mit gemeinsamen Anwendungen auf die verschiedenen Netzelemente.

Eine Netzmanagement-Plattform sollte eine standardisierte Umgebung zur Entwicklung von Netzwerk- und System-Management-Anwendungen bereitstellen und die übergeordneten Sichten der Management-Applikationen von den Zugriffsmechanismen auf der Element-Ebene trennen. Gleichzeitig ist erforderlich, daß Programmierschnittstellen definiert und veröffentlicht werden, mit denen andere Applikationen erstellt beziehungsweise Zugriffsmechanismen ohne Rücksicht auf Protokolldetails, Objektdefinitionen und Bedienerschnittstelle eingebunden werden können.

Allgemeine Management-Dienste und die gängigsten Netzmanagement-Protokolle werden in der Regel vom Plattform-Hersteller selbst implementiert. Aus diesem Grund besitzen Netzwerk-Management Plattformen eine Reihe von Vorteilen gegenüber den klassischen Systemen. Sie ermöglichen zum einen die Kombination verschiedener Management-Module-unabhängig davon, ob gekauft oder selbstentwickelt. Die Zusammenstellung eines auf diese Weise modularisierten Systems gewährleistet wiederum die exakte Anpassung an die Anwenderbedürfnisse.

Markt erzeugt Druck auf die Hersteller

Existierende Systeme können die APIs nutzen, um eine Einbindung in die Plattform zu ermöglichen. Der Aufwand hierfür wird in der Regel geringer sein, als die direkte Einpassung in ein System. Die Standardplattformen generieren einen Softwaremarkt für Management-Applikationen durch Drittanbieter und führen damit zu einer verstärkten Auswahlmöglichkeit für den Anwender. Dieser Markt wiederum erzeugt Druck auf die Netzwerkhersteller, zur Überwachung ihrer Produkte auf diese Plattformen zu setzen.

Diese letzte Feststellung führt wiederum sehr schnell zu der Prognose, daß nur eine geringe Zahl von Plattformen und APIs den Konkurrenzkampf überleben werden. Eine Auswahlentscheidung muß daher sehr gut überlegt sein. Designer und Entwickler von Netzwerk-Management-Systemen sollten ihr Produkt vor allem im Zusammenhang und im Vergleich mit den derzeit am Markt befindlichen und mit anderen geplanten Systemen betrachten. Dabei lassen sich im wesentlichen drei teilweise konkurrierende Trends ausmachen:

- rohe Entwicklungen, die ausschließlich auf den internationalen (Vor-)Standards basieren und als Referenzimplementation gelten können,

- proprietäre Produkte, die den anbieterspezifischen Kommunikations-Systemen angepaßt sind und daher den dabei zugrundeliegenden Anforderungen entsprechen (zum Beispiel IBM Netview, Decnet-Management),

- Spezialsysteme für große und mittlere Anwendernetze, die entsprechend den Betreiberanforderungen und -aufgaben strukturiert sind und dabei mehr und mehr auf normierte OSI-Schnittstellen bauen.

Trotz aller vermeintlichen Öffnungsbestrebungen haben die Netzwerk-Management-Systeme der großen Rechnerhersteller immer die hauseigene Netzwerkarchitektur im Blick.

Schnittstellen bedeuten oft Informationsdefizit

"Fremdprodukte" müssen sich demzufolge in der Regel anpassen, entweder durch Integration an die Hausstandards der großen Hersteller oder über Umwege durch die Anpassung an offengelegte Schnittstellen wie beispielweise den Netview-Service-Points. Letzteres bedeutet oft Informationsdefizite oder sogar -verluste, was dem Standing der Fremdprodukte im Konkurrenzumfeld der etablierten Hersteller nicht gerade hilft.

Diese Vorgehensweise ist jedoch nicht so sehr "böse" Absicht eines Herstellers, sondern dadurch bedingt, daß die Anforderungen der Netzwerk-Betreiber möglichst umfassend befriedigt werden sollen. So bietet beispielsweise die IBM ihre Netview-Familie unter dem Begriff "Rechenzentrums-Automatisierung" an und will das Spektrum an rechnergestützten Management-Systemen sowie die zugehörigen Dienstleistungen entsprechend mächtig ausstatten. Die internationale Standardisierung hinkt derzeit diesen Ansprüchen, vor allem bei der Definition der Funktionalität, um Jahre hinterher, wird sich ihnen aber letztendlich stellen müssen.

Zwar kündigte die Open Software Foundation (OSF) im letzten Herbst an, auf der Basis ausgewählter Technologien ein Distributed Management Environment (OSF/DME) als Standardplattform zu integrieren. Mit einer Freigabe von DME als Produkt sollte jedoch realistischerweise nicht vor 1993 gerechnet werden. DME enthält die notwendigen Bausteine, um Management-Anwendungen zu entwickeln und zu benutzen. Es besteht aus einer graphischen Benutzerschnittstelle und (Basis-) Anwenderdiensten wie Installation und Verteilung von Softwaresystemen, Lizenzierung, Druckerdiensten sowie der Verwaltung von Benutzergruppen.

OSF ds Plattform ist kein Alleskönner

Wesentlich für den Auswahlprozeß von OSF waren folgende Auswahlkriterien, die ganz allgemein als Leistungsmaß für Integrationsplattformen dienen können:

-Skalierbarkeit

-vollständig verteilte Funktionalität

-Einsetzbarkeit in anderen Standardumgebungen

-Interoperabilität

-Einsetzbarkeit in unterschiedlichen System- und Netz-Architekturen

-Einhaltung von Sicherheitskriterien

-Verfügbarkeit von offenen Programmierschnittstellen

-Hoher Grad der Produktreife und Stabilität

Nach OSF/1 als künftigem Standard-Betriebssystem im Unix-Bereich, OSF/Motif für die grafische Bedienung und OSF/ DCE für die verteilte Verarbeitung, könnte OSF/DME damit die Standard-Plattform für das Netzwerk-Management der Zukunft werden. Eines ist OSF/DME allerdings nicht: ein Alleskönner, der alle Probleme des Netzwerk-Managements auf einem Schlag löst. Es ist lediglich eine Plattform, auf deren hervorragender konzeptioneller Basis sich in Zukunft Netzwerk-Management-Lösungen (hoffentlich) schneller und einfacher lösen lassen.