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13.10.1989 - 

Entwicklung, Fertigung und Montage

Intel errichtet ihre erste europäische Halbleiter-Fabrik

DUBLIN (CW) - Den amerikanischen Mikroprozessor-Riesen Intel Corp. zieht es nun auch nach Europa (siehe CW Nr. 41). In Irland werden die Kalifornier ihre erste europäische Fabrikanlage errichten, in der im Endausbau mehr als 2500 Mitarbeiter beschäftigt werden sollen.

Den Bau dieses ersten europäischen Produktionsstützpunktes in Leixlip, nahe Dublin, läßt sich Intel rund 420 Millionen Dollar kosten. Dies, so der irische Minister für Industrie und Handel, Desmond 0'Malley, sei die größte Investition, die je in der irischen Elektronikindustrie getätigt wurde. Dafür aber hätten die Kalifornier ein gutes Umfeld. Rund 400 Elektronikunternehmen sind in Irland angesiedelt, deren Exporte sich im vergangenen Jahr insgesamt auf mehrere Milliarden Dollar beliefen. Der Exportanteil dieser Branche liegt in Irland bei rund 25 Prozent der Gesamtausfuhren.

Der Mikroprozessor-Spezialist aus Santa Clara will die Produktionsstätte, die ein Gelände von mehr als 280 000 Quadratmeter belegen wird, in drei Bauabschnitten errichtet. Geplant ist zunächst eine Fabrik zur Montage von Desktop-Rechnern für den europäischen OEM-Markt. In der zweiten und dritten Bauphase sollen dann zwei Werke zur Halbleiterentwicklung und -fertigung folgen, wobei das eine der Wafer-Produktion und das andere Montage- und Testzwecken dient. Insgesamt beabsichtigen die Kalifornier, im Laufe des auf zehn Jahre veranschlagten Projekts mehr als 2500 Arbeitsplätze zu schaffen.

Intel-Chairman Gordon Moore erklärte zu dem Irland-Projekt, der bevorstehende europäische Binnenmarkt mit eventuellen Handelsbarrieren hätte keine Rolle bei dieser Entscheidung gespielt: "Was uns bislang fehlte, war eine Fabrik in Europa. Jetzt sind wir hier - in der Nähe unserer Kunden."

Dennoch dürfte es dem Intel-Mitbegründer gut in den Plan passen, daß die vor Ort gefertigten Produkte durch neue Richtlinien der Europäischen Gemeinschaft einen sogenannten EG-Status erhalten. Zollabgaben fallen dadurch weg.

Begehrtes Europa

Der europäische Einheitsmarkt 1992 ist gefragt - zumindest bei den High-Tech-Firmen aus Übersee. Amerikanische wie japanische Hersteller stürmen die EG-Mitgliedsländer und stampfen eine Fabrik nach der anderen aus dem Boden: Vertriebspartner sind out, Eigenproduktion ist angesagt.

Texas Instruments baut eine Chip-Fabrik im sonnigen Italien, Toshiba zieht es mit der Laptop-Fertigung nach Regensburg, Fujitsu wiederum nistet sich mit der Halbleiterproduktion im Nordosten von England ein, während Hitachi mit einem Chip-Stützpunkt in Landshut, aber auch mit einem PC-Werk irgendwo in Europa liebäugelt.

Intel ist jetzt der nächste im Bunde: Die Mikroprozessoren - zum Teil sogar mit Desk-Top-Gehäuse - rollen schon bald in Irland vom Band. Die Beweggründe sind klar. Keiner will riskieren, 1992 plötzlich vor verschlossenen Türen zu stehen. Unangenehm stoßen zudem die Importabgaben auf.

Doch bei aller Hektik sollten die Neuen in der alten Welt nicht vergessen, ihre Produktionsstätten auch als solche zu benutzen. Denn die EG-Kommission ist auf der Hut: Schraubenzieherfabriken wie im Fall Matrixdrucker wird man schnell entlarven. Und dann ist's vorbei mit den Vergünstigungen, die die europäischen Produktionsstandorte so mit sich bringen. bk