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06.06.2006

Intel: Teilweise Abkehr vom Kommunikationsgeschäft

Der Chipmarktführer will sich von Zukäufen, die ihn vom PC-Business unabhängiger machen sollten, wieder trennen.

Betroffen sein könnten nach einem Bericht der "San Jose Mercury News" insbesondere Sparten, die der weltgrößte Halbleiterhersteller während des Dotcom-Booms teuer zugekauft hatte, um seine häufig bemängelte Abhängigkeit vom Computergeschäft zu verringern. Allerdings hatten sich diese Bereiche unter Intels Ägide dann wenig erfreulich entwickelt.

Verkauf von Xscale und Netzchips?

Loswerden möchte der im Kerngeschäft unter wachsendem Druck stehende Konzern wohl seine so genannten Application Processors für Smartphones ("Xscale") und seine Chips für Netzgeräte. Insidern zufolge gab es dazu bereits Verhandlungen mit anderen Chipbauern sowie Finanzdienstleistern. Die Wahrscheinlichkeit eines Verkaufs wollte ein Intel-Sprecher gegenüber dem "Wall Street Journal" nicht kommentieren.

Konzernchef Paul Otellini hatte Ende April eine gründliche dreimonatige Analyse des Geschäfts angekündigt, deren Ziel eine Restrukturierung und Größenanpassung zwecks Umsatzwachstum und Steigerung der Profitabilität sein soll. Intels Bruttomarge hatte im ersten Quartal unter der seines Konkurrenten AMD gelegen - was im langjährigen Wettbewerb beider Firmen selten vorkam.

In der Vergangenheit war Intel oftmals vorgeworfen worden, es sei zu abhängig von der PC-Industrie. Der Konzern versuchte, dem durch Übernahmen zu begegnen. Im März 1999 übernahm er den Netzchiphersteller Level One Communications für Aktien, die damals 2,2 Milliarden Dollar wert waren; im Oktober gleichen Jahres folgte der Zukauf von DSP Communications für 1,6 Milliarden Dollar.

Das Kommunikationsgeschäft lief aber seither schlecht. Im Geschäftsjahr 2004, als letztmals separate Zahlen für die Sparte ausgewiesen wurden, verursachte der Bereich bei fünf Milliarden Dollar Umsatz einen operativen Verlust von 791 Millionen Dollar. Speziell bei Prozessoren für Mobiltelefone verfehlte Intel seine Ambitionen. Inzwischen setzt das Unternehmen statt Smartphones verstärkt auf tragbare Minirechner ("Ultra-Mobile PC"), die mit normalen CPUs arbeiten.

"In dem großen System von einer Milliarde Mobiltelefonen pro Jahr sind wir immer noch ein Nischen-Player - und das mögen wir nicht", erklärte Otellini im vergangenen Monat auf der Hauptversammlung von Intel. Seine Firma werde sich daher verstärkt auf die kürzerfristigen Wachstumschancen der Computerwelt fokussieren.

Fokussierung liegt im Trend

David Helfrich, Managing Director der Venture-Buyout-Firma Garnett & Helfrich, sieht bei Hightech-Firmen generell einen Trend zu stärkerer Fokussierung und Trennung von Akquisitionen aus der Internet-Ära. Die Unternehmen müssten "ihre Vermögenswerte und ihre Geschäfte neu ausrichten", erklärte der Finanzmagnat, der sich mit seiner Firma darauf spezialisiert hat, Teile aus Unternehmen herauszukaufen und eigenständig aufzustellen. (tc)