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27.01.1989 - 

Neuer Chip treibt, geplante Entlassungen drücken den Aktienkurs:

Intel gewinnt, Natsemi verliert an der Börse

Die Ankündigung eines neuen Chips ließ den Intel-Kurs kräftig klettern. Die Absicht, 2000 Mitarbeiter zu entlassen, wirkte sich dagegen deutlich negativ auf Natsemis Aktienkurs aus. Bei Nixdorf heißt es im Augenblick abwarten und sehen, was das Unternehmen zum Geschäftsverlauf und zur Dividende sagt, meint Arnd Wolpers*.

Zu den überdurchschnittlich beachteten Werten in Wall Street gehörte in den vergangenen Wochen Intel. Intel-Chips gehören zum Innenleben der meisten Personal Computer. Das Unternehmen hatte im letzten Dezember eine neue Generation von Mikroprozessoren angekündigt, "that will run circles around current models".

Die neuen Mikroprozessoren haben eine stark erhöhte Verarbeitungsgeschwindigkeit. Codename der neuen Entwicklung ist N- 1 0. Die Neuentwicklung soll Informationen dreißigmal schneller als der 80386-Chip verarbeiten, der derzeit schnellste Intel-Mikroprozessor. Intels 80386 findet Anwendung in den IBM PCs.

Die Fachzeitschrift Microprocess Report berichtet, daß es ursprünglich nicht geplant gewesen sei, sich mit dem neuen Produkt selbst Konkurrenz zu machen. Es sei jedoch so gut gelungen, daß man sich schon jetzt zu einer Markteinführung entschlossen habe - auch auf die Gefahr hin, der Serie 80386 intern Konkurrenz zu machen.

Intel gehört zu einer Gruppe von Halbleiterherstellern, die auf die neuartigen RISC-Chips setzen. Ziel der RISC-Technik ist, Halbleiter zu entwickeln, die eine schnellere und zuverlässigere Datenverarbeitung durch eine Veränderung der Chip-Architektur ermöglichen. Mit zu dieser Gruppe gehören Motorola, Fujitsu, Advanced Micro Devices, LSI Logic und Zypress Semiconductor.

Aufgrund der Ankündigung kletterte der Intel-Kurs auf 24 US-Dollar. Bei Betrachtung der langfristigen Chart (in Dollar) wird deutlich, daß die Notiz in der Nähe des seit 1977 intakten Aufwärtstrends (Schlußkurse auf Monatsbasis) liegt.

Mit einem Kurs/Gewinn-Verhältnis von unter neun ist Intel auch im verhältnismäßig niedrigen Branchenvergleich nicht hoch bewertet. Nachdem im dritten und vierten Quartal 1988 die Gewinnschätzungen namhafter Wall-Street-Analysehäuser wie Value Line nicht erreicht wurden und der Kurs daraufhin von knapp 38 auf 20 Dollar fiel, bietet der Titel auf der Basis 24 Dollar eine vernünftige Einstiegschance.

Von Cyrus Lawrence werden unter amerikanischen DV-Herstellern derzeit Tandem Computers favorisiert. Das Unternehmen vertreibt unter der Handelsmarke NonStop. Nach dem überdurchschnittlichen Kursrückgang seit Anfang 1987 (in der Spitze Kursdrittelung) erwartet Value Line für das kommende Jahr einen leicht verbesserten Gewinn (1 , 15 Dollar je Aktie). Für Anfang der neunziger Jahre rechnet das Analystenhaus mit zirka 2 Dollar Gewinn je Aktie.

Unter den in Deutschland gehandelten DV-Werten machte Unisys auf sich aufmerksam. Unisys Corp. wird eine neue Generation von drastisch verkleinerten Minicomputern und Mainframes anbieten. Möglich ist die Neuentwicklung durch eine drastische Verkleinerung der Mikroprozessoreinheiten, die nur noch etwa ein Fünftel des Umfangs jener Trägerelemente haben, die in der bisher kleinsten Unisys-Serie A eingesetzt werden. Der Kursanstieg von Unisys in Mark (Börse Stuttgart) ist allerdings weniger auf ein Anziehen der Aktie als auf die freundliche Dollartendenz zurückzuführen.

Keine positive Kursreaktion zeigte National Semiconductor nach der Ankündigung, 2000 Arbeitskräfte (sechs Prozent der Gesamtbeschäftigtenzahl) zu entlassen. Grund der Kündigungswelle: Anpassung der Personal- und Kostenstruktur an die Auftragssituation (siehe auch Seite 40). Häufig sind bei solch "schlechten" Meldungen positive Kursreaktionen zu beobachten, wenn aufgrund der unternehmenspolitischen Entscheidungen zu erkennen ist, daß rechtzeitig auf veränderte Marktbedingungen reagiert wird.

Bei National Semiconductor war die Meinung der Analysten einhellig: Die Anpassung der Personalstruktur an die Marktentwicklung war längst überfällig.

ADV/Orga-Kurs weiter unter Druck

Während eine ganze Reihe von US-Halbleiterherstellern einen Boom während der vergangenen Jahre erlebte, gelang es National Semiconductor, aber auch Advanced Micro Devices nicht, von diesem Trend zu profitieren. Beide Unternehmen haben 1987 zu hohen Preisen Konkurrenzunternehmen aufgekauft (National Semiconductor kaufte Fairchild Semiconductor). Durch die Aufkäufe wurden erhebliche Umstrukturierungsmaßnahmen notwendig, die von den wichtigen Aufgaben der Marktanpassung abgelenkt haben. National Semiconductor notiert auf dem jetzigen Kursniveau unterhalb der Tiefstkurse von 1986 und unterhalb des Nachcrashtiefs. Technisch ein schlechtes Zeichen.

Wie problematisch die Einschätzung von DV-Unternehmen nicht nur für den Börsianer ist, zeigt der Fall ADV/Orga. Nach Kursen von knapp 400 im Jahr 1986 fiel der Titel während des Crashs auf das Niveau von 160 Mark. Während der Gesamtmarkt sich seitdem um etwa 50 Prozent erholen konnte und einige Aktien heute ein Kursniveau haben, das über dem Vorcrashhoch liegt, kam der ADV/Orga-Kurs kräftig unter Druck. Die Börsennotiz wurde Mitte Dezember für einige Tage ausgesetzt.

Auch die Ankündigung daß die Commerzbank bei dem nach eigenen Angaben mit Liquiditätsproblemen kämpfenden Unternehmen einsteigen werde, hat das Vertrauen der Aktionäre nicht nachhaltig gestärkt. Als Ursache der Liquiditätsprobleme sehen Unternehmenssprecher Investitionen im Bereich Anwendungssoftware, denen entsprechende Umsätze noch nicht gegenübergestanden hätten. Das Geschäft Informationstechnik stehe dagegen "auf festen Beinen".

Falls diese Stellungnahme zutrifft, wäre ADV/Orga ein typisches "Wachstumsopfer" und Beispiel dafür, daß High-tech-Werte für den Börsianer nicht nur außerordentliche Wachstumsphantasie, sondern auch überdurchschnittliche Risiken tragen.

Bei Nixdorf die Dividende 1988 abwarten

Dies haben auch Nixdorf-Aktionäre gespürt, deren Aktien im Dezember noch einmal unter Druck kamen. Bei 280 scheint sich jetzt so etwas wie eine Kursbasis zu bilden. Die Zwischenerholung von dem Tief kam aufgrund von Börsengerüchten zustande, daß Siemens und Nixdorf eine engere Kooperation anstreben würden. Diese Gerüchte wurden dementiert. Charttechnisch befindet sich der Nixdorf-Kurs im Niemandsland. Es könnte sich durchaus als lohnende Strategie erweisen, auf der sich bildenden Basis zwischen 280 und 300 Mark Käufe unter Tradinggesichtspunkten zu wagen, um in steigende Kurse hinein wieder abzugeben. Bevor man bei Nixdorf unter langfristigen Gesichtspunkten den Wiedereinstieg ins Auge faßt, sollte jedoch abgewartet werden, bis klare Aussagen des Unternehmens über den Geschäftsverlauf 1988 und die zu erwartende Dividende vorliegen.

Seit Juli 1988 wird Macrotron an der deutschen Börse gehandelt. Der derzeitige Kurs liegt knapp über dem Emissionskurs von 440 Mark. Bei einer Gewinnschätzung von 24,5 Mark je Aktie ergibt sich ein Kurs/Gewinn-Verhältnis von 18,2. Das 1972 gegründete Unternehmen verdiente während der ersten zehn Jahre des Bestehens sein Geld ausschließlich in der Entwicklung und im Handel mit neuen Verfahrenssystemen für den Entwurf und Test von Chips in der Halbleiterindustrie. Seit 1983 kommt eine Vertriebsschiene hinzu. Das Unternehmen handelt mit Computerperipherie. Heute stammen nur noch 40 Prozent der Erlöse aus dem Geschäft mit der Halbleiter- und Elektronikindustrie. 60 Prozent des Umsatzes entfallen auf Computer-Peripherie. Macrotron bezeichnet sich selbst als fahrenden Großhändler auf dem deutschen Druckermarkt.

Macrotron: Gut im Rennen mit Computerperipherie

Durch den Handel mit "Spezialitäten" und nicht mit Massenprodukten gelingt es Macrotron, eine Preispolitik zu betreiben, die vernünftige Erträge und akzeptable Margen ermöglicht. Für 1989 werden 27,50 Mark je Aktie als Gewinn erwartet. Mit einem Kurs/Gewinn-Verhältnis von gut 16 ist der Titel im Vergleich mit anderen deutschen Technologiewerten nicht hoch bewertet.