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18.04.1980 - 

Anwenerbericht GfK-Nürnberg:

Intelligente DE-Lösung nutzt Hostvorteil aus

NÜRNBERG - Die Berichtsproduktion für die europäische GfK-Gruppe wird im Nürnberger Großrechenzentrum der Marktforscher abgewickelt. Die ausländischen GfK-Töchter klagten bisher über die Verzögerung, die durch den Postversand entstand. Jetzt werden in einigen GfK-Gesellschaften intelligente Datenerfassungsgeräte von MDS eingesetzt.

Die GfK, Gesellschaft für Konsum-, Markt- und Absatzforschung e. V. in Nürnberg, bietet zusammen mit ihren in- und ausländischen Tochtergesellschaften ein umfangreiches Spektrum moderner und adäquater Methoden zur Untersuchung wirtschafts- und sozialwissenschaftlicher Problemstellung im Marktforschungsbereich an. Sie ist über ihre Beteiligungen in nahezu allen Ländern Westeuropas repräsentiert.

Zur Bewältigung der in diesem Aufgabenbereich anfallenden großen und komplexen Datenmengen, und um die von den Kunden verlangten vielschichtigen Marktforschungsanalysen schnell und flexibel auswerten zu können, wird die gesamte Berichtsproduktion im Groß-

Rechenzentrum der GfK in Nürnberg abgewickelt. Dem dadurch gegeben Vorteil der einheitlichen Software-Entwicklung und -Nutzung sowie der Hardwarekosten-Degression stand jedoch für die ausländischen Gesellschaften der Nachteil der zeitlichen Verzögerung durch den Postversand gegenüber.

Zwischenlösung mit Disketten konnte nicht befriedigen

Aus diesem Grunde werden seit Mitte vergangenen Jahres bei einigen ausländischen Beteiligungen Distributed Processing-Systeme Serie MDS 21 eingesetzt, um einerseits einfache Datenerfassungs- und, Auswertungsprogramme im Offline-Verfahren vor Ort abzuwickeln und andererseits mit der gleichen Hardware Datenfernverarbeitung zum GfK-Rechenzentrum zu realisieren. Die dabei bisher gewonnenen Erfahrungen haben gezeigt, daß sämtliche betroffene Arbeitsgänge erheblich beschleunigt und die an das System gestellten Anforderungen in allen Punkten erfüllt wurden.

Die Nutzung der MDS 21-Systeme soll am Beispiel des Marktforschungsinstruments "Haushaltpanel" verdeutlicht werden. Bei einer repräsentativ ausgewählten Stichprobe von Haushalten werden die Einkäufe ausgewählter Warengruppen erfaßt und zusammen mit den sozio-demographischen Merkmalen der Verbraucher zu marketinggerechten Analysen verknüpft. In der früher bestehenden Organisationsform wurden die wöchentlich von den Haushalten eingesandten Einkaufsmeldungen auf ein Belegleseformular vercodet, nach Nürnberg geschickt und über einen Seitenleser eingegeben. Dabei wurden umfangreiche Plausibilitätskontrollen mit Hilfe einer Artikelprüfdatei durchgeführt, in der alle pro Artikel relevanten Daten wie Preisgrenzen, Mengeneinheiten, mögliche. Einkaufsstätten etc. abgespeichert sind.

Die Fehlernachbearbeitung erfolgte anschließend teils in Nürnberg (Lesefehler), teils bei ausländischen Töchtern. Dieses Verfahren zeigte sich gerade im Ausland als nachteilig, weil bei mangelnder Schriftqualität der Belegleser einen hohen Prozentsatz an Lesefehlern lieferte und nicht zuletzt der Postweg ins Ausland bis zu vier Tage in Anspruch nahm.

Bei zwei Beteiligungen wurde die Erfassung deshalb bereits auf Disketten-Erfassungsplätze gelegt, wobei die beschriebenen Disketten auf Band konvertiert und das erstellte Band nach Nürnberg gesandt wurde. Diese Zwischenlösung konnte aber aus Kapazitäts- und ergonomischen Gründen nicht befriedigen.

Neben der Datenerfassung lagen im weiteren Produktionsbereich noch eine Reihe anderer zeitkritischer Arbeiten, die man ebenfalls verbessern wollte.

Marktforschungsanalysen dienen als Grundlage von oft weitreichenden unternehmerischen Entscheidungen.

Im Rahmen des absatzwirtschaftlichen Entscheidungsprozesses werden Marktforschungsdaten zur Kontrolle der eigenen und auch der Vertriebsaktivitäten, Marktanteilsentwicklung der Konkurrenz herangezogen. Die Einführung neuer Produkte, Preisänderungen, Werbemaßnahmen und Handelsaktionen werden mit Hilfe von Marktforschungsanalysen vorbereitet und in ihrer Wirkung kontrolliert. Es versteht sich von selbst, daß Informationen über Marktveränderungen um so wertvoller für den Marketing-Manager sein werden, je eher er sie analysieren und entsprechend reagieren kann. Der zwischen drei und fünf Tage beanspruchende Postweg ins Ausland ist von unseren Partnern als schwerwiegender Nachteil der zentralen EDV empfunden worden.

Aufgrund der geschilderten Situation wurde für das geplante System ein Anforderungskatalog zusammengestellt (siehe Kasten).

Anhand dieser Liste wurden die Angebote verschiedener Hersteller untersucht und man entschied sich schließlich für das MDS-System, das bei einem sehr günstigen Preis-/Leistungsverhältnis alle geforderten Merkmale in sich vereinigen konnte.

Das erste System wurde im Juni 1979 bei der GfK-Sverige in Schweden installiert. Im ersten Halbjahr l980 werden sukzessive weitere Systeme in Belgien, Österreich, der Schweiz, Frankreich und bei der GfK in Nürnberg selbst im Einsatz sein.

Die Systeme sind nach den individuellen Bedürfnissen der einzelnen Tochtergesellschaften konfiguriert. Allein gemein ist der Fernanschluß für die Kommunikation mit dem Rechenzentrum in Nürnberg. Die Übertragung erfolgt über Wählleitung mit einer Geschwindigkeit von 2400 b/s. Das System in Nürnberg dient neben der zentralen Programmerstellung und -wartung hauptsächlich als dedizierter Systemdrucker, über den der List-Output der Programmierabteilungen laufen soll. Das Warten auf Umwandlungslisten wird dadurch auf ein Minimum reduziert. Daneben dient das System als zentraler Diskettenleser. Die geplante Anschaffung eines separaten Diskettenlesers für die zentrale EDV konnte damit entfallen.

Die Anwendungsprogramme wurden in der höheren Programmiersprache Mobol (Mohawk Business Oriented Language) geschrieben, die schon nach kurzer Einarbeitungszeit durch ihren beachtlichen Befehlsvorrat und den eleganten Möglichkeiten zur Programmierung von Dialogen überzeugen konnte. Zusammen mit dem dazugehörigen Compiler, dem Editor zur Bearbeitung von Source-Dateien und den Unterstützungsroutinen zum Test von Programmen stellt MDS dem Anwender ein vollständiges und effektives Werkzeug zur eigenen Programmerstellung bereit.

Bis zum heutigen Zeitpunkt sind zwei Anwendungsprogramme im Einsatz; eines zur Datenerfassung und -korrektur im Bereich des Haushaltpanels und ein anderes für die Stammdatenpflege der berichtenden Haushalte.

Dialog in Landessprache

Bei der Datenerfassung wurden in den Erfassungsvorgang alle Plausibilitätsprüfungen eingebaut, die technisch möglich und sinnvoll erschienen. Dabei ergibt sich in diesem speziellen Anwendungsfall das Problem, daß die durchzuführenden Prüfungen sehr komplex und häufigen Änderungen unterworfen sind. Deshalb müssen die Daten im zentralen Rechenzentrum mit Hilfe einer umfangreichen, auf Großplatte gespeicherten Prüfdatei auf ihre Richtigkeit geprüft werden. Auftretende Fehler werden zum Terminal übertragen und in einem eigenen Programmzweig korrigiert.

Das Stammdatenprogramm umfaßt im wesentlichen die Adreßverwaltung sowie das Erfassen der Rücklauf-Informationen, die über das Berichtsverhalten der Panel-Teilnehmer Auskunft gibt. Als Ausgabe liefert das Programm Adreß-Aufkleber, wobei der Ausdruck nach verschiedenen Kriterien gefiltert werden kann, sowie eine Reihe von Protokollen und Statistiken.

Vorgesehen und zum Teil bereits in der Entwicklung sind Programme zur Erfassung von Daten in anderen Tätigkeitsbereichen der GfK (Handels-, Umfrageforschung), wo das Problem einer möglichst variablen Erfassungsmaske zu lösen ist.

Die Problematik bei allen Anwendungsprogrammen liegt in der Tatsache, daß alle Dialoge in der Sprache des jeweiligen Landes programmiert werden müssen, gleichzeitig die Programmlogik jedoch für alle die gleiche ist. Dank der Struktur von Mobol (Definition der Bildmasken in einer eigenen Sektion, Textkonstanten) konnte dieses Problem relativ einfach gelöst werden.

Arbeitsabläufe gestrafft

Bei der Implementierung der Datenfernverarbeitung machen es die von MDS angebotenen Dienstprogramme dem Benutzer relativ einfach, mit dem Host-Rechner in Nürnberg unter dem Spool-System Power/VS zu kommunizieren. Nachdem in der Anfangsphase im BSC 2780-Modus übertragen wurde, wurde bald auf BSC 3780 übergegangen, da dieses Verfahren von der Übertragung her schneller ist und von der von MDS gelieferten Software her mehr Möglichkeiten bietet. Jedem Terminal ist eine Systemdiskette beigegeben, auf der der Benutzer sowohl die notwendigen Dienstprogramme als auch die Power-Kommandos findet, die zum Übertragen von List- oder Punch-Queue-Output zum Terminal erforderlich sind.

Der Einsatz der Distributed Processing-Systeme MDS 21 zeigte bereits nach kurzer Zeit die erhofften Vorteile. So konnten, nicht zuletzt durch den Anschluß der Terminals an das Rechenzentrum, viele Arbeitsabläufe gestrafft und zeitlich verkürzt werden. Die Erfassungsplätze wurden von den Coderinnen sehr gut aufgenommen, wobei bereits nach kurzer Einarbeitung hohe Eingaberaten erreicht wurden. Insgesamt konnte der Abschluß im Verbraucher-Panel um gut eine Woche nach vorne verschoben werden.

Die mit der Serie MDS 21 gewonnenen Erfahrungen und die von MDS angekündigte 3270-Kompatibilität dieser Systeme ermutigt weitere Anwendungen darauf zu übernehmen. Speziell für die in unserem Unternehmen gestellten Anforderungen vereinigt die vorgestellte Konzeption in optimaler Weise den Vorteil der preisgünstigen, programmierbaren und mit Fernverarbeitung ausgestatteten MDS-Terminalsysteme mit dem Vorteil der Nutzung eines Großrechenzentrums mit je einer IBM 3031 und IBM 370/145, die im DOS/VS betrieben werden.

Die Konzeption ist durch eine starke Zentralisierung geprägt, denn nur so lassen sich die folgenden Vorteile realisieren:

- Hardwarekosten-Degression

- einheitliches Betriebssystem

- zentrale und damit kostengünstige Softwareentwicklung

- Durchführung von komplizierten, leistungsstarken CPUs voraussetzende Marktforschungsanalysen

- einheitliche, abgesicherte Methodenanwendung in allen Beteiligungen der GfK-Gruppe.

*Gerhard Kirschner ist Leiter der EDV bei der GfK, Gesellschaft für Konsum-, Markt- und Absatzforschung e. V. in Nürnberg.