Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

Copyright-Streit um Mikrocode für 80287-Coprozessor


11.05.1990 - 

Intel geht gegen Lieferung des AMD-Coprozessors vor

SAN FRANZISKO/MÜNCHEN (IDG/ciw) - Die Chip-Hersteller Intel Corp. und Advanced Micro Devices Corp. tragen ihren Streit um die Implementierung des Intel-Mikrocodes in den kurz vor der Markteinführung stehenden AMD-Clone des Coprozessors 80287 vor Gericht aus.

Die Intel Corp. will - genauso wie beim Rechtsstreit um den Mikroprozessor 80386 - eine einstweilige Verfügung erwirken, die AMD den Vertrieb ihres neuen 80C87 Coprozessors verbietet. Begründung: In dem 1976 geschlossenen Patent-Austauschvertrag zwischen beiden Produzenten sei zwar das Kopieren des Mikrocodes - der alle für Mikroprozessoren wichtigen Befehle enthält - zum internen Gebrauch erlaubt, der Vertrieb des Codes aber untersagt worden.

F. Thomas Dunlap, Vizepräsident von Intel, vergleicht das Abkommen mit normalen Software-Lizenzverträgen. Auch in diesen Fällen könnten Anwender Kopien für ihren eigenen Gebrauch ziehen, während der Vertrieb der Software immer eine zusätzliche Vereinbarung notwendig mache.

Peter von Bechen, Manager of Marketing Services Central Europe der AMD Deutschland, sieht die Sache jedoch anders: "Was sollen wir mit dem Mikrocode für den internen Gebrauch? Wir machen doch keine Chips, um sie selbst zu konsumieren."

Die Rechtsabteilung von Intel versuche, so von Bechen weiter, den gleichen juristischen Zug wie beim Copyright-Streit um den 80386. Auch in diesem Fall haben die Rechtsanwälte eine einstweilige Verfügung erwirkt, die es der AMD verbietet, den 80386 auszuliefern, bis die strittige Rechtsfrage vor Gericht endgültig geklärt ist.

"Wir benutzen keine Intel-Technologie", erklärt von Bechen, "sondern nur architektonische Elemente wie zum Beispiel den Mikrocode." Es sei jedoch juristisch keineswegs geklärt, berichtet der Marketing-Mann weiter, ob ein Mikrocode patentrechtlich geschützt werden könne.

Nicht zuletzt deshalb blickt AMD dem Ausgang des Verfahrens mit Zuversicht entgegen. Aber, so von Bechen, "wir liefern den 80C87 im Moment nicht aus, weil wir in dem schwebenden Verfahren keine neuen Fakten schaffen wollen".

AMD behalte sich allerdings auf jeden Fall vor, Schadenersatz von Intel zu fordern, wenn der Streit zu ihren Gunsten ausgehe.

Brancheninsider vermuten jedoch, daß der Hersteller des 80287-Coprozessors verbissen um seine Rechte kämpfen wird. Schließlich brachte im vergangenen Jahr allein dieser Baustein seinem Produzenten 400 Millionen Dollar Umsatz. Außerdem wächst der Markt für Coprozessoren nach Meinung von Analysten mit enormer Geschwindigkeit.

Er soll bereits 1993 ein Volumen von 738 Millionen Dollar aufweisen; 1989 setzten Hersteller laut Dataquest mit diesen Bausteinen insgesamt 562 Millionen Dollar um.

Milliard H. Phelps, Analyst bei der Hambrecht & Quist Inc., sieht den Rechtsstreit zwischen den früher verbündeten Produzenten auch als Warnsignal von Intel, das andere Hersteller davon abhalten soll, Chips zu kopieren.