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13.11.1992 - 

" Video für Windows " auf der Comdex

Intel und Microsoft arbeiten im Bereich digitales Video zusammen

MÜNCHEN (CW) - Mit einer vollkommen neuen Produkt- und Marketing-Strategie werden die beiden Unternehmen Intel und Microsoft in Zukunft im Bereich digitales Video vorgehen. Unter der Bezeichnung "Video für Windows" (VFW) vertreibt Microsoft in den USA eine neue Schnittstelle, die die Integration von Videoaufnahmen für alle Windows-Anwendungen ermöglichen soll.

Die von Intel-Chef Andy Grove in einem Interview mit der COMPUTERWOCHE geäußerten Visionen (vgl. CW Nr. 31 vom 31. Juli 1992, Seite 7: "Grove: Die Zukunft von Intel...") zur zukünftigen revolutionären Nutzung von PCs nehmen mit der Zusammenarbeit der beiden DV-Giganten konkrete Formen an. Zum Standard-Lieferumfang des neuen Video-Interfaces wird Intels "Indeo-Video" gehören, das einerseits für die Kompression und Dekompression der Videodateien sorgt und andererseits die nötigen Algorithmen für über die Software gesteuerte Hardwarebeschleunigung mit DVI-Karten bereitstellt.

Nach Microsoft-Angaben ist Video für Windows der erste Schritt, digitales Video für den PC-Massenmarkt zu erschließen. Bislang scheiterte dies am fehlenden Softwarestandard, an der beschränkten Zahl der Applikationen und relativ hoher Zusatzkosten, wenn man entsprechende Hardware-Erweiterungen kaufen wollte. Allerdings hat Apple bereits vor einem Jahr mit dem Software-Videostandard "Quicktime" ein ähnliches Interface für Macintosh-Rechner geschaffen und damit für einen beträchtlichen Vorsprung in Sachen Multimedia auf seiten der Mac-Systeme gesorgt. Video für Windows soll nun die Systeme, die bislang als "AVI" (Audio Video Interleave) und "DVI" (Digital Video Interactive) bezeichnet wurden, in einem neuen Standard zusammenführen. Damit steht Multimedia-Programmierern und -Anbietern ab sofort ein Video- Interface für Windows zur Verfügung, das gute Chancen hat, sich zu einem ähnlichen Standard wie Quicktime sowohl für professionelle Video-Multimedia- als auch für einfache Heimanwendungen zu entwickeln.

Digitales Video in Echtzeit auf dem 486er

Der neue Windows-Zusatz wird von Microsoft vertrieben. Gegenüber der CW äußerte ein Microsoft- Sprecher, man könne zu dem Produkt noch keine Angaben bezüglich der Preisgestaltung sowie der Verfügbarkeit machen.

Allerdings gehe er davon aus, daß Video für Windows schon kurz nach der Einführung in den USA auch in Deutschland zu haben sei.

Den größten Teil der Entwicklungsarbeit, besonders in Sachen Video-Algorithmen hat Intel beigesteuert. Dieser Intel-Anteil, der als Indeo-Video bezeichnet wird, sorgt dafür, daß digitales Video, jetzt in Echtzeit mit 24 Bildern pro Sekunde ohne zusätzliche Hardware auf einem 486er PC abgespielt werden kann. Zusätzlich sorgt Indeo für eine Softwarekompression der Videodaten um den Faktor 150 und für eine transparente Hardwarebeschleunigung auf 30 Bilder pro Sekunde, wenn der PC mit einem herkömmlichen DVI- Board ausgestattet ist.

VFW und Indeo geben jedem Anwender die Möglichkeit, selbst Videosequenzen in seine Windows-Applikationen einzubinden beziehungsweise sie zu produzieren. Dank der über die Software gesteuerten Kompressionsalgorithmen läßt sich das Datenvolumen von rund 60 KB eines 24-Bit-Farbvideobildes auf 4 bis 5 KB komprimieren. Ohne zusätzliche Hardware können diese komprimierten Dateien dann in Echtzeit abgespielt werden.

Auf einem 386er PC mit 33 Megahertz ist dabei eine Geschwindigkeit von 15 Bildern pro Sekunde in einem Fenster von 160 x 120 Bildpunkten möglich. Mit einem 486er Prozessor lassen sich bereits 24 Bilder pro Sekunde in einem 160 x 120-Pixel-Fenster abspielen.

Anwender, die bereits über die Zusatzkarten "Action-Media II" und "Realtime-Developers-Board" verfügen, die bislang von Intel als "DVI-Boards" vermarktet wurden, können ihre Videodateien mit einer Rate von bis zu 30 Bildern pro Sekunde in allen Bildschirmauflösungen abspielen.

Der wesentliche Vorteil des neuen Videostandards liegt

nach Angaben von Mathias Ebert, Produkt Manager DVI bei der deutschen Intel GmbH, darin, daß ein und dieselbe Videodatei jetzt -je nach den Bedürfnissen der Anwender sowohl auf PCs ohne Videohardware als auch auf ausgebauten Systemen abgespielt werden kann. Innerhalb der PC-Umgebung entfällt damit jegliche Konversion des skalierbaren Videodatenstromes für Low-end- beziehungsweise High-end-Anwendungen.

Das erste Softwarehaus, das ein Programm für das neue Interface anbietet, ist, das kalifornische Unternehmen HSC-Software mit dem Multimedia-Autorensystem "Interactive" (vgl. auch CW Nr. 50 vom 14. Dezember 1990, Seite 25: "Mit Multimedia-Datenbank..."). Damit lassen sich beispielsweise Präsentationen unter Windows entwickeln, in die sich ab sofort auch Videosequenzen von der Festplatte einbinden lassen.

Nach Angaben von Intel wird Indeo demnächst auch in Versionen für OS/2 und den Apple-Macintosh angeboten. Zusätzlich soll in nächster Zeit ein Konversionsprogramm verfügbar sein, das Apple-Quicktime-Dateien in VFW-Dateien umwandelt. Damit soll ein problemloser Austausch der Videodateien beider Systemwelten ermöglicht werden.

Das Komplettpaket Video für Windows, in dem Indeo enthalten ist, wird von Microsoft vertrieben und kostet rund 200 Dollar. Die Zusatztreiber für Anwender von DVI-Boards will man in Zukunft mit den Boards ausliefern; Anwender, die bereits DVI-Boards installiert haben, können die Treiber bei Intel beziehen.