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23.08.1991 - 

Es ist ein vernünftiges Miteinander entstanden

Intelligent Buildings stellen hohe Anforderungen an die Technik

Seit gut drei Jahren ist der Begriff "Intelligent Building" in aller Munde. Eine klare Definition indes gibt es bislang nicht. So denkt der eine dabei zunächst an ein modernes Verkabelungssystem, einem zweiten kommt es speziell auf die Raumgestaltung an, dem dritten geht es rein um die Stromversorgung. Was es alles bei der Planung eines derartigen Gebäudes zu berücksichtigen gilt, schildert Harry Schnabel*.

In den Büro- und Verwaltungsgebäuden hat sich in den vergangenen zehn Jahren ein steter Wandel vollzogen. Der Arbeitsplatz vereinigt heute vom PC über Drucker bis hin zum Grafikbildschirm mit Telefon einen Wust an Technik, der von den wenigsten DV-Herstellern vorhergeahnt wurde. Da die Anbieter sich zudem mit Prognosen zurückhalten, wie und was sich in den nächsten fünf bis zehn Jahren ändern wird, sind Vorausplanungen in Sachen Intelligent Building zum Teil sehr schwierig.

Für den Berater stehen bei diesem Thema gleich mehrere Fragen im Mittelpunkt. Dazu gehören unter anderem:

- Wie hoch ist das Sicherheitsbedürfnis?

- Mit welcher Speicherkapazität ist in den nächsten fünf Jahren zu rechnen?

- Was passiert beim Ausfall der DV-Anlage?

- Wie lange ist ohne schwerwiegende Folgen ohne DV-System auszukommen?

- Welche Kommunikationsmittel kommen in den Büros zum Einsatz?

- Wie viele Mitarbeiter arbeiten in einem Raum?

- Ist geplant, mit Combi-Büros zu arbeiten?

Dieser Katalog läßt sich beliebig verlängern. Doch bereits die genannten Fragen kann der Nutzer nur bedingt beantworten. Zudem gelangt selbst der erfahrenste IS-Manager schnell an einen Punkt, wo er anfängt zu philosophieren.

Architekten haben durch die große Ansammlung von Technik in den Gebäuden zu einer völlig neuen Denkweise in der Gestaltung finden Müssen. Dabei ist aber zur Freude der Berater und Planer ein vernünftiges Miteinander entstanden was von Vorteil für den Anwender ist. Von entscheidender Bedeutung bei der Gestaltung von Gebäuden ist der Aspekt der Sicherheit. So sollte es beispielsweise bei einer videoüberwachten "Außenhaut" möglichst wenige Vorsprünge geben. Auch gewährleistet nur ein einziger Zugang zum Gebäude für Mensch und Material klare Kontrollen.

Die Nutzer sind heute mehr denn je spezialisiert und haben durch gegenseitige Information einen Wissensstand über viele Teilprobleme, der manchem Berater zu schaffen macht. Dies hat aber auch zur Folge, daß die Nutzer alle nur sinnvollen Berater und Planer einsetzen, um das Risiko einer Fehlinvestition zu minimieren und doppelte Planungen zu vermeiden.

Für ein Konzept sollten unbedingt folgende Angaben vorliegen:

- Anzahl der Mitarbeiter,

- Größe der Module für die bedienerlosen Rechnerräume,

- Größe der Technikflächen, Größe der Technikräume pro Etage,

- Raumhöhen, die aufgrund der Versorgungsmedien entstehen, sowie

- Diagramme über Zusammenhänge von Personen-, Material- und Maschinenfluß.

Ansprüche werden immer größer

Angaben über die einzelnen Sicherheitszonen mit der dazugehörigen Flächenordnung sind dem Ganzen überzuordnen.

Aus dieser Aufgabenstellung ergibt sich für die Beratung und Planung eines Intelligent Building, daß die Ansprüche immer größer werden, um

- den nötigen Komfort für den Mitarbeiter zu erreichen,

- die Verfügbarkeit des gesamten DV-Bereiches auf annähernd 100 Prozent zu bringen,

- dabei vor fremden Zugriffen zu schützen und

- im Katastrophenfall nach kurzer Zeit mit dem System wieder zur Verfügung zu stehen.

Hat man vor Jahren das Rechenzentrum der Öffentlichkeit aus Prestige- und Werbegründen gerne gezeigt, so geht man heute den umgekehrten Weg: Die DV-Anlagen werden versteckt, um Anschlägen zu entgehen. Bei zwei Projekten in der Nähe von Düsseldorf sind die bedienerlosen DV-Maschinenräume unter der Erde beispielsweise so angeordnet, daß sich die Prozessoren und Speichermedien statt in einem großen Raum in mehreren "Raummodulen" befinden.

Dies hat gleich mehrere Vorteile. Zum einen ist bei Beschädigung durch Brand oder Wasser der andere Raum noch nutzbar, so daß mit der Beschaffung von Ersatzhardware die Produktion kurzfristig wieder aufgenommen werden kann. Zum anderen ist ein hoher Grad an Sicherheit gegeben, denn die Möglichkeit des Zutritts und des Angriffs von außen wird auf ein Minimum beschränkt.

Die notwendigen technischen Hilfsmittel, wie Elektro-, Klima-, Kaltwasser- sowie Lösch- und Schutzeinrichtungen, sind zwar in der gleichen Etage angesiedelt, jedoch durch entsprechende Anordnung der Transport- und Zugangswege von den Wegen zum DV-Maschinenraum strikt getrennt. Daraus ergibt sich zwangsweise und gewollt eine klare Zutrittskontrolle für die verschiedenen Bereiche und die dazugehörigen Mitarbeiter.

Der Technik für die DV-Anlagen wird immer mehr Augenmerk gewidmet, zumal sich die Prophezeiungen vieler DV-Hersteller, mit der Steckdose allein werde bereits eine ausreichende Stromversorgung erreicht, nicht erfüllt haben. Im Gegenteil: Die Hersteller steigern ihre Anforderungen hinsichtlich der technischen Infrastruktur zunehmend. Hinzu kommt, daß die Versorgungsunternehmen der Kommunen die von den Computeranbietern geforderten Toleranzen nicht garantieren können. Daraus ergibt sich, daß für ein neu zu erstellendes oder umzubauendes Gebäude hohe Anforderungen an Technik, Versorgungswege sowie an die Etagenverteiler mit den nötigen Kabelwegen zu stellen sind.

Der immense Fortschritt in der Vernetzung der Kommunikationswege mit den Verteilerkomponenten gibt Anlaß zu der Hoffnung, daß die Kabel zunehmend dünner werden. Dies hätte zur Folge, daß Hohlraumboden in den Etagen nicht mehr voller Kabel liegen müßten und die vertikalen Schächte wieder zumutbare Größen erhielten. Das könnte den Bauherrn gar veranlassen, auf den Hohlraumboden zu verzichten. Nur: Das komfortable Büro - ausgerüstet mit PC, Grafikbildschirm, Laserdrucker und Monitor verlangt mehr Stromanschlüsse. Wo aber viel elektrische Leistung verbraucht wird, entsteht Wärme. Diese wiederum führt bei höheren Außentemperaturen zum Schwitzen und damit zum körperlichem Unbehagen mit all seinen negativen Erscheinungen am Arbeitsplatz. Wird deshalb eine Klima-Anlage oder eine unterstützende Kühlung für die Büros installiert, ist der Doppelboden beziehungsweise der Hohlraumboden zur Aufnahme von Lüftungskanälen und Rohrleitungen zu empfehlen.

Es würde zu weit gehen, in dieser Betrachtung die Möglichkeiten der sicheren Versorgungstechnik auszufahren. Ob nämlich unterbrechungsfreie Stromversorgung, Diesel oder das Netz der Stadtwerke zur Stromversorgung verwendet werden, läßt sich nur durch eine seriöse, fachliche Untersuchung klären.

Zu berücksichtigen ist ferner, daß die DV-Anlagen zunehmend operatorlos betrieben werden. Damit gewinnt auch hier die technische Überwachung und Bedienung immer mehr an Bedeutung. So war für einen Kunden im Frankfurter Raum mit einem Roboter die Lösung für ein operatorloses Rechenzentrum gefunden, das gleichzeitig als Ausweichrechenzentrum im Katastrophenfall einsetzbar ist. Der Roboter übernimmt hier die Bedienung der DV-Anlage, die technischen Überwachungs- und Schutzeinrichtungen melden zur 20 Kilometer entfernten Zentrale den jeweiligen Status oder den Störfall.

Trends, aber keine fertigen Konzepte

Wer sich heute mit der Planung von intelligenten Gebäuden beschäftigt, wird nirgends ein fertiges Konzept finden. Immerhin aber zeichnen sich Trends ab. Der Arbeitsplatz ist mit hochwertigen Kommunikationsmitteln ausgerüstet. Die Bedienung wird weiter vereinfacht und die Verknüpfung mit anderen DV-Anlagen verstärkt fortgesetzt.

Die Anforderungen an die Versorgungstechnik erhöht sich exponentiell mit der gewünschten Verfügbarkeit der Systeme. Last, not least wird das Abschalten der Maschinen am Wochenende zwecks Wartungsarbeiten schon bald der Vergangenheit angehören.