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12.02.1993 - 

P5-Rechner erst ab Ende Mai 1993

Intel verschiebt erneut die Auslieferung des Pentium-Chip

Wie das "Wall Street Journal" am Montag meldete, bestaetigte Intel Geruechte, nach denen Rechnerhersteller gebeten wurden, die Vorstellung ihrer neuen, auf dem Pentium basierenden Geraete um zwei Monate hinauszuschieben. Zwar will man, wie geplant, waehrend der CeBIT Ende Maerz die technischen Details offenlegen, die Markteinfuehrung - traditionell mit der Vorstellung der ersten Rechner - soll aber erst Ende Mai 1993 erfolgen.

Intel-Firmensprecherin Birgit Fischer von der deutschen Niederlassung in Feldkirchen erklaert die Verzoegerung damit, dass man sich einen genuegend grossen Lagerbestand an neuen CPUs schaffen wolle, um die erwartete Massennachfrage zuegig befriedigen zu koennen. Dem steht gegenueber, dass die Marktforscher der amerikanischen Computer Intelligence/Infocorp nur einen Absatz von 200 000 Pentium-CPUs fuer 1993 vorhersagen, ein geringer Anteil an den 30 Millionen Rechenwerken, die Intel nach eigenen Angaben in diesem Jahr produzieren will.

"Das grosse Geschaeft ist der 486", meint denn auch John Joseph, Analyst bei Kidder Peabody & Co. Dass die Produktionsstaetten momentan mit dem 486er- Chip ausgelastet sind, bestaetigt auch Birgit Fischer, so dass man entscheiden muesse, welche Typen in welchen Stueckzahlen produziert werden sollen.

Die Industrie berichtet ueber zweierlei Probleme, die Intel noch mit dem Pentium habe: Zum einen hohe Waermeabgabe und zum anderen die Notwendigkeit, die Software - sowohl Betriebssysteme als auch Anwendungssoftware - zu rekompilieren, um die Leistungsfaehigkeit des Pentiums voll zu nutzen. Intel-Firmensprecher spielen zwar die Hitzeprobleme mit dem Hinweis auf die hohe Integration des Chip- Designs und der Taktfrequenz herunter, jedoch scheinen selbst die 66-Megahertz-Geraete trotz Kuehlaggregat und starkem Geblaese zu warm zu werden. Zumindest laeuft aus diesem Grund im kuerzlich von SNI vorgestellten Server PCE-5S der Pentium nur mit 50 Megahertz. Eiskappen und starke Luefter werden jedenfalls die Verwendung des Pentiums in Laptop-Rechnern vorerst ausschliessen.

Der neue RISC-Prozessor (mit einem zehnprozentigen CISC-Anteil wegen der Abwaertskompatibilitaet) wird in Hannover in zwei Versionen vorgestellt werden: einer 60-Megahertz- und einer 66- Megahertz-Loesung. Die zweite Version wurde entwickelt, weil nur dieser Chip spaeter auf hoehere Taktfrequenzen gebracht werden kann.

Was das Compilerproblem angeht, so hat sich verbreitet, dass alle Software-Applikationen erst rekompiliert werden muessen, bevor die 60 Megahertz des neuen 64-Bit-Designs ihre Schnelligkeit zeigen koennen. Die superskalare Architektur des Pentiums erlaubt die Ausfuehrung von zwei Befehlen pro Zyklus gegenueber nur einem bei den frueheren Intel-Zentraleinheiten. Ohne Rekompilierung der Software "wird der Anwender den Unterschied gar nicht merken", zitiert Infoworld einen amerikanischen Hardwarehersteller. Intel ist damit auf die Mitarbeit der grossen Softwarehaeuser angewiesen, schnell rekompilierte Versionen der gaengigen Programme anzubieten.

Speziell auf dem Server-Markt, den Intel laut Infoworld mit dem Pentium anvisiert, planen Firmen wie HP, IBM, Compaq, AST, Unisys oder NEC, Multiprozessor-Rechner zeitgleich mit dem neuen Chip vorzustellen. Dass Windows NT als neue Oberflaeche auf einigen dieser Rechner in Zukunft laufen soll, ist zu erwarten.

Bemerkenswert ist, dass die erste Version von NT nicht fuer den Pentium optimiert sein wird. Obwohl zum Beispiel HP das Design zukuenftiger Pentium-basierender Server komplett ueberarbeitet hat und Compaq sogar eigene ASICs zur Unterstuetzung des Pentium in der Vier-Prozessor-Maschine herstellt, wird bei den meisten zukuenftigen Pentium-Rechnern der 64-Bit-Chip in ein 32-Bit-Design gepresst. Denkbar ist eine Integration von Compilern direkt auf einem Chip, wie das von Fachleuten fuer den P6 erwartet wird. Allerdings muss dann die Anwendungssoftware passend programmiert sein - Intel begibt sich damit wieder in die Haende der grossen Software-Anbieter.