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30.05.1997 - 

Komponentenhersteller kooperieren mit dem Chipgiganten

Intel nimmt den Grafikmarkt ins Visier

Die Zeit, in der hohe Grafik-Performance der Unix-Welt vorbehalten war, neigt sich ihrem Ende zu. Chip-gigant Intel nutzt zusehends eigene Technologien und Branchen-Standards, um gemeinsam mit Microsoft und Grafikspezialisten PCs mit immer besserer Grafikleistung zu versehen.

So sollen etwa die selbstentwickelten Accelerated-Gra- phics-Port (AGP)-Spezifikationen, Intel das Tor in den professionellen Grafikmarkt öffnen. Diese werden bereits heute durch wichtige Grafikkomponentenanbieter wie ATI oder S3 unterstützt. AGP beschleunigt die Kommunikation zwischen Grafik-Subsystemen und dem Systemspeicher und verkürzt die Zeit, in der 3D-Illustrationen und Videosequenzen bereitgestellt werden. Mit den Versionen 1X und 2X ist momentan ein Datendurchsatz von 512 MB/s möglich. Bis zum Jahresende sollen mit dem 4X-Modus bereits 1 GB/s erreicht werden.

Andererseits erleichtert der Hersteller die Verbindung eigener Produkte mit der Grafikwelt durch die Lizenznahme industrieller Standards. Dies gilt etwa für die 2D/3D-Programmierschnittstelle "Open-GL" von Silicon Graphics. Seit kurzem ist Intel, wie alle wichtigen Unix-Workstation-Anbieter, sogenannter Le- vel-3-Lizenznehmer und kann die Technik an seine Kunden weiterlizenzieren. Diese können dann den Quellcode an die eigene Hardware anpassen.

Von großer Bedeutung könnte schließlich die kürzlich erfolgte Bildung einer neuen Intel-Division in Sunnyvale werden. Dort will man Grundlagentechnologien und Komponenten für den Grafikmarkt entwickeln. Vor allem komplette Systemplatinen und Chipsätze stehen dabei im Vordergrund. Für das dritte Quartal ist bereits ein "Intel 740"- Grafikchip angekündigt, der gemeinsam mit Lockheed Martin Microelectronics entwickelt wurde. Es ist offensichtlich, daß alle diese Anstrengungen darauf abzielen, PCs eine den Workstations vergleichbare Grafikleistung zu verschaffen.

Traditionelle Unix-Workstation-Anbieter wie Hewlett-Packard, Digital Equipment, IBM und Sun Microsystems sehen Intels Grafikinitiative vor allem im Zusammenhang mit dem Vordringen von Windows NT im unteren und mittleren Marktsegment (siehe Tabellen). Sie halten es allerdings für ausgemacht, daß Unix-Maschinen vor allem im High-end-Bereich auch künftig unentbehrlich bleiben.

Sicherheitshalber fahren diese Hersteller jedoch mit Ausnahme von Sun zweigleisig und produzieren auch NT-Versionen. Es sind die Kunden, die den Hersteller drängen, die Konkurrenz ins Haus zu holen. Manfred Willem, Marketing-Leiter bei Hewlett-Packard (HP), bringt es auf den Punkt: "Wir können uns nicht nur auf ein Betriebssytem verlassen. Unsere Kunden haben bereits heterogene EDV-Landschaften, was zur Folge hat, daß bei den Entscheidern Unix und Windows NT eine Rolle spielen. Das darf man als Anbieter nicht übersehen." Gleichzeitig soll die Grafikleistung der eigenen Unix-Rechner erhöht werden, indem beispielsweise die Systemleistung mit einer 64-Bit-Version des Betriebssystems verbessert (DEC und neuerdings IBM) oder neue Grafikbeschleuniger wie "Powerstorm" von Digital Equipment auf den Markt gebracht werden.

Der Erfolg dieser Verbesserungen hängt jedoch davon ab, wie stark sie von den Komponentenherstellern unterstützt werden. Bei diesen trifft der Auftritt Intels in ihrem Marktsegment bisher auf Zustimmung, und man setzt auf eine enge Kooperation.

Zu den Grafikspezialisten, die heute den AGP-Standard unterstützen, zählt ATI Technologies Inc., Thornhill, für den Intel nach eigenen Angaben einer der großen OEM-Kunden ist. Man verstehe, daß Intel sich neue Märkte erschließen müsse, habe aber "keine Angst". Die Unternehmensstrategie beinhalte vielmehr eine enge Zusammenarbeit sowohl mit Intel als auch mit Microsoft und ziele auf den PC-Markt. Erste AGP-X2-Produkte wie der für Juni angekündigte 3D-Grafikbeschleuniger "3D Rage Pro" sind dementsprechend laut ATI sowohl an den Mainstream- als auch an den professionellen PC-Markt adressiert. Zum Workstation-Markt heißt es nur, "daß der eine oder andere Computerhersteller den Chip in einer Workstation einsetzen wird." Treiber für Unix-Derivate fehlen bislang.

Ähnlich schätzt man die Situation bei S3 Inc., Santa Clara, ein. Modernste Multimedia-Technologien sollen auch künftig auf den Mainstream-PC gebracht werden. Neue Produkte wie der "Virge DX-GX"-Grafikbeschleuniger, der "Sonic Vibes"-Audioprozessor oder "Plato-PX", ein Chip, der den System-Controller und Multimedia-Beschleuniger vereint, adressieren nicht den Workstation-Markt. Die Zukunftserwartungen werden deutlich, wenn S3 einerseits die eigenen Produkte auf den MMX-Befehlssatz abstimmt, andererseits jedoch selbstbewußt hinzufügt, daß ein PC durch MMX zwar eine bessere Grafikleistungen erhält, aber erst durch einen nicht von Intel selbstproduzierten 2D- und 3D-Grafikbeschleuniger in die höchsten Leistungsbereiche vorstößt.

Auch bei 3Dlabs setzt man auf den PC-Markt und kooperiert mit Intel. Die Grafikprozessoren der "Glint"-Familie unterstützen bereits Open GL und werden mit dem neuesten Modell, dem "Glint Gamma", die AGP-Spezifikationen übernehmen.

Kunden verlangen NT-Unterstützung

3Dlabs begründet die fehlende Unix-Unterstützung mit mangelndem Kundeninteresse. So will Unternehmenssprecher Neil Trevett festgestellt haben, daß Kaufinteressierte sich nicht für die Leistungsunterschiede von NT- und Unix-Workstations interessieren, sondern "sie wollen einen PC für die 3D-Arbeiten nutzen, da ihre übrige Software ebenfalls auf einem PC läuft und nicht unter Unix." Ferner sei Unix den Kunden in der Unterhaltung zu teuer. Manche PCs würden schließlich schon heute Workstations in der Grafikleistung übertreffen und damit auch ein besseres Preis-Leistungsverhältnis aufweisen. NT-basierte PCs, so Travett weiter, werden einen großen Einfluß auf die Workstation-Industrie haben, die sich künftig wohl auf den "Higher-end-Sektor" konzentrieren müsse.

Wie stark der Sog Intels auch auf High-end-Grafikspezialisten ist, zeigt die Reaktion von Evans & Sutherland. Das Unternehmen erwirtschaftet nach eigenen Angaben 80 Prozent seiner Umsätze mit Flugsimulatoren und produziert seit langem für Workstations. Intels Grafikinitiative wird als "nicht störend" betrachtet, und die Zusammenarbeit sei rein technologischer Art. Nun will Evans & Sutherland AGP künftig in seiner "Realimage"-Technologie unterstützen und erstmals für den NT-Markt produzieren.

Spätestens hier wird deutlich, daß führende Grafikhersteller, die den AGP-Standard übernommen haben, auch eine engere Anlehnung an Intel und den PC-Markt vollziehen. Workstations und Unix spielen für sie eine untergeordnete oder gar keine Rolle.

Bedeutend für die Zukunft des Grafikmarktes könnten auch die Auswirkungen sein, die Intels Erhalt der Level-3-Lizenz für die Open-GL-Schnittstelle haben könnte. Bisher verfügen praktisch alle wichtigen Anbieter aus dem Unix-Lager über eine derartige Lizenz. Hinzugekommen sind aber auch Grafikhersteller.

Accelgraphics Inc. beispielsweise setzt ganz auf den Markt für NT-Workstations. Eine Konkurrenz zu Intel sieht der Anbieter nicht, weil die Grafikangebote der Grove-Company seiner Einschätzung nach den Konsumentenmarkt adressieren. So ist das neue 3D-Grafik-Subsystem "Acceleclips" für NT konzipiert und integriert die Realimage-Technologie von Evans & Sutherland. Gegen Lösungen für Unix-Workstations spricht laut Marketing-Vice-President Niraj Swarup, daß mit den neuen Technologien Anwender heute NT Workstations mit hoher Verfügbarkeit und Flexibilität bekommen könnten, ohne auf die Performance und das Potential von Unix-Maschinen verzichten zu müssen. 3D-Arbeiten ließen sich auf Intel-basierten Maschinen sogar schneller und effizienter erledigen.

Andere Hersteller wie Number Nine oder der deutsche Grafikspezialist Elsa sehen in Intel bisher keine Konkurrenz, da man sich auf den High-end-Bereich spezialisiert habe. Zugleich arbeitet man jedoch eng mit Intel zusammen. Reinhard Mittelmair vom technischen Support bei Number Nine sieht ein Verschwinden kleiner Grafikanbieter voraus: "Alle, die keine eigene Technologie entwickeln, können bald dichtmachen."

Jörg Mühlenberg, PR-Manager bei Elsa, faßt das künftige Panorama auf dem Grafikmarkt vielleicht am besten zusammen: "Was eine klassische Workstation-Domäne war, wird aufgrund des Preis-Leistungs-Verhältnisses von PCs übernommen. Intel kann dabei jedoch auch mit der neuen Division nicht den technischen Vorsprung der Spezialisten einholen. Eine All-over-Prozessor-Lösung kann es aufgrund unterschiedlichster Anforderungen nicht geben." Hierin schwingt sicherlich die Hoffnung mit, daß man auch künftig für die Wintel-Welt unentbehrlich bleibe oder doch zumindest im High-end-Grafikbereich eine Sonderrolle einnehmen könnte. Ob dabei Unix weiterhin dominieren wird, bezweifelt man bei Elsa, denn schon heute ist NT kombiniert mit Open GL als High-end-3D-Grafikstandard etabliert, und der Prozessor kommt von Intel.