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31.10.1997 - 

Alpha-Technologie vor dem Aus?

Intel kontrolliert DECs Alpha-Produktion

Intel wird ferner für 700 Millionen Dollar Digitals Produktionsstätten in Hudson, Massachusetts sowie in Austin, Texas, und in Jerusalem kaufen. Der Halbleitergigant erklärte sich bereit, die Arbeitskräfte der drei Digital-Werke zu übernehmen.

Ein auf zehn Jahre angelegtes Kreuzlizenzierungsabkommen erlaubt es darüber hinaus beiden Firmen nach Aussagen von DEC-Sprecher Herbert Wenk, die Prozessor-Technologieentwicklun- gen des Vertragspartners zu nutzen.

Mit dieser Abmachung sind im Prinzip die gegenseitigen Patentrechtsklagen der beiden Firmen Makulatur. DEC hatte am 14. Mai 1997 Klage gegen Intel eingereicht. Begründung: Der Weltmarktführer bei Halbleitern habe widerrechtlich zehn Technologiepatente aus der Alpha-Prozessor-Entwicklung für die eigenen CPUs genutzt. Die Andy-Grove-Company aus Santa Clara konterte im August 1997 mit einer Widerklage. Darin bezichtigte Intel seinen jetzigen Partner DEC, dieser habe wiederum 14 Patente verletzt, die aus der Pentium-Technologie stammten.

Gegenseitige Verfahren ausgesetzt

Beide Firmen einigten sich nun, vor Gericht darauf hinzuwirken, daß die gegenseitigen Klagen ausgesetzt werden, bis US-Kartellrechtsbehörden den jetzt abgeschlossenen Deal absegnen. Danach könnten die Rechtshändel endgültig ad acta gelegt werden. Das Abkommen bedarf noch des Segens der US-Behörden, um in Kraft zu treten. Beide Firmen hoffen, daß dies innerhalb der kommenden drei bis sechs Monate geschieht.

Durch den Verkauf der Alpha-Fertigung an Intel kann DEC sich völlig auf die Entwicklung künftiger Prozessorgenerationen konzentrieren. Produziert werden die Alpha-Chips künftig von Intel, Samsung und Mitsubishi. Unklar ist allerdings, ob die Kooperation zwischen beiden Unternehmen auch das Recht für Intel einschließt, ebenso wie Samsung und Mitsubishi Alpha-Prozessoren nicht nur zu fertigen, sondern auch an Dritte zu vermarkten. Digital-Sprecher Wenk konnte diese Frage nicht beantworten. Intel-Firmensprecherin Marlo Thompson sagte, Intel fungiere lediglich als Lohnhersteller für die Alpha-Chips.

Intel wird darüber hinaus Forschungsergebnisse für neue Prozessorgenerationen nicht nur anderen OEM-Partnern, gemeint sind Rechnerhersteller, offerieren, sondern auch DEC. Dies ist insofern von Bedeutung, als Intel im Zuge der Auseinandersetzungen gedroht hatte, DEC künftig den Zugriff auf neue Intel-Technologien zu verwehren.

Alpha-Anwender sollten besorgt sein

DEC verpflichtet sich im Gegenzug dazu, Rechnersysteme zu entwickeln, die auf der neuen Prozessorgeneration "IA-64" basieren. Diese wird für Ende 1998 erwartet. Bei dieser Chiparchitektur handelt es sich um eine 64-Bit-CPU, die Intel gemeinsam mit Hewlett-Packard (HP) entworfen hat. Der IA-64-Chip ist ein direktes Konkurrenzprodukt zur Alpha-CPU, die ebenfalls in 64-Bit-Technologie ausgelegt ist. DEC wird ferner sein Unix-Derivat "Digital Unix" auf diesen Chip portieren.

Dieser Teil der Vereinbarung birgt den größten Sprengstoff des Deals, legt sich DEC doch fest, neben Hochleistungssystemen, die mit der 64-Bit-Alpha-CPU rechnen, auch solche zu bauen, die mit dem Konkurrenzchip "Merced" arbeiten. Experten wie der Prozessorguru Michael Slater kommentieren diesen Passus der beidseitigen Vereinbarung deshalb auch unmißverständlich als den Anfang vom Ende der Alpha-Technologie: "Alpha-Anwender haben gute Gründe, besorgt zu sein."

Gemäß dem nun verabschiedeten Abkommen hat Intel zudem das Recht, andere als auf Alpha-Technologie basierende Halbleiterprodukte von DEC herzustellen und zu vermarkten. Hierzu gehören etwa PCI-Bridge-Chips.

Unklarheit herrscht noch darüber, ob Intel auch das Recht hat, den von der Digital Semiconductor unter der Bezeichnung "Strongarm" produzierten Prozessor herzustellen oder zu verkaufen. DEC unterhält ein Kreuzlizenzierungsabkommen mit der britischen Firma Advanced RISC Machines Ltd. (ARM), die den Chip entwickelt hat. Intel besitzt keinerlei Vereinbarungen mit ARM, bestätigte Thompson. Der ARM-Chip kommt vor allem in Network Computern (NCs) und in sogenannten Embedded-Anwendungen zum Einsatz.