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07.05.2004 - 

Der Chipriese nimmt wieder einmal neue Märkte ins Visier

Intel: Everywhere statt inside?

MÜNCHEN (CW) - Dem weltweit führenden Chiphersteller Intel fallen die ganz großen Wachstumssprünge zunehmend schwerer. Eine Diversifikation wäre längst angesagt. Doch bei diesem Unterfangen bewies das Unternehmen bisher alles andere als eine glückliche Hand.

Eigentlich war es wie immer. Zumindest gab es Mitte April, als Intel seine Zahlen für das erste Quartal 2004 (Ende: 27. März) veröffentlichte, keine nennenswerten Überraschungen. So konnten die Kalifornier ihren Nettogewinn gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum um 89 Prozent von 915 Millionen auf satte 1,73 Milliarden Dollar steigern, beim Umsatz legte der Chipriese um 20 Prozent von 6,75 auf 8,09 Milliarden Dollar zu (computerwoche.de berichtete).

Bemerkenswert war da schon eher der verhaltene Ausblick, den die Kalifornier für das laufende zweite Quartal gaben. Chief Operating Officer (COO) Paul Otellini sprach von einem zu erwartenden saisonbedingten Rückgang der Einnahmen gegenüber dem ersten Quartal um bis zu sechs Prozent, was einer Spanne zwischen 7,6 und 8,2 Milliarden Dollar Umsatz entspräche. Laut Otellini durchlaufe die IT-Branche derzeit einen "gesünderen" Upgrade-Zyklus bei Servern und PCs als während der durch die Euro-Umstellung und das Jahr-2000-Problem verursachten "Blasen", entsprechend "robust" sei die Nachfrage nach Chips. Man kann es aber auch so formulieren: Während die Halbleiterindustrie insgesamt schon seit geraumer Zeit den Aufschwung feiert, konnte der Branchenprimus in den beiden letzten Quartalen mit - für seine Verhältnisse - nur bescheidenen Zuwächsen dienen.

Gartner-Analyst Andrew Norwood hält dies für "normal", spricht indirekt vom Microsoft- oder IBM-Effekt - will heißen: Ein Marktführer könne, wenn er einmal einen entsprechend hohen Marktanteil erreicht hat, nur noch bedingt wachsen. Immerhin sei es Intel, wie der Branchenkenner mit Hinweis auf das vor wenigen Wochen veröffentlichte aktuelle Gartner-Ranking betont, im vergangenen Jahr - wenn auch nur knapp - erneut gelungen, über dem Marktdurchschnitt zuzulegen und seine führende Position zu halten (siehe Grafik "Weltweiter Halbleitermarkt 2003 - Intel dominiert").

Allerdings kann man Statistiken auch anders lesen. Etwa so, dass Intels Dominanz nach wie vor auf dem extrem guten Standing im klassischen Bereich Data Processing beruht. So erzielten die Kalifornier auch im vergangenen Jahr knapp 90 Prozent ihres Umsatzes (rund 27 Milliarden Dollar) mit Mikroprozessoren, Speicherbausteinen und/oder ganzen Chipsätzen für PCs, Notebooks sowie Servern.

Intel-Portfolio könnte breiter sein

In anderen Segmenten der Halbleiterindustrie, zum Beispiel bei Chips für Handys, Flachbildfernseher und -monitore sowie digitale Videorecorder und MP3-Player, spielt der Branchenprimus indes bisher überhaupt keine Rolle beziehungsweise rangiert unter ferner liefen. Intel verdanke, wie auch Gartner-Analyst Norwood feststellt, seine Marktführerschaft "lediglich dem immens großen Abstand zum Wettbewerb bei PC-Prozessoren und Speicherchips". Rund 18 Milliarden Dollar Umsatz sind es momentan, was hier den Unterschied zur Nummer zwei, Samsung, ausmacht. Doch bei den erwähnten Kommunikationschips oder Prozessoren für digitale Gadgets geben mehr denn je andere Halbleiterhersteller den Ton an: Motorola, Texas Instruments, Qualcomm, Toshiba oder Philips.

Das Hauptproblem dabei ist, dass diese Erkenntnis alles andere als neu ist. Weder bei den Analysten noch bei Intel. CEO Craig Barrett selbst leitete, nachdem er vor genau sechs Jahren den Job seines legendären Vorgängers Andy Grove angetreten hatte, im Zeichen des damaligen Internet-Booms einen nachhaltigen Strategiewechsel ein. Mehr als zehn Milliarden Dollar investierte der neue Intel-Frontmann seinerzeit in die Diversifikation des Geschäfts, kaufte beispielsweise die Mobilfunkchip-Spezialisten Level One und DSP Communications, gab dem Konzern eine neue Organisationsstruktur und legte einen eigenen Risikokapitalfonds für Internet-Startups auf.

Frühere Blaupausen sind passé

In den Blaupausen der Entwickler und Marketiers waren unter anderem neue Chips für Handhelds und UMTS-Handys sowie ein bahnbrechender Industriestandard für Netzwerkprozessoren angedacht, mit denen man Ausrüster wie Cisco Systems und Nortel Networks beliefern wollte. Gleichzeitig hatte das Thema Web-Hosting Hochkonjunktur, mit dem sich Intel Zugang zum viel versprechenden IT-Services-Markt versprach. Im Zentrum der Aktivitäten sollte nicht mehr der weitgehend gesättigt erscheinende PC-Markt stehen, sondern das Netz; statt dem geläufigen "Intel inside" sollte sich in der Branche der Slogan "Intel-Net" etablieren.

Heute ist Barrett, wie das US-amerikanische Wirtschaftsmagazin "Business Week" vor kurzem sinngemäß schrieb, um einige Erfahrungen reicher - und der Konzern um ein paar Milliarden Dollar ärmer, die als Fehlinvestition abgeschrieben werden mussten. Das Platzen der Internet-Blase, der daraufhin einsetzende Crash im TK-Ausrüster-Geschäft sowie die allgemeine Krise im IT-Markt hinterließen ihre Spuren. Das gilt nicht nur für die Intel-Bilanzen, wo es während Barretts bisheriger Ägide zeitweise herbe Umsatz- und Gewinneinbrüche gegeben hat, sondern auch für die 1998 begonnene Neuaufstellung der Company. So ist beispielsweise vom Web-Hosting oder der Produktion eigener digitaler Kameras und Audioplayer längst keine Rede mehr, dafür stand in den letzten Jahren wieder die Rückbesinnung auf das Kerngeschäft im Vordergrund.

Der ewige Kampf mit AMD

Aber auch hier kämpf(t)en die Kalifornier mit zunehmenden Widrigkeiten. Schon 1999 war es AMD mit seinem damals neuen "Athlon"-Prozessor gelungen, erstmals in puncto Leistungsfähigkeit Intels Pentium II zu übertrumpfen. Falsche Produktionsplanung und daraus resultierende Lieferengpässe taten in der Folge ihr Übriges, dass der Chipriese für eine gewisse Zeit mehr als ein Imageproblem hatte. Intel konterte seinerzeit in typischer Manier eines Marktführers und zettelte mit Dumping-Angeboten einen Preiskampf an, den AMD nicht lange mitgehen konnte und aufgrund hoher Umsatzeinbrüche und Verluste fast mit der Insolvenz bezahlt hätte.

Doch vollends abschütteln ließ sich der ewige Intel-Rivale bis heute nie. Im Gegenteil: Mit dem vor gut einem Jahr vorgestellten "Opteron"-Prozessor nahm AMD einen zweiten ernst zu nehmenden Anlauf, um Intel Paroli zu bieten. Fast noch wichtiger als die Rückkehr in die schwarzen Zahlen, die das "Opteron"-Geschäft der Company bescherte, dürfte für AMD dabei die lang ersehnte Etablierung im margen- und prestigeträchtigeren Geschäft mit Server-CPUs sein. Denn wieder einmal konnte AMD hier Intel etwas streitig machen, womit der Marktführer stets gerne hausieren geht: die Technologieführerschaft.

Während Intel nach Ansicht vieler Kritiker zu lange an der gemeinsam mit Hewlett-Packard (HP) entwickelten und bis heute nicht marktreifen 64-Bit-Plattform Itanium festhielt, für die es zu allem Überfluss derzeit auch kaum fertige Software gibt, haben Server-Hersteller wie Sun, IBM, Fujitsu-Siemens und inzwischen selbst HP angekündigt, den 64-Bit-Prozessor von AMD in ihre Workstations und Lowend-Server einzubauen.

Noch brennt nach Ansicht von Marktforschern für Intel im Geschäft mit Server-CPUs nichts an, ein Marktanteil von deutlich über 90 Prozent (laut IDC) spricht Bände. Doch das Beispiel Itanium zeige, wie die "Business Week" kommentierte, einmal mehr das mangelnde Gespür Intels für Strömungen im Markt und sei das typische Gebaren einer Company mit "Ich-mache-es-alleine-Arroganz". Gleichzeitig verbucht das Magazin diesen Sündenfall aber unter der Rubrik Vergangenheit und will von einer neuen Strategie des Intel-Managements wissen. So habe CEO Barrett bereits vor über einem Jahr die Führungskräfte des Konzerns darauf eingeschworen, dass die Eroberung neuer Geschäftsfelder erneut absolut Priorität habe. Die neue Intel-Vision ist dabei auch die alte. Sie lautet: Alles wird digital! Einmal mehr soll aus den Intel-Fabriken in absehbarer Zeit alles an Prozessoren kommen, was zum Betrieb von Flachbildschirmen, mobilen Netzen, Handhelds oder Multimedia-Handys bis hin zum PC, Notebook und Highend-Server notwendig ist.

Der Chipriese habe, so "Business Week", vordergründig nur den Slogan geändert. Statt "Intel-Net" solle es nun "Intel everywhere" heißen. Darüber hinaus hätten jedoch Konzernchef Barrett und dessen rechte Hand, COO Otellini, der in gut einem Jahr den Vorstandsvorsitz übernehmen soll, aus leidvoller Erfahrung den früheren Fehlern abgeschworen. So sei aus der rein technologiegetriebenen Company inzwischen ein kundenorientiertes Unternehmen geworden; mit Wettbewerbern strebe man jetzt - wo immer möglich - technologische Kooperationen statt einen gnadenlosen Konkurrenzkampf an.

Kooperationen statt Wettbewerberschelte

Noch vor Jahresfrist hatte sich das allerdings anders angehört, als Barrett in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" Sun-Chef Scott McNealy, der Intels Itanium-Plattform in Anlehnung an die Titanic als "Itanic" verspottet hatte, dazu riet, sich "besser um seine eigenen Produkte Sorgen zu machen". Und auch für AMDs seinerzeit schon absehbaren Erfolg mit dem Opteron hatte der Intel-Chef freundliche Worte parat, als er davon sprach, es lägen Welten "zwischen einem Stück Hardware und einer Lösung für den Markt".

Die Frage, ob Intel der quasi zweite Anlauf in neue Märkte gelingt, wird sich aber vermutlich nicht so schnell beantworten lassen. Gartner-Analyst Norwood findet jedenfalls die jüngsten Anstrengungen Intels "interessant". Er und andere Experten raten indes dazu, sich bis auf weiteres an den Tatsachen zu orientieren. Zu diesen gehört etwa, dass der Chipriese in den letzten Jahren, also während der Krise, in einem Ausmaß wie kein anderer Halbleiterhersteller in neue Produktionsanlagen investiert hat, dass Intel inzwischen zusammen mit Handy-Weltmarktführer Nokia in den für das Mobile Business entscheidenden Standardisierungsgremien den Ton angibt - und dass die Company mit Wireless-Technologien wie dem Centrino-Prozessor und Übertragungsverfahren für W-LANs ("WiFi") sowie Wide Area Networks ("WiMax") in Erfolg versprechenden Märkten strategisch gut positioniert ist.

Allerdings wird nach Auffassung von Gartner-Experte Norwood in dieser Zeitspanne der Halbleitermarkt auch "wie noch nie von Umbrüchen gekennzeichnet sein". Dies sei vor allem angesichts der immer mehr ausufernden Produktionskosten zu erwarten. Insider hatten schon vor Jahren auf die etwas andere Variante des von Intel-Gründer Gordon Moore formulierten Gesetzes hingewiesen, wonach sich alle 18 Monate die Leistungsfähigkeit eines Chips etwa verdopple.

Was kostet in Zukunft eine Chipfabrik?

Die Herstellung von Chips stoße nun aber allmählich nicht nur an ihre physikalischen Grenzen, sondern sprenge in absehbarer Zeit auch jegliche finanzielle Dimension, heißt es bei Gartner. Die Marktforscher gehen deshalb in einem Worst-Case-Szenario davon aus, dass gegen Ende des Jahrzehnts der Bau einer Chipfabrik so viel kosten könnte wie der aktuelle Umsatz der 15 größten Hersteller zusammen - also über 170 Milliarden Dollar! Gartner-Analyst Norwood rechnet deshalb trotz der bis 2008 zu erwartenden Verdoppelung des Volumens im weltweiten Halbleitermarkt mit einem Shakeout bei den Herstellern, der zunächst kleinere Spezialanbieter und OEMs treffen dürfte. Mittelfristig werde es aber zu Allianzen und Mergern kommen, die sich "heute in der Branche noch kaum einer vorstellen kann". (gh)

Risiken für Intel

- Der Umsatz ist nach wie vor extrem abhängig vom Geschäft mit Mikroprozessoren für PCs und Server (5,98 von 8,09 Milliarden Dollar im ersten Quartal 2004).

- Mit Motherboards und kompletten Chipsets, laut Gartner einer der künftigen Trends im Halbleitermarkt, erwirtschaftete Intel in der jüngsten Berichtsperiode lediglich 1,04 Milliarden Dollar.

- Wichtige Zukunftsmärkte Bereich Kommunikations- und Comsumer-Electronic-Chips sind für Intel zum Teil noch weiße Flecken auf der Landkarte. Hier hätte die Company aber in absehbarer Zeit die größten Wachstumschancen.

Abb: "Weltweiter Halbleitermarkt 2003 - Intel dominiert"

Eindeutiges Ranking: Nach Intel kommt lange nichts. Quelle: Gartner