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31.07.1992 - 

Grove nutzt Atempause nach Sieg über AMD

Intel verschiebt die Einführung der P5-CPU um mehrere Monate

MÜNCHEN (CW) - Erst im ersten Quartal 1993, statt, wie ursprünglich geplant, schon zum Ende dieses Jahres will die Intel Corp. den "P5", den Nachfolger des 80486, auf den Markt bringen. Intel-Sprecher Jim Jarret erklärte, die Entwicklung des Chips liege zwar im Plan, doch wolle man sich mehr Zeit nehmen, um den Prozessor auszutesten. Das habe außerdem den Vorteil, daß Produktionskapazität für die gestiegene 486er Nachfrage frei bleibe und man sich besser auf die Massenfertigung des P5 vorbereiten könne.

Die Anwender werden also voraussichtlich zwei bis drei Monate länger auf PCs mit Intels neuem Top-Rechenwerk warten müssen. Ein Intel-Manager sagte aber, daß einige Hersteller die ersten P5-PCs trotzdem schon auf der Herbst-Comdex vorstellen könnten. Die US-Börse reagierte auf die Verschiebung gelassen. Der Kurs der Intel-Aktie fiel danach zwar um 1,25 Dollar auf 55,25 Dollar, stieg aber schon am folgendem Tag wieder auf 57,5 Dollar.

486er Trauma soll sich nicht wiederholen

Paul Otellini, Vice-President von Intels Mikroprozessor Abteilung, versicherte, daß es nicht an unvorhergesehenen Bugs liege, daß man die Premiere der CPU verlegt habe. Intel wolle einfach sichergehen, ein fehlerfreies Produkt auszuliefern. Reiner Mauther, Leiter des technischen Marketings bei der Intel GmbH * sagte: "Wir haben den Chip mit verschiedenen Betriebssystemen ausprobiert, darunter Unix und OS/2, und haben keine gravierenden Bugs mehr entdeckt." Mauther weiter: "Es sind zwar noch ein paar Fehlerchen drin, aber das ist zu diesem Zeitpunkt ganz normal."

Das ist Intels Trauma: Ein Fehler in der Konstruktion eines Chips, der erst entdeckt wird, nachdem das Produkt bereits einige Zeit auf dem Markt ist. Genau das war dem CPU-Produzenten vor zwei Jahren mit dem 486er passiert. Die ersten Rechner mit dem neuen Prozessor waren schon ausgeliefert, und gerade wollte das Andy-Grove-Unternehmen die Produktion hochfahren, als PC-Hersteller von Bugs berichteten Vin Dahm, der General Manager von Intels Mikroprozessor-Abteilung in Santa Clara, zitierte das Wall Street Journal mit den Worten: "So etwas habe ich einmal erlebt, und ich möchte es kein zweitesmal erleben." Dahm ist für das Testen des P5 verantwortlich.

Durch die Verschiebung hat Intel auch mehr Zeit, die Serienfertigung des P5 vorzubereiten. Dadurch könne man schneller als sonst möglich mit der Massenfertigung beginnen, sagte Otellini. Als das Unternehmen den 80386er eingeführt hatte, waren viele PC-Hersteller verstimmt, weil das Rechenwerk nicht in der benötigten Menge geliefert werden konnte.

Schließlich kann Intel durch diese Entscheidung auch die Nachfrage nach dem 80486 besser befriedigen, die nach den Worten von Mauther "riesig" ist Denn der P5 würde von Fabriken in New Mexico und Oregon gefertigt werden, die bisher den 486er herstellen. Diese Produktionskapazität würde dann wegfallen. Vor kurzem hat Intel die Preise für den derzeitigen PC-Spitzen-Prozessor drastisch gesenkt, worauf die Verkaufsziffern in die Höhe geklettert sind.

Insider meinen, daß Intel-Chef Grove mit der Verschiebung eine Atempause nutzt, die ihm unlängst ein US-Bundesgericht verschafft hat. Die Richter hatten der Intel-Wettbewerberin Advanced Micro Devices Inc. (AMD) verboten, den Microcode von Intels 80486 Prozessor für ihren Nachbau der CPU zu verwenden, der eigentlich Ende des Jahres erscheinen sollte. Nun wird der Klon mindestens ein halbes Jahr später erscheinen, erwarten Experten

Dadurch mildert sich auch der wirtschaftliche Druck auf Intel was dem Unternehmen mehr Zeit für die Einführung des P5 gibt. AMD hatte Intel zuletzt mit einem Nachbau des 80386 zugesetzt. Der Bestseller konnte schnell einen weltweiten Marktanteil von 30 Prozent gewinnen. (Siehe auch Interview mit Andy Grove auf Seite 7, den Beitrag auf Seite 22 und den Artikel über den Rechtsstreit zwischen Intel und Cyrix auf Seite 6 in dieser Ausgabe.